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Die Darstellung des Kindsmords im deutschen Drama

H. L. Wagners 'Die Kindermörderin' und Goethes 'Faust I'

Die Darstellung des Kindsmords im deutschen Drama
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Nicole Bischoff
  • Abgabedatum: August 2006
  • Umfang: 31 Seiten
  • Dateigröße: 312,9 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
  • Bibliografie: ca. 18
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0006-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bischoff, Nicole August 2006: Die Darstellung des Kindsmords im deutschen Drama, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kindsmord, Deutsches Drama, Faust, Goethe, Kindermörderin

Bachelorarbeit von Nicole Bischoff

Zusammenfassung:

In der Arbeit geht es um das Thema des Kindsmords im deutschen Drama, das sich vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Zuge der Aufklärung und des Sturm und Drang mit dem Schicksal der Frauen beschäftigte. Wagners „Die Kindermörderin“ und Goethes „Faust I“ werden in der Arbeit auf diese Thematik hin untersucht.. Das Herausarbeiten der unterschiedlichen Umsetzungen des Motivs in den beiden Trauerspielen steht dabei im Vordergrund.

Zunächst geht es um einen historischen Abriss des Themas, um Diskrepanzen zwischen der historischen Realität und der literarischen Umsetzung aufzuzeigen und so einen besseren Überblick über die literarische Entwicklung zu gewinnen. Dabei werden die rechtlichen Sanktionierungen, unter anderem die Peinliche Gerichtsordnung aus dem Jahre 1532, die lange Zeit maßgebend für die Verurteilung der Kindsmörderinnen war, und das soziale Milieu zum Gegenstand der Untersuchung. Das Beispiel der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt, die 1772 in Frankfurt hingerichtet wurde, zeigt die zuvor genannten Punkte noch einmal auf.

Im dritten Teil der Arbeit werden die Entstehung der Kindsmordthematik und die Entwicklung der öffentlichen Diskussion im Zuge der Aufklärung und des Sturm und Drang skizziert. Ein kurzer Exkurs thematisiert die im Jahre 1780 gestellte Mannheimer Preisfrage zur Verhinderung des Kindsmords. Der Kindsmord im deutschen Drama wurde in der Zeit von 1760 bis 1780 häufig umgesetzt, je nach Interesse und Intention des Autors. Ein Ausschnitt aus dieser Zeit wird skizziert und die Vielseitigkeit des Motivs als gesellschaftskritisches Moment unterstrichen.

Im Hauptteil geht es zunächst um das Drama „Die Kindermörderin“ von Heinrich Leopold Wagner. Nach einer kurzen Inhaltsangabe werden die Personen charakterisiert, wobei Evchen Humbrecht und ihr Verführer Leutnant von Gröningseck im Vordergrund stehen. Der darauffolgende Punkt beinhaltet die Analyse der Tragödie auf das Kindsmordmotiv hin. Hier geht es um zentrale Punkte, wie die Rollen des Verführers und der Verführten, die formale Umsetzung des Trauerspiels und die Intention des Autors.

Mit dem Werk von Wagner wird der „Faust I“ von Goethe verglichen, um darzulegen, wie unterschiedlich das Motiv des Kindsmords in den Stücken umgesetzt wurde. Goethe legt in seinem „Faust I“ andere Schwerpunkte als Wagner in seinem Trauerspiel: Während bei Wagner beispielsweise alles auf den Kindsmord hinausläuft, geht Goethes Werk darüber hinaus und zeigt eine individuelle Liebesgeschichte zwischen Faust und Margarete.

Auch hier werden zunächst Inhalt und Charaktere aufgegriffen, um von hier aus die Konzipierung der Liebesbeziehung zwischen Faust und Gretchen und den Kindsmord zu untersuchen.

Im Abschluss der Arbeit geht es um einen unmittelbaren Vergleich der beiden Werke, in dem nochmals die wichtigsten Punkte aus Wagners „Die Kindermörderin“ dem „Faust I“ von Goethe gegenübergestellt werden. Welche Unterschiede sind in der Konzipierung der beiden Protagonistinnen festzustellen, welche Unterschiede lassen sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen der beiden Paare entdecken, wie konzipieren die Autoren ihre Tragödien?

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Kindsmord in der frühen Neuzeit 5
2.1 Die Strafjustiz im Kindsmordfall 5
2.2 Bürgermädchen oder Magd – Das soziale Milieu der Kindsmörderinnen 7
2.3 „Sie ist die erste nicht“ - Der Fall Susanna Margaretha Brandt 8
3. Der Kindsmord im deutschen Drama 10
3.1 Die Entstehung des literarischen Motivs 10
3.2 „Welches sind die besten ausführbaren Mittel, dem Kindermorde Einhalt zuthun?“ – Die Preisfrage als Teil der öffentlichen Diskussion 11
4. Heinrich Leopold Wagner „Die Kindermörderin“ 12
4.1 Inhalt und Charaktere 12
4.2 Die Umsetzung des Kindsmordmotivs 15
5. Johann Wolfgang Goethe „Faust. Der Tragödie erster Teil“ 20
5.1 Der Aufbau der Gretchentragödie 20
5.2 Liebesthematik und Kindsmord 24
6. Verführung eines Bürgermädchens und gescheiterte Liebesbeziehung - Die Kindsmörderinnen Evchen und Gretchen 28
7. Fazit 30
8. Quellen- und Literaturangaben 32

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Kindsmord in der frühen Neuzeit 5
2.1 Die Strafjustiz im Kindsmordfall 5
2.2 Bürgermädchen oder Magd – Das soziale Milieu der Kindsmörderinnen 7
2.3 „Sie ist die erste nicht“ - Der Fall Susanna Margaretha Brandt 8
3. Der Kindsmord im deutschen Drama 10
3.1 Die Entstehung des literarischen Motivs 10
3.2 „Welches sind die besten ausführbaren Mittel, dem Kindermorde Einhalt zuthun?“ – Die Preisfrage als Teil der öffentlichen Diskussion 11
4. Heinrich Leopold Wagner „Die Kindermörderin“ 12
4.1 Inhalt und Charaktere 12
4.2 Die Umsetzung des Kindsmordmotivs 15
5. Johann Wolfgang Goethe „Faust. Der Tragödie erster Teil“ 20
5.1 Der Aufbau der Gretchentragödie 20
5.2 Liebesthematik und Kindsmord 24
6. Verführung eines Bürgermädchens und gescheiterte Liebesbeziehung - Die Kindsmörderinnen Evchen und Gretchen 28
7. Fazit 30
8. Quellen- und Literaturangaben 32

Textprobe:

Kapitel 2.2, Bürgermädchen oder Magd – Das soziale Milieu der Kindermörderinnen:

In der Literatur des 18. Jahrhunderts werden in der Regel unschuldige Bürgermädchen von Adligen verführt und dann verlassen. In der Realität gestaltete sich das Bild der Kindesmörderin anders. Es waren weitgehend mittellose Dienstmägde, die sich, häufig nach einem Eheversprechen, mit einem Mann ihres Standes eingelassen hatten. Bemerkten die Frauen ihre Schwangerschaft, wurden sie nicht selten von den Männern verlassen. Die Frauen verloren auf Grund ihrer Schwangerschaft ihre Anstellung und wechselten dann häufig Wohnort und Arbeitsplatz. Viele ledige Mütter mussten sich bettelnd und vagabundierend über Wasser halten, auch Prostitution war an der Tagesordnung.

Nach den Dienst- und Bauernmägden folgten in der Häufigkeit der Kindsmorddelikte die Töchter von Handwerkern, nur gelegentlich werden Ehefrauen und Bürgersfrauen genannt oder Töchter aus der Oberschicht. Zu beachten ist, dass die Mägde keinen Stand, sondern eine Altersgruppe darstellten. Den Dienst als Magd durchliefen die meisten Frauen bevor sie heirateten, oft im Alter von 20 bis 24 Jahren. Es waren also nicht zwangsläufig Frauen aus der Unterschicht.

Durch den gesellschaftlichen Druck schien der Kindsmord oft als letzte Lösung, um weiter im sozialen Umfeld bestehen zu können. Hinzu kam die Furcht vor den Strafen der Obrigkeit. Vor allem für die städtischen Handwerker bedeutete der Verlust von Ehre einen Verlust der Existenzmöglichkeit. Die Frauen fürchteten um ihren sozialen Status als Unverheiratete in ihrer Lebenswelt. Alle Hoffnung war auf eine möglichst vorteilhafte Heirat ausgerichtet und mit der Bloßstellung der öffentlichen Schande wurde diese Lebensperspektive geschmälert. So bemerkt Kirsten Peters: „Sehr viele Frauen hätten ihre Kinder nicht getötet, wenn die äußeren Bedingungen sie nicht dazu gezwungen hätten, wobei neben der materiellen Situation die Einflussnahme der Umwelt nicht übersehen werden darf.“

Arbeit zitieren:
Bischoff, Nicole August 2006: Die Darstellung des Kindsmords im deutschen Drama, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kindsmord, Deutsches Drama, Faust, Goethe, Kindermörderin

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