Corporate Social Responsibility in kleinen und mittleren Unternehmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Lisa Neidhöfer
- Abgabedatum: April 2011
- Umfang: 84 Seiten
- Dateigröße: 857,6 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Hohenheim Deutschland
- Bibliografie: ca. 112
- ISBN (eBook): 978-3-8428-1860-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Neidhöfer, Lisa April 2011: Corporate Social Responsibility in kleinen und mittleren Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: CSR, KMU, Corporate Social Responsibility, kleine und mittlere Unternehmen, gesellschaftliche Verantwortung
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Diplomarbeit von Lisa Neidhöfer
Einleitung:
Unternehmen verlieren an Vertrauen:
Unternehmensskandale, Korruptionsvorfälle, Umweltkatastrophen und vor allem die globale Finanz- und Wirtschaftskrise haben zu einem sinkenden Vertrauen der Bevölkerung in die Unternehmen geführt. Dieser Vertrauensverlust hat bewirkt, dass Unternehmensentscheidungen und die damit einhergehenden Auswirkungen auf Mensch und Natur verstärkt im Fokus einer kritischen Öffentlichkeit stehen. Es wird nicht mehr nur danach gefragt, wie viel Gewinn und Umsatz ein Unternehmen erwirtschaftet oder was es mit seinen Gewinnen macht, sondern auch danach wie eine Unternehmung ihre Gewinne erzielt. Die Kritik am reinen Shareholder-Value-Gedanken, der die Interessen der Eigenkapitalgeber eines Unternehmens in den Mittelpunkt stellt, wird lauter und nicht-finanzielle Aspekte gewinnen für eine erfolgreiche Unternehmensführung zunehmend an Bedeutung. Die Erwartungen und Ansprüche der Gesellschaft an Unternehmen sind gestiegen: Unternehmen sollen sich auf eine verantwortungsvolle Art und Weise verhalten, sie sollen neben ihrer ökonomischen auch ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung nachkommen.
Um die gesellschaftliche Akzeptanz zu stärken und Vertrauen aufzubauen, müssen sich Unternehmen für gesellschaftliche Themen öffnen und über die traditionellen Stakeholder hinaus weitere Interessengruppen wie die lokale Gemeinschaft oder Nichtregierungsorganisationen in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen. Viele Unternehmen haben diese Entwicklungen bereits erkannt und die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung (Corporate Social Responsibility = CSR) ist für sie kein neues Thema. Allerdings darf es den Unternehmen bei ihrem verantwortlichen Handeln nicht lediglich um ‘Green- oder Bluewashing’ gehen, das heißt oberflächliche CSR-Aktivitäten für reine PR-Zwecke sind der falsche Weg. Zum Erhalt ihrer Reputation und Glaubwürdigkeit sollten Unternehmen die Werte, die sie mit ihren Maßnahmen nach außen kommunizieren, auch tatsächlich leben. Die allgemeine Auseinandersetzung mit dem Thema Ethik in der Wirtschaft hat deutlich zugenommen und es gibt gute Gründe dafür anzunehmen, dass die Bedeutung der Unternehmensethik weiter wachsen wird.
Gang der Untersuchung:
In der vorliegenden Arbeit wird die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung, in der Fachdiskussion unter dem Begriff Corporate Social Responsibility bekannt, in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) untersucht. Es geht um die Frage, wie sich die Besonderheiten des KMU-Sektors auf das ethische Verhalten der Unternehmen und die Umsetzung von CSR auswirken. Welche wesentlichen Unterschiede bestehen im Vergleich zu multinationalen Großunternehmen?
Im Grundlagenteil wird zunächst erklärt, dass das durch die Globalisierung ausgelöste Unvermögen der Nationalstaaten, einen funktionierenden internationalen Ordnungsrahmen bereitzustellen, zu der Notwendigkeit geführt hat, dass Unternehmen selbst zu einer stabilen Weltordnung beitragen. Unternehmen, die unter den heutigen Rahmenbedingungen zu den einflussreichsten und stärksten Institutionen zählen, sollen Verantwortung für die Gesellschaft wahrnehmen. Im Weiteren wird der Begriff Corporate Social Responsibility konkretisiert und von anderen begriffsverwandten Konzepten abgegrenzt.
Anschließend werden bestehende Richtlinien und Standards sowie sonstige ausgewählte Instrumente zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility vorgestellt. Zudem wird in diesem Kapitel kurz auf mögliche Gründe für die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen eingegangen, um dann ausführlich die Frage zu untersuchen, ob eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung mit ökonomischen Vorteilen verbunden ist.
Im vierten Kapitel werden kleine und mittlere Unternehmen sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht definiert. Die charakteristischen Besonderheiten von mittelständischen Unternehmen werden dargestellt und die volkswirtschaftliche Bedeutung von KMU hervorgehoben.
Im folgenden Schwerpunktteil werden die generierten Erkenntnisse zusammengefügt und die konkrete Umsetzung der gesellschaftlichen Verantwortung in KMU betrachtet. Es geht um die Auswirkungen der spezifischen Charakteristika kleiner und mittlerer Unternehmen auf ihr CSR-Engagement. Dabei stehen zuerst der Eigentümer-Unternehmer und dessen persönlicher Einfluss auf die Unternehmensführung und -ethik im Mittelpunkt. Daran anschließend werden die Motive und Hinderungsgründe der KMU für ein Engagement aufgeführt, bevor die regionale Verankerung sowie die Organisation und Kommunikation der CSR-Aktivitäten erläutert wird. Unter dem Kapitel 5.2 werden die vier CSR-Handlungsfelder (Arbeitsplatz, Umwelt, Gemeinwesen und Markt) vorgestellt und im Hinblick auf den Mittelstand näher behandelt.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Unternehmen verlieren an Vertrauen | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 2 |
| 2. | Grundlegende Aspekte zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen | 3 |
| 2.1 | Die sich verändernde Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft | 3 |
| 2.2 | Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen: Begriffsarbeit tut Not | 5 |
| 2.2.1 | Corporate Social Responsibility | 6 |
| 2.2.1.1 | Die Entwicklung des Begriffs | 6 |
| 2.2.1.2 | Aktuelles Begriffsverständnis in Europa | 8 |
| 2.2.2 | Nachhaltige Entwicklung und Corporate Sustainability | 10 |
| 2.2.3 | Corporate Citizenship | 12 |
| 2.2.4 | Corporate Governance | 13 |
| 3. | Instrumente und Motive zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility | 14 |
| 3.1 | Die Vielfalt von CSR-Instrumenten | 14 |
| 3.1.1 | Internationale Richtlinien | 15 |
| 3.1.2 | Standards | 17 |
| 3.1.3 | Verhaltenskodizes, Gütesiegel und Nachhaltigkeitsberichte | 19 |
| 3.2 | Existiert ein Business Case für CSR? | 20 |
| 4. | Kleine und mittlere Unternehmen | 24 |
| 4.1 | Begriffsbestimmung | 24 |
| 4.1.1 | Quantitative Abgrenzungsmerkmale | 24 |
| 4.1.2 | Qualitative Abgrenzungsmerkmale | 28 |
| 4.2 | Zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der KMU | 30 |
| 5. | CSR in kleinen und mittleren Unternehmen | 32 |
| 5.1 | Besonderheiten des CSR-Engagements bei KMU | 32 |
| 5.1.1 | Der Eigentümer-Unternehmer | 34 |
| 5.1.1.1 | Unternehmensführung in KMU | 35 |
| 5.1.1.2 | Unternehmensethik in KMU | 37 |
| 5.1.2 | Motive und Hinderungsgründe der KMU | 38 |
| 5.1.3 | Regionale Verankerung der CSR-Aktivitäten | 42 |
| 5.1.4 | Organisation und Kommunikation des Engagements | 43 |
| 5.2 | CSR-Handlungsfelder | 46 |
| 5.2.1 | Arbeitsplatz | 47 |
| 5.2.2 | Umwelt | 50 |
| 5.2.3 | Gemeinwesen | 54 |
| 5.2.4 | Markt | 58 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 61 |
| 6.1 | Zusammenfassung | 61 |
| 6.2 | Kritische Anmerkungen zur aktuellen CSR-Diskussion | 63 |
| Literaturverzeichnis | V |
Textprobe:
Kapitel 3.1.2, Standards:
Der Social Accountability 8000 (SA 8000) ist ein prüffähiges Zertifizierungsverfahren der Nichtregierungsorganisation Social Accountability International (SAI), deren Mission es ist, die Arbeitsbedingungen und Menschenrechte der Arbeitnehmer auf der ganzen Welt zu fördern. Der SA 8000 wurde 1997 in einem von der SAI initiierten Multi-Stakeholder-Prozess entwickelt. Im Jahre 2008 erschien dann nach einer zweijährigen Überarbeitungszeit die dritte Version dieses internationalen Standards. SA 8000 ist ein System, das die Verbesserung der Arbeitnehmerrechte innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette gewährleisten soll. Zur Überprüfung der Einhaltung der Anforderungen ist eine Zertifizierung durch unabhängige Dritte vorgesehen. Die normativen Bestimmungen des SA 8000-Standards basieren auf den Konventionen der ILO, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der UN-Konvention über die Rechte der Kinder von 1989.
Die Global Reporting Initiative (GRI) wurde 1997 mit dem Ziel in Leben gerufen, einen gemeinsamen weltweit anwendbaren Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu schaffen. Durch einen andauernden Multi-Stakeholder-Dialog und die Bemühungen um einen Konsens der Fachleute konnte der Berichtsrahmen kontinuierlich verbessert werden. Die dritte und aktuelle Version der Sustainability Reporting Guidelines, bekannt als der G3-Leitfaden, wurde im Oktober 2006 veröffentlicht. Der GRI-Leitfaden soll insbesondere multinationale Unternehmen, aber auch KMU, Regierungen und NGOs bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten unterstützen. Zudem soll er eine Vergleichbarkeit der Informationen für die Stakeholder erreichen, indem eine standardisierte Darstellung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistung von Organisationen angestrebt wird.
Die AccountAbility Prinzipien für nachhaltige Entwicklung erschienen erstmals im AA 1000 AccountAbility Framework Standard, der 1999 veröffentlicht wurde. In den letzten Jahren wurde der AA 1000 in einem umfassenden Multi-Stakeholder-Prozess ausführlich überarbeitet, so dass der Standard heute in drei verschiedenen Dokumenten vorliegt: dem AA 1000 AccountAbility Principles Standard von 2008, dem AA 1000 Assurance Standard ebenfalls aus dem Jahr 2008 sowie dem 2011 erschienenen AA 1000 Stakeholder Engagement Standard. Die Standards der AA 1000-Serie basieren auf Prinzipien und verfolgen zum einen das Ziel, die Qualität und Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichte zu erhöhen. Zum anderen liegt der Fokus auf der Einbeziehung aller relevanten Stakeholder in den Nachhaltigkeitsprozess der Organisation.
Ein weiterer Standard ist das vom Zentrum für Wirtschaftsethik (ZfW) entwickelte WerteManagementSystemZfW (WMSZfW). Ziel des WMSZfW ist die Sicherung eines nachhaltigen Unternehmenserfolgs durch die Integration von Werten wie Integrität, Ehrlichkeit und Achtung in den Unternehmensalltag. Die Implementierung dieses Managementstandards soll eine werteorientierte Unternehmenskultur schaffen, die auf dem Konzept der Selbststeuerung der Unternehmen basiert.
3.1.3, Verhaltenskodizes, Gütesiegel und Nachhaltigkeitsberichte:
Ein wichtiges unternehmerisches Instrument zur Verwirklichung von Corporate Social Responsibility sind Verhaltensregeln. Mit der Ausarbeitung freiwilliger Verhaltenskodizes verpflichten sich Unternehmen selbst zur Einhaltung bestimmter Grundwerte und Leitlinien der Unternehmenstätigkeit hinsichtlich Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Umweltaspekte. Ein Verhaltenskodex (Code of Conduct) ist eine formelle Erklärung, welche die ethischen und ökologischen Unternehmensstandards beschreibt und sich vielfach auch an die Zulieferer des Unternehmens richtet. Die Wirksamkeit von festgelegten Geschäftsprinzipien hängt davon ab, inwieweit die Selbstverpflichtungen der Unternehmen ordnungsgemäß umgesetzt und überwacht werden.
Neben der Qualität von Produkten und Dienstleistungen spielt die umweltschonende und sozial verträgliche Herstellung, Anwendung und Verwertung von Unternehmensleistungen für viele Konsumenten heute eine wesentliche Rolle. Um die Verbraucher über soziale oder ökologische Aspekte der Produktionsbedingungen wie z.B. den Umgang mit Zulieferbetrieben zu informieren, kommen verschiedene Sozial- und Umweltgütesiegel, ein weiteres Instrument im CSR-Bereich, zum Einsatz. Gütesiegel können sich auf ein einziges Thema, wie beispielsweise Kinderarbeit oder aber auf mehrere Themenbereiche, wie Arbeitsbedingungen oder fairen Handel beziehen. So bezeugen Produkte, die mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnet sind, dass ihre gesamte Wertschöpfungskette die Prinzipien des fairen Handels der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) respektiert.
Stakeholder erwarten nicht nur, dass Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, sondern sie wollen auch über die sozialen und ökologischen Unternehmensaktivitäten informiert werden. Es gibt heutzutage einen Wunsch nach mehr Transparenz und einer Stärkung der Rechenschaftspflicht (Accountability) von Unternehmen. Aus diesem Grund werden immer mehr Sozial- und Umweltberichte veröffentlicht, die den Verbrauchern und der gesamten Öffentlichkeit Informationen über die durchgeführten CSR-Maßnahmen zur Verfügung stellen. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Auskünfte über die so genannte ‘triple bottom line’ mit den Eckpunkten Soziales, Ökologisches und Ökonomisches beinhaltet, ist als Weiterentwicklung von Umweltschutzberichten, die bereits in den späten 1970er Jahren erstellt wurden, entstanden. Um eine Vereinheitlichung im CSR-Berichtswesen zu erreichen, entwickeln verschiedene Organisationen Standards und Leitlinien (z. B. Empfehlungen der Global Reporting Initiative). Die Sozial- und Umweltberichterstattung kann als wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie zur Umsetzung von CSR verstanden werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842818606
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Neidhöfer, Lisa April 2011: Corporate Social Responsibility in kleinen und mittleren Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
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CSR, KMU, Corporate Social Responsibility, kleine und mittlere Unternehmen, gesellschaftliche Verantwortung



