Corporate Design und Systemtheorie
Über die existentielle Rolle von Design für Organisationen und Unternehmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Henrik Johannsen
- Abgabedatum: November 2003
- Umfang: 72 Seiten
- Dateigröße: 457,1 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Hannover Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8079-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8079-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8079-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Johannsen, Henrik November 2003: Corporate Design und Systemtheorie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Unternehmenskultur, visuelle Kommunikation, soziales System, Metapher, Marke
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Diplomarbeit von Henrik Johannsen
Zusammenfassung:
Design scheint ein Luxus-Gut zu sein, mit dem sich Unternehmen, die es sich leisten können, schmücken. In einem Grossteil der Unternehmen ist Corporate Design ein „nice to have”.
Im Corporate Design geht es um die Gestaltung von Signets, Logos, Briefbögen, Imagebroschüren und Visitenkarten. Je nach Umfang des Auftrags wird das Tätigkeitsfeld des Corporate Design noch um Fahrzeugbeschriftung, Mitarbeiterkleidung und Firmengebäude erweitert. Doch erschöpft sich jede übliche Beschreibung mit dem Aufzählen von Objekten, die verschönert werden sollen. Die Notwendigkeit der visuellen Elemente wie Signets, Hausschriften und Briefköpfe steht nicht in Frage. Selbstverständlich wird bei jeder noch so kleinen Unternehmensgründung als einer der ersten Schritte ein Signet gebastelt. Grundlage für ein Corporate Design scheinen die nötigen Werkzeuge zu sein, um eine Grafik zu erstellen.
Es scheint also nicht in Frage zu stehen, dass Corporate Design überhaupt eine Daseinsberechtigung hat. Die Frage aber, welchen Sinn dieses Design im Unternehmen haben soll und auf welcher theoretischen Grundlage es beruhen kann, tritt nur selten auf die Tagesordnung.
Im Allgemeinen entsteht ein Corporate Design basierend auf einer kurzen Anforderungsbeschreibung, einem Briefing, welches die Unternehmensführung oder eine von ihr beauftragte Abteilung dem Designer übergibt. Dieses Briefing gibt dem Designer grobe Vorgaben, was von seiner Gestaltung erwartet wird.
Daraufhin erarbeitet der Designer zwei bis drei Entwürfe, die sauber auf dunkle Pappen aufgeklebt in der Riege der Entscheider vorgeführt werden. Nicht selten präsentieren mehrere Designer in Konkurrenz zu einander, so dass eine große Anzahl verschiedener Entwürfe auf etlichen Pappen zur Disposition steht. Nach kurzer Beratung soll’s dann ein Entwurf sein, besser noch die Kombination aus zwei Entwürfen.
Die entschiedene Gestaltung wird für die Produktion aufbereitet, vom produzierenden Gewerbe produziert und an das beauftragende Unternehmen geliefert. Als Abschluss des Projekts wird ein „Corporate Design Manual“ erstellt, in welchem nochmal alle Gestaltungselemente vermessen, geordnet und beschrieben werden und oftmals „verbotene“ Gestaltungsmöglichkeiten warnend durchgestrichen werden.
So genau das Corporate Design auch dokumentiert wird, in der darauf folgenden Zeit sind in Unternehmen die unterschiedlichsten Veränderungen dieser Gestaltung zu beobachten. Abteilungen fordern eigene Unterlogos, Mitarbeiter weigern sich Vorlagen, zu benutzen, Sekretärinnen bedienen sich für Präsentationen in ClipArt Sammlungen, die geschlossene Gestaltung wird bunt und gerät aus dem Ruder.
Bislang erscheinen lediglich Zwangsmechanismen dieser Verwässerung entgegen zu stehen: Wer nicht konform zur Design Dokumentation agiert, wer das Unternehmensbriefpapier falsch beschriftet, wer das Signet falsch benutzt oder gar verändert, wird gemaßregelt. Über das richtig und falsch entscheidet das Design Manual, welches wie ein Gesetzbuch zwischen den Akten archiviert wurde. Oftmals treten die Veränderungen erst zu Tage, wenn der Designer mal wieder zu Besuch ist und sich über die inzwischen entstandenen Unternehmensmedien die Haare rauft. Corporate Design scheint für die Auftraggeber eine Frage des Geldes und des Geschmacks zu sein. Welche Rolle ein Corporate Design darüber hinaus spielen kann wird selten thematisiert - über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, und Design ist ja auch teuer.
Was wird eigentlich gestaltet im Corporate Design? Es stellt sich die Frage, auf welchen grundlegenden Vorstellungen von „Unternehmen“, die unterschiedlichen Gewichtungen und Vorstellungen von Design im Unternehmen beruhen. In welchen Metaphern wird über Unternehmen und Unternehmensumfelder nachgedacht und welche Folgen haben diese gedanklichen Vorbilder für das Handeln in bezug auf Design? Gibt es andere Sichtweisen, die ein zeitgemäßeres und erfolgversprechenderes Verständnis von Corporate Design zur Folge haben?
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Luxus Corporate Design | 5 |
| 2. | Unternehmensmetaphern und -analogien | 8 |
| 2.1 | Kampf um Marktanteile | 10 |
| 2.2 | Wie ineinander greifende Zahnräder | 11 |
| 2.3 | Die Unternehmensperson | 12 |
| 2.4 | Kommunikation und Design sind unterstützende Instrumente für ein Unternehmen | 14 |
| 3. | Unternehmen als soziales System | 16 |
| 3.1 | Eine abstrakte Metapher für Unternehmen: Das System | 16 |
| 3.2 | Systemtheoretische Sichtweise hilft, Komplexität adäquat zu erfassen | 17 |
| 3.3 | Unternehmen als System besteht aus Beziehungen zwischen menschlichen Individuen | 18 |
| 3.4 | Der Mensch ist ein semantisch geschlossenes System | 19 |
| 3.5 | Direkte Informationsübertragung zwischen Menschen ist unmöglich | 20 |
| 3.6 | Menschen interagieren und bilden so parallele Wirklichkeitsvorstellungen (Synreferenz) aus | 21 |
| 3.7 | Interagieren Menschen in Bezug aufeine gemeinsame, parallelisierte Wirklichkeitsvorstellung, bilden sie ein soziales System | 22 |
| 3.8 | Unternehmen sind offene Systeme | 23 |
| 3.9 | Ein soziales System Unternehmen strebt nach Fortbestand und ist daher konservativ | 23 |
| 3.10 | Veränderungen sind möglich, wenn sie auf Akzeptanz beruhen und erfolgversprechend sind | 24 |
| 3.11 | Das System Unternehmen und seine Umwelt bedingen sich gegenseitig | 25 |
| 3.12 | Erfolgreiche Kommunikation mit Umweltsystemen kann als übergeordnetes System „Marke“ gesehen werden | 27 |
| 3.13 | Zusammenfassung der Eigenschaften eines Systems Unternehmen | 28 |
| 4. | Kommunikation in Unternehmen aus systemischer Sicht | 30 |
| 4.1 | Kommunikation ist existentiell statt instrumentell | 30 |
| 4.2 | Kommunikation ist Veränderung von Umwelt | 31 |
| 4.3 | Wahrnehmung hängt von Unterscheidungsmerkmalen ab | 32 |
| 4.4 | Das Kennen der Adressaten macht Kommunikationserfolg wahrscheinlicher | 33 |
| 4.5 | Dialog als erfolgversprechende Kommunikationsform | 33 |
| 5. | Design im sozialen System Unternehmen | 35 |
| 5.1 | Corporate Design als partnerschaftlicher Prozess ohne Zeitdruck | 37 |
| 5.2 | Integrieren statt Imponieren | 39 |
| 5.3 | Auf alle Sinne kommt es an | 40 |
| 5.4 | Einfachheit ermöglicht Prägnanz | 41 |
| 5.5 | Kommunikation über visuelle Kommunikation | 42 |
| 5.6 | Design als sprachlicher Ausdruck | 43 |
| 5.7 | Neue Präsentationsformen | 44 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 45 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 47 |
| 8. | Anhang: Präsentationsfolien | 48 |
0311_Das System Unternehmen und seine Umwelt bedingen sich gegenseitig Betrachtet man die Beziehung von Unternehmen zu seinen Kunden oder Lieferanten, so blickt man auf die Systemrelationen in einer weiteren Perspektive: Das Unternehmen als System interagiert mittelbar oder unmittelbar mit Individuen, die wiederum Teil von sozialen Systemen sind. Je mehr sich Unternehmen ausdifferenzieren und vergrößern, desto eher muss man sie als Netzwerke aus Teilsystemen (Abteilungen oder Divisionen) beschreiben, wobei den als Schnittstelle fungierenden Individuen erhöhte Aufmerksamkeit zukommen muss.50 Ein Unternehmen als System zu betrachten, setzt immer das Vorhandensein einer Umwelt voraus (die wiederum aus Systemen und Netzwerken besteht). Die Vorstellung von dieser Umwelt, zu der in unserem Kontext auch „Märkte“ und „Kunden“ gehören, ist [...]
0307_Interagieren Menschen in Bezug auf eine gemeinsame, parallelisierte Wirklichkeitsvorstellung, bilden sie ein soziales System Für ein Unternehmen als soziales System ergeben sich einschränkend zum zuvor beschriebenen sozialen Bereich folgende Bedingungen: 1. Alle Individuen dieser Gruppe müssen eine gemeinsame Wirklichkeit haben, auf welche sich ihr Handeln beziehen kann. 2. Sie müssen tatsächlich in Bezug auf diese Wirklichkeit handeln und interagieren.40 "Die Gruppenmitglieder müssen eine gemeinsame Realität und damit einen Bereich sinnvollen Handelns und Kommunizierens erzeugt haben und auf ihn bezogen interagieren."41 Ist es allen Mitgliedern eines Unternehmens möglich durch ihre Interaktionen an der Unternehmenstypischen Realitätskonstruktion teilzuhaben, so ist koordiniertes Handeln möglich. "Der Bezug auf Wirklichkeitsvorstellungen, die für das Unternehmen typisch sind, erlaubt es den im Unternehmen Tätigen, erfolgreich zu kommunizieren.”42 [...]
0306_Menschen interagieren und bilden so parallele Wirklichkeitsvorstellungen (Synreferenz) aus Hejl nennt einen solchen Bereich der vorhandenen parallelisierten Wirklichkeitsvorstellung synreferentiell. Synreferentialität ist letztlich Voraussetzung für koordiniertes Handeln. Verhält man sich in einem sozialen Bereich in Bezug auf die synreferentielle Realität, so wird das eigene Handeln von anderen lebenden Systemen so interpretiert, wie man es beabsichtigt hat.36 „Werden die wahrgenommenen Handlungen durch ebenfalls sozial ausgebildete Symbolsysteme (verbal oder nonverbal) ersetzt, so haben wir es mit Kommunikation zu tun.“37 Bezieht sich dieses Kommunikationssystem auf sich selbst und macht es möglich, sich selbst zum Gegenstand der Kommunikation zu machen, so handelt es sich um Sprache.38 Das, was wir als Sprache kennen, hat also keinen Bezug zu einer objektiven Realität, sondern ist eine rein soziale Errungenschaft und Konstruktion. Jedweder Sinn und Bedeutung sind also sozial erzeugt. Maximal erfolgreich ist Kommunikation, wenn der Empfänger einer Mitteilung die parallele Bedeutung konstruiert, die der Mitteilende intendiert hat. Dies wiederum kann durch den Mitteilenden nur überprüft werden, wenn der Empfänger so handelt, wie der Mitteilende es beabsichtigt hat.39 Nach der Selektion einer Information und der Mitteilung durch den Mitteilenden definiert sich Kommunikation also erst mit dem [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832480790
Arbeit zitieren:
Johannsen, Henrik November 2003: Corporate Design und Systemtheorie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Unternehmenskultur, visuelle Kommunikation, soziales System, Metapher, Marke



