Die Darstellung des Faschismus in den Werken Alberto Moravias
La mascherata, Gli indifferenti, Il conformista
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Michaela-Helga Schiebe
- Abgabedatum: April 2003
- Umfang: 67 Seiten
- Dateigröße: 506,9 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7300-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7300-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7300-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schiebe, Michaela-Helga April 2003: Die Darstellung des Faschismus in den Werken Alberto Moravias, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Geschichte (1922-1945), Italien, Der Untertan, Heinrich Mann, Realismus
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Magisterarbeit von Michaela-Helga Schiebe
Einleitung:
Viele geistesgeschichtliche, gesellschaftliche oder politische Strömungen finden ihren Nachhall in der bildenden Kunst und insbesondere der Literatur, denn sie gelten als die sichersten Ausdrucksmöglichkeiten eines Volkes. Kunst lebt immer von und mit der Gesellschaft, in der sie entsteht. Deren Produzenten versuchen deshalb oft in mehr oder minder starkem Maß bestimmte Einstellungen, Denkweisen, Zustände etc., zu reproduzieren und zu unterstützen - oder wollen sie mittels ihrer Werke kritisieren. Insbesondere Letzteres kann ein für den Künstler äußerst kompliziertes Unterfangen werden, nämlich dann, wenn Kritik nicht nur nicht erwünscht, sondern gar verboten ist und im Zweifelsfall auch verfolgt wird. Gerade diktatorische Systeme zeichnen sich durch die ausnahmslose und oft brutale Unterdrückung kritischen Gedankenguts aus.
Der italienische Faschismus war ein solches System und in dieser Arbeit soll anhand dreier ausgewählter Werke - La mascherata, Gli indifferenti und Il conformista von Alberto Moravia - gezeigt werden, ob und mit welchen Mitteln es ihm gelungen ist, den italienischen Faschismus als politisches, gesellschaftliches und soziales Phänomen darzustellen und zu kritisieren. Der erste Abschnitt wird sich mit relevanten Aspekten der Biographie Alberto Moravias und seinem Oeuvre, sowie den Ursprüngen und wichtigsten Zeitabschnitten des faschistischen Regimes in Italien auseinandersetzten. Im zweiten Abschnitt sollen, nach einer kurzen Darstellung der verschiedenen literarischen Strömungen und Autoren dieser Epoche, einige charakteristische Merkmale des Faschismus in den genannten Werken nachgewiesen werden. Ein Vergleich mit Der Untertan von Heinrich Mann, der das Leben in einem ebensolchen und doch ganz anderen diktatorischen Regime beschreibt, wird die Arbeit abschließen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Alberto Moravia | 2 |
| 1.1 | Biographie | 2 |
| 1.2 | Oeuvre | 3 |
| 2. | Der italienische Faschismus | 4 |
| 2.1 | Ursprung und Ideologie | 4 |
| 2.2 | Il ventennio nero | 7 |
| 2.2.1 | Machtübernahme und Etablierung des Systems | 7 |
| 2.2.2 | Konsolidierung der Macht | 9 |
| 2.2.3 | Expansion und Zerfall des Regimes | 10 |
| 2.3 | Das tägliche Leben | 12 |
| 2.4 | Presse und Zensur | 13 |
| 3. | Faschismus und Literatur | 14 |
| 3.1 | Der Dekadentismus | 14 |
| 3.2 | Der Existentialismus | 15 |
| 3.3 | Der Realismus | 16 |
| 3.4 | Der Surrealismus | 17 |
| 4. | Die Werke | 18 |
| 4.1 | La mascherata | 19 |
| 4.1.1 | Satire auf einen totalitären Staat | 19 |
| 4.1.1.1 | Polizei und Geheimdienst | 23 |
| 4.1.1.2 | Die 'innere Emigration' | 25 |
| 4.1.2 | Krieg und Imperialismus | 27 |
| 4.2 | Gli indifferenti | 28 |
| 4.2.1 | Führerkult | 29 |
| 4.2.1.1 | Persönlichkeit | 30 |
| 4.2.1.2 | Sprache und Stil | 33 |
| 4.2.2 | Das (er)neue(rte) Italien | 35 |
| 4.2.3 | Die Haltung der Intellektuellen | 39 |
| 4.3 | Il conformista | 42 |
| 4.3.1 | Kollaboration | 43 |
| 4.3.2 | Widerstand | 47 |
| 4.3.3 | Heinrich Mann: Der Untertan - Ein Vergleich | 49 |
| 4.3.3.1 | Kaiser Wilhelm II und seine Zeit | 50 |
| 4.3.3.2 | Der Konformist als Typ | 51 |
| 5. | Fazit | 55 |
| Literaturverzeichnis | 57 |
Neben der unterwürfigen Art Contreras, der seinen Chef nur mit eccellenza anspricht und stets dessen Meinung vertritt, zeigt dieser kurze Abschnitt zweierlei, das die Verhältnisse im faschistischen Italien in überzogener Weise parodiert: Erstens wird die Einstellung der Regierung zur Presse deutlich. Denn der Diktator läßt den Artikel nicht, wie zu erwarten wäre, von einem Journalisten schreiben, sondern diktiert seinem Sekretär persönlich eine sicherlich zu seinen Gunsten veränderte Version der Ereignisse. Daß Mussolini bereits 1923 mit einem sehr restriktiven Gesetz die Pressefreiheit einschränkte, wurde angedeutet. Vielfach ließ er sich aber auch von den Zeitungen Artikel vor ihrem Druck zusenden, um sie, wenn er es für notwendig hielt, verändern zu lassen oder zu blockieren. 1 Zweitens läßt sich etwas über Teresos Selbstverständnis erfahren. Als von seiner Mission überzeugter General und Staatschef scheut Tereso sich nicht, in einer derart wichtigen Schlacht an vorderster Front mitzukämpfen und möglicherweise sein eigenes Leben zu riskieren. Er vertritt sogar die Ansicht, daß ein Krieg hin und wieder notwendig sei, um das Volk vor Langeweile zu bewahren: "È la noia che fa uscire i popoli dai loro confini e gli uomini dai loro destini." (S.10t) Auch Mussolini liebte die Vorstellung, in der Öffentlichkeit als harter Arbeiter zu gelten, der sich auch für schmutzige Arbeiten nicht zu schade war. Auf diese Weise sollten die Italiener dazu angehalten werden, es ihm gleichzutun, denn hart arbeiten zu können galt Mussolini, ebenso wie Fähigkeiten wie verzichten und hassen zu können, als unabdingbare Voraussetzungen für den Krieg.2 Dafür, daß der größte Teil der Bevölkerung auch nach zwanzig Jahren dem Faschismus nicht getreu anhing, konnte Mussolini kein Verständnis aufbringen. [...]
4.1.2. Krieg und Imperialismus Krieg als Mittel, um Ambitionen bezüglich imperialistischer Ausdehnung zu verwirklichen, ist nicht allein für Diktaturen charakteristisch, aber in solchen Staaten besonders häufig anzutreffen und wurde nicht selten auch besonders rigoros angewandt. Großbritannien beispielsweise ging bei der Einnahme neuer Kolonien in der Regel äußerst geschickt vor und konnte dadurch Verluste größeren Ausmaßes meist vermeiden. Im Übrigen bewies auch Hitler anfangs ein außerordentlich feines Gespür für politische Verhältnisse und konnte auf diese Weise den Anschluß Österreichs und den Böhmens, Mährens und der Slowakei ohne Krieg bewerkstelligen. In Italien wurde der Grundstein für die imperialistische Politik noch durch die demokratische Regierung gelegt, als 1912 Libyen italienische Kolonie wurde. Italien erhob damals bereits weitere Ansprüche im Mittelmeerraum, zumeist rund um die Adria.1 Als junger Sozialist hatte Mussolini eine absolut antimilitaristische Einstellung vertreten und anfangs sogar den Wehrdienst verweigert. Später war Kolonialismus zu seiner Mission geworden,2 und er führte diese Politik zunächst erfolgreich mit Abessinien und Albanien weiter, um dann in Griechenland eine empfindliche Niederlage zu erleiden. Die verlorenen Schlachten des Zweiten Weltkriegs und Bombenangriffe auf italienische Städte sollten ihn endgültig das Ansehen bei der Bevölkerung kosten.3 Hinsichtlich der Kriegspolitik der lateinamerikanischen Republik ist die Bühnenversion wesentlich aufschlußreicher als der Roman. Bereits in der Szene 1, I bereitet General Tereso zusammen mit seinem Sekretär Contreras einen Artikel für eine amerikanische Zeitschrift vor, in dem über eine Schlacht in den Wäldern von Nuova Siviglia und am Paß von Aguascalientes berichtet werden soll: [...]
Er ist der Halbbruder des Revolutionärs Saverio und beschließt, nachdem er diesen mit Perro über die Organisation des falschen Attentats hat sprechen hören, sich daran zu beteiligen. Doch seine Motivation ist eine rein persönliche: Genau wie der General Tereso hat er sich in die schöne Fausta Sanchez verliebt und ist nun eifersüchtig auf den Diktator und reflektiert ausgiebig über möglichen Folgen seines Todes, bleibt dabei jedoch stets auf der Gefühlsebene.1 Sebastiano kann nicht ahnen, daß er Fausta auch mit Macht, Ansehen und Geld kaum dauerhaft an sich binden könnte, da diese ihre persönliche Unabhängigkeit an der Zahl ihrer Liebhaber bemißt, was sie der duchessa Gorina wie folgt erläutert: "molti amanti, molta libertà; un solo amante, nessuna libertà". (S.24t) Er ist hin und her gerissen zwischen bedingungsloser Liebe und Haß als er entdeckt, daß Fausta noch an einem dritten Mann, dem Diener Doroteo, interessiert ist und zieht einen Moment sogar die Möglichkeit in Betracht, sie bei dem Attentat gleich mit zu töten. So romantisch die Affäre der beiden begonnen hat, so tragisch endet sie, als hinter der Maske, hinter der er Fausta vermutete, deren Dienerin Giustina zum Vorschein kommt und er erkennen muß, von ihr betrogen worden zu sein. Sebastiano offenbart hier durchaus menschliche Verhaltensweisen, besonders da er über die Erkenntnis hintergangen worden zu sein, weinen muß. Dennoch würde ich ihn, im Gegensatz zu Heiney, nicht als die sympathischste Figur bezeichnen.2 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832473006
Arbeit zitieren:
Schiebe, Michaela-Helga April 2003: Die Darstellung des Faschismus in den Werken Alberto Moravias, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Geschichte (1922-1945), Italien, Der Untertan, Heinrich Mann, Realismus



