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Corporate Governance bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten

Corporate Governance bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nadine Hirte
  • Abgabedatum: Mai 2004
  • Umfang: 88 Seiten
  • Dateigröße: 572,4 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8202-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8202-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8202-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hirte, Nadine Mai 2004: Corporate Governance bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Unternehmensverfassung, Sparkasse, Controlling, Organisation, Vorstand

Diplomarbeit von Nadine Hirte

Einleitung:

Seit Jahren wird die Privatisierung öffentlich-rechtlicher Unternehmen durchgeführt und gefordert. Auch der Bankenmarkt befindet sich im Umbruch. Erst kürzlich war die Privatisierung der Sparkasse Stralsund ein heiß diskutiertes Thema. Es besteht die Annahme, dass private Unternehmen effizienter sind als öffentliche Unternehmen. Somit erhofft man sich mit Hilfe der Privatisierung Effizienzgewinne. Die Effizienz von Unternehmen wird aktuell unter dem Begriff Corporate Governance diskutiert. Dabei werden die aus der Trennung von Eigentum und Unternehmensführung resultierenden Probleme untersucht. Interne Strukturen sowie externe Einflüsse finden Beachtung.

In Deutschland gibt es verschiedene Corporate Governance-Gesetze sowie Corporate Governance-Kodizes. Diese beziehen sich jedoch auf börsennotierte Aktiengesellschaften. Teilweise wird ein Corporate Governance-Kodex für öffentlich-rechtliche Kreditinstitute in Erwägung gezogen. In der Diplomarbeit steht die Sparkasse als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut und Basis der Sparkassen-Finanzgruppe im Fokus. Die Leitung, Organisation und Kontrolle der Sparkasse wird im Hinblick auf Defizite untersucht. Für die identifizierten Schwachpunkte werden Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Sparkassen erfüllen einen öffentlichen Auftrag, d.h. sie nehmen Funktionen der Daseinsvorsorge wahr. Dafür arbeiten sie eng mit ihrer Kommune zusammen. Der politische Einfluss auf die Arbeit der Sparkasse wird immer wieder kritisiert. Oft wird die Privatisierung gefordert. Es wird gesagt, dass die Interessen der Vorstände und die Interessen der eigentlichen Eigentümer (Bürger) auseinander gehen können, wenn die Geschäftstätigkeit politisch beeinflusst wird. Im Rahmen der Analyse wird u.a. der Einfluss der Politik untersucht und die sich daraus für die Erfüllung des öffentlichen Auftrags ergebenden Konsequenzen.

Die Arbeit besteht aus 6 Teilen. Im 2. Teil werden die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute insbesondere die Sparkassen näher charakterisiert. Aufgrund der Effizienzdiskussion werden dann die Corporate Governance-Aspekte auf die Situation der Sparkassen bezogen, definiert. Mit Hilfe verschiedener ökonomischer Theorien werden sodann optimale Aspekte für die Strukturen der Sparkassen herausgestellt. Der Schwerpunkt der Ausführungen liegt im 4. Teil. Dort werden die gegebenen Beziehungen und Strukturen der Sparkasse mit Hilfe der ökonomischen Theorien analysiert. Basierend darauf werden Lösungsvorschläge für identifizierte Probleme herausgestellt. Der vorletzte Teil bildet die Diskussion der bestmöglichen Verankerung der Empfehlungen. Mit abschließenden Bemerkungen wird die Arbeit beendet.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis VII
1. Einleitung 1
2. Öffentlich-rechtliche Kreditinstitute als Teil des deutschen Bankensystems 2
2.1 Abgrenzung und Aufbau des deutschen Bankensystems 2
2.2 Sparkassensektor als Teil der Sparkassen-Finanzgruppe 3
2.3 Sparkassen als lokale Ebene des Sparkassensektors 4
2.3.1 Merkmale 4
2.3.2 Rechtliche Rahmenbedingungen 6
2.3.3 Organisatorischer Aufbau 8
2.3.4 Eigentumsverhältnisse 8
2.4 Effizienz (und Effektivität) von Sparkassen 9
3. Bedeutung der Corporate Governance für Sparkassen 11
3.1 Begriff und Gegenstand 12
3.2 Ökonomische Erklärungsansätze als Grundlage der Soll-Konzeption für effiziente Governance-Strukturen von Sparkassen 15
3.2.1 Analyseobjekt Sparkasse im ökonomischen Kontext 16
3.2.1.1 Mehrstufige Prinzipal-Agenten-Beziehung 16
3.2.1.2 Zusammenwirken der ökonomischen Erklärungsansätze 18
3.2.2 Prinzipal-Agenten-Beziehungen als Ausgangspunkt der Soll-Konzeption 20
3.2.2.1 Informationen 20
3.2.2.2 Kontrollen 21
3.2.3 Verhaltenssteuerung durch Verfügungsrechte 23
3.2.4 Einflussfaktor Transaktionskosten 25
3.2.5 Zusammenfassung der Analyse-Aspekte 26
4. Erarbeitung von Empfehlungen für effiziente Governance-Strukturen von Sparkassen 26
4.1 Einfluss der Bürger als originäre Prinzipale 27
4.1.1 Möglichkeiten und Anreize zur Kontrolle ihrer Vertreter 27
4.1.2 Verbesserung des Informationsangebots 28
4.2 Gewährträger (Politiker) als Vertreter der Bürger 29
4.2.1 Zielsetzung der Sparkasse 29
4.2.2 Verfügungsrechte der Gewährträgerkörperschaft 32
4.2.3 Ziele der Politiker 33
4.3 Externe Kontrollmechanismen zur Disziplinierung der Geschäftsführung 36
4.3.1 Märkte 36
4.3.1.1 Kontrollpotenzial 36
4.3.1.2 Diskussion der Privatisierung 37
4.3.2 Institutionalisierte Kontrollen 38
4.3.2.1 Möglichkeiten der Staatsaufsicht 38
4.3.2.2 Jahresabschlusses als Rechenschaft der Geschäftstätigkeit 39
4.4 Kontrollorgan der Sparkasse 40
4.4.1 Zusammensetzung und Aufgaben 40
4.4.2 VWR im Spannungsverhältnis 42
4.4.3 Empfehlungen zur Verbesserung der Kontrolltätigkeit 45
4.5 Beziehung des Geschäftsführungs- und Überwachungsorgans 46
4.5.1 Enge Verzahnung der Aufgaben 46
4.5.2 Problem des politischen Einflusses 47
4.6 Geschäftsführungsorgan der Sparkasse 49
4.6.1 Aufbau und Kompetenzen 49
4.6.2 Interessen des Vorstands 50
4.6.3 Empfehlungen für eine optimale Geschäftsführung 52
4.7 Zusammenfassung der Empfehlungen 54
5. Kodifizierung der Empfehlungen 55
6. Abschlussbemerkungen 57
Anhang 58
Literaturverzeichnis 69
Ehrenwörtliche Erklärung

Automatisiert erstellter Textauszug:

Interessen.224 Aus den öffentlichen Interessen resultieren die öffentlichen Ziele, die angestrebte Zustände darstellen. Daraus werden wiederum die öffentlichen Aufgaben als Handlungsweisen abgeleitet.225 Die Zielformulierung ist ständigen Änderungen unterworfen, da das öffentliche Interesse dem laufenden gesellschaftlichen Wandel unterliegt.226 Die andauernde Änderung ruft Unsicherheit seitens der Kontrollierenden und Kontrollierten hervor. Zudem eröffnet es auch Handlungsspielräume.227 Es sollte eine Balance zwischen der Anpassung an die Umweltveränderungen und der Setzung fixer Zielvorgaben gesucht werden. Es sollte schriftlich fixiert werden, ab wann Änderungen einer Anpassung der Ziele erfordern. Die als „öffentlicher Auftrag“ bezeichneten Einzelaufgaben sind im SpkG geregelt und gelten als Zielbestimmung für die Sparkasse. Der öffentliche Auftrag ist nicht weiter konkretisiert. Offen bleibt wie dieses Ziel erreicht werden soll. Das ist Aufgabe der Sparkassenorgane. Es entstehen wiederum Handlungsspielräume.228 Die Unternehmungsleitungen dominieren den Zielsetzungsprozess und verfälschen nicht selten die Anliegen des Gewährträgers. Weiter gedacht kann gesagt werden, dass die Kontrollierten die Ziele selbst formulieren und daraus Ansprüche an den Gewährträger ableiten. Diese Tatsache wird als ein Grund für ein politisch unerwünschtes Eigenleben gesehen.229 Aus diesen Aussagen heraus könnte angenommen werden, dass es sinnvoll ist den Gewährträger die Ziele festsetzen zu lassen. Andererseits wird die Geschäftsführung der Sparkasse an den Vorstand gegeben, da dieser die Fachkenntnisse besitzt. Außerdem ist die Sparkasse selbständig und unterliegt keinen direkten Weisungen des Gewährträgers. Deshalb wird die Zieldefinition an die Organe der Sparkasse gegeben. Zwischen den Sparkassenorganen sollten die Kompetenzen feststehen. Die Beratung über den [...]

Verfügungsrechte sollte ein Wachstum der Sparkasse durch Ausweitung des Geschäftsgebietes vermieden werden. Die Zahl der Bürger würde steigen, das FreeRider-Problem zunehmen und die Handlungsspielräume der Politiker vergrößern. Auch wenn durch die Vorschläge die Informationsversorgung der Bürger und ihr Wissen über die Sparkasse verbessert werden würde, so bleiben die begrenzten Sanktionsmöglichkeiten bestehen. Die Wahlperiode ist gesetzlich fixiert. Zudem kann der betreffende Politiker nicht direkt sanktioniert werden. Deshalb muss der Fokus der CG-Untersuchung auch bei der Unternehmensverfassung ansetzen. 4.2. Gewährträger (Politiker) als Vertreter der Bürger Der Vertretungskörper des Gewährträgers ist die Schnittstelle zwischen den Sparkasseneigentümern und der Sparkasse.221 Im Gewährträgerorgan sitzen die Politiker. Der Gewährträger bzw. die Politiker sind verpflichtet die vom Gesetzgeber bestimmte Zielsetzung der Sparkasse einzuhalten. Das ist der öffentliche Auftrag und die Gemeinnützigkeit. Da Sparkassen im intensiven Wettbewerb stehen und ihren Geschäftsbetrieb ohne Subventionierung aufrechterhalten sollen, gewinnt die Gewinnerzielung für die Gewährträgerkörperschaft an Bedeutung.222 Im folgenden sollen die Verfügungsrechte der Gewährträgerkörperschaft erarbeitet werden. Damit werden die Möglichkeiten der Politiker zur Durchsetzung ihrer individuellen Ziele angesprochen. Weiterhin wird untersucht, welche Ziele die Politiker verfolgen und ob sie aufgrund ihres nutzenmaximierenden Verhaltens der Erfüllung des öffentlichen Auftrags unter Beachtung wirtschaftlicher Aspekte beipflichten. Eindeutige Ziele und klare Verantwortung für den Zieldefinitionsprozess sind Voraussetzung der Kontrolle. Da die Sparkasse gemeinwirtschaftlich arbeiten soll, muss ein spezifizierbares und operables gemeinwirtschaftliches Zielsetzungssystem existieren.223 4.2.1. Zielsetzung der Sparkasse Ausgangspunkt der Zieldefinition ist das öffentliche Interesse. Eichhorn definiert das öffentliche Interesse als Interesse der Allgemeinheit. Es entsteht aus sich überschneidenden staatlichen, kommunalen, persönlichen und gesellschaftlichen [...]

Fehlverhalten oder Skandale zur Sanktionierung führen werden.212 Dabei wird der maßgebliche Politiker allerdings nur indirekt betroffen sein. Die andere Möglichkeit ist der Wegzug.213 Wegen der hohen TAK für die Aufgabe und Übertragung der Verfügungsrechte wird auch dies nicht geschehen.214 Aufgrund mangelnden Wissens, hoher Informationskosten sowie begrenzt wirkender Sanktionen seitens der Bürger werden ihre Kontrollaktivitäten unterbleiben oder wirkungslos sein. Das eröffnet den Politikern Handlungsspielräume. Die Kontrolle wird lediglich von der politischen Opposition wahrgenommen, die aber selbst Agentenstatus hat.215 Die Bürger sind schlecht organisiert und somit einflusslos. Sie können ihre Interessen nicht vertreten.216 Wenn die Bürger Verfügungsrechte hätten, dann würden sie nicht i.S. des Allgemeinwohls handeln, sondern nach Gewinnmaximierung streben. Somit scheint die Delegation der Verfügungsrechte auf den Gewährträger sinnvoll.217 Es muss immer bedacht werden, dass die Daseinsgrundlage der Sparkasse der zu erfüllende öffentliche Auftrag ist. 4.1.2. Verbesserung des Informationsangebots Der Anreiz zur Kontrolle würde gesteigert werden, wenn dem Wähler der Zusammenhang zwischen seinem Stimmverhalten und seiner Steuerbelastung verdeutlicht werden würde. Ihnen muss zudem die Aufgabenerfüllung der Sparkasse transparent gemacht werden. Die Informationsbeschaffungs- und Kontrollkosten der Wähler würden durch einen höheren Publizitätsgrad der Leistungserstellung (insbesondere Erfüllung des öffentlichen Auftrags) sinken. Die Informationen müssten objektiv und für den Bürger verständlich dargestellt werden.218 Eine große Rolle wird den Medien zugerechnet. Diese sollten Informationen anstelle der Bürger beschaffen und ihnen verständlich übermitteln.219 Es ist zu beachten, dass die Veröffentlichung vieler Unternehmensinformationen die Erreichung bzw. Erhaltung von Wettbewerbsvorteilen verringert.220 Aus Sicht der [...]

Arbeit zitieren:
Hirte, Nadine Mai 2004: Corporate Governance bei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Unternehmensverfassung, Sparkasse, Controlling, Organisation, Vorstand

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