Die Chinesen kommen!
Chinas Outbound Tourismus / Incoming-Service Europa
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Björn Weyhreter
- Abgabedatum: April 2005
- Umfang: 347 Seiten
- Dateigröße: 15,6 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Hochschule Heilbronn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9417-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9417-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9417-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Weyhreter, Björn April 2005: Die Chinesen kommen!, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Touristik, Fremdenverkehr, Hotel, Reiseveranstalter, China
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Diplomarbeit von Björn Weyhreter
Problemstellung:
Der chinesische Outbound-Reisemarkt ist ein Sektor, der seit Jahrzehnten wächst und dem ausgezeichnete Zukunftsperspektiven eingeräumt werden. Doch der Outbound-Reisemarkt, der sich in die zwei großen Bereiche der Geschäftsreisenden und der klassischen Urlauber aufteilen lässt, ist eng verknüpft mit der wirtschaftlichen und politischen Zukunft Chinas. Schätzungen der WTO rechnen bis 2020 damit, dass jährlich 100 Millionen Chinesen ins Ausland reisen werden – soviel wie heute aus ganz Asien. Im Jahre 2003 reisten 20,2 Millionen Chinesen ins Ausland, 2004 waren es 28,85 Millionen, was einem Plus von 42,8% gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Voraussetzungen für diese Prognose ist eine positive Entwicklung verschiedener Faktoren, wie etwa der politischen Stabilität und des wirtschaftlichen Wachstums. Viele Autoren sehen das Land im Fernen Osten als die kommende Wirtschaftsmacht schlechthin. Kritiker zeichnen allerdings ein anderes Bild der Gegenwart und der Zukunft.
Vermutlich werden weder die Propheten, die den nahenden Niedergang Chinas prophezeien richtig liegen, noch die, die den Aufstieg zur größten Supermacht der Welt in kurzer Zeit vorhersehen. Aufgrund der Globalisierung, durch die Länder weltweit immer enger miteinander verflochten sind und Outsourcing zu dramatischen Veränderungen führt, werden die Auswirkungen der Reformen in China aber auch unweigerlich Auswirkungen auf andere Länder haben.
Die Überschrift „Die Chinesen kommen“ steht im Jahr 2003 in den Zeitungen immer wieder zu lesen, was eher an die „Gelbe Gefahr“ erinnert, mit der die USA und die europäischen Kolonialmächte die Ressentiments gegen die asiatischen Völker, insbesondere China, zu schüren versuchten. Die Bevölkerung wird jedoch nur auf eine friedliche Invasion von Urlaubern aus dem Fernen Osten vorbereitet, die in Zukunft Deutschland bereisen und es verändern werden. So überstieg im Jahr 2003 zum ersten Mal die Zahl der chinesischen Outbound-Touristen weltweit die der japanischen.
Seit vergangenem Jahr gehört Deutschland, Chinas stärkster Wirtschaftspartner in Europa, zu den so genannten ADS-Destinationen. Diesen Ländern billigt die Volksrepublik China einen besonderen Status (Approved Destination Status) zu. Chinesen dürfen als Urlauber dorthin reisen. Jetzt tritt das Abkommen, das auf Initiative des deutschen Wirtschaftsministeriums und der chinesischen Tourismusbehörde ins Leben gerufen wurde, in Kraft.
Das Problem ist allerdings, dass bei der öffentlichen Diskussion des Themas eine nüchterne Analyse des Themas fehlt. Chinesen haben, wie bereits erwähnt, noch nicht lange die Möglichkeit, als klassische Urlauber im Sinne von Freizeittouristen nach Europa zu reisen, weshalb die Fachliteratur zu diesem speziellen Thema noch begrenzt ist und Erfahrungen im Geschäft mit China erst noch gesammelt werden müssen. Doch Deutschland und die Bevölkerung sollte sich auf die chinesischen Urlauber einstellen und versuchen, deren Bedürfnisse zu befriedigen, denn nur so können deutsche Unternehmen von ihnen langfristig profitieren.
Trotz der Steigerung der Gästeankünfte in Europa und der damit verbundenen Bedeutungssteigerung des Entsenderlandes China in der globalen Tourismuswirtschaft, liegen bisher nur wenige wissenschaftliche Analysen in Englisch zu diesem Thema vor – noch weniger in Deutsch.
Es ist daher das generelle Ziel der beiden Autoren, bestehende wissenschaftliche Veröffentlichungen in deutscher, englischer und chinesischer Sprache zu untersuchen und in einen thematischen Zusammenhang zu bringen, um somit einen Beitrag zu leisten, bestehende Defizite der Veröffentlichungen im Hinblick auf den Tourismus nach Europa und Deutschland im besonderen zu verringern. Bei ihrer Betrachtung werden sich die Autoren weitestgehend auf Festlandschina beschränken. Die beiden Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao, die nicht zu Festlandschina zählen, werden in den offiziellen Statistiken als Ausland geführt.
Diese Diplomarbeit analysiert den chinesischen Outbound-Tourismus und stellt den Versuch dar, eine detaillierte Marktübersicht zu schaffen für Unternehmen, die Interesse am chinesischen Incoming-Geschäft haben. Aktuelle Entwicklungstrends sollen beschrieben und Zukunftsprognosen gewagt werden. Allen Interessenten, seien es Incomingstellen, Reiseveranstalter oder Hotels, die direkten Kontakt zu chinesischen Touristen haben, soll es mit dieser Diplomarbeit ermöglicht werden, sich gezielt über Einzelaspekte zu informieren, weshalb auch der landeskundliche Teil ausführlich behandelt wird.
Spezielles Ziel dieser Untersuchung ist es, Handlungsempfehlungen für Reiseveranstalter im Incoming-Geschäft abzuleiten, damit diese ihren Service verbessern können. Die Autoren der vorliegenden Arbeit schöpfen hierzu aus ihren individuellen beruflichen Erfahrungen in China und Deutschland und bringen ihr Wissen über die jeweils andere Kultur ein.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei große Kapitel – die Einleitung, den Theoretischen Teil und den Praktischen Teil.
Die Einleitung führt zum Thema hin. Sie spricht die Problemstellung an, nennt die Ziele der Arbeit und grenzt das Thema ein. Begriffsbestimmungen, die zum Verständnis des Theoretischen Kapitels notwendig sind, werden am Schluss der Einleitung näher erläutert.
Das Theoretische Kapitel schafft zuerst einen Überblick über den Welttourismus. Seine Entwicklung wird dargestellt, gefolgt von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Touristenströme. Ein Abbild der aktuellen Touristenströme bildet den vorletzten Teil dieses Abschnitts, der durch eine Zusammenfassung abgerundet wird und eine Zukunftsprognose wagt.
Der zweite Abschnitt schafft einen Überblick über China. Diese grundlegenden Kenntnisse über Land und Leute sind, gerade auch im Hinblick auf das Verständnis der nachfolgenden Kapitel, notwendig. Als erstes wird die Geographie und das Klima der VR China beschrieben. Die Bevölkerungsstruktur und der Aufbau der Gesellschaft werden erklärt, gefolgt von einem Überblick über Geschichte, Staatsform und Staatsaufbau. Die Situation der Wirtschaft wird beschrieben, die Infrastruktur des Landes wird untersucht und der letzte Teil befasst sich mit der Entwicklung des Tourismus von 1949 bis heute.
Der dritte Abschnitt stellt die administrativen Regelungen im chinesischen Outbound-Tourismus dar. Zuerst werden die wichtigsten chinesischen Behörden Chinas vorgestellt, die für den Tourismus relevant sind, danach wird dem Leser vermittelt, welche Reisedokumente in China existieren und welche Beschränkungen hinsichtlich der Devisenausfuhr bestehen. Zusätzlich wird das derzeitige System der kontrollierten Tourismusentwicklung in Form einer Liste mit erlaubten Reiseländern (ADS) beschrieben.
Der fünfte Abschnitt bildet den Hauptteil. Er beschäftigt sich mit der Entwicklung von Chinas Outbound-Tourismus und ist in zwei große Teile gegliedert – die Nachfrage und das Angebot.
Zuerst werden die Faktoren diskutiert, die zu einem Anstieg der Nachfrage nach Reisen insgesamt und Reisen ins Ausland im Besonderen geführt haben. Diese Faktoren werden auch als Push-Faktoren bezeichnet. Zu diesen für den Tourismus förderlichen Faktoren zählen zum einen der politische Wandel sowie die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre, wie auch das zur Verfügung stehende Einkommen und der Wohlstand der Reisenden. Ein weiterer förderlicher Faktor ist die Entwicklung des Kommunikationswesen.
Die Nachfrage, also die Verbraucherseite oder Kundenseite kann in neun wichtige Aspekte aufgegliedert werden. Es wird beschrieben, wo die Urlauber Chinas herstammen und welche Reiseart sie bevorzugen. Es wird eine Urlaubertypisierung vorgenommen und eine Statistik nach Geschlecht, Alter, Bildung und Arbeitstätigkeit vorgenommen. Darüber hinaus wird auf die Reisemotive der Chinesen eingegangen und kulturelle Unterschiede werden angesprochen, die auf das Verhalten und die Motive Einfluss haben.
Es wird dargestellt, wie lange die Reisen durch Europa dauern und wohin sie gehen. Auch wann die Reisen hauptsächlich stattfinden und wie viel die Chinesen bei ihrer Reise ausgeben wird erläutert.
Der zweite große Teil bei der Beschreibung der Entwicklung des chinesischen Outbound-Tourismus befasst sich mit der Seite des Angebots, beziehungsweise der Produzentenseite. Ein Überblick über die Entwicklung der chinesische Reiseindustrie leitet das Kapitel ein. Da die Führung Chinas einen weit reichenden Einfluss hat, wird auf die Tourismuspolitik gesondert eingegangen. Danach folgt eine Beschreibung der touristischen Infrastruktur, die hinsichtlich des Outbound-Tourismus relevant ist. Das System der Reiseagenturen insgesamt wird dargestellt, gefolgt von einem Überblick über chinesische Outbound-Reiseagenturen und Incoming-Agenturen in Europa. Abgerundet wird dieses Kapitel mit der Darstellung der Hauptprobleme der chinesischen Reiseindustrie und einer Erörterung der Veränderungen dieser im Rahmen des Beitritts zur World Trade Organization.
Abschluss des Theoretischen Teils bildet eine Zusammenfassung.
Der Praktische Teil stellt eine Ergänzung des theoretischen Teils dar, der nicht alle Fragen klären konnte. Somit stellt der Praktische Teil eine Lösung des Informationsdefizits dar, was die Motivation und Zufriedenheit der chinesischen Reisenden mit Europarundreisen betrifft.
Die Autoren haben einen Tourism-Service-Quality Fragebogen entworfen, der nicht nur Informationen zur Person abfragte, sondern auch Informationen hinsichtlich der Motivation und Zufriedenheit liefern sollte. Dieser Fragebogen wurde an vier Busgruppen chinesischer Gäste auf Europarundreise verteilt. 154 Fragebögen waren auswertbar. Die Ergebnisse werden dargestellt, diskutiert und durch eine Fremd-einschätzung durch chinesische Reiseleiter ergänzt.
Anschließend werden, aufbauend auf diesen Ergebnissen, Handlungsempfehlungen für Reiseveranstalter beim Umgang mit chinesischen Reisegruppen gegeben.
Das Vierte Kapitel ist die Zusammenfassung und die Schlussbemerkung.
Neben der Literaturrecherche und der Auswertung von Sekundärquellen wurden von den Autoren auch Interviews mit Experten auf dem Gebiet des chinesischen Outbound-Marktes geführt, um ihr Wissen zu vertiefen.
Wie bereits angesprochen, ist der moderne Tourismus in der VR China eine relativ junge Erscheinung, weshalb die Daten zur Entwicklung des Tourismus und damit zusammenhängenden Aspekten oft lückenhaft und unvollständig sind. Mayr beurteilt die Situation der Fremdenverkehrsstatistik in der VR China wie folgt: „China hat eine höchst unzureichende Fremdenverkehrsstatistik, die nur einen bescheidenen Satz von regionalisierten Daten enthält,...“.
Bis zum Jahr 2005 hat sich an dieser Situation nicht viel geändert und eine der in Deutschland jährlich von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (F.U.R.) durchgeführte vergleichbare Reiseanalyse, ist nicht erhältlich. Die Beschaffung wichtiger Informationen, die nicht in der allgemein zugänglichen Literatur, wie etwa die der WTO, zu entnehmen war, hat sich somit als schwierig erwiesen.
Die bei der Untersuchung herangezogenen statistischen Quellen unterscheiden sich darüber hinaus in den Erhebungsmethoden, so dass eine Übertragbarkeit fehlender Daten von der einen auf die anderen Quelle nicht ohne weiteres vorgenommen werden kann. Bei den Statistiken über Auslandsreisen etwa, muss beachtet werden, dass auch Reisen in die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao als Reisen ins Ausland gelten.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | PROBLEMSTELLUNG | 1 |
| 1.2 | ZIELSETZUNG UND EINGRENZUNG DES THEMAS | 4 |
| 1.3 | METHODIK UND ANMERKUNGEN ZUM STATISTISCHEN MATERIAL | 4 |
| 1.4 | BEGRIFFSBESTIMMUNGEN | 7 |
| 2. | THEORETISCHER TEIL | 11 |
| 2.1 | DER WELTTOURISMUS | 11 |
| 2.1.1 | Entwicklung | 12 |
| 2.1.2 | Wirtschaftliche Auswirkungen und Entwicklungen des Internationalen Tourismus | 18 |
| 2.1.3 | Reiseströme | 20 |
| 2.1.4 | Zusammenfassung und Ausblick in die Zukunft | 25 |
| 2.2 | CHINA IM ÜBERBLICK | 27 |
| 2.2.1 | Geographie und Klima | 28 |
| 2.2.2 | Bevölkerung & Gesellschaft | 33 |
| 2.2.3 | Geschichte | 50 |
| 2.2.4 | Staatsform, Staatsaufbau & Rechtssystem | 59 |
| 2.2.5 | Wirtschaft | 65 |
| 2.2.6 | Infrastruktur | 73 |
| 2.2.7 | Tourismusentwicklung | 75 |
| 2.2.8 | Zusammenfassung | 84 |
| 2.3 | ADMINISTRATIVE REGELUNGEN IM CHINESISCHEN OUTBOUND-TOURISMUS | 86 |
| 2.3.1 | Die bei Auslandsreisen relevanten Behörden | 87 |
| 2.3.2 | Benötigte Reisedokumente und Devisenbeschränkung | 90 |
| 2.3.3 | Approved Destination Status (ADS) | 96 |
| 2.3.4 | Zusammenfassung | 113 |
| 2.4 | DER OUTBOUND-TOURISMUS IM DETAIL | 115 |
| 2.4.1 | Die Nachfrage | 115 |
| 2.4.2 | Das Angebot | 194 |
| 3. | PRAKTISCHER TEIL | 242 |
| 3.1 | EINLEITUNG | 242 |
| 3.2 | MESSUNG | 242 |
| 3.3 | DATENERHEBUNG | 243 |
| 3.4 | DATENAUSWERTUNG | 243 |
| 3.5 | REISEVERLAUF | 244 |
| 3.6 | AUSWERTUNG DER BEFRAGUNG DER TOURISTEN | 245 |
| 3.6.1 | Soziodemographisches Profil | 245 |
| 3.6.2 | Reiseerfahrenheit in Europa | 246 |
| 3.6.3 | Zeitpunkt der Reiseentscheidung | 247 |
| 3.6.4 | Selbsteinschätzung bezüglich des Kenntnisstandes über Europa und Deutschland | 247 |
| 3.6.5 | Durchschnittliche Gewichtete Zufriedenheit der Einzelitems | 249 |
| 3.6.6 | Gewichtete Gesamtzufriedenheit pro Tour | 253 |
| 3.6.7 | Unterschiede zwischen Reiseerfahrenen und Reiseunerfahrenen | 254 |
| 3.7 | AUSWERTUNG DER BEFRAGUNG DER EXPERTEN | 256 |
| 3.8 | DISKUSSION | 257 |
| 3.8.1 | Soziodemographisches Profil | 257 |
| 3.8.2 | Reiseerfahrenheit in Europa | 258 |
| 3.8.3 | Buchungsverhalten | 258 |
| 3.8.4 | Wissen über die Reisedestination | 259 |
| 3.8.5 | Zufriedenheit mit der unternommenen Europarundreise | 259 |
| 3.9 | ZUSAMMENFASSUNG UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN | 263 |
| 4. | ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSBEMERKUNG | 271 |
| ANHANGVERZEICHNIS | XI | |
| LITERATURVERZEICHNIS | XLVII | |
| EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG | LXV |
China befindet sich nach einem Vierteljahrhundert Planwirtschaft in einem starken Wirtschaftswandel. Von 1952 bis 1976 blieb das Wirtschaftswachstum Chinas weit hinter dem Südkoreas, Taiwans, Singapurs und Hongkongs zurück. In der Ära Deng Xiaoping (1978-1997) änderte sich dies allerdings. China wurde zur der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft und setzte sich an die Spitze der asiatischen Wachstumsländer. Erklärt wird dieses „Wirtschaftswunder“ mit der Aufgabe der Planwirtschaft. Millionen von Menschen wurde die Möglichkeit gegeben, sich selbständig zu machen und ‚reich’ zu werden. Das Wirtschaftswachstum stieg steil an. Laut offizieller chinesischer Statistik betrug das Wirtschaftswachstum 1982 9,1%, 1983 10,9% und 1984 15,2%. Das BIP stieg von 140 Mrd. US$ im Jahr 1978 auf 1,4 Billionen US$ im Jahr 2003, was eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 9,4% bedeutete (siehe Anhang2) 204 Gemäß offizieller Statistik lag Chinas durchschnittliches jährliches Wirtschaftswachstum während der zwanzigjährigen Regentschaft von Deng bei 9,9 Prozent. Wirtschaftswissenschaftler halten diese Zahl allerdings für überhöht. Die Weltbank geht von einer Wachstumsrate von 8,5 Prozent aus.205 [...]
Die enge Verflechtung mit der Welt lässt sich deutlich an der Entwicklung des Außenhandels ablesen, der im Jahr 2002 ein Gesamtvolumen von 620 Milliarden US-Dollar bei einem BIP von rund 1,2 Billionen US-Dollar erreichte. Durch ihn wurde im selben Jahr ein Bilanzüberschuss zugunsten der Volksrepublik in Höhe von 30,4 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Den überwiegenden Anteil hat hierbei das verarbeitende Gewerbe, insbesondere der Textil- und Bekleidungssektor. Es wird erwartet, dass China binnen weniger Jahre einen Weltmarktanteil von mehr als 50 Prozent erreichen wird. Auch im Bereich Hightech und Elektronik verzeichnet der chinesische Export dynamische Zuwachsraten. Zwischenzeitlich profilieren sich Unternehmen wie die in Qingdao ansässige Haushaltsgerätefirma Haier bereits mit Qualitätsmarken auf dem außerchinesischen Markt, auch dem ebenfalls in Qingdao angesiedelten Unterhaltungselektronik-Konzern Hisense könnte die Etablierung als internationale Marke gelingen. Die Computerfirma Lenovo mit Hauptsitz in Beijing ist kurz davor IBM zu übernehmen (Stand Anfang 2005). [...]
Der Anteil der Staatsunternehmen an der Bruttoindustrieproduktion nahm im Zeitraum von 1990 bis 1998 von 54,6% auf 28,2% ab. Eine Zunahme größerer Privatunternehmen (siying qiye) erfolgte nach 1990 und war also eng mit dem Niedergang des staatlichen Industriesektors verbunden. Bis 1997 wurde der größte Teil der profitablen Staatsunternehmen nach und nach in AGs umgewandelt, wobei der Staat gleichwohl Mehrheitsaktionär blieb. Die Gewinne dieser Unternehmen konnten nun allerdings nicht mehr zum Defizitausgleich von über 300.000 überwiegend kleinerer und mittlerer Staatsbetriebe verwendet werden. Die Subventionen erfolgten daraufhin aus dem Steueraufkommen, was indes das Staatsbudget belastete. Zur Vermeidung weiterer Massenentlassungen wurde die Bereitstellung weiterer Finanzmittel für die Staatsbetriebe dann den vier großen Staatsbanken übertragen, die jedoch wiederum durch ein Übermaß so genannter fauler Kredite an den Rand des Ruins getrieben wurden. Konrad Seitz 197 , ehemaliger Botschafter Deutschlands in China erklärt, warum es nicht zu dramatischen Massenentlassungen kam. Die „Dinosaurier in einer neuen Umwelt“, wurden von den Staatsbanken durch faule Kredite am Leben erhalten. Seitz geht davon aus, dass besonders nach dem Eintritt Chinas in die WTO im Juli 2001 weitere tief greifende Reformen eintreten werden. So fielen eine Reihe von Schutzmaßnahmen sofort nach dem Eintritt weg - die wichtigsten werden bis spätestens 2007 abgebaut.198 (Details siehe „Die Auswirkungen des Eintritts in die WTO“). [...]
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Arbeit zitieren:
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Touristik, Fremdenverkehr, Hotel, Reiseveranstalter, China



