Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Clara Grunwald und Maria Montessori - Ihr Leben und Wirken für die Montessori-Pädagogik

Auf den Spuren der Montessori-Bewegung in Berlin von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart

Clara Grunwald und Maria Montessori - Ihr Leben und Wirken für die Montessori-Pädagogik
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Diana Stiller
  • Abgabedatum: Dezember 2005
  • Umfang: 285 Seiten
  • Dateigröße: 26,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 130
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1335-4
  • ISBN (CD) :978-3-8366-1335-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stiller, Diana Dezember 2005: Clara Grunwald und Maria Montessori - Ihr Leben und Wirken für die Montessori-Pädagogik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Clara Grunwald, Maria Montessori, Montessori-Pädagogik, DMG, Berlin

In den Warenkorb
48,00 €

Diplomarbeit von Diana Stiller

Einleitung:

Die vorliegende Studie versteht sich als eine historisch-pädagogische Bestandsaufnahme in der Rekonstruktion der Lebensgeschichte und der Berufsbiographie von Clara Grunwald und Maria Montessori. Es ist mein Anliegen, die entwickelten und praktizierten pädagogischen Ideen von Maria Montessori und die innovativen Ansätze von Clara Grunwald in Erinnerung zu bringen, die durch die 1933 einsetzende Verdrängung der Montessori-Pädagogik in Berlin in Vergessenheit gerieten. Als ich im Jahre 2002 für das Thema „Stätten jüdischer Sozialarbeit in Berlin bis zum zweiten Weltkrieg - Ein Überblick“ recherchierte, las ich wiederholt den Namen Clara Grunwalds im Zusammenhang mit der Montessori-Pädagogik.

Wer kennt Clara Grunwald, die sich intensiv mit der Reformpädagogik beschäftigte und die ‚Initiatorin’ der Montessori-Pädagogik in Berlin war, wenn nicht sogar, wie Manfred Berger schreibt: „ (...) Nestorin der Montessori-Pädagogik in Deutschland“?

„Die Frauen der Reformpädagogik werden überstrahlt von einer wahren Lichtgestalt, nämlich Maria Montessori. Nur sie erscheint heute im Internet, nur sie hat eine weltweite Anhängerschaft nach sich gezogen und nur sie zählt zum Kern der Reformpädagogik“.

Aufgrund meines persönlichen Interesses und verschiedener Recherchen in Archivquellen habe ich mich bei der Themenwahl des Buches für folgende Fragestellung entschieden: „Wer etablierte die Pädagogik der Maria Montessori vor 1933 in Berlin?“. Innerhalb der Literatur- und Archivrecherchen wurde mir deutlich, dass es in einzelner gegenwärtiger Sekundärliteratur zu ungenauen Informationen und Daten kommt. Diese Umstände machten weitere Recherchen notwendig, um die Angaben auf ihren authentischen Gehalt zu überprüfen. Die vorliegende Studie stützt sich auf umfangreiche Quellen. Trotz allem ist es nicht möglich, ein umfassendes und lückenloses Bild von Clara Grunwald zu skizzieren. Das vorliegende Material ist unvollständig bzw. detaillierte Unterlagen fehlen gänzlich.

Die Studie stellt das Leben und Wirken von Clara Grunwald und Maria Montessori dar, auf dem besonderen Hintergrund der Entwicklung der Montessori-Bewegung in Berlin der 20er Jahre bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und deren Folgen. Es geht um die Verdeutlichung des Einflusses Clara Grunwalds auf die Etablierung und Verbreitung der Montessori-Pädagogik in Berlin zur Zeit der Weimarer Republik. Diese Betrachtung bietet nur einen kurzen Einblick, da es nicht meinem Erkenntnisinteresse entspricht, einen ausführlichen Blick auf die heutige Montessori-Bewegung in Berlin zu werfen. Ingeborg Waldschmidt, Manfred Günnigmann, Günter Schulz-Benesch, Harald Ludwig, Christian Fischer, Reinhard Fischer und andere dokumentieren in detaillierten Ausführungen die Montessori-Pädagogik nach 1945.

Gang der Untersuchung:

Um den Spuren der Montessori-Pädagogik und der Berliner Montessori-Bewegung in der Weimarer Republik folgen zu können, bedarf es im Vorfeld eines Exkurses auf das Leben und Wirken Maria Montessoris.

Im zweiten Kapitel folgt neben den bemerkenswerten biographischen Daten Maria Montessoris ein kurzer Einblick in die Grundlagen der Montessori-Pädagogik und deren gesellschafts-historische Entwicklung im Italien der 20er und 30er Jahre. Es ist nicht das Ziel der vorliegenden Untersuchung, die Methoden der Maria Montessori ausführlich zu beschreiben und zu analysieren, sondern: Die Thematik des zweiten Kapitels beschränkt sich darauf, anzudeuten und festzustellen, welche intellektuellen Einflüsse auf das Denken Maria Montessoris wirkten und welche Rolle ihre Persönlichkeit für Clara Grunwald spielte.

In Kapitel drei wird das Leben und Wirken von Clara Grunwald betrachtet, um herauszufinden, wer sie war, woher sie kam und was ihr widerfuhr. Dieses und das nächste Kapitel bilden den Hauptteil der Arbeit. Hier werden ihre Intention, ihre Einflussnahme und ihr Engagement für die Etablierung der Montessori-Pädagogik und die Entwicklung der Montessori-Bewegung in Berlin beschrieben. Die Beschreibung geschieht unter Berücksichtigung der entwicklungsgeschichtlichen Aspekte und pädagogischen Hintergründe. Die Ursache des hervortretenden Konfliktes zwischen Maria Montessori und Clara Grunwald ist mehrschichtig zu betrachten, da verschiedene Faktoren die Entwicklung und Ausbreitung der Montessori-Pädagogik beeinflussten. Der Konflikt zwischen den beiden Frauen zeigt Auswirkungen auf die Person und das Wirken Clara Grunwalds, sowie auf die Montessori-Bewegung in Berlin.

Die kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Interpretationen und Daten ermöglichen eine Spurensuche im Gedenken an die fast vergessene Pädagogin Clara Grunwald, die ganz im Dienste des Kindes und der humanistischen Haltung der Montessori-Pädagogik steht.

Im Kapitel vier werden verschiedene Organisationen vorgestellt, die beachtlichen Einfluss auf die Entwicklung der Montessori-Pädagogik und deren Verbreitung in Berlin und über dessen Grenzen hinaus nehmen.

Ein flüchtiger Blick auf die Montessori-Pädagogik in Deutschland nach 1945 bis in die Gegenwart wird in Kapitel sechs gerichtet. In der Nachkriegserziehung beschränke ich mich bei der Skizzierung der Montessori-Pädagogik auf Westdeutschland und Westberlin, da ein Exkurs auf die DDR-Erziehungspraxis vor 1989 den Rahmen der vorliegenden Studie überschreitet. Die aktuelle Ausbreitung der Montessori-Pädagogik und der Montessori-Bewegung in Deutschland, explizit in Berlin, wird in einem Überblick dargestellt.

Die abschließende Gesamtwertung gestattet einen Rückblick zur Ausgangssituation des Buches und der damit verbundenen Erfahrungen.

Die Anlage beinhaltet die chronologischen Biographien Clara Grunwalds und Maria Montessoris. Eine Zeittafel der Verbreitung der Montessori-Pädagogik in Berlin von 1896-1966, aktuell tabellarische Übersichten und verschiedene Kopien von unveröffentlichten Quellen und Briefen, die im Zusammenhang mit dem Buch stehen, vervollständigen die Studie.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS III
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
1. EINLEITUNG 1
2. MARIA MONTESSORI 4
2.1 Biographische Daten 5
2.2 Grundlage der Montessori-Pädagogik 13
2.2.1 Vorbereitete Umgebung 16
2.2.2 Die Selbstbestimmung 19
2.2.3 Der absorbierende Geist 20
2.2.4 Die sensiblen Phasen 21
2.2.5 Die Entwicklungsmaterialien 24
2.2.6 Polarisation der Aufmerksamkeit 26
2.2.7 Kosmische Erziehung 28
2.3 Gesellschaftshistorischer Hintergrund und die Verbreitung der Montessori-Pädagogik in Italien 29
3. CLARA GRUNWALD -DIENESTORIN DER DEUTSCHEN MONTESSORI-BEWEGUNG ? 36
3.1 Biographische Daten 38
3.2 Clara Grunwald - Ihre Interpretation und ihr Wirken in der Montessori- Pädagogik 54
3.3 Lehrmaterialien und Raumgestaltung: Konzeption und Realisierung in Montessori-Einrichtungen in Berlin in der Zeit der Weimarer Republik 58
3.4 Montessori-Einrichtungen in Berlin während der Weimarer Republik 61
4. DIE ENTWICKLUNG DER MONTESSORI-BEWEGUNG IN DEUTSCHLAND WÄHREND DER WEIMARER REPUBLIK 70
4.1 Bund entschiedener Schulreformer und die Montessori-Bewegung 71
4.2 Gründung der Deutschen Montessori-Gesellschaft (DMG) 73
4.3 Gründung der Association Montessori International (AMI) 77
4.4 Der Konflikt zwischen Maria Montessori und Clara Grunwald und dessen Auswirkung auf die Montessori-Bewegung in Deutschland 79
5. DIE AUSWIRKUNG DER MACHTERGREIFUNG DER NATIONALSOZIALISTEN 1933 AUF DIE MONTESSORI-BEWEGUNG IN DEUTSCHLAND 83
5.1 Auswirkung auf die Arbeitvon Clara Grunwald und Maria Montessori 85
5.2 Niedergang der Montessori-Pädagogik nach der Machtergreifung der Nazis 86
6. DIE MONTESSORI-PÄDAGOGIK IN DEUTSCHLAND VON 1945 BIS IN DIE GEGENWART 88
6.1 Beschreibung der geschichtlichen Entwicklung der Montessori-Bewegung nach 1945 93
6.1.1 Die Deutsche Montessori-Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg 95
6.1.2 Beginnende Wiederbelebung der Montessori-Pädagogik in Berlin 99
6.2 Montessori-Einrichtungen nach dem Zweiten Weltkrieg in West-Berlin - Ein Überblick 102
6.3 Aktueller Stand der Montessori-Einrichtungen in Berlin - Ein Überblick 108
7. GESAMTWERTUNG 112
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 116
TABELLENVERZEICHNIS 116
8. LITERATURVERZEICHNIS 117
8.1 Primärliteratur 117
8.2 Sekundärliteratur 117
8.3 Ungedruckte Quellen 122
8.4 Gedruckte Quellen 125
8.5 Internetquellen 127
9. ANHANG 128

Textprobe:

Kapitel 4.2, Gründung der Deutschen Montessori-Gesellschaft (DMG):

Die Montessori-Pädagogik erfährt in den Jahren der Weimarer Republik neben dem Bund entschiedener Schulreformer gleichermaßen Unterstützung von Seiten der Politik. Der Erlass des preußischen Ministers für Wohlfahrt 1920 und die Rolle der Montessori-Pädagogik auf der Reichsschulkonferenz finden Anerkennung und Beachtung. Elisabeth Schwarz arbeitet als eine anerkannte Vertreterin der Montessori-Bewegung Deutschlands im ersten Ausschuss der Reichsschulkonferenz.

Clara Grunwald, Initiatorin und Protagonistin der Montessori-Bewegung in Berlin, gründet 1919 das Montessori-Komitee, in dem sich Fachleute der Montessori-Pädagogik zusammenschließen. Mit Vorträgen, Zeitungsartikeln und einer kleinen Broschüre tritt sie an die Öffentlichkeit. Zusammen mit Elsa Ochs hält sie Sprechstunden zur Montessori-Methode in ihrer Wohnung ab. In die Sprechstunde kommen, nach Clara Grunwald, die gebildete Mutter aus dem Volk als Ratsuchende in Erziehungsfragen, aber auch Eltern von schwererziehbaren Kindern. Sie beschreibt die Montessori-Sprechstunde als „Berufsberatungsstelle“, an die sich die Tochter des wohlhabenden Mannes, der ihr die Mittel für eine längere Ausbildung gewähren kann, wendet, ebenso wie die intelligente Arbeiterin, die erfahren will, wie sie ihre Kraft und ihre Liebe in den Dienst der heranwachsenden Generation stellen kann. Mit der Unterstützung des Bundes entschiedener Schulreformer, Otto Ostrowski als kommissarisch eingesetzten Bürgermeister von Lankwitz und dem Montessori-Komitee wird das 1. Montessori-Kinderhaus Deutschlands eröffnet. Da das Montessori-Komitee Satzungsgemäß nur Montessori-Fachleute aufnehmen darf, gründet Clara Grunwald am 15.11. 1921 die „Gesellschaft der Freunde und Förderer der Montessori-Methode e.V.“. In diese Vereinigung schließen sich alle diejenigen Menschen zu gemeinsamen Arbeit zusammen, die für die Ausbreitung der Montessori-Methode in Deutschland wirken und für die Gründung und Erhaltung von Montessori-Kinderhäusern sorgen wollen. Die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Montessori-Methode e.V. wirkt in enger Zusammenarbeit mit dem Montessori-Komitee. Clara Grunwald gelingt es nach ihrem Ausbildungskurs 1921 in Rom, Maria Montessori für einen Vortrag 1922 nach Berlin einzuladen. Da Clara Grunwald den Mangel an gut ausgebildeten Montessori-Pädagoginnen beklagt, entschließt sich das Montessori Komitee, einen Ausbildungskurs für bereits beruflich ausgebildete Lehrkräfte einzurichten. Der von Maria Montessori genehmigte Kurs findet vom 11. April 1923 - 29. September 1923 unter Leitung von Clara Grunwald und Elsa Ochs im Hörsaal des ‚Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht’ in Berlin statt. Mit Unterstützung der beiden Vereine werden in der Folgezeit Montessori-Einrichtungen in Berlin eröffnet. Namentlich stehen dafür das ‚Haus der Kinder am Leopoldplatz und in Wilmersdorf. Das Montessori-Komitee vereinigt sich mit der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Montessori-Methode e.V. 1925 zur „Deutschen Montessori-Gesellschaft (DMG)“ unter Führung Clara Grunwalds. Dem Engagement der Mitglieder dieser Gesellschaft ist es zu verdanken, dass die Erziehungsgedanken Maria Montessoris zunehmend in die Öffentlichkeit befördert werden. Überdies führt die Gesellschaft eine Werbeaktion mit einer Wanderausstellung durch, die in verschiedenen Städten gezeigt wird. Die großen jüdischen Warenhäuser‚ ‚N. Israel’ und ‚Wertheim’ zeigen diese Ausstellung und richten dazu einen modellhaften Montessori-Raum ein. Die Nachfrage nach Montessori-Kinderhäusern steigt gemäß dieser großangelegten Öffentlichkeitsarbeit. Logischerweise steigt gleichermaßen die Nachfrage nach ausgebildeten Montessori-Lehrkräften und entsprechenden Ausbildungskursen. Clara Grunwald und Elsa Ochs bilden ohne Einverständnis Maria Montessoris weitere Montessori-Lehrer aus und kündigen einen weiteren Montessori-Ausbildungskurs für die Sommermonate 1925 an, den Maria Montessori verbietet. Clara Grunwald lädt Maria Montessori daraufhin erneut nach Berlin ein, damit sie persönlich den angekündigten Ausbildungskurs abhält. Nach frühzeitig organisierten und erfolgreich durchgeführten Kursen in Berlin wird Maria Montessori, angesichts der politischen Situation und nicht zuletzt auch auf Grund von Clara Grunwalds Engagements (fast ohne finanzielle Mittel) immer misstrauischer. Obgleich die Gründung der DMG den Höhepunkt von Clara Grunwalds Schaffens darstellt, treten zunehmend Schwierigkeiten und Unstimmigkeiten formaler und inhaltlicher Art auf. Hinzu kommt der Konflikt zwischen der DMG, namentlich Clara Grunwald, und Maria Montessori. Die erwähnten Diskrepanzen führen zum Autorisationsverlust des DMG und dessen Einrichtungen durch Maria Montessori. Überdies kommt es zur Abspaltung innerhalb der DMG und einer Neugründung des „Vereins Montessori-Pädagogik Deutschlands“ in Jahre 1930. Maria Montessori übernimmt die Präsidentschaft des Vereins. Die Ausbreitung der Montessori-Pädagogik ist in Berlin durch die rigide- kontrollierende Weitergabe Maria Montessoris nur teilweise erfolgreich. Die Verunglimpfungen und Vorwürfe zwischen 1927-1931 führen zu einer Lethargie der DMG. Clara Grunwald zieht sich in den folgenden Jahren bis zur Auflösung der DMG 1933 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück.

Gründung der Association Montessori International (AMI):

Auf dem ersten internationalen Montessori-Kongress im August 1929 wird im Zusammenhang mit der fünften Weltkonferenz der New Education Fellowship in Helsingör, Dänemark, von Maria Montessori die Società Montessori Internationale(SMI) gegründet. Der spätere Name der SMI ist „Association Montessori Internationale (AMI).“ Die AMI fungiert als Dachorganisation zur „Beaufsichtigung der Tätigkeit von Schulen und Gesellschaften auf der ganzen Welt und der Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen“. Mit der Gründung der AMI, dessen Leitung Maria Montessori ein Leben lang inne hat, versucht sie ihre Methode möglichst auf breiten internationalen Terrain mit Zentrum in Italien, auszuweiten. Der Hauptsitz der AMI ist bis 1936 in Berlin. Die Organisation wird jedoch nach der Schließung aller deutschen Montessorieinrichtungen durch das Naziregime nach Amsterdam verlegt, wo sie bis heute ihren Platz hat. Als Ziel der AMI nennt Leenders die Gründung einer neuen Vereinigung mit ganz neuen Statuten um eine Lösung für die Restriktion zu finden. Die Statuten des AMI umschreiben das Ziel der Organisation in Artikel 1. wie folgt: „Verbreitung der (...) reinen Methode, also der Methode, wie sie durch die Dottoressa geschaffen wurde, ohne jegliche Veränderung“. Durch die AMI versucht Maria Montessori die allgemeine Leitung der internationalen Bewegung in ihre Hände zu bekommen, um ihr Ideal einer größeren Ausdehnung ihrer Methode weit über die Kindergarten-Methode hinaus zu erreichen. Die internationale Ausweitung ihrer Methoden schließt nach Leenders die institutionalisierte Kontrolle über ihre eigene Konzeption, der ‚Reinheit der Methode’ ein. „Sie schützt die Methode, indem sie sie mit ihrem Namen verbindet“. Als hervortretendes Kontrollinstrument fungieren die strengen Beschreibungen für den Umgang mit dem Material. Des weiteren ist ihre Autorisierung notwendig, um den Namen „Montessori-Schule“ zu tragen. Maria Montessori legt persönlich fest, welche Personen einen Montessori-Kurs abhalten dürfen und duldet keine Verbindung mit anderen Methoden. Nur ihre ‚reine Methode’ mit ihrem Namen als „Markenzeichen“ darf bei Ausbildungskursen, in Kinderhäusern und Schulen, die mit dem Namen Montessori in Verbindung stehen, angewendet werden. Nur von ihr unterschriebene Diplome haben unbefristete Gültigkeit. Neben der ‚Montessori-Botschaft’ interpretiert Leenders die Reinheit der Methode auch als ein „Produkt Montessori, das für finanziellen Gewinn steht“.

Maria Kramer fasst die Aufgaben der AMI folgendermaßen zusammen: „Die AMI soll nicht nur die Kurse organisieren und die Lehrerausbildung beaufsichtigen, nicht nur Kontakt zwischen den Montessori-Schulen und -Gesellschaften auf der ganzen Welt aufrechterhalten und Informationen über die Ideen und Tätigkeiten der Bewegung verbreiten, sondern sie war zugleich eine Firma, die die Produktionsrechte für Maria Montessoris Bücher, für die Herstellung und den Verkauf der Materialien besaß und die Gebühren für die Ausbildungskurse entgegennahm“. Die AMI setzt zwar ihre Arbeit unter der Kontrolle von Maria Montessori fort, sie selbst wird jedoch von der faschistischen Regierung innerhalb der Opera Montessori kontrolliert, für die sie sich weiterhin einsetzt. Der 1930 gegründete Verein Montessori-Pädagogik Deutschland e.V., tritt dem AMI bei. Diese Tatsache, dass die Mitglieder des Vereins der Montessori Pädagogik Deutschlands überzeugt sind, dass nur sie die ‚richtige’ Montessori-Pädagogik in Berlin praktizieren, ist ebenfalls ein Indiz für die Denunziationen und Vorwürfe, denen sich Clara Grunwald 1931 ausgesetzt sieht. Die Diffamierung ihrer Person und mögliche Hintergründe werden nachfolgend betrachtet.

In den Warenkorb
48,00 €

Arbeit zitieren:
Stiller, Diana Dezember 2005: Clara Grunwald und Maria Montessori - Ihr Leben und Wirken für die Montessori-Pädagogik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Clara Grunwald, Maria Montessori, Montessori-Pädagogik, DMG, Berlin

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren