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Cross-border M&A in China

Implikationen und Handlungsempfehlungen für ein modifiziertes Phasenmodell

Cross-border M&A in China
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Mischa Marx
  • Abgabedatum: Dezember 2010
  • Umfang: 86 Seiten
  • Dateigröße: 851,1 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • Bibliografie: ca. 71
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-1060-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Marx, Mischa Dezember 2010: Cross-border M&A in China, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: China, Mergers & Acquisitions, cross-border, Handlungsempfehlung, Phasenmodell

Diplomarbeit von Mischa Marx

Einleitung:

1.1, Problemstellung:

Cross-border Mergers und Akquisitionen (M&A) stellen in einer globalen Wirtschaft ein bedeutendes strategisches Instrument für das Wachstum von Unternehmen dar. Der rapide Anstieg von cross-border M&A ab Mitte der 1990iger ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen, wie die Liberalisierung von Handel und Investitionen, die Deregulierung von Dienstleistungen, die Privatisierung von Staatsbetrieben und die Lockerung von staatlichen Kontrollen (Chen & Findlay, 2003). 1993 belief sich der Nettowert von weltweiten cross-border M&A Käufen und Verkäufen noch auf 69 Mrd. US-Dollar. 2008 hatte dieser sich bis auf 673 Mrd. US-Dollar fast verzehnfacht.

Als cross-border M&A wird jede Art der Transaktion von Vermögen zwischen zwei aus verschiedenen Volkswirtschaften stammenden Unternehmen definiert. Cross-border M&A stellen die bevorzugte Form der ausländischen Direktinvestition und des Einstiegs in fremde Märkte während der letzten zwei Dekaden des 20. Jahrhunderts dar. Andererseits ist der Anteil von cross-border M&A am gesamten M&A Markt, der im Jahr 2008 3 Bill. US-Dollar betrug, mit ca. 20% eher gering. Da cross-border M&A jedoch einen wachsenden Prozentsatz aller ausländischen Direktinvestitionen bilden, haben sie sich zu einem wichtigen Medium der Integration und der Vernetzung der globalen Wirtschaft entwickelt. Im Folgenden sollen am Beispiel Chinas die Möglichkeiten und Grenzen von cross-border M&A unter strukturellen und deskriptiven Gesichtspunkten analysiert werden.

Vier miteinander verknüpfte Begründungen sprechen für den Einsatz von cross-border M&A.

Als strategische Motive gelten mögliche Synergieeffekte, größere Marktmacht, der Zugang zu besonderem Know-how, der Einstieg in neue Technologien und die Erschließung von komplementären Ressourcen.

Als ökonomische Motive die Realisierung von Skalen- und Diversifikationseffekten, die Kostenreduktion und die Risikoreduktion.

Persönliche Motive betreffen das Prinzipal-Agent-Problem der Agenturtheorie und die Management Hybris.

Als zentrales marktwirtschaftliches Motiv gilt der erleichterte Eintritt in einen neuen Markt. Cross-border M&A bieten eine schnellere Alternative zu Greenfield Investitionen, um einen direkten Zugang zu den lokalen Lieferantennetzwerken, den Marketing Channels und den Kunden zu erhalten.

Cross-border M&A sind zugleich mit großen Herausforderungen und Risiken verbunden, da Akquisitionsaktivitäten oft nicht die gewünschte Wertsteigerung erzielen. Über 50% der cross-border M&A scheitern.

Dies lässt sich besonders an aufstrebenden Schwellenländern wie China aufzeigen, das im Dezember 2001 mit dem Eintritt in die World Trade Organisation (WTO) zu einem der attraktivsten Standorte für Investitionen im asiatisch-pazifischen Raum avancierte. Cross-border M&A sind für Länder im Übergang von der plan- zur marktwirtschaftlichen Ordnung ein relativ neues Phänomen; sie spielen jedoch bei der Restrukturierung von Staatsunternehmen eine entscheidende Rolle. Von den 130.000 Staatsbetrieben (SOE) werden in China jedes Jahr geschätzte 4.000 privatisiert.

Strategisches M&A mit Unternehmen in China überschneidet sich teilweise mit herkömmlichen M&A, jedoch treten in diesem Fall Idiosynkrasien für M&A auf. Die institutionellen Rahmenbedingungen und der Grad der Rechtsverbindlichkeit von Gesetzesvorschriften weichen von der westlichen Normengebung erheblich ab und verlaufen nicht parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung Chinas. Der mangelhafte Schutz von geistigem Eigentum, ungenügende Markttransparenz und ausufernde Bürokratie stellen erschwerende Hindernisse für cross-border M&A in China dar. Trotz der Liberalisierung vieler Bereiche bleibt Chinas Regierung zurückhaltend bei Firmenkäufen in sensiblen Industriesektoren, wie der Rohstoffversorgung und dem Ausbau der Infrastruktur, die als Sektoren potenzieller Gefährdung der wirtschaftlichen und politischen Stabilität Chinas gesehen werden. In einer fragilen rechtlichen Umwelt wird die Rolle von sozialen Netzwerken maßgeblich. Guanxi ist tief verankert in der chinesischen Kultur und muss als ein integrales Element wirtschaftlicher Transaktionen bezeichnet werden, das sich entscheidend auf die Verlaufsphasen auswirkt. Die Mittelrolle der im Ausland lebenden Chinesen aus Taiwan, Hongkong und Singapur, die über die Kenntnis westlicher Managementpraktiken und gleichzeitig über soziale Netzwerke in China verfügen, kann bei der Lösung von Problemen hilfreich sein.

1.2, Zielsetzung und Aufbau der Arbeit:

Cross-border M&A in China bietet ein hoch komplexes und relevantes Thema für eine wissenschaftliche Untersuchung, in der sowohl die Praxis wie die Theorie von M&A berücksichtigt werden.

Literatur zum Thema cross-border M&A in China liegt zum jetzigen Zeitpunkt nur in geringem Ausmaß vor. Nach Lin et al. (2009) beschränkt sich die spezifische Forschung zu M&A in China auf Case Studies und deskriptive Statistiken, während sich zahlreiche Untersuchungen dem übergreifenden Modell von cross-border M&A widmen. Es stellt sich die Frage, ob sich diese für Industrieländer entwickelten Modelle auf China anwenden lassen oder ob nicht vielmehr modifizierte Erklärungsmodelle benötigt werden.

Die vorliegende Arbeit stellt sich die Aufgabe, die spezifischen Merkmale von cross-border M&A in China auf der Grundlage des in der Literatur aufgestellten Phasenmodells von M&A zu analysieren. Dieses Modell impliziert einen schematischen Verlauf von M&A Prozessen, der den Rahmen für den möglichen Erfolg umreißt und damit Handlungsempfehlungen für den Einsatz von M&A unter den gewählten Voraussetzungen ermöglicht.

In einem ersten Schritt werden Begriffsabgrenzung; Klassifizierung; Konkretisierung von Motiven und Risiken, sowie Phasenverlauf von cross-border M&A vorgestellt. In einem zweiten Schritt werden die Charakteristika von cross-border M&A auf dem chinesischen Markt aus der Perspektive ausländischer Unternehmen spezifiziert, wobei der Kontext der aktuellen wirtschaftlichen, institutionellen, politischen und kulturellen Entwicklung in China miteinbezogen wird. In einem letzten Schritt werden die erzielten Ergebnisse in der Weise auf das Phasenmodell (Pre-M&A Phase, M&A Phase und Post-M&A Phase) von M&A abgebildet, dass sich daraus eine Formulierung von Handlungsempfehlungen für cross-border M&A in China ableiten lässt.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis v
Abkürzungsverzeichnis vi
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzungund Aufbau der Arbeit 3
2. Cross-border Mergers und Akquisitionen 3
2.1 Begriffsabgrenzungen und Klassifikation 3
2.1.1 Weitere und engere Begriffsdefinition 4
2.1.2 Klassifikation von M&A 6
2.1.3 Abgrenzung von cross-border M&A 7
2.1.4 Einordnung in die Formen ausländischen Direktinvestition 8
2.2 Motive 10
2.2.1 Strategische Motive 10
2.2.2 Ökonomische Motive 11
2.2.3 Personelle Motive 12
2.2.4 Marktwirtschaftliche Motive 13
2.3 Risiken 13
2.3.1 Institutionelle Barrieren 14
2.3.2 Kulturelle Herausforderung 15
2.3.3 Performance 16
2.4 Das M&A Phasenmodell 18
2.4.1 Pre-M&A Phasen 19
2.4.1.1 Strategieformulierung 19
2.4.1.2 Partnersuche und Auswahl 19
2.4.2 M&A Phasen 20
2.4.2.1 Kontaktaufnahme 20
2.4.2.2 Due Diligence 21
2.4.2.3 Unternehmensbewertung 21
2.4.2.4 Verhandlung 22
2.4.2.5 Vertragsgestaltung und -abschluss 23
2.4.3 Post-M&A Phasen 23
2.4.3.1 Integration 23
2.4.3.2 Kommunikation 24
2.4.3.3 Kontrolle 25
3. Cross-border M&A im chinesischen Kontext 25
3.1 Die chinesische Wirtschaft im Wandel 26
3.1.1 Chinas wirtschaftliche Situation in 2010 26
3.1.2 Wirtschaftliche Entwicklung 28
3.1.3 Zukunftsaussichten 30
3.2 Der institutionelle Rahmen Chinas im internationalen Kontext 31
3.2.1 Beitritt in die WTO 2001 32
3.2.2 Rechtliche Strukturen 33
3.2.3 Geistiges Eigentum in China 35
3.3 Die Rolle der Regierung 36
3.3.1 Zentralregierung und föderale Struktur 37
3.3.2 Sonderwirtschaftszonen und Aktienmärkte 39
3.3.3 Charakteristika chinesischer Unternehmen 41
3.4 Das soziale Netzwerk 42
3.4.1 Guanxi in der chinesischen Kultur 43
3.4.2 Rolle der Auslandschinesen 45
4. Ein modifiziertes Phasenmodell für China 46
4.1 Implikationen für die Pre-M&A Phasen 48
4.1.1 Strategieformulierung 48
4.1.2 Aufbau einer Repräsentanz 51
4.1.3 Kontaktaufnahme 51
4.1.4 Kommunikation 52
4.1.5 Partnersuche und Auswahl 53
4.1.6 Compliance Management 55
4.2 Implikationen für die M&A Phasen 56
4.2.1 Due Diligence 56
4.2.2 Unternehmensbewertung 57
4.2.3 Verhandlung 58
4.2.4 Vertragsgestaltung und -abschluss 60
4.3 Implikationen für die Post-M&A Phasen 61
4.3.1 Integration 61
4.3.2 Kontrolle 63
5. Fazit 65
6. Literaturverzeichnis 69

Textprobe:

Kapitel 2.2, Motive für cross-border M&A:

Die vielfältigen Motive für cross-border M&A werden nach Klassifizierungen geordnet, die zumeist eine Kombination dieser Motive zu Grunde legen. Die folgenden Ausführungen lehnen sich an Hopkins an, der nach strategischen, ökonomischen, personellen und marktwirtschaftlichen Motiven unterscheidet.

2.2.1, Strategische Motive:

Unter den zahlreichen strategischen Motiven erscheinen die folgenden Gesichtspunkte bedeutsam.

Synergie-Effekte:

Dieses Motiv zielt auf die Verbesserung der Effizienz der Unternehmensstrategie durch Steigerung der Synergieeffekte zwischen den beteiligten Unternehmen. Nach der Synergie-Hypothese ist die Realisierung von M&A dann wahrscheinlich, wenn der Wert des gemeinsamen Unternehmens größer ist als die Summe der Werte der einzelnen Unternehmen.

Synergien können unterschiedlich modelliert werden. In strategischer Sicht sind sie ein Instrument, um das Wachstum und den Zugang zu wichtigen Ressourcen des Unternehmens zu verbessern. Synergien können durch Umstrukturierung und Neueinsatz von Ressourcen mittels M&A entstehen. Sie ermöglichen es, die eigenen Wettbewerbsvorteile besser zu nutzen, indem eigenes Know-How in dem akquirierten Unternehmen eingesetzt wird, um dessen Wettbewerbsposition zu verbessern. Auf der anderen Seite können mit dem Erwerb von komplementären Ressourcen die Wettbewerbschancen des eigenen Unternehmens erhöht werden. Als Nebeneffekt ergeben sich daraus Erfahrungen, die das akquirierende Unternehmen aus dem Eingliedern organisatorischer Routinen und Ressourcen des fremden Unternehmens gewinnt. Spezielles Know-How ist ein Schlüsselfaktor, der meist nicht über den Markt erworben werden kann.

Optimierung der Wettbewerbskräfte:

Nach dem Wettbewerbsansatz von Michael Porter wird ein Unternehmen in jeder Branche von fünf Wettbewerbskräften bestimmt: Die Verhandlungsmacht der Lieferanten und Kunden / die potenzielle Gefahr vor Ersatzprodukten / der Eintritt neuer Marktteilnehmer / der Wettbewerb innerhalb der Branche. M&A können der Optimierung dieser Wettbewerbskräfte dienen, in dem die Wettbewerbsposition eines Unternehmens innerhalb einer Branche gestärkt wird.

Eine strategische Überlegung für M&A ist die potenziell größere Marktmacht, die durch einen erhöhten Marktanteil erzielt wird. Gegenüber den Lieferanten bedeutet dies eine verbesserte Verhandlungsposition, während für die Kunden ein breiteres und tieferes Sortiment zur Verfügung steht. Oft wird durch M&A auf horizontaler Ebene ein Konkurrent übernommen, was innerhalb einer Branche den Wettbewerb reduziert und die Konzentration erhöht. M&A dienen ebenfalls dazu, Marktbarrieren zu durchbrechen und sich in einem Sektor zu etablieren, dessen Zugang durch andere Eintrittsformen nicht möglich ist.

2.2.2, Ökonomische Motive:

Ökonomische Motive sind aufgrund der nachträglichen Bewertung von M&A durch finanzielle Kennzahlen von hoher Bedeutung.

Skaleneffekte:

Synergien aus ökonomischer Sicht beziehen sich vordergründig auf die Kostensenkung. Bei einer Vergrößerung des Unternehmens durch M&A entstehen Skaleneffekte (Economies of Scale). Die Senkung von Stückkosten mit wachsender Produktion und festen Fixkosten kann in den Bereichen Beschaffung, Fertigung, Absatz, Organisation, F&E, Marketing etc. anfallen. Allerdings ist die Realisierung von Skaleneffekten durch eine externe Wachstumsform wie cross-border M&A umstritten. Dies zeigt der Zusammenschluss von Daimler und Chrysler 1998, der mit großen Kosteneinsparungen durch die Zusammenlegung vieler Bereiche einhergehen sollte, jedoch nicht die gewünschten Skaleneffekten erbrachte. 2007 trennte sich Daimler vom Verlustgeschäft Chrysler.

Diversifikationsvorteile:

Wird ein Unternehmen aus einer nicht verwandten Branche akquiriert, können Diversifikationsvorteile (Economies of Scope) entstehen. Nach der Portfolio-Theorie von Henry Markowitz streut das akquirierte Unternehmen sein Operationsrisiko auf mehrere Bereiche und ist damit in der Lage, Nachfragerückgänge in der einen Branche durch Gewinne in der anderen auszugleichen. Das damit implizierte kapitalmarkttheoretische Konzept unterstellt, dass die Anlagestreuung auf mehrere Investitionen das Risiko des gesamten Anlegerportfolios reduziert. Der Nutzen eines Anlageportfolios bewertet sich nach der Kombination aus erzielbarer Rendite und dem eingegangenem Risiko. Die Möglichkeit, die Beziehung von Rendite und Risiko mittels des Capital Asset Pricing Model (CAPM) in den 70iger Jahren zu analysieren, favorisierte neben der Fokussierung auf Risikostreuung die vermehrte Gründung diversifizierter Unternehmen. In den 90iger Jahren wurde diese Strategie durch eine Re-Fokussierung auf die Kernkompetenzen eines Unternehmens modifiziert. Dennoch gibt es auch heute Mischkonzerne und Konglomerate, weil Diversifikationsvorteile auch durch M&A entstehen.

Unterbewertung des Börsenwertes:

Eine weitere ökonomische Begründung für M&A ist die Unterbewertung des Unternehmens an der Börse. Ist der Aktienkurs eines Unternehmens auf Grund von wirtschaftlichen Krisen oder unternehmerischen Misserfolgen sehr niedrig, wird das Unternehmen u.U. schnell zum Übernahmekandidaten. Ein Beispiel hierfür liefert der Energiekonzern BP, dessen Aktienkurs seit dem mangelhaften Krisenmanagement der Ölkatastrophe im Golf von Mexico im Juli 2010 vorübergehend um fast 50% gefallen war, wodurch der Konzern zeitweise zu einem potenziellen Übernahmekandidaten wurde. Gonzales, Vasconcellos & Kish untersuchen in ihrer Studie die finanziellen Charakteristika von US- und Nicht-US-amerikanischen Unternehmen, die in cross-border M&A involviert waren. Sie belegen empirisch, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Unternehmen, Übernahmekandidat zu werden, steigt, wenn es auf dem Aktienmarkt unterbewertet scheint.

Arbeit zitieren:
Marx, Mischa Dezember 2010: Cross-border M&A in China, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
China, Mergers & Acquisitions, cross-border, Handlungsempfehlung, Phasenmodell

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