Controlling aus strukturationstheoretischer Sicht
Ein Vorschlag von Albrecht Becker zum Perspektivenwechsel in der Controllingforschung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jens Huke
- Abgabedatum: November 2003
- Umfang: 73 Seiten
- Dateigröße: 601,2 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität der Bundeswehr Hamburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7807-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7807-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7807-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Huke, Jens November 2003: Controlling aus strukturationstheoretischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Controllingkonzepte, Dualismus, Dualität, Managementkonzept, Steuerung
In den Warenkorb
74,00 €
Diplomarbeit von Jens Huke
Einleitung:
Eine anfängliche Modeerscheinung hat sich etabliert: Controlling ist heute ein fester Bestandteil der Unternehmensführung. Dies ist das Ergebnis der rasanten Entwicklung, die das Controlling in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts vollzogen hat. zunächst waren es vornehmlich große Unternehmen, die Controllingabteilungen einrichteten. Heute ist Controlling auch in kleinen und mittleren Betrieben keine Seltenheit mehr. Sogar nicht erwerbswirtschaftliche Organisationen, wie etwa öffentliche Verwaltungen, Krankenhäuser, Universitäten, die Bundeswehr etc., bedienen sich zunehmend eines Controllings.
Mit der wachsenden Bedeutung des Controllings in der betrieblichen Praxis stieg auch das wissenschaftliche Interesse am Phänomen Controlling. Als Indiz für die wissenschaftliche Relevanz des Controllings seien die vermehrte Einrichtung von Controllinglehrstühlen an Hochschulen sowie die wachsende Anzahl controllingspezifischer Publikationen genannt.
Auch wenn Controlling in der betrieblichen Praxis als etabliert gelten kann, fehlt ein einheitliches Controllingkonzept. Empirische Untersuchungen zeigen sogar, dass die Aufgaben, die Controller in der betrieblichen Praxis übernehmen, stark differieren. Eine eindeutige Schwerpunktbildung ist in der betrieblichen Praxis kaum erkennbar. Ein einheitliches Controllingkonzept zu entwickeln, um die betriebliche Praxis nach diesen Vorstellungen zu gestalten, ist seit langem ein Ziel zahlreicher Wissenschaftler in der Controllingforschung. Der koordinationsorientierte Controllingansatz, der auf Horváth zurückgeht, schien hier lange Zeit den Weg zu weisen. Aufgrund seiner Bedeutung und Verbreitung darf die Forschung, die sich auf den Koordinationsgedanken stützt, als „traditionelle“ Controllingforschung bezeichnet werden. In der jüngsten Vergangenheit wurden neben den „traditionellen“, koordinationsorientierten Controllingkonzepten „neue“ Ansätze in der Controllingforschung entwickelt (Abschnitt 2.2). Zu diesen „neuen“ Ansätzen gehört auch das strukturationstheoretische Konzept von Albrecht Becker.
Diesen Ansatz von Becker gilt es im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit näher zu beleuchten. Dabei ist zunächst zu verdeutlichen, warum der von Becker vorgeschlagene Perspektivenwechsel in der Controllingforschung überhaupt notwendig ist. Aus diesem Grund werden aus der Gruppe der „traditionellen“ Ansätze zunächst die koordinationsorientierten Controllingkonzepte von Péter Horváth und Hans-Ulrich Küpper vorgestellt. Aus dem Bereich der „neuen“ Controllingkonzepte wird die Argumentation von Jürgen Weber und Utz Schäffer in ihrem rationalitätssicherungsorientierten Ansatz expliziert, denn auch diese ersten Versuche, die Controllingforschung neu zu beleben, greifen nach Becker zu kurz. Seine Kritik beruht darauf, dass diese Controllingansätze auf der organisationstheoretischen Basis des klassischen Managementkonzeptes basieren. Demgemäß geht jegliche Koordinationsleistung von der betrieblichen Planung aus. Gleichzeitig versteht die Controllingwissenschaft die Koordination des Führungssystems als Kernfunktion des Controllings. Begründet wird die Notwendigkeit dieser zusätzlichen Koordination durch das Controlling mit der zunehmenden Dynamik und Komplexität der Unternehmensumwelt. Es wird folglich ein Koordinationsversagen des klassischen Managementkonzeptes behauptet.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird argumentiert, dass die Controllingwissenschaft eine Begründung dieses Koordinationsversagens schuldig bleibt und ihre Begründungsstrategie damit inkonsistent wird (Abschnitt 2.3.1). Auf dem Weg zur Begründung der Notwendigkeit eines Perspektivenwechsels wird anschließend gezeigt, dass das klassische Managementverständnis als theoretische Basis für ein Controllingkonzept ungeeignet ist (Abschnitte 2.3.2; 2.3.3). Darüber hinaus wird die Koordination als Aufgabe des Controllings in Frage gestellt (Abschnitt 2.3.4). Anschließend werden Anforderungen an ein konsistentes Controllingverständnis erarbeitet.
Grundlage der Controllingkonzeption von Becker ist der bereits angesprochene Perspektivenwechsel. War die Controllingforschung bis dato darum bemüht, die Realität nach Maßgabe des jeweiligen Controllingverständnisses zu gestalten, strebt Becker mit seinem Konzept die Erklärung der beobachtbaren Controllingpraxis an. Damit ist nicht mehr die Vorstellung davon, was Controlling sein soll, also das Controllingkonzept, sondern die beobachtbare Realität dessen, was Controlling ist, also die Controllingpraxis, Ausgangspunkt der Argumentation.
Zur Erklärung der Controllingpraxis bedient sich Becker der Strukturationstheorie, deren grundlegende Argumentation im Abschnitt drei dargelegt wird. Anschließend geht es darum herauszustellen, wie Becker das Controlling aus strukturationstheoretischer Sicht konzeptualisiert (Abschnitt 4). Abschließend wird geprüft, in wieweit dieses Controllingverständnis Becker’s den aufgestellten Anforderungen genügt (Abschnitt 5).
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Analyse des gegenwärtigen Controllingverständnisses | 4 |
| 2.1 | Zielsetzungen wissenschaftlichen Arbeitens | 4 |
| 2.2 | Systematisierung der Controllingkonzepte | 7 |
| 2.2.1 | Die koordinationsorientierten Ansätze | 9 |
| 2.2.2 | Der rationalitätssicherungsorientierte Ansatz | 14 |
| 2.2.3 | Zusammenfassung | 16 |
| 2.3 | Kritische Betrachtung der Controllingkonzepte | 18 |
| 2.3.1 | Begründung des Controllings | 18 |
| 2.3.2 | Controlling im klassischen Managementkonzept | 21 |
| 2.3.3 | Kritische Betrachtung des klassischen Managementkonzeptes | 24 |
| 2.3.4 | Koordination als Aufgabe des Controllings ? | 27 |
| 2.4 | Anforderungen an ein konsistentes Controllingkonzept | 29 |
| 3. | Die Theorie der Strukturierung als organisationstheoretische Basis | 30 |
| 3.1 | Das Konzept des Handelnden und des Handelns | 31 |
| 3.2 | Das Konzept der Dualität von Struktur | 39 |
| 3.3 | Die Modalitäten im Konzept der Dualität von Struktur | 46 |
| 4. | Controlling als reflexive Steuerung | 48 |
| 4.1 | Organisationen und Unternehmen als besondere soziale Systeme | 49 |
| 4.2 | Der Controllingbegriff aus strukturationstheoretischer Perspektive | 51 |
| 4.3 | Das Controllingkonzept von Becker im Modell der Dualität von Struktur | 55 |
| 5. | Fazit | 61 |
| Literaturverzeichnis | 65 |
32 diesem Eingriff verfügt der Handelnde über die Fähigkeit eine Veränderung vorzunehmen. Dies ist wiederum nur möglich, wenn sich der Akteur gegen andere durchsetzt, also Macht ausübt. Macht ist damit in jedem Handeln enthalten. Daraus folgt, dass jeder Akteur durch sein Handeln auch mehr oder minder Macht ausüben kann.1 Die sozialen Praktiken stellen „regelhafte Aspekte sozialer Aktivitäten“2 dar. Aus dieser Definition lässt sich bereits die enge Verknüpfung zwischen sozialen Praktiken und Aktivitäten bzw. Handlungen erkennen. Die Akteure üben in der speziellen Situation, in der sie sich befinden, eine Handlung aus. Jede Handlung für sich ist zunächst situationsspezifisch verschieden und durch die individuelle Ausübung des Akteurs geprägt. So gehen beispielsweise verschiedene Studenten zu unterschiedlichen Zeitpunkten in die Sprechstunde eines Professors. Jeder klopft an, wird herein gerufen, grüßt und trägt sein Anliegen vor. Die Ausübung der Aktivitäten, beispielsweise des Anklopfens, variiert zwischen den Studenten. So klopft der eine laut, der andere leise, einer am Türrahmen, einer an der Tür, ein Student klopft einmal, der andere dreimal. Auch klopft jeder zu einem anderen Zeitpunkt an die Tür. So verschieden die einzelnen Handlungen sind, so lässt sich doch ein gemeinsames Muster, ein gemeinsamer Kern, etwas Regelhaftes erkennen, das allen Handlungen inhärent ist: Alle Studenten klopfen und warten bis sie hereingerufen werden. Diese Gemeinsamkeit in den Handlungen kennzeichnet eine soziale Praktik. Sie ist als ein Teil jeder Handlung (im Beispiel) vorzufinden, auch wenn die Ausgestaltung der Handlungen situations- und subjektspezifisch variiert.3 Es muss aber nicht jede Handlung eine soziale Praktik beinhalten. Öffnet ein Student die Tür des Büros ohne vorher geklopft zu haben, so enthält seine Handlung nicht den angesprochenen regelhaften Aspekt. Er verstößt gegen die soziale Praktik, dass man anklopft bevor man den Raum betritt. Dabei muss aber beachtet werden, dass sich eine soziale Praktik gemäß der Definition immer nur auf einen bestimmten regelhaften Aspekt der Aktivität bezieht. So kann ein Student gegen die Praktik des Anklopfens verstoßen / sie nicht anwenden, gleichzeitig wendet er aber eine andere Praktik, beispielsweise die, dass man den Professor mit „Sie“ anredet, an. Aus der Definition der sozialen Praktiken lässt sich ferner ableiten, dass sie nicht losgelöst vom Handeln existieren. Sie können nur als ein Aspekt bestimmter [...]
31 sich wechselseitig. Diese Umwandlung des Dualismus zwischen Handeln und Struktur wird auch als Dualität von Struktur verstanden. Die Struktur ist demnach zum einen Grundlage und zum anderen Ergebnis des Handelns der Akteure.1 In den folgenden Abschnitten wird das strukturationstheoretische Konzept des Handelns und der Struktur sowie die Verknüpfung zwischen beiden vorgestellt. 3.1 Das Konzept des Handelnden und des Handelns Das soziale System Ausgangspunkt der Argumentation von Giddens ist der Kontext, in dem das Handeln der Akteure stattfindet. Als solchen identifiziert er soziale Systeme. Das spezifische Merkmal derartiger Systeme besteht für Giddens in den immer wieder reproduzierten Beziehungen zwischen den sozialen Akteuren bzw. Gruppen. Diese Beziehungen werden auch als beobachtbare, soziale Praktiken bezeichnet. Derartig beständig wiederkehrende Beziehungen lassen sich sowohl innerhalb einer Nation, als auch in Kommunen oder Organisationen und damit auch in Unternehmen finden. Unternehmen sind damit auch soziale Systeme im Sinne Giddens’.2 Handeln, soziale Praktiken und Institutionen Auf Grund der substanziellen Bedeutung der sozialen Praktiken für den Systembegriff, wird hier zunächst zwischen dem Handeln und den sozialen Praktiken unterschieden. Giddens versteht Handeln „als einen beständigen Strom situativer Aktivitäten“3 der verschiedenen Akteure. Die Unterscheidung einzelner Aktivitäten bzw. Handlungen innerhalb dieses Stroms ist lediglich analytisch möglich, da die Aktivitäten keinesfalls immer geordnet nacheinander, sondern häufig zeitgleich stattfinden. Oftmals kommt es in der Realität zu zahlreichen Überschneidungen zwischen den Handlungen der Akteure. Die Trennlinien zwischen den einzelnen Aktivitäten sind nicht naturgegeben, sondern resultieren vielmehr aus der spezifischen Problemsicht. Die Abgrenzung von Aktivitäten ist damit eher eine Frage des Zwecks, als der Ontologie. Ob zum Beispiel das Verfassen eines Briefes als eine Aktivität betrachtet wird, oder das Schreiben jedes einzelnen Wortes oder sogar Buchstabens, hängt ganz davon ab, was untersucht werden soll. Ebenso stellt Handeln immer einen Eingriff in den Strom von Aktivitäten dar. Mit [...]
30 abgrenzbare Aufgabe dem Controlling bei der Erarbeitung organisationaler Realität zukommt. Dabei muss auch umfassend dargestellt werden, in welcher spezifischen Art und Weise das Controlling auf das organisationale Handeln einwirkt. Es geht somit zum einen darum herauszuarbeiten, welche Aufgaben an die Stelle der zu kurz greifenden Koordinationsfunktion treten. Zum anderen muss auch eine klare Abgrenzung des Controllings von den anderen Führungsfunktionen möglich sein. 3. Die Theorie der Strukturierung als organisationstheoretische Basis Albrecht Becker legt seiner Controllingkonzeption die Strukturationstheorie (auch Theorie der Strukturierung genannt) zu Grunde. Die Eignung der Strukturationstheorie zur Konzeptualisierung seines Controllingverständnisses begründet Becker neben der Überwindung des Dualismus von Handeln und Struktur auch mit der Möglichkeit zur Integration von Ergebnissen verschiedener Theorieperspektiven auf Organisationen.1 Die Theorie der Strukturierung wurde durch den britischen Soziologen Anthony Giddens entwickelt. Die Strukturationstheorie ist eine Sozialtheorie und damit eine Grundlagentheorie für alle Sozialwissenschaften, einschließlich der Betriebswirtschaftslehre. In dieser Funktion geht es bei der Theorie der Strukturierung vor allem um die Analyse der Personen, den zwischen ihnen bestehenden, wechselseitigen Beziehungen sowie um das Handeln der Akteure in Beziehung zu Institutionen.2 Das zentrale Element der Strukturationstheorie ist das neu gefasste Verhältnis von Handeln und Struktur zueinander. Bisher wurde die Beziehung zwischen Handeln und Struktur als ein Dualismus verstanden. Dabei sind zwei Auffassungen zu unterscheiden. Die Vertreter objektivistischer Ansätze sind der Meinung, dass das Handeln der Menschen maßgeblich durch die Struktur der sozialen Systeme, z.B. der Gesellschaft, determiniert wird und räumen deshalb auch der Struktur den Vorrang bei der Erklärung menschlichen Handelns ein. Demgegenüber steht die Argumentation subjektivistischer Ansätze, die das Handeln der Akteure rein voluntaristisch erklären.3 In der Theorie der Strukturierung werden diese gegensätzlichen Auffassungen miteinander verknüpft. Damit konkurrieren Handeln und Struktur nicht mehr miteinander, sondern bedingen [...]
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832478070
Arbeit zitieren:
Huke, Jens November 2003: Controlling aus strukturationstheoretischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Controllingkonzepte, Dualismus, Dualität, Managementkonzept, Steuerung



