Coaching - ein neues Arbeitsfeld für Diplom-Pädagogen
Eine Betrachtung aus erwachsenenpädagogischer Perspektive
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Annette Höing
- Abgabedatum: Juli 2004
- Umfang: 116 Seiten
- Dateigröße: 1,6 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8259-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8259-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8259-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Höing, Annette Juli 2004: Coaching - ein neues Arbeitsfeld für Diplom-Pädagogen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Beratung, Erwachsenenbildung, Qualitätskriterien, Kompetenz, Qualifikationsprofil
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Diplomarbeit von Annette Höing
Einleitung:
In heutigen modernen Gesellschaften finden soziale und technische Entwicklungen statt, die einerseits neue Optionen und Chancen bieten, andererseits aber auch neue Verantwortlichkeiten und Risiken bergen (vgl. Beck 1986). Stichworte wie „Individualisierung, Globalisierung, Pluralisierung“ sind beinahe täglich in den Medien zu lesen bzw. zu hören.
Durch die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen, die unsere Lebensumwelt immer komplexer machen, sowie durch die fortschreitende Auflösung tradierter Familienstrukturen, fühlen sich auf der einen Seite viele Menschen orientierungslos, verunsichert oder sogar überfordert. Die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten eines Individuums, sein Leben nach eigenen Maßstäben zu gestalten, bergen auch Risiken. Die Vielfältigkeit der Optionen bringt nicht nur mehr Verantwortung für die Lebensplanung und –gestaltung mit sich, sondern auch Verunsicherungen und den Zwang, Entscheidungen zu treffen. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die einen Überblick bekommen oder behalten möchten über die vielfältigen Chancen, die sich in einer Welt bieten, in der alles möglich zu sein scheint. Diese Menschen suchen nach Hilfen, um die Chancen optimal nutzen zu können und nichts zu „verpassen“.
Hier handelt es sich nicht nur um eine soziologische, sondern auch um eine erwachsenenpädagogische Komponente. Um die Herausforderungen einer modernen komplexen Gesellschaft zu bewältigen, benötigt der Einzelne immer neue Kompetenzen, er ist aufgefordert zu „lebenslangem Lernen“.
Weinberg (2000, S. 76) stellt fest, es sei kennzeichnend für die Erwachsenen-bildung, dass sie eng mit dem Prozess des gesellschaftlichen Wandels verbunden ist. „Der Wandel in der Lebensweise, in der Arbeit, in den ökonomisch-technischen und den politischen Verhältnissen erzeugt Lernbedarf. Die Menschen, die den Wandel verursachen und gleichzeitig ein Teil von ihm sind, brauchen Wissen und Fähigkeiten, die sie nicht haben“ (Weinberg 2000, a.a.O.).
Diese Feststellung wirft die Frage auf, wie die Menschen die entsprechenden Fähigkeiten erwerben, die ihnen bei der Bewältigung und Gestaltung individueller und gesellschaftlicher Probleme hilfreich sein können. Eine entsprechende Interventionsform ist die „Beratung“.
Mutzeck betont die Notwendigkeit von Beratung, indem er feststellt: „Orientierung, Planung, Auswahl, Entscheidung und Handlung können in unserer schnellebigen Zeit nicht allein durch in Bildungsprozessen erlernte Wissens- und Handlungskompetenzen gemeistert werden, sondern bedürfen oft rasch zugänglicher Ergänzung und Unterstützung durch Beratung“ (Mutzeck 1999, S. 10).
Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen und der damit einhergehenden Unsicherheiten konnte sich Beratung zu einem kontinuierlich expandierenden professionellen Arbeitsbereich mit einer Vielzahl von Ausdifferenzierungen in den verschiedenen Praxisfeldern entwickeln. Unterschiedlichste Anlässe, Aufgaben und Ziele von Beratung, verschiedenste Adressatengruppen sowie immer neu hinzukommende Beratungsbereiche lassen Beratung mittlerweile zu einer Interaktionsform werden, die sämtliche Alltagsbereiche durchdringt.
Eine Sonderform der Beratung im beruflichen Bereich ist das Coaching. Bei Pressemitteilungen, Buchneuerscheinungen oder Weiterbildungsangeboten in der Erwachsenenbildung taucht seit einigen Jahren immer häufiger der Begriff „Coaching“ auf. Es gibt eine Vielzahl von Veröffentlichungen zu diesem Thema.
Schaut man sich Seminarausschreibungen oder Beratungsangebote an, so wird deutlich, dass der Begriff Coaching ganz unterschiedlich verwendet wird und scheinbar jeder etwas Anderes darunter versteht. So heißt es z.B.: „Durch Coaching zu Spitzenleistungen“, „Coaching für Projektmanager“, „Voice-Coaching“, „Tiefenpsychologisch fundiertes Coaching für Frauen“ etc. Es scheint einen unüberschaubaren Markt zu geben, auf dem jeder unter dem Begriff „Coaching“ etwas anderes anbietet, teilweise auch, weil es ein lukratives Geschäft zu sein scheint. Möglicherweise werden sogar traditionelle Trainings als Coaching angeboten, weil sie sich so leichter verkaufen lassen. „Standardtrainings sind out. Der Trainer mit Berater- und Coachkompetenz ist in. Denn Trainings bekommen mehr und mehr den Charakter von Hilfe zur Selbsthilfe.“ (Mühleisen 2001, S. 30) Ist Coaching also nur ein modischer Trend oder handelt es sich dabei um einen ernst zu nehmenden Beratungsansatz?
Mein Interesse für dieses Thema entstand, als ich mit dem Thema Coaching im Laufe des Hauptstudiums sowohl in verschiedenen Seminaren an der Universität als auch während meines Praktikums konfrontiert wurde. Im Rahmen der Seminarreihe „Beratung“ (2001 bis 2003) von Prof. Dr. Sauer-Schiffer an der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster wurde beispielsweise in mehreren Sitzungen das Thema Coaching vorgestellt.
Auch in der Praxis während des Praktikums begegnete mir das Thema Coaching. Mein Praktikum im Hauptstudium absolvierte ich bei der Polizei-Führungs-Akademie in Münster-Hiltrup (Februar bis September 2002). Im Rahmen der Aus- und Fortbildung von Polizei-Führungskräften lernte ich die Beratungsform Coaching bei Vorträgen, Workshops und in Seminaren kennen. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr gewann ich den Eindruck, dass ein Coach genuin pädagogische Tätigkeiten ausübt.
Ziel meiner Diplomarbeit ist es, herauszuarbeiten, dass Coaching bei Erfüllung bestimmter Kriterien als Form pädagogischer Beratung erwachsenen-pädagogisches Handeln ist und somit ein Arbeitsfeld für Diplom-Pädagogen bietet. Außerdem möchte ich herausarbeiten, dass Coaching als Form pädagogischer Beratung eine theoretische Fundierung hat und damit ein seriöses Beratungskonzept ist.
In dieser Arbeit stelle ich die Hypothese auf, dass Coaching ein neues Arbeitsfeld für Diplom-Pädagogen ist. Diese Hypothese möchte ich aus einer erwachsenenpädagogischen Perspektive betrachten. Meine Grundprämisse ist dabei, dass Coaching eine Sonderform von Beratung in der Erwachsenenbildung ist. Daher besteht mein methodisches Vorgehen darin, zunächst nach der Einleitung in einem zweiten Kapitel die Bedeutung von Beratung in der Erwachsenenbildung herauszuarbeiten. Es ist natürlich auch erforderlich zu zeigen, dass Beratung als eine Grundform pädagogischen Handelns zu den Tätigkeiten von Diplom-Pädagogen gehört. Auch das ist Bestandteil des zweiten Kapitels.
In einem dritten Kapitel analysiere ich die Beratungsform Coaching und unterziehe sie einer kritischen Betrachtung, indem ich die Herkunft und Entwicklung des Coachings vorstelle sowie wesentliche Charakteristika dieser Beratungsform untersuche. Außerdem werden der schematische Ablauf eines Coaching-Prozesses und die Grenzen von Coaching dargestellt.
Im vierten Kapitel möchte ich Coaching als Arbeitsfeld für Diplom-Pädagogen beschreiben. Dabei werde ich zunächst Coaching als Form pädagogischer Beratung legitimieren und von einer anderen Form der Beratung, nämlich der Supervision, abgrenzen. Im Anschluss daran wird dargestellt, welche Kriterien zu beachten sind, damit Coaching als eine seriöse Beratungsform gelten kann. Dabei geht es auch darum, die Kompetenzen eines Coachs sowie die Anforderungen an ein Coaching-Konzept näher zu betrachten.
Schließlich thematisiere ich die Befähigung von Diplom-Pädagogen als Coach. Dabei wird über die Professionalität in der Erwachsenenbildung und den Erwerb von Beratungskompetenz in Beratung und Coaching der Bogen geschaffen zur Beschreibung der Handlungskompetenz Beratung. Diese Kompetenz soll in Bezug auf das Qualifikationsprofil des Coachs und die Anforderungen an ein Coaching-Konzept überprüft werden, um damit die Tätigkeit von Diplom-Pädagogen als Coach zu legitimieren.
Um begriffliche Unklarheiten bezüglich der Personen zu vermeiden, verwende ich im Rahmen dieser Arbeit bei dem Thema „Beratung“ die Bezeichnungen „Berater“ und „Ratsuchender“ sowie beim Thema „Coaching“ die Bezeichnungen „Coach“ und „Klient“, weil sie die am häufigsten genannten Bezeichnungen in der Literatur sind. In Bezug auf den zu Coachenden werden aber auch die Begriffe „Führungskraft“, „Mitarbeiter“ oder „Coachee“ in Veröffentlichungen gebraucht und sind daher in den verwendeten Zitaten zu finden.
Im Zusammenhang mit therapeutischen Interventionen ist die Rede von „Therapeut“ und „Patient“. Auch dort werden aber teilweise die Begriffe „Klient“ bzw. „Ratsuchender“ in der Literatur genannt und entsprechend zitiert.
Ich möchte an dieser Stelle auch noch darauf hinweisen, dass ich aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form benutzt habe, die weibliche aber selbstverständlich mit inbegriffen ist.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 6 |
| 2. | Bedeutung von Beratung in der Erwachsenenbildung | 10 |
| 2.1 | Begriffsklärungen | 10 |
| 2.1.1 | Erwachsenenpädagogik | 11 |
| 2.1.2 | Erwachsenenbildung respektive Weiterbildung | 11 |
| 2.1.3 | Bildung | 12 |
| 2.1.4 | Pädagogische Beratung versus Beratung in der Erwachsenenbildung | 13 |
| 2.2 | Kontexte von Beratung | 14 |
| 2.2.1 | Beratungskontexte im Überblick | 14 |
| 2.2.2 | Beratung in der Erwachsenenbildung | 15 |
| 2.3 | Beratung als Grundform pädagogischen Handelns | 18 |
| 2.3.1 | Pädagogisches Handeln | 18 |
| 2.3.2 | Die Handlungsform Beratung | 20 |
| 2.3.3 | Der Stellenwert der Beratung in pädagogischen Arbeitsfeldern | 21 |
| 2.4 | Anlässe und Ziele pädagogischer Beratung | 24 |
| 2.5 | Historische Entwicklung | 26 |
| 2.5.1 | Die erste Phase: „Ursprung“ | 26 |
| 2.5.2 | Die zweite Phase: „Erweiterung I“ | 27 |
| 2.5.3 | Die dritte Phase: „Erweiterung II“ | 27 |
| 2.5.4 | Die vierte Phase: „Ausbau“ | 28 |
| 2.5.5 | Die fünfte Phase: „Differenzierung und Boom“ | 28 |
| 2.5.6 | Die sechste Phase: „Theorie und Praxis der Beratung heute“ | 29 |
| 2.6 | Abgrenzung von Beratung und Therapie | 29 |
| 3. | Analyse der Beratungsform Coaching | 35 |
| 3.1 | Herkunft und Entwicklung | 35 |
| 3.2 | Begriffsdefinition | 39 |
| 3.3 | Anlässe für Coaching | 42 |
| 3.3.1 | Krisen als Anlass für Coaching | 42 |
| 3.3.1.1 | Individuelle Krisen | 43 |
| 3.3.1.2 | Kollektive Krisen | 46 |
| 3.3.2 | Verbesserungen als Anlass für Coaching | 47 |
| 3.3.2.1 | Individuelle Verbesserungen | 48 |
| 3.3.2.2 | Kollektive Verbesserungen | 49 |
| 3.3.3 | Coaching-Anlässe im zeitlichen Wandel | 49 |
| 3.4 | Ziele von Coaching | 51 |
| 3.5 | Coaching-Varianten | 53 |
| 3.5.1 | Varianten nach Art und Herkunft des Coachs | 54 |
| 3.5.1.1 | Der externe Coach | 54 |
| 3.5.1.2 | Der interne Coach | 55 |
| 3.5.1.2.1 | Der interne Coach aus der Linie | 56 |
| 3.5.1.2.2 | Der interne Coach aus Stäben | 58 |
| 3.5.2 | Coaching-Settings | 60 |
| 3.5.2.1 | Einzel-Coaching | 60 |
| 3.5.2.2 | Gruppen-Coaching | 61 |
| 3.5.2.3 | Team-Coaching | 62 |
| 3.6 | Der Coaching-Prozess | 63 |
| 3.6.1 | Voraussetzungen für einen gelungenen Coaching-Prozess | 64 |
| 3.6.2 | Wahrnehmung des Beratungsbedarfs | 66 |
| 3.6.3 | Kontaktaufnahme und Erstgespräch | 66 |
| 3.6.4 | Vertragsschluss | 67 |
| 3.6.5 | Klärung der Ausgangssituation | 69 |
| 3.6.6 | Zielbestimmung | 69 |
| 3.6.7 | Interventionen | 70 |
| 3.6.8 | Evaluation | 71 |
| 3.6.9 | Abschluss | 73 |
| 3.7 | Grenzen von Coaching | 74 |
| 4. | Coaching als Arbeitsfeld für Diplom-Pädagogen | 76 |
| 4.1 | Coaching als Form pädagogischer Beratung | 76 |
| 4.1.1 | Coaching und der Beratungsbedarf in einem pädagogischen Handlungsfeld | 77 |
| 4.1.2 | Coaching und die Gestaltung von Lernprozessen | 78 |
| 4.1.3 | Coaching und die Einbeziehung des Umfeldes | 79 |
| 4.1.4 | Coaching und die Ziele pädagogischer Beratung | 79 |
| 4.2 | Coaching in Abgrenzung zur Supervision | 80 |
| 4.3 | Coaching als seriöse Beratungsform | 83 |
| 4.3.1 | Qualitätskriterien im Coaching | 83 |
| 4.3.2 | Qualifikationsprofil eines Coachs | 84 |
| 4.3.2.1 | Anforderungen an den Menschen | 85 |
| 4.3.2.2 | Anforderungen an die fachliche Qualifikation | 87 |
| 4.3.3 | Anforderungen an ein Coaching-Konzept | 89 |
| 4.3.3.1 | Meta-Modell | 90 |
| 4.3.3.2 | Theorie-Ebene | 91 |
| 4.3.3.3 | Methodenanwendung | 91 |
| 4.3.3.4 | Praxeologie | 92 |
| 4.4 | Die Kompetenz von Diplom-Pädagogen als Coach | 92 |
| 4.4.1 | Professionalität in der Erwachsenenbildung | 92 |
| 4.4.1.1 | Die Begriffe Professionalisierung, Profession und Professionalität | 93 |
| 4.4.1.2 | Beratung als Profession? | 95 |
| 4.4.2 | Der Erwerb von Beratungskompetenz | 96 |
| 4.4.2.1 | Die Ausbildung von Pädagogen als Berater | 96 |
| 4.4.2.2 | Der Werdegang zum Coach | 97 |
| 4.4.3 | Die Handlungskompetenz Beratung | 100 |
| 4.4.3.1 | Kompetenz in Bezug auf das Qualifikationsprofil des Coachs | 101 |
| 4.4.3.2 | Kompetenz in Bezug auf die Anforderungen an ein Coaching-Konzept | 103 |
| 4.4.3.3 | Diplom-Pädagogen als Coach | 104 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 105 |
Nach seiner Auffassung werden im Coaching nur die Ziele des Klienten verfolgt, der Coach berät und interveniert jedoch diesbezüglich. Dabei darf er aber keine eigenen Ziele formulieren und anstreben. Schreyögg, die Coaching als professionelle Form der Managementberatung definiert, und deren Konzept laut Rauen anthropologische und erkenntnistheoretische Prämissen hat, nennt verschiedene Ziele. Diese sind die Wiedergewinnung und Förderung beruflicher Selbstgestaltungspotentiale, die Steigerung beruflicher Qualifikation, die Erhöhung von Managementkompetenzen sowie die Verbesserung der Humanität. Whitmore definiert Coaching als Kunst zur Förderung von Bewusstsein und Verantwortung vor dem Hintergrund, dass der Mensch ein nach Bewusstsein und Verantwortung strebendes Wesen ist. Demnach ist bei seinem CoachingVerständnis die Förderung von Bewusstsein, Verantwortung und Selbstmotivation als Ziel anzusehen. Generelles Endziel ist immer eine Leistungsverbesserung. Nach Whitmore lassen sich je nach Umfang der Einflussnahme seitens des Klienten bei der Zielfindung zwei Arten von Zielen unterscheiden: • • Leistungsziele Endziele [...]
Selbstverantwortung“ (...) Ziel eines Coaching-Prozesses ist somit immer, Wahrnehmung, Erleben und Verhalten des Gecoachten zu verbessern bzw. zu erweitern (...) Dient ein Coaching vornehmlich der Prävention, kann bereits das Aufrechterhalten der entsprechenden Fähigkeiten das gewünschte Ziel darstellen.“ (Rauen 2000, S. 42) Dieses Ziel der „Hilfe zur Selbsthilfe“ wird dadurch erreicht, dass der Klient aktiv am Coaching-Prozess beteiligt ist und der Coach in einer Weise beratend tätig ist, dass er sich schließlich überflüssig macht. Die Ressourcen des Klienten, die Rauen „Selbstregulationsfähigkeiten“ nennt, werden dabei bestmöglich genutzt bzw. erweitert (Rauen 2000, S. 43). Eine weitere Problematik, die sich aus einer fehlenden Theorie zu Coaching ergibt, ist der je nach Coaching-Ansatz differierende Hintergrund bzw. das damit verbundene Menschenbild. Auch unter Berücksichtigung dieses Aspektes ergeben sich zwangsläufig unterschiedliche Zielsetzungen. Im Folgenden beziehe ich mich auf den tabellarisch angelegten Vergleich verschiedener Coaching-Ansätze, den Rauen vorstellt (Rauen 2001, S. 142 f.). Hierbei werde ich nur einige Ansätze exemplarisch nennen. So definiert beispielsweise Bayer, der ein individualpsychologisches [...]
Die Gewissheit, auch morgen noch als Person mit den im wesentlichen gleichen Kenntnissen, Meinungen, Kontakten und Eigenschaften in der Welt zu sein, gehört zu den Überlebensnotwendigkeiten von Menschen. Das Konstrukt der „beruflichen Identität“ beschreibt also das unverwechselbare „So-Sein“ eines Angehörigen einer Berufsgruppe oder dieser Gruppe selbst. Identität ist nicht starr, sie verändert sich durch Lernen und Erfahrung sowie durch Lebensereignisse und Entscheidungen.“ (Looss 2002, S. 54) Nach Looss (2002, S. 52) sind z.B. Beförderung, Versetzung, Kündigung, Stellenwechsel oder die Übernahme weiterer Aufgaben die intensivsten Formen von Veränderungen, welche die Identität tangieren können und daher nicht durch den Einsatz eigener Ressourcen bewältigt werden können, weil sie nicht in das Selbstkonzept der Person passen. Aber auch Faktoren wie neue Produkte oder Produktionsverfahren, die Änderung der betrieblichen Abläufe oder die Änderung der Rechtsform des Unternehmens können Unsicherheiten entstehen lassen, zu deren Bewältigung die eigenen Fähigkeiten nicht ausreichen. In solchen Fällen kann Coaching die geeignete Unterstützungsform sein. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832482596
Arbeit zitieren:
Höing, Annette Juli 2004: Coaching - ein neues Arbeitsfeld für Diplom-Pädagogen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Beratung, Erwachsenenbildung, Qualitätskriterien, Kompetenz, Qualifikationsprofil



