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Credit Rating im Mittelstand

Eine Betrachtung der zukünftigen finanzwirtschaftlichen Situation mittelständischer Unternehmen unter der besonderen Berücksichtigung der Auswirkungen von Basel II

Credit Rating im Mittelstand
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Miriam Brockhaus
  • Abgabedatum: September 2001
  • Umfang: 135 Seiten
  • Dateigröße: 960,9 KB
  • Note: 1,4
  • Institution / Hochschule: International School of Management (ISM) Dortmund Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4967-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4967-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4967-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Brockhaus, Miriam September 2001: Credit Rating im Mittelstand, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Credit Rating, Basel II, Mittelstand, Finanzierung mittelständischer Unternehmen, Kunde-Bank-Beziehung

Diplomarbeit von Miriam Brockhaus

Einleitung:

Der Entwurf der neuen Baseler Eigenkapital (EK)-Vereinbarung (Basel II oder Der neue Baseler Akkord) des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht ist der Ausgangspunkt der aktuellen Diskussion um Ratings und deren Auswirkungen auf das Kreditgewerbe und die Unternehmen. In Zeiten zunehmender Liberalisierung und Globalisierung der Märkte sowie des technischen Fortschritts hat sich an den Finanzmärkten in den letzten Jahren ein Prozess tiefgreifender Veränderungen vollzogen, der sich auch auf die traditionellen Bankgeschäfte auswirkt. Angesichts der angestiegenen Insolvenzentwicklung sowie der erhöhten Ausfallrisiken von Kreditengagements, werden heute vermehrt Anstrengungen unternommen, um die Stabilität der Finanzmärkte besser abzusichern. Dabei steigen die Anforderungen an das Kredit- und Risikomanagement von Banken und Unternehmen gleichermaßen.

Mit der Weiterentwicklung des bankenaufsichtlichen Regelwerkes (Basel I), welches die Mindest-EK-Unterlegung bei Banken bestimmt, soll nun der zunehmenden Komplexität und dem steigenden Risikogehalt der Finanzgeschäfte Rechnung getragen werden. Aus diesem Grund hat der Baseler Ausschuss den Entwurf des neuen Baseler Akkords (Basel II) vorgelegt. Im Mittelpunkt der laufenden Diskussion um Basel II steht die Frage der adäquaten EK-Unterlegung der zunehmend erhöhten Risiken im Finanzgeschäft. Zukünftig soll sich die Höhe des erforderlichen EKs, welches Banken für die von ihnen gewährten Kredite unterlegen müssen, um den Verpflichtungen ihrer eigenen Gläubiger nachkommen zu können, stärker an den individuellen Risiken der vergebenen Kredite der einzelnen Bank orientieren.

Somit lässt Basel II Ratings, die zukünftig die unterschiedliche Bonität aller Kreditnehmer bestimmen sollen, zum Dreh- und Angelpunkt bei der Kreditvergabe werden. Mit Hilfe von Ratings, die bis jetzt hauptsächlich bei internationalen Finanz- und Großkonzernen Anwendung fanden, soll nunmehr auch bei kleinen und mittleren Unternehmen Transparenz geschaffen werden.

Durch die in Basel II vorgesehene grundlegende Änderung der EK-Unterlegung für Kreditrisiken bei Banken, werden sich die „Spielregeln“ im Firmenkunden-Kreditgeschäft erheblich ändern. Aufgrund des kausalen Zusammenhangs zwischen der EK-Unterlegung von Banken für Kreditgeschäfte und der Fremdkapital (FK)-Zinsen für Unternehmen kann diese Veränderung ganz besonders für die traditionell sehr ausgeprägte Kreditfinanzierung der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland gravierende Auswirkungen haben. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Folgen von Basel II für die Unternehmensfinanzierung ist daher gerade für mittelständische Unternehmen dringend erforderlich. Aufgrund der stark auf die Konsequenzen der Kreditwirtschaft fokussierten Diskussion gestaltet es sich jedoch für mittelständische Unternehmer mitunter schwer, relevante und aussagekräftige Informationen über die konkreten Auswirkungen des neuen Baseler Akkords auf ihre zukünftige Finanzierungssituation aus der Fülle von Pressemeldungen oder aus dem 500 Seiten umfassenden Regelwerk selbst herauszufiltern.

Zielsetzung dieser Arbeit soll es sein, den neuen Baseler Akkord hinsichtlich dessen Auswirkungen auf mittelständische Unternehmen kritisch zu beleuchten. Dabei sollen zukünftige Anforderungen an den Mittelstand sowie mögliche Veränderungen der konkreten Finanzierungssituation erarbeitet werden.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Darstellungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Vorgehensweise 2
2. Grundlagen 3
2.1 Mittelständische Unternehmen 3
2.1.1 Definitorische Abgrenzung 3
2.1.1.1 Quantitative Merkmale 4
2.1.1.2 Qualitative Merkmale 5
2.1.2 Wirtschaftliche Situation und Bedeutung 6
2.2 Rating 7
2.2.1 Begriff 7
2.2.2 Rating-Arten 8
2.2.3 Rating-Symbole und ihre Bedeutung 10
2.2.4 Bankinterne Ratings/Bankexterne Ratings 11
3. Basel II - Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 13
3.1 Geschichte der Baseler Eigenkapitalanforderungen 13
3.2 Der „Fahrplan“ von Basel II 13
3.2 Ziele von Basel II 15
3.4 Das Rahmenwerk - Die drei Säulen des neuen Baseler Akkords und dessen Implikationen für den Mittelstand 16
3.4.1 Säule Eins: Mindestkapitalanforderungen 16
3.4.1.1 Kreditrisiko 17
3.4.1.1.1 Standardansatz 17
3.4.1.1.2 IRB-Ansatz (Internal Ratings Based Approach) 19
3.4.1.1.3 Verbriefung von Forderungen (Asset Backed Securities) 27
3.4.1.1.4 Techniken zur Risikominderung (Credit Risk Mitigation Techniques) 29
3.4.1.2 Operationelles Risiko 32
3.4.2 Säule Zwei: Aufsichtliches Überprüfungsverfahren - Der Supervisory Review Process (SRP) 35
3.4.3 Säule Drei: Marktdisziplin 37
4. Die Konsequenzen der Baseler Beschlüsse für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen 38
4.1 Aktuelle Finanzierungsbedürfnisse mittelständischer Unternehmen und deren potentielle Veränderungen durch Basel II 38
4.2 Rating im Mittelstand 45
4.2.1 Internes vs. externes Rating im Mittelstand 45
4.2.2 Erforderliche Informationen des internen Rating-Prozesses 49
4.2.3 Der externe Rating-Prozess 54
4.2.4 Aktueller Vorbereitungsstand der KMU auf die Transparenzanforderungen eines Ratings 57
4.2.5 Mögliche Auswirkungen von Basel II auf die Kunde-Bank-Beziehung und damit verbundene Nutzenpotenziale 60
4.3 Auswirkungen von Basel II auf Mittelständler und ihre Hausbanken - eine Musterrechnung anhand eines breit diversifizierten Mittelstandportfolios 62
4.4 Finanzierungsalternativen für mittelständische Unternehmen 65
5. Fazit und Ausblick 68
Anhang I: Interviews 72
Anhang II: Internationale Rating-Symbolik 106
Anhang III: Definition der Rating-Symbole 107
Anhang IV: Der interne Rating-Prozess 108
Anhang V: Exemplarischer Kriterienkatalog für die Vorbereitung eines mittelständischen Unternehmens auf ein internes Rating 109
Anhang VI: Wichtige Kennzahlen 111
Literaturverzeichnis 114
Eidesstattliche Erklärung 127

Automatisiert erstellter Textauszug:

3.4 Das Rahmenwerk – Die drei Säulen des neuen Baseler Akkords und dessen Implikationen für den Mittelstand Die anvisierte neue Regelung, die nach Ansicht der Experten viel umfassender, risikosensitiver und zukunftsgerichteter ist als die alte, besteht aus drei tragenden Elementen (Säulen bzw. Pillars): den Mindestkapitalanforderungen für Kreditrisiken – ergänzt um eine neue EK-Anforderung für operationelle Risiken (Pillar I), dem Supervisory Review Process (SRP), das heißt einem Verfahren der bankindividuellen Risikoüberprüfung durch die Bankenaufsicht (Pillar II) sowie den unter dem Stichwort Marktdisziplin zusammengefassten erweiterten Publizitätsanforderungen (Pillar III).87 Im Folgenden wird vor allem auf jene Regelungsvorschläge des Baseler Ausschusses ausführlich eingegangen, an denen eine überproportionale Belastung mittelständischer Firmenkunden festzumachen ist. 3.4.1 Säule Eins: Mindestkapitalanforderungen88 Die Mindestkapitalanforderungen an Banken setzen sich wie bisher aus drei grundlegenden Elementen zusammen. Diese bestehen aus der aufsichtsrechtlichen EK-Definition, risikogewichteten Aktiva (RWA, s. Fußnote 73) sowie der Mindest-EK-Quote. Zur Berechnung der EK-Quote, die den Prozentsatz für die EK-Unterlegungspflicht der jeweiligen Bank angibt, ermittelt man den Nenner (die Summe aller risikogewichteten Aktiva), indem die EK-Anforderungen für Marktrisiken und operationelle Risiken mit 12,5 (dem Kehrwert der Mindest-EK-Quote von acht Prozent) multipliziert werden und zur Summe der risikogewichteten Aktiva, die für das Kreditrisiko zusammengestellt wurden, addiert werden. Die Quote wird ermittelt, indem zu diesem Nenner das aufsichtsrechtliche EK als Zähler ins Verhältnis gesetzt wird.89 Die folgende Abbildung soll die Berechnung der EK-Quote verdeutlichen. [...]

Die deutsche Kreditwirtschaft sieht in der Entscheidung des Baseler Ausschusses, eine weitere Beratungsphase vorzusehen, ein wichtiges Signal. Der Ankündigung, das Konsultationspapier stärker an den Belangen mittelständischer Unternehmen auszurichten, folgen somit erste bedeutsame Schritte.83 3.2 Ziele von Basel II Bei der Entwicklung eines neuen, umfassenden Ansatzes als Empfehlung für die EKAusstattung hat sich der Baseler Ausschuss zunächst das Ziel gesetzt, die Sicherheit und Solidität des Finanzsystems zu fördern. Dabei soll die EK-Ausstattung im Bankensystem insgesamt mindestens auf dem derzeitigen Stand bleiben. Ein weiteres Ziel von Basel II stellt die Beachtung des Grundsatzes „level playing field (same business, same risks, same rules)“84 dar, womit eine Verbesserung der Wettbewerbsgleichheit bzw. -harmonisierung erreicht werden soll. Durch eine umfassendere Behandlung der Risiken wird eine dem Risikograd von Positionen und Geschäften einer Bank angemessene Ermittlung der EKAusstattung angestrebt. Zunächst soll der Schwerpunkt der neuen EK-Vereinbarung auf international tätigen Banken liegen, ihre Grundsätze sollen sich jedoch auch für die Anwendung auf Banken unterschiedlicher Komplexität und unterschiedlich anspruchsvoller Tätigkeit eignen.85 In dem Bemühen, die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen mit der Praxis besser in Übereinstimmung zu bringen und damit vor allem „regulatorisches und ökonomisches Kapital anzugleichen“, stellen die Reformvorschläge einen großen Fortschritt dar. Ziel der Reform ist es, eine Verbesserung des bankinternen Risikomanagements durch eine risikoadäquate Unterlegung der Bankaktiva mit EK zu erreichen. Die Einsicht, dass die grundlegende Intention des neuen Baseler Akkords durchaus korrekt ist, geht angesichts der größtenteils heftigen Kritik an dem Papier bisweilen verloren. Der status quo hat Verzerrungen in der Allokation von Kapital auf verschiedene Kapitalnehmer zur Folge und setzt somit nur wenige Anreize zum Aufbau einer hochentwickelten Risikomanagementkultur. Mit Basel II sollen derartige „Fehlanreize“, wenn nicht vermieden, so doch deutlich reduziert werden.86 [...]

von 1988 durch eine risikogerechtere Regelung (Basel II) ersetzen soll. Am 16. Januar 2001 wurde ein weiterer konkreter Vorschlag (zweites Konsultationspapier) vorgelegt, in dem die zahlreichen hierzu eingegangenen Stellungnahmen berücksichtigt wurden. Am 31.05.2001 ist eine erneute Stellungnahmefrist abgelaufen.78 Der Baseler Ausschuss hat seit Anfang dieses Jahres rund 250 Stellungnahmen von Banken, Verbänden und Rating-Agenturen zu dem zweiten Konsultationspapier erhalten. Aufgrund der „hohen Qualität der Stellungnahmen“ und der damit einhergehenden längeren Bearbeitung muss der ursprüngliche Zeitplan von Basel II verschoben werden.79 Nach dem bisherigen Zeitplan sollten die neuen Baseler Grundsätze bis Ende 2001 vom Baseler Ausschuss verabschiedet und parallel in einen Entwurf für eine EU-Richtlinie übertragen werden. Anschließend sollte die Richtlinie von den europäischen und nationalen Gesetzgebungskörperschaften beschlossen werden und Anfang 2004 in Kraft treten.80 Der Baseler Ausschuss sieht nun vor, Anfang 2002 eine dritte Konsultationsrunde mit der Kreditwirtschaft und anderen Interessierten zu Basel II durchzuführen. Das Inkrafttreten der neuen Regeln wird sich voraussichtlich auf 2005 verschieben.81 Vor allem das deutsche Kreditgewerbe hatte in den vergangenen Wochen und Monaten massiv kritisiert, dass das gesamte Regelwerk wegen der zahlreichen „unzulänglichen“ und „widersinnigen“ Baseler Reformvorschläge nochmals überarbeitet werden müsse und daher auch die Konsultationsfristen zu verlängern seien. Die größte Befürchtung der im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) vertretenen Verbände besteht darin, dass Basel II die EKAnforderungen für Unternehmenskredite im Durchschnitt erhöht und somit die Kreditkonditionen verschlechtert, wodurch vor allem der Mittelstand unangemessen belastet würde. Daher begrüßten die involvierten Institutionen und Verbände – wie die Bundesregierung, das deutsche Kreditgewerbe, der DSGV, der Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands e. V. Berlin (VöB), der Bundesverband deutscher Banken e. V. Berlin (BdB), der Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V. Bonn (BVR) sowie die Europäische Kommission – einstimmig die Entscheidung des Baseler Ausschusses.82 [...]

Arbeit zitieren:
Brockhaus, Miriam September 2001: Credit Rating im Mittelstand, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Credit Rating, Basel II, Mittelstand, Finanzierung mittelständischer Unternehmen, Kunde-Bank-Beziehung

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