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Corporate Social Responsibility in Kriegen

Privatwirtschaftliche Unternehmen als Akteure in Konfliktsituationen

Corporate Social Responsibility in Kriegen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Simone Ungersböck
  • Abgabedatum: August 2006
  • Umfang: 196 Seiten
  • Dateigröße: 940,4 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • Bibliografie: ca. 95
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0056-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0056-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0056-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ungersböck, Simone August 2006: Corporate Social Responsibility in Kriegen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Soziale Verantwortung, Multinationaler Konzern, Konflikt, Frieden, Völkerrecht

Diplomarbeit von Simone Ungersböck

Einleitung:

Multinationale Konzerne stellen heute bedeutende Akteure in den internationalen Beziehungen dar. Seit den 1960er Jahren wurden sie zu einem neuen Phänomen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Aufgrund weltweiter Tätigkeiten kommen sie immer öfter mit Gewalt und kriegerischen Konflikten in Kontakt, was einige Forscher dazu veranlasste, speziell die Rolle der Privatwirtschaft in Kriegen zu untersuchen. Dieser Forschungsgegenstand ist relativ neu, denn bisher befanden sich insbesondere Verhalten und Interessen von Nationalstaaten und Regierungen im Blickfeld der Friedens- und Konfliktforschung. Es ist aber durchaus angebracht und notwendig, diesen traditionellen Forschungsansatz zu erweitern, weil Konzerne heute viel Macht und Einfluss besitzen. Demgemäß sollten sie für Geschäftsaktivitäten soziale Verantwortung, d.h. Corporate Social Responsibility, kurz CSR, übernehmen und Entscheidungen stets ihrem Umfeld anpassen, vor allem wenn sie in Konfliktregionen tätig sind. Da durch Geschäftstätigkeiten negative Auswirkungen auf Konfliktsituationen bzw. auf Gesellschaften entstehen können, muss die Privatwirtschaft danach trachten, Nebeneffekte zu vermeiden bzw. so gering wie möglich zu halten.

In den vergangenen Jahren wurden bestimmte Konzerne öffentlich für Verbindungen zu korrupten Regierungen, deren Finanzierung bzw. für Verwicklungen in Kriegsökonomien angeprangert. Einer der bekanntesten Fälle ist die Hinrichtung von Ken Saro-Wiwa und acht weiteren Angehörigen des Ogoni-Volkes durch die nigerianische Regierung im Jahr 1995. Auslöser war ein Protest gegen die Regierung sowie die Menschenrechte verletzenden Praktiken des Konzerns Shell bei der Ölförderung. Ein Sprecher der Firma meinte damals lapidar, dieser Vorfall sei „not an appropriate subject for private companies… to comment on“.

Seit jener Zeit hat sich einiges geändert. Multinationale Konzerne finden es zunehmend wichtiger, Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, in der sie tätig sind, zu übernehmen und wägen genauer ab, mit welchen Behörden sie Geschäftsbeziehungen eingehen. Deswegen wäre eine Neubestimmung der Position von Unternehmen in der Weltgesellschaft notwendig. Immer öfter wird die Frage aufgeworfen, inwiefern die international tätige Privatwirtschaft globale Verantwortung übernimmt. Wahrung und Schutz sozialer Werte werden stärker denn je gefordert. Ihre neue Rolle geht deutlich über den engen ökonomischen Bereich hinaus zu sozialem und ökologischem Engagement – gerade in Konfliktsituationen. Es zählt nicht mehr nur Verantwortung gegenüber Aktionären bzw. Maximierung des Shareholder-Value, sondern genauso das Wohl der Gesellschaft, die von Unternehmensentscheidungen betroffen sein kann.

Trotz dieses positiven Trends muss man realistisch bleiben: Nur ein kleiner Teil der Wirtschaftswelt stellt sich Diskussionen um soziale Verantwortung in Kriegen. Während multinationale Konzerne eigene Interessen zunehmend mit denen der Gesellschaft in Einklang zu bringen versuchen und sich für soziale Entwicklung und Stabilität einsetzen, zeigen Unternehmen aus Entwicklungs- oder Schwellenländern kaum bis gar kein Interesse an negativen Auswirkungen ihrer Tätigkeiten auf ihr gesellschaftliches Umfeld.

Im öffentlichen Diskurs wird oft die falsche Annahme vermittelt, dass sämtliche Formen privater Geschäftsaktivitäten in Konfliktsituationen zwangsläufig negative Auswirkungen hätten und alle Konzerne verantwortungslos und rein profitgesteuert agieren würden. Allerdings sollte der private Sektor differenziert betrachtet werden, da er unterschiedliche Interessen vertritt. Diese Arbeit versteht sich als Bestandsaufnahme aktueller Debatten über gesellschaftliche Verantwortung der Privatwirtschaft in Kriegen. Sie untersucht die potentiell positive Rolle von Konzernen in Bezug auf Konfliktprävention und Peace-building sowie auf Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung.

Die Tatsache, dass vorliegendes Thema in Österreich bislang nicht genauer bearbeitet worden ist, war Ansporn, mich genauer damit zu beschäftigen und auf diese aktuelle und wichtige Thematik hinzuweisen. Ich hoffe, mit der Arbeit Interesse für die Problematik zu wecken und einen für die Politikwissenschaft relevanten Beitrag zu leisten.

Nach einem kurzen Überblick des Forschungsstands betreffend die Rolle privatwirtschaftlicher Akteure in Konfliktsituationen, folgt eine Abgrenzung des Themas. Anschließend werden neben wesentlichen Zielsetzungen zentrale Forschungsfragen sowie zu prüfende Hypothesen angeführt.

Inhaltsverzeichnis:

IM FOKUS: CSR IN KRIEGEN 7
Notwendige Einschränkungen 11
Rahmenbedingungen für die Analyse privatwirtschaftlicher Akteure in Konfliktsituationen 13
Hypothetische Vorannahmen 15
Kontext für Konzerne in Konfliktsituationen – Theoretische Diskurse 16
Klärung der methodischen Vorgehensweise 29
1. RECHTLICHER STATUS PRIVATWIRTSCHAFTLICHER AKTEURE UND IHRE VERANTWORTUNG IN KONFLIKTSITUATIONEN 33
1.1 Begriffsklärung privatwirtschaftlicher Akteure 33
1.2 Die Entstehung eines neuen Phänomens 34
1.3 Diskussion der Macht von Staaten bzw. multinationaler Konzerne 34
1.4 Verantwortungsvolle versus verantwortungslose Unternehmen 36
1.4.1 Darstellung verantwortungsloser Unternehmenstätigkeiten 36
1.4.2 Darstellung verantwortungsvoller Unternehmenstätigkeiten 37
1.5 Ethische bzw. rechtliche Verantwortung privatwirtschaftlicher Akteure in Konfliktsituationen 38
1.6 Rechtliche Kontrolle multinationaler Konzerne 40
1.7 Versuch der Klärung der Völkerrechtssubjektivität multinationaler Konzerne 42
1.8 Macht und Verantwortung trotz unklaren Status – Ein Fazit aus dem 1. Kapitel 44
2. RELEVANZ VON CSR FÜR PRIVATWIRTSCHAFTLICHE AKTEURE IN KONFLIKTSITUATIONEN 46
2.1 Corporate Social Responsibility 47
2.1.1 Entstehung eines neuen Konzepts 47
2.1.2 Bedeutung von CSR allgemein und in Konfliktsituationen 47
2.2 Wie weit reicht gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen? 50
2.2.1 Rollenverteilung zwischen Politik und Wirtschaft 51
2.2.2 Investitionen sind kein Ersatz für Unternehmensverantwortung 53
2.2.3 CSR – nur eine geborgte Tugend von Shareholdern? 54
2.2.4 Fehlt Unternehmen die Zeit für gesellschaftliches Engagement? 55
2.3 Warum sollten Unternehmen verantwortlich handeln? 55
2.4 Welche Vorteile hat gesellschaftlich verantwortliches Denken und Handeln für Konzerne? 57
2.4.1 Wertsteigerung bei Kunden und Investoren 58
2.4.2 Reputationsvorteil 58
2.4.3 Zufriedene Mitarbeiter 59
2.4.4 CSR bringt Stabilität 59
2.4.5 Mit CSR höhere Erträge erzielen? 60
2.5 Braucht CSR eine Strategie? 60
2.6 Standards von CSR in Konfliktsituationen 63
2.7 CSR-Konzepte als Hilfestellung bei unternehmerischen Aktivitäten 64
2.7.1 Anleitungen für in Konfliktsituationen tätige Unternehmen 65
2.7.2 CSR-Konzepte internationaler und supranationaler Organisationen 66
2.7.3 Freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen 69
2.7.4 Verbindlichkeit und Effektivität von CSR-Konzepten 69
2.8 Rechtliche Regulierung von CSR 71
2.9 Bekenntnis zu freiwilliger Verantwortung – Ein Fazit aus dem 2. Kapitel 73
3. BUSINESS IN KONFLIKTEN – VERHALTEN VON PRIVATWIRTSCHAFTLICHEN AKTEUREN IN KONFLIKTSITUATIONEN 75
3.1 Risiken in Konfliktzonen bedingen Wunsch nach Frieden 75
3.2 Positive und negative Auswirkungen privatwirtschaftlichen Engagements 77
3.3 Strategien für Konzerne im Umgang mit Konfliktsituationen 80
3.3.1 Rückzug aus Konfliktregionen – eine ideale Lösung? 81
3.3.2 Bleiben und Konfliktsituation tolerieren? 83
3.3.3 Compliance – „Do no harm“ – Peace-building 84
3.3.4 Geschäftsdiplomatie – die geheime Kunst des Privatsektors? 85
3.3.5 „Circle of Influence“ und kollektive Verantwortung 87
3.4 Kooperationen zwischen Konzernen und Stakeholdern 89
3.4.1 „Public-Private Partnerships“ zur Stabilisierung von Konfliktsituationen? 89
3.4.2 Kooperationen zwischen Unternehmen und NGOs als „win-win Lösung“? 91
3.4.3 Gefahr von Kooperationen: Imageverbesserung und Käuflichkeit 92
3.5 Business in Conflict als Akt auf dem Drahtseil – Ein Fazit aus dem 3. Kapitel 92
RESÜMEE EINES POLITIKWISSENSCHAFTLICHEN STREIFZUGS IN DIE WELT VON CORPORATE SOCIAL RESPONSIBILITY IN KRIEGEN 94
CONCLUSION: CORPORATE BEHAVIOUR IN CONFLICT ZONES 99
BIBLIOGRAPHIE- UND QUELLENVERZEICHNIS 102
Literatur 102
Internetquellen 108
Interviews 110
ANHANG 111
Grafik 111
Experteninterviews – in alphabetischer Reihenfolge 112

Textprobe:

Kapitel 2.4.2, Reputationsvorteil:

Sozial verantwortliche und vorbildlich agierende Unternehmen haben bei Stakeholder Reputationsvorteile gegenüber achtlosen Konkurrenten. Konzerne nehmen lieber Kosten im Rahmen von CSR-Strategien auf sich, anstatt ihren guten Ruf zu riskieren. Unangenehme und teure Kampagnen gegen Unternehmen können viel Schaden anrichten, denn der Markenname macht beispielsweise oft einen Großteil des gesamten Unternehmenswertes aus. Mithilfe von Verhaltenskodizes können Unternehmen verhindern, angeklagt und in Gerichtsprozesse verwickelt zu werden. Langfristig zahlt sich CSR auf jeden Fall aus, denn im Vergleich sind Kosten für CSR-Maßnahmen niedriger als der Schaden, der durch Zerstörung des guten Images von Unternehmen in der Öffentlichkeit verursacht werden könnte. Verantwortungslosen Unternehmen könnten Benachteiligungen bei der Vergabe von Lizenzen bzw. Proteste drohen.

Tatsache ist, dass Druck von NGOs nicht bei allen Unternehmen gleich stark wirkt bzw. erfolgreich ist. Jedoch gilt die Annahme, dass Unternehmen umso mehr darauf reagieren und eventuellen Forderungen nachgeben, je bekannter sie in der Öffentlichkeit sind. NGOs sind sich dessen durchaus bewusst, weshalb von ihnen insbesondere jene Konzerne öffentlich unter Druck gesetzt werden, deren Namen und Produkte jeder kennt. Das passiert allerdings nicht, weil sie weniger Verantwortung zeigen als ihre unbekannten Gegenspieler, sondern weil sie allgemein bekannt und deswegen von Medien angreifbarer sind. NGOs erhoffen sich, dass solche Kampagnen auf andere Unternehmen abschreckende Wirkung haben und dass positive Änderungen erreicht werden können. „…some companies, such as those with a high-street presence, will always be subject to greater consumer pressure than companies with a lower public profile.

Arbeit zitieren:
Ungersböck, Simone August 2006: Corporate Social Responsibility in Kriegen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Soziale Verantwortung, Multinationaler Konzern, Konflikt, Frieden, Völkerrecht

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