Corporate Governance und das Kursdifferential zwischen Vorzugs- und Stammaktien
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Alexander Thoben
- Abgabedatum: April 2005
- Umfang: 89 Seiten
- Dateigröße: 868,0 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9209-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9209-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9209-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Thoben, Alexander April 2005: Corporate Governance und das Kursdifferential zwischen Vorzugs- und Stammaktien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Vorzugsaktie, Principal-Agent-Konflikt, Kursunterschied, Stimmrechtslos, Abschaffung
In den Warenkorb
74,00 €
Diplomarbeit von Alexander Thoben
Problemstellung:
Eine der am häufigsten zitierten Definitionen für den Begriff Corporate Governance findet sich bei Shleifer und Vishny: „Corporate Governance deals with the ways in which suppliers of finance to corporations assure themselves of getting a return on their investment.“ Im Fokus des Untersuchungsgegenstandes steht also ein Principal-Agent-Konflikt zwischen Kapitalgebern und Managern.
Vor dem Hintergrund der Corporate Governance-Diskussion soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden, welche Rolle die sich aus der Separation von Eigentum und Kontrolle in einer Publikumsgesellschaft ergebende Agency-Problematik auf das Kursdifferential zwischen Vorzugs- und Stammaktien hat und welche anderen Faktoren möglicherweise zu Kurseffekten führen. Obwohl mit einer erhöhten Dividende ausgestattet und somit im Vergleich zu Stammaktien scheinbar besser gestellt, erfahren stimmrechtslose Vorzugsaktien auf dem Markt regelmäßig eine niedrigere Bewertung. Während in den 1960er Jahren noch von „irgendwelchen Gründen“ für den Kursabschlag der spöttisch als „kastrierte Aktien“ bezeichneten Beteiligungspapiere die Rede war, sind seit Ende der 1980er Jahre eine Reihe von möglichen Einflussfaktoren herausgestellt und untersucht worden.
In der vorliegenden Arbeit soll diese Diskussion näher vorgestellt und gleichzeitig der Frage nachgegangen werden, ob die Höhe des gefundenen Kursdifferentials als Gütemaß für die Qualität des Corporate Governance-Systems eines Landes angesehen werden kann, oder ob diese häufig in der Literatur anzutreffende Annahme eingeschränkt werden muss. Auch wird herausgearbeitet, wie der Unternehmenswert durch die Aufteilung des Grundkapitals in Stamm- und Vorzugsaktien beeinflusst wird und warum Aktiengesellschaften überhaupt von dem häufig eingeforderten „One Share - One Vote“-Prinzip abrücken.
Die in den letzten Jahren populär gewordene Abkehr von der Vorzugsaktie soll ebenfalls untersucht werden. Galten stimmrechtslose Vorzugsaktien lange Zeit als beliebtes Mittel zur Aufnahme neuen Kapitals ohne Verlust der Kontrollposition, so wird diese Aktiengattung mittlerweile insbesondere von großen Aktiengesellschaften als Hindernis auf dem Weg zu einer breiten Investorenattrahierung angesehen. Zu diskutieren gilt es, wie ein vor der Abschaffung bestehendes Kursdifferential von Aktienrecht und Rechtsprechung berücksichtigt wird und wie sich die Rückkehr zur „One Share - One Vote“-Struktur auf den Unternehmenswert auswirkt. Abschließend werden die von deutschen Aktiengesellschaften getroffenen Maßnahmen zur Eliminierung der Vorzugsaktie dargestellt.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. Dem einleitenden Kapitel 1 folgt in Kapitel 2 zunächst die Vorstellung des Wesens der Vorzugsaktie, wobei insbesondere auf die in Deutschland üblichen Ausgestaltungsformen eingegangen wird. Anschließend wird im ersten Hauptabschnitt (Kapitel 3) untersucht, ob und aus welchen Gründen sich die Aktienkurse von stimmberechtigten und stimmrechtslosen Beteiligungspapieren unterscheiden.
Hierzu werden zunächst generelle Überlegungen zur Agency-Problematik, zum „One Share - One Vote“-Prinzip und der Emission von Vorzugsaktien angestellt und hernach Erklärungsansätze für das Kursdifferential aus theoretischer Sicht näher beleuchtet. Im Anschluss hieran folgen die Vorstellung und Analyse einer Vielzahl empirischer Arbeiten, die potentielle Einflussfaktoren auf den Kursunterschied untersucht haben, sowie kritische Anmerkungen zur Frage, inwieweit das Kursdifferential als Gütemaß für die Ausgestaltung der Corporate Governance gelten kann.
Im insbesondere auf die Verhältnisse in Deutschland abstellenden zweiten Hauptabschnitt (Kapitel 4) wird die Eliminierung der Vorzugsaktie aus der Grundkapitalstruktur einer Gesellschaft betrachtet. Zunächst werden Gründe und Möglichkeiten für die Abschaffung der Vorzugsaktie erörtert. Auch wird der Frage nachgegangen, inwieweit ein bestehender Kursunterschied im Rahmen der Abschaffung der Vorzugsaktie aktienrechtlich berücksichtigt wird bzw. aus ökonomischer Sicht berücksichtigt werden sollte.
Im Anschluss werden empirische Befunde zur Abkehr von einer dualen Aktienklassenstruktur vorgestellt, wobei die Darstellung der von deutschen Unternehmen seit 1989 getroffenen Maßnahmen zur Abschaffung ihrer stimmrechtslosen Vorzugsaktien im Mittelpunkt steht. Im die Arbeit abschließenden Kapitel 5 werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Fazit gezogen. Hier wird auch die Frage aufgegriffen, inwieweit Emission und Abschaffung der Vorzugsaktie möglicherweise als absehbare Zeitpunkte in der Gesellschaftsentwicklung angesehen werden können.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| Abbildungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung | 1 |
| 1.2 | Gang der Handlung | 2 |
| 2. | Das Wesen der Vorzugsaktie | 3 |
| 2.1 | Mitgliedschaftsrechte des Aktionärs | 3 |
| 2.2 | Die stimmrechtslose Vorzugsaktie in Deutschland | 3 |
| 2.3 | Ausstattungsmerkmale ausländischer Vorzugsaktien | 5 |
| 3. | Die Kursdifferenz zwischen Vorzugs- und Stammaktien | 7 |
| 3.1 | Vorzugsaktien und das Agency-Problem | 7 |
| 3.1.1 | Die Separation von Eigentum und Kontrolle | 7 |
| 3.1.2 | Auswirkung von Vorzugsaktien auf das Principal-Agent-Problem | 8 |
| 3.1.3 | Die Aneignung privater Kontrollrenten durch den Kontrollaktionär | 10 |
| 3.1.4 | Die Optimalitätsregel des „One Share - One Vote“ | 11 |
| 3.1.5 | Fazit zur agency-theoretischen Diskussion | 13 |
| 3.2 | Die Emission von Vorzugsaktien | 14 |
| 3.2.1 | Gründe für die Emission von Vorzugsaktien | 14 |
| 3.2.2 | Die Auswirkung von zwei Aktiengattungen auf den Unternehmenswert | 15 |
| 3.3 | Erklärungsansätze für den Kursunterschied | 16 |
| 3.3.1 | Einfluss der Dividenden auf den Kursunterschied | 17 |
| 3.3.1.1 | Bewertung durch Dividendendiskontierung | 17 |
| 3.3.1.2 | Berücksichtigung der Dividendenausgestaltung in Deutschland | 17 |
| 3.3.2 | Einfluss des Stimmrechts auf den Kursunterschied | 20 |
| 3.3.2.1 | Einordnung des Stimmrechts in den Unternehmenskontext | 20 |
| 3.3.2.2 | Der Wert eines Stimmrechts im Rahmen einer Unternehmensübernahme | 21 |
| 3.3.2.2.1 | Übernahme durch Verhandlung mit bisherigem Kontrollaktionär | 22 |
| 3.3.2.2.2 | Aktienkäufe auf dem „offenen Markt“ | 24 |
| 3.3.2.3 | Der Kursunterschied und die Wahrscheinlichkeit einer Unternehmensübernahme | 25 |
| 3.3.2.4 | Erklärung des Stimmrechtswerts in Deutschland | 26 |
| 3.3.3 | Einfluss von Liquiditätsunterschieden | 28 |
| 3.3.4 | Einfluss des Verhältnisses von Stammaktien zu Vorzugsaktien | 28 |
| 3.3.5 | Einfluss der Börsenkapitalisierung | 29 |
| 3.3.6 | Einfluss einer Indexzugehörigkeit | 29 |
| 3.4 | Befunde in der empirischen Literatur | 30 |
| 3.4.1 | Die Höhe des Kursunterschieds | 30 |
| 3.4.2 | Determinanten des Kursunterschieds | 33 |
| 3.4.2.1 | Aktionärsstruktur | 34 |
| 3.4.2.2 | Dividendenhöhe | 37 |
| 3.4.2.3 | Liquidität | 38 |
| 3.4.2.4 | Weitere Einflussfaktoren | 39 |
| 3.5 | Die Kennziffer „Kursdifferential“ als Güte für Corporate Governance? | 40 |
| 4. | Die Abschaffung der Vorzugsaktie | 43 |
| 4.1 | Die Abschaffung von Vorzugsaktien in Deutschland | 43 |
| 4.1.1 | Gründe für die Abschaffung der Vorzugsaktie | 43 |
| 4.1.2 | Möglichkeiten zur Abschaffung von Vorzugsaktien | 45 |
| 4.1.2.1 | Umwandlung von Vorzugsaktien in Stammaktien im Wege der Satzungsänderung | 45 |
| 4.1.2.2 | Vorzugsaktienrückkaufprogramm mit anschließendem Einzug der Vorzugsaktien und gegebenenfalls Kapitalerhöhung | 47 |
| 4.1.3 | Einordnung der Aktienumwandlung in die Ebene der Vermögens- und Verwaltungsrechte | 48 |
| 4.1.4 | Aktienumwandlungen und die Höhe des Kursunterschieds | 49 |
| 4.1.4.1 | Verpflichtung zum Festlegen eines Ausgleichs für ein Kursdifferential? | 50 |
| 4.1.4.2 | Zulässigkeit von Ausgleichsmaßnahmen | 52 |
| 4.1.4.2.1 | Auf Zahlungsströmen basierender Ausgleich | 52 |
| 4.1.4.2.2 | Auf einem Umtauschverhältnis basierender Ausgleich | 52 |
| 4.1.5 | Rechtsprechung zur Abschaffung von Vorzugsaktien | 53 |
| 4.1.6 | Herleitung von angemessenen Umtauschbedingungen im Rahmen einer Umwandlung | 55 |
| 4.2 | Empirische Befunde zur Abschaffung der dualen Aktienklassenstruktur | 56 |
| 4.2.1 | Abgeschaffte Vorzugsaktien in Deutschland seit 1989 | 56 |
| 4.2.1.1 | Gewählte Abschaffungsmaßnahmen | 57 |
| 4.2.1.2 | Ausstattungsmerkmale der untersuchten Vorzugsaktien | 59 |
| 4.2.1.3 | Kursdifferential vor der Abschaffungsmaßnahme | 60 |
| 4.2.2 | Kursveränderung bei Ankündigung der Abschaffungsmaßnahme | 60 |
| 4.2.3 | Die Abschaffung einer dualen Aktienklassenstruktur begünstigende Faktoren | 62 |
| 5. | Zusammenfassung und Fazit | 62 |
| Anhang | 68 | |
| Anhang 1 | Überdividende bei hoher Bilanzgewinnausschüttung | 68 |
| Anhang 2 | Maßnahmen zur Eliminierung von Vorzugsaktien in Deutschland seit 1989 | 69 |
| Literatur-, Rechtsprechungs- und Quellenverzeichnis | 72 | |
| Literaturverzeichnis | 72 | |
| Verzeichnis der Gerichtsbeschlüsse und –urteile | 81 | |
| Rechtsquellen | 81 |
3.4.2.1 Aktionärsstruktur In den einbezogenen Studien wird ein erheblicher Einfluß der Aktionärsstruktur auf den Kursunterschied festgestellt. Das in Gliederungspunkt 3.3.2.2.2 vorgestellte Modell von Zingales geht davon aus, daß die Höhe der Stimmrechtsprämie zum einen von dem Ausmaß der abschöpfbaren privaten Kontrollrenten beeinflußt wird und zum anderen von der Wahrscheinlichkeit abhängt, daß die stimmberechtigte Aktie des außenstehenden Grenzanlegers entscheidend für die Mehrheitsbildung im Rahmen einer Übernahme wird. Um diese Wahrscheinlichkeit abzubilden, wird in der Literatur überwiegend davon ausgegangen, daß eine negative Korrelation zwischen dieser Wahrscheinlichkeit und der Stabilität der Herrschaftsverhältnisse in dem jeweiligen Unternehmen besteht. Als Indikator für die Stabilität der Herrschaftsverhältnisse verwenden einige Autoren den bereits oben genannten Shapley-Wert, andere benutzen eine Dummy-Variable für die Existenz eines Mehrheitsaktionärs. [...]
Ein Vergleich der in den unterschiedlichen Ländern gefundenen Werte ist allerdings problematisch, weil es sich nicht um den Vergleich von hinsichtlich ihrer Ausstattung identischen Aktiengattungen handelt. Während beispielsweise in Frankreich und Italien die einbezogenen Aktiengattungen in etwa mit denen in Deutschland vergleichbar sind, werden in den anderen Ländern Aktien miteinander verglichen, deren Stimmrecht sich beispielsweise um den Faktor zehn unterscheidet. De facto wird also der Kursaufschlag für Mehrstimmrechte ermittelt, weshalb sich schwerlich von diesem Wert auf den Wert eines einzelnen Stimmrechts schließen läßt. Auch der sich zwischen den Ländern unterscheidende durchschnittliche Anteil der mit einem höheren Stimmrecht ausgestatteten Aktien am Grundkapital spielt eine Rolle und verhindert einen einfachen Vergleich.138 Als wichtiges Ergebnis kann trotz differierender Berechnungsmethoden, Ausstattungsmerkmale und Rahmenbedingungen festgehalten werden, daß mit einem höheren Stimmrecht ausgestattete Aktien – in anderen Ländern ebenso wie in Deutschland – am Markt mit einem (zum Teil erheblichen) Wertaufschlag gehandelt werden. [...]
ris paribus zu einer geringeren Liquidität in diesem Segment mit entsprechend negativen Kurseffekten führen können.128 3.3.5 Einfluß der Börsenkapitalisierung Der Einfluß der Börsenkapitalisierung kann von zwei Seiten betrachtet werden. Zum einen wird ein hoher Marktwert eines Unternehmens tendenziell Interessenten abschrecken und somit die Wahrscheinlichkeit für eine Übernahme reduzieren. Zudem weist die Literatur darauf hin, daß möglicherweise in großen Unternehmen wegen strengerer Corporate Governance-Regelungen weniger private Kontrollrenten extrahiert werden können.129 Zum anderen spricht aber ein hoher Börsenwert für die Höhe der zu erwartenden Cash-flows und somit für die Attraktivität der Gesellschaft.130 Dies wiederum sollte die Übernahmewahrscheinlichkeit und damit das Kursdifferential erhöhen. 3.3.6 Einfluß einer Indexzugehörigkeit Eine Zugehörigkeit der Stammaktie oder Vorzugsaktie zu einem Index wird zu einer differenzierten Beachtung der beiden Aktiengattungen führen. Zu erklären ist dies zum einen über eine häufigere Berichterstattung in den Medien, zum anderen jedoch insbesondere über das sogenannte Indextracking institutioneller Anleger.131 Diese Indexorientierung führt bei Neugewichtungen der Indizes regelmäßig zu erheblichen Kursausschlägen an den Börsen.132 Eine geringere Nachfrage nach Papieren, die nicht im Index enthalten sind, sollte Kursunterschiede zwischen den beiden Aktiengattungen auslösen können. Des weiteren wird die relative Liquidität des im Index enthaltenen Titels erhöht. [...]
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832492090
Arbeit zitieren:
Thoben, Alexander April 2005: Corporate Governance und das Kursdifferential zwischen Vorzugs- und Stammaktien, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Vorzugsaktie, Principal-Agent-Konflikt, Kursunterschied, Stimmrechtslos, Abschaffung



