Currency Boards
Theoretische Aspekte und Erfahrungen anhand des Beispiels Argentinien
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Arno Huber
- Abgabedatum: August 2002
- Umfang: 94 Seiten
- Dateigröße: 874,1 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Konstanz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5928-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5928-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5928-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Huber, Arno August 2002: Currency Boards, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Währung, Wechselkurs, Mercosur, Wirtschaftspolitik, Währungssystem
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Diplomarbeit von Arno Huber
Einleitung:
Argentinien befand sich im Jahr 2002 in der schwersten Krise, die das Land in seiner Geschichte erlebt hat. Diese Krise betraf nicht nur die Ökonomie, sie belastete auch die sozialen Verhältnisse, die politische Ebene und die internationalen Beziehungen zu anderen Nationen. Zu Beginn des Jahres 2002 gab Argentinien sein Currency Board mit einer festen Wechselkursbindung an den US-Dollar auf und ging zu einem flexiblen Wechselkurssystem über. Die argentinische Währung verlor in der Spitze um fast 75 % an Wert und die Aussichten für die Volkswirtschaft sind alles andere als vielversprechend.
Ist Argentinien ein Land ohne funktionierende Währungs- und Geldpolitik? Die Auflösung des Currency Board war nicht das erste Scheitern eines Währungsregimes in Argentinien. Die Errichtung des Currency Board im Jahr 1991 sollte Argentinien von einer Hyperinflation und langjähriger Rezession befreien. Dies gelang in den folgenden Jahren auch, langfristige Stabilität und Wachstum konnte es aber nicht garantieren.
Ein Currency Board ist eine feste Wechselkursbindung, bei der eine Währungsbehörde die Zentralbank ersetzt und die heimische Währung zum gesetzlich fixierten Wechselkurs gegen eine Ankerwährung austauscht und vollkommene Konvertibilität gewährleistet. Die Inlandswährung muss daher zu mindestens 100 % durch Währungsreserven gedeckt sein. Bereits in der Kolonialzeit war das Currency Board ein weit verbreitetes währungspolitisches Arrangement, welches aber durch die Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien ausgedient hatte, da das Currency Board als Zeichen der Abhängigkeit vom ehemaligen „Mutterland“ angesehen wurde. Die Aufgabe des Currency Board war in den meisten Fällen mehr politisch als ökonomisch begründet.
Die geballt aufgetretenen Währungs- und Finanzkrisen der 90er Jahre – in Mexiko 1994/95, in Asien 1997/98, in Russland 1998, in Brasilien 1999 und in der Türkei 2001 – haben die Diskussion um die Frage nach dem „richtigen“ Währungsregime wiederbelebt. Die aktuelle Argentinien-Krise führte dabei zum ersten Mal zur Aufgabe eines der Currency Board, die in den 90er Jahre ins Leben gerufen wurden. Diese „Innovation“ stellt die Motivation zu dieser Arbeit dar.
Das Ziel dieser Diplomarbeit soll zum einen der theoretische Vergleich des Currency Board mit währungspolitischen Alternativen und zum anderen die Analyse des argentinischen Currency Board sein. Aufbauend auf den erlangten Erkenntnissen wird abschließend noch die Frage nach der währungspolitischen Zukunft Argentiniens betrachtet.
Gang der Untersuchung:
In Anschnitt 2 werden alternative währungspolitische Systeme vorgestellt, ihre Merkmale erörtert und ihre Stärken und Schwächen aufgezeigt. In Abschnitt 3 wird im ersten Teil die ökonomische Entwicklung und die Geschichte Argentiniens bis Juli 2002 dargestellt, im zweiten Teil wird dann anhand der gewonnenen theoretischen Erkenntnisse und der argentinischen Erfahrung das Currency Board einer kritischen Betrachtung unterzogen und mit einer Zusammenfassung abgeschlossen. In Abschnitt 4 wird der Fokus auf die Zukunft der Geld- und Währungspolitik Argentiniens gelegt, die Frage nach potenziellen Alternativen gestellt und weitere notwendige wirtschaftspolitische Maßnahmen angesprochen. In Abschnitt 5 werden die zentralen Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst und ein Ausblick auf die weiterführende Diskussion sowie die weitere Entwicklung Argentiniens gegeben.
Die zentralen Ergebnisse ergeben sich wie folgt: (i) Das CB hat sich als kurzfristiges Stabilisierungsinstrument bewährt, scheiterte aber an der langfristig inkonsistenten Wirtschaftspolitik, (ii) ein gemanagter flexibler Wechselkurs kombiniert mit einem Inflationsziel oder die bedingungslose Wechselkursanbindung an die USA per Dollarisierung stellen derzeit die hoffnungsvollsten Wechselkursregime dar, die aber unterschiedlicher nicht sein können. Beide Wege können erfolgreich sein und das Wachstum beleben, den Finanzsektor langfristig wieder aufbauen, das Preisniveau stabilisieren und eine vertrauenswürdige Währung schaffen und (iii) die Entscheidung über die nationale Währungspolitik ist für sich betrachtet schon sehr komplex. Ohne konsistente Wirtschaftpolitik kann aber kein Währungsregime seine Aufgabe erfolgreich bewältigen. Daher ist es besonders wichtig umfassende aufeinander abgestimmte Reformen in allen wichtigen Bereichen der Wirtschaftspolitik anzustreben.
Inhaltsverzeichnis:
| Widmung | ii | |
| Inhaltsverzeichnis | iii | |
| Abkürzungsverzeichnis | v | |
| Darstellungsverzeichnis | vi | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Währungspolitische Systeme: Ein Überblick | 4 |
| 2.1 | „Trilemma“ der Währungspolitik | 4 |
| 2.2 | Flexibler Wechselkurs | 5 |
| 2.2.1 | Begriff | 5 |
| 2.2.2 | Merkmale | 6 |
| 2.2.3 | Stärken | 7 |
| 2.2.4 | Schwächen | 8 |
| 2.3 | Flexible Bindung an eine Leitwährung | 9 |
| 2.3.1 | Begriff | 9 |
| 2.3.2 | Merkmale | 10 |
| 2.3.3 | Stärken | 11 |
| 2.3.4 | Schwächen | 12 |
| 2.4 | Currency Board | 13 |
| 2.4.1 | Begriff | 13 |
| 2.4.2 | Merkmale | 14 |
| 2.4.3 | Stärken | 17 |
| 2.4.4 | Schwächen | 18 |
| 2.5 | Dollarisierung | 20 |
| 2.5.1 | Begriff | 20 |
| 2.5.2 | Merkmale | 21 |
| 2.5.3 | Stärken | 21 |
| 2.5.4 | Schwächen | 22 |
| 3. | Argentinien und das Currency Board | 24 |
| 3.1 | Argentinien: Überblick und historische Entwicklung | 24 |
| 3.1.1 | Überblick | 24 |
| 3.1.2 | Auf dem Weg zur Hyperinflation | 25 |
| 3.1.3 | Stabilität und Wachstum | 27 |
| 3.1.4 | Rezession, Krise und Schuldenmoratorium | 29 |
| 3.1.5 | Argentinien nach der Aufgabe des Currency Board | 30 |
| 3.2 | Kritische Würdigung des Currency Board in Argentinien | 34 |
| 3.2.1 | Die stabilisierende Wirkung des Currency Board | 34 |
| 3.2.2 | Das Currency Board auf dem Prüfstand | 36 |
| 3.2.3 | Inkonsistente Wirtschaftspolitik und exogene Schocks bringen das Currency Board zu Fall | 39 |
| 3.2.4 | Zusammenfassung | 42 |
| 4. | Währungspolitische Alternativen für Argentinien | 46 |
| 4.1 | Flexibler Wechselkurs | 46 |
| 4.2 | Wechselkursbindung | 49 |
| 4.3 | Currency Board | 52 |
| 4.4 | Dollarisierung | 52 |
| 4.5 | Währungsunion Mercosur | 56 |
| 4.6 | Zusammenfassung und weitere wirtschaftspolitische Anmerkungen | 59 |
| 5. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 61 |
| Anhang | 68 | |
| Literaturverzeichnis | 80 |
3.1.1 Überblick Das südamerikanische Land ist eine demokratische Bundesrepublik, die sich in 23 Provinzen und die Bundeshauptstadt Buenos Aires gliedert. Das Staatsgebiet umfasst 3.761.274 km2 und grenzt an fünf Nachbarstaaten. Die Wirtschaftsordnung des knapp 37 Million Einwohner zählenden Staates am Rio de la Plata ist marktorientiert. Nach einigen politischen Turbulenzen im Dezember 2001 im Zuge der aktuellen Währungs-, Wirtschafts- und Staatskrise trat Eduardo Duhalde das Amt des Staatspräsidenten zu Jahresbeginn 2002 ad interim an. Neuwahlen sind für März 2003 vorgesehen. Der Staatspräsident und seine Vertreter werden direkt vom Volk gewählt. Die Legislative (der Nationalkongress) wird aus der Senatorenkammer mit 72 Senatoren und einer Abgeordnetenkammer mit 254 Mitgliedern gebildet. Jede Provinz besitzt ihre eigene Verfassung und wählt ihren Gouverneur, ihre Abgeordneten und Richter in Eigenverantwortung ohne Zutun der Bundesregierung. Auf regionaler Ebene arbeitet Argentinien eng mit seinen direkten Nachbarn zusammen. Daraus resultierte die Bildung eines gemeinsamen Marktes im südlichen Lateinamerika (Mercado Común del Cono Sur; im Folgenden kurz: Mercosur), der am 1. Januar 1995 in Kraft trat. Die Gründungsländer Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay und die assoziierten Mitglieder Chile (seit 1996) und Bolivien (seit 1997) verfolgen das Ziel einer Wirtschafts- und Zollunion, d. h. weitgehende Zollbefreiung des Handels untereinander und eine gemeinsame Wirtschafts- und Zollpolitik gegenüber Drittstaaten.66 Die überwiegenden Ziele argentinischer Exportgüter sind die Mercosur-Partner mit 32 %, die Staaten der Europäischen Union (im Folgenden kurz: EU) mit 18 %, die Nationen des North American Free Trade Agreement (NAFTA) mit 15 % und Länder der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) mit 6 %. Die Struktur des [...]
notwendige Voraussetzungen um das System der Dollarisierung zu ermöglichen. Die Dollarisierung verlagert die Anpassung der Volkswirtschaft auf die reale Seite der Wirtschaft. Um Krisen zu vermeiden sind die gerade angesprochenen Voraussetzung zu erfüllen. Die Dollarisierung kann Bankenkrisen, den internationalen Zahlungsausfall der öffentlichen Hand oder privater Unternehmen und politisch-gesellschaftliche Krisen im Inland nicht im Alleingang verhindern.63 Die importierte Preisstabilität des Ankerlandes kann im Inland nur Bestand haben, solange die Relativpreise konstant bleiben. Verändern sich diese wird die Inflationsrate im Inland trotz Dollarisierung über der des Ankerlandes liegen.64 Dem Glaubwürdigkeitszuwachs steht der Verlust der eigenen Geldpolitik gegenüber. Die LOLR-Funktion kann nicht mehr wahrgenommen werden und exogene Schocks, insbesondere wenn die wirtschaftliche Entwicklung im Inland nicht zyklisch zur Entwicklung im Ankerland verläuft, können nicht über die monetäre Seite abgefedert werden. Die fehlende LOLR-Funktion kann aber über einen eigenen Sicherheitsfonds oder ständige Kreditmöglichkeiten ("Fazilitäten") bei internationalen Institutionen oder Banken ersetzt werden.65 [...]
Durch den Wegfall der heimischen Währung verschwindet die Risikoprämie auf den Wechselkurs, was ein sinkendes Zinsniveau im Inland bewirkt und den Schuldendienst für private und öffentliche Schuldner senkt, die langfristige Investitionsbereitschaft im Inland erhöht und somit nachhaltiges, stabiles Wachstum begünstigt.60 Darüber hinaus beseitigt die Verwendung der Ankerwährung auch die Problematik, dass Einnahmen oft in heimischer Währung und Ausgaben und Verbindlichkeiten oft in Fremdwährung denominiert sind. Dieses Ungleichgewicht verschärft bei einer Abwertung der heimischen Währung die Situation zusätzlich. Wird der Großteil des Außenhandels ohnehin in der Ankerwährung abgerechnet, entfallen im Zuge der Dollarisierung die entsprechenden Transaktionskosten. Diese Kostensenkung kann zu einem Anstieg der Handelströme führen, was sich wiederum positiv auf das Wachstum des Inlands auswirkt.61 Besitzt ein Land nur eine begrenzte Anzahl exzellent ausgebildeter Ökonomen bzw. Politiker setzt die Dollarisierung in diesem Bereich Kapazitäten frei, da die Aufgaben der Geldmengensteuerung und des Wechselkursmanagements entfallen. Werden diese Kapazitäten statt dessen effizient in Bereichen wie Faktormarkt-, Handels- oder Fiskalpolitik eingesetzt, kann dies einen direkten Beitrag zur Verbesserung der ökonomischen Leistungsfähigkeit eines Landes leisten.62 2.5.4 Schwächen Ohne Emission einer eigenen Währung entfällt die "Seigniorage", die dadurch entsteht, dass die Bürger zinslos Noten und Münzen halten und die Zentralbank den entsprechenden Gegenwert in Form von zinsbringenden Aktiva hält und somit Zinserträge erwirtschaftet. Falls keine Übereinkunft mit dem Ankerland getroffen wird, fällt alle "Seigniorage" bei der Zentralbank des Ankerlandes an. Der Verlust eines Teils der nationalen Souveränität kann, nicht nur aufgrund des psychologischen Effekts, Widerstand im Inland hervorrufen, der den wirtschaftspolitischen Entscheidungsprozess hemmen und so unter Umständen für Instabilität in der Wirtschaftspolitik sorgen kann. Der Verlust an Flexibilität in der Geldpolitik verlangt weitergehende stabilisierende Maßnahmen. Ein ausgeglichener Staatshaushalt, der eine übermäßige Verschuldung verhindert, ein gesunder Bankensektor, der die Existenz von Zahlungsverkehr und Finanzmärkten gewährleistet und eine reformbereite politische Führung sind [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832459284
Arbeit zitieren:
Huber, Arno August 2002: Currency Boards, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Währung, Wechselkurs, Mercosur, Wirtschaftspolitik, Währungssystem



