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DRGs als Entgeltform im Krankenhaus

Eine ökonomische Analyse

DRGs als Entgeltform im Krankenhaus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Philipp Wilde
  • Abgabedatum: Dezember 2002
  • Umfang: 88 Seiten
  • Dateigröße: 659,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6441-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6441-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6441-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wilde, Philipp Dezember 2002: DRGs als Entgeltform im Krankenhaus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Diagnose Related Groups, Krankenhausfinanzierung, Fallpauschalen, Gesundheitssystem, Gesetzliche Krankenversicherung

Diplomarbeit von Philipp Wilde

Einleitung:

Die Frage nach der Finanzierbarkeit des sozialen Gesundheitssystems in Deutschland steht immer häufiger im Mittelpunkt gesundheitspolitischer und öffentlicher Diskussionen. Die Kosten der gesundheitlichen Versorgung steigen stetig und führen zu immer höheren Defiziten der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Infolgedessen haben die Beitragssätze der GKV mittlerweile ein Niveau erreicht, das sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber kaum noch tragbar ist.

Insbesondere die Ausgaben im deutschen Krankenhaussektor tragen aufgrund ihrer Dynamik und Höhe überproportional zu dieser Entwicklung bei. Die Ursachen hierfür sind jedoch nicht nur in den exogenen Faktoren der zunehmenden Alterung der Bevölkerung, des medizinischen Fortschritts und der gestiegenen Patientenansprüche zu suchen. Gleichfalls vermitteln Mängel in der derzeitigen Krankenhausvergütung Ineffizienzen und Fehlanreize bei der Leistungserbringung und führen zu einer kostenintensiven Ressourcenverschwendung in den deutschen Krankenhäusern.

Im Rahmen des GKV-Gesundheitsreformgesetzes 2000 soll die Vergütung der stationären Krankenversorgung umfassend neu gestaltet und konnte mittlerweile seit Beginn des Jahres 2003 im Rahmen des sog. Optionsmodells zum Teil bereits umgesetzt werden. Der neu eingeführte § 17 b des Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) gibt als gesetzliche Grundlage die Rahmenbedingungen der Vergütungsreform vor. Die Partner der Selbstverwaltungsebene - die Spitzenverbände der Krankenkassen, der Verband der privaten Krankenversicherungen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft – werden hierin verpflichtet, ein flächendeckend einheitliches Entgeltsystem für die stationären Krankenhausleistungen zu entwickeln und umzusetzen. Gefordert wird die Einführung eines durchgängigen, leistungsorientierten und pauschalierenden Vergütungssystems, das sich an einem bereits international eingesetzten Vergütungssystem auf Basis von Diagnosis Related Groups (DRGs) orientiert.

Der Gesetzgeber beabsichtigt hiermit, den Krankenhaussektor nachhaltig in die Kostendämpfung des Gesundheitssystems einzubinden. Primäres Ziel ist es, durch eine leistungsgerechte und transparente Vergütung eine effizientere stationäre Versorgung zu ermöglichen, um der Verschärfung des Grundsatzes der Beitragssatzstabilität als Herzstück der Gesundheitsreform 2000 gerecht zu werden.

Die Einführung eines DRG-basierten Vergütungssystem markiert eine Zäsur in der deutschen Krankenhausfinanzierung. Die Umstellung auf das neue Entgeltsystem wird alle betroffenen Akteure und Einrichtungen vor große Herausforderungen stellen. Bei einem Erfolg der Reform sind gravierende Auswirkungen auf den Krankenhausalltag sowie das medizinische und nicht-medizinische Leistungsspektrum zu erwarten; der gesamte Sektor der stationären Versorgung wird sich verändern und neu gestalten.

Das Ziel dieser Arbeit ist, die Anreizwirkungen der DRG-Vergütung in Deutschland unter Berücksichtigung der Mängel des derzeitigen Entgeltsystems zu analysieren und die möglichen Konsequenzen für die Krankenhäuser, den stationären Sektor und die Ausgabenentwicklung aufzuzeigen und zu bewerten. Es soll aufdeckt werden, wo reformbegleitend Handlungsbedarf besteht und wie dieser sinnvoll für eine erfolgreiche Einführung der DRGs in Deutschland umgesetzt werden kann.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit ist in sechs Kapitel aufgebaut. Einem kurzen Einblick in die Historie der Krankenhausfinanzierung in Deutschland folgt im zweiten Kapitel die Entwicklung der Krankenhausfinanzierung bis in die Gegenwart. Die anschließende Analyse des derzeitigen Krankenhausentgeltsystem veranschaulicht die Notwendigkeit der Vergütungsreform auf.

In Kapitel 3 erfolgt eine Einführung in die Systematik der DRGs und darauf basierender Vergütungsmodelle mit dem Hauptaugenmerk auf die Australian Refined Diagnosis Related Groups (AR-DRGs), an denen sich das neue Vergütungssystem orientieren wird.

Zu Beginn des vierten Kapitels werden zunächst die Anreize der DRG-Vergütung theoretisch erörtert. Der anschließende Vergleich mit den Anreizwirkungen, die aus internationalen Erfahrungen hervorgehen, bildet die Grundlage für die Analyse und Bewertung der möglichen Auswirkungen und Konsequenzen für den deutschen Krankenhaussektor.

Kapitel 5 widmet sich einer Auswahl ökonomischer Leistungsbereiche, in denen von Seiten der Krankenhäuser und des Gesetzgebers Handlungsbedarf besteht, um eine erfolgreiche Einführung der DRGs zu gewährleisten.

Den Abschluss bildet das Kapitel 6 mit einer kurzen Zusammenfassung und einem Ausblick auf die weitere Entwicklung der Krankenhausvergütung.

Die Grundlagen und Ergebnisse dieser Arbeit basieren auf einer sehr umfangreichen Recherche und Analyse der aktuellen (Stand Ende 2002) deutschen und internationalen Literatur (von allgemein betriebswirtschaftlichen Standardwerken über Fachbücher bis hin zu Artikeln der gängigen Fachjournals) sowie ausgewählter Internetquellen rund um das Thema Diagnosis Related Groups und Krankenhausfinanzierung.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abkürzungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 2
2. Entwicklung der Krankenhausfinanzierung 3
2.1 Historische Entwicklung 3
2.2 Einstieg in die duale Krankenhausfinanzierung 5
2.3 Entwicklung zum aktuellen Krankenhausfinanzierungssystem 8
2.3.1 Gegenwärtige Krankenhausvergütung 8
2.3.2 Gegenwärtige Investitionsfinanzierung 11
2.4 Analyse des gegenwärtigen Krankenhausvergütungssystems 12
3. Einführung in die DRG-Systematik 17
3.1 Grundzüge der DRGs 17
3.2 Vergütungssysteme auf Basis von DRGs 20
3.2.1 Bewertung der Fallgruppen 20
3.2.2 Zusätzliche Vergütungsregelungen 21
3.3 DRG-Familie 23
3.4 DRG-Einführung in Deutschland 24
3.4.1 Deutsches DRG-System 24
3.4.2 AR-DRGs als Grundlage der G-DRGs 25
3.4.3 Umsetzung des neuen Vergütungssystems 28
4. Auswirkungen des DRG-Vergütungssystems 31
4.1 Ökonomische Anreize der DRG-Vergütung 31
4.1.1 Auswirkungen auf Verweildauer und Leistungsumfang 31
4.1.2 Entwicklung der Fallmengen 32
4.1.3 Veränderung des Patientenspektrums und Spezialisierung 33
4.1.4 Einfluss auf die Behandlungsqualität 34
4.2 Wirkung und Bewertung der Anreize 35
4.2.1 Verweildauer und Leistungsumfang 35
4.2.2 Fallmengen 36
4.2.3 Leistungsverlagerung 37
4.2.4 Patientenspektrum und Spezialisierung 38
4.2.5 Behandlungsqualität 40
4.3 Zukunft des deutschen Krankenhaussektors 41
4.4 Ausgabenentwicklung 45
5. Begleitender Handlungsbedarf zur DRG-Einführung 47
5.1 Maßnahmen zur Erlössicherung 47
5.2 Qualitätssicherung bei DRG-basierter Vergütung 48
5.2.1 Qualitätssicherung der Kodierung 49
5.2.2 Qualitätssicherung der medizinischen Versorgung 51
5.2.3 Qualitätssicherung der Aufnahmeerfordernis 52
5.2.4 Qualitätssicherungsmaßnahmen in Deutschland 53
5.3 Leistungsorientierte Fallkostenrechnung im Krankenhaus 55
5.3.1 Kostenartenrechung 56
5.3.2 Kostenstellenrechnung 58
5.3.3 Kostenträgerrechnung 58
5.4 Anpassung der Investitionsfinanzierung 61
6. Zusammenfassung und Ausblick 64
Literaturverzeichnis 68
Verzeichnis der Gesetze und Verordnungen 82
Eidesstattliche Versicherung 83

Automatisiert erstellter Textauszug:

29 krankenhausindividuellen Budgets und Preise an landeseinheitliche Basisfallpreise ist in drei Stufen zu Beginn der Jahre 2005-2007 (Konvergenzphase) vorgesehen.111 Die Zeit bis zur vollen Wirksamkeit der DRGVergütung soll den Krankenhäusern ermöglichen, das neue Entgeltsystem kennenzulernen und den für eine erfolgreiche Umsetzung erforderlichen Handlungsbedarf zu erkennen.112 Ab 2007 werden gleiche Leistungen mit bundesweit gleichen Preisen vergütet. Wie aufgezeigt bestimmt sich die Höhe der Krankenhausbudgets fortan durch den individuellen CMI eines Krankenhauses, die Fallmenge und den festgelegten Basisfallpreis. Im Mittelpunkt der Ausgabensteuerung stehen allerdings nicht mehr ausgehandelte Budgetabschlüsse, sondern die jährliche Anpassung der Basisfallpreise und Relativgewichte der G-DRGs auf Basis deutscher Fallkostendaten. Die Verhandlungen zwischen den Leistungs- und Kostenträgern sollen sich dann lediglich auf die Leistungsmengen und die Leistungsstrukturentwicklung konzentrieren.113 Die Budgets sind trotz dessen nach wie vor erforderlich, da auch in Zukunft ein Ausgleich von Erlösabweichungen vorgesehen ist.114 Die Partner der Selbstverwaltung beabsichtigen jedoch, die derzeitige gedeckelte Budgetierung zu überwinden. Hierzu soll sich ab 2005 die Grundlohnsteigerungsrate nicht mehr limitierend auf die Budgethöhe, sondern lediglich auf die Weiterentwicklung der Basisfallwerte auswirken.115 Es ist jedoch fraglich, ob die Budgetdeckelung auf diese Weise überwunden werden kann. Das G-DRG-Entgeltsystem enthält weitere umfangreiche Regelungen. Sie betreffen die Vergütung von Liegezeitausreißern, Verlegungsfällen, der Aufnahme von Begleitpersonen sowie Zusatzentgelten für Bluter und Dialysepatienten.116 Zusätzlich werden auch im deutschen Fallpauschalensystem strukturbezogene Entgeltkomponenten berücksichtigt, die neben den DRG-Erlösen die letztendliche Fallvergütung bestimmen. Die hierzu vorgesehenen Zu- und [...]

Die hierarchische Benennungssystematik der AR-DRGs macht das System transparent und ermöglicht eine einfache Handhabung im administrativen Umgang.107 3.4.3 Umsetzung des neuen Vergütungssystems Deutschland hat sich bei der Einführung des Vergütungssystems auf Grundlage der G-DRGs für einen bislang einmaligen Weg entschieden. Zum einen wurde in noch keinem anderen Gesundheitssystem in derart kurzer Zeit ein DRG-System entwickelt und umgesetzt. Zum anderen ist das deutsche Entgeltsystem das erste, das annähernd 100 Prozent der stationären Krankenhausleistungen über DRGs vergüten wird.108 Die Einführung des DRG-Systems erfolgt nach dem von den Selbstverwaltungspartnern erarbeiteten sog. Optionsmodell. Hiernach können die deutschen Krankenhäuser zu Beginn des Jahres 2003 freiwillig auf die DRGVergütung umsteigen. Erst ab 2004 ist der Einstieg zwingend vorgeschrieben. Die Möglichkeit zum optionalen Einstieg soll Anreize bieten, als „First-Mover“ möglichst früh den Umgang mit dem neuen Vergütungssystem zu erlernen.109 Die Einführung des Entgeltsystems wird sich zudem in den ersten beiden Jahren nicht auf die Finanzsituation der Krankenhäuser auswirken, sondern erfolgt budgetneutral (Einführungsphase).110 Somit wird es zunächst für jedes Krankenhaus einen individuellen Basisfallwert auf Grundlage des jeweilig ausgehandelten Budgets geben. Eine Anpassung der [...]

27 cher Diagnosen zu vermeiden. Mit Hilfe einer Glättungsformel wird aus den gewichteten CCL eines Falles der Gesamtschweregrad ermittelt.104 Theoretisch wären die AR-DRGs damit in der Lage, über 2000 Schweregradstufen abzubilden. Aus Gründen der Kostenhomogenität und Übersichtlichkeit werden jedoch nicht alle Basis-DRGs nach Schweregradkategorien unterteilt, sondern zum Teil unmittelbar in eine abrechenbare DRG umgesetzt. Durch eine demographische und ökonomische Aggregation werden die vorliegenden PCCL-Stufen zu in der Regel ein bis drei je Basisfallgruppe105 zusammengefasst. Dieser letzte Konzentrationsprozess zu aktuell 661 effektiven DRGs (Version 4.1) gewährleistet die überschaubare Anzahl abrechenbarer Fallgruppen und die besondere Eignung zu Vergütungszwecken.106 Der Zuordnungsprozess der AR-DRGs ist in Abbildung 1 hierarchisch abgebildet. [...]

Arbeit zitieren:
Wilde, Philipp Dezember 2002: DRGs als Entgeltform im Krankenhaus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Diagnose Related Groups, Krankenhausfinanzierung, Fallpauschalen, Gesundheitssystem, Gesetzliche Krankenversicherung

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