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Chinas Beziehungen zu Nordkorea in der Ära Deng Xiaoping (1978-1997)

Von sozialistischer Bündnispolitik zu nationalstaatlicher Interessenpolitik

Die Dissertation wurde mit "Cum Laude" ausgezeichnet.
Chinas Beziehungen zu Nordkorea in der Ära Deng Xiaoping (1978-1997)
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Harald Maass
  • Abgabedatum: Januar 2002
  • Umfang: 247 Seiten
  • Dateigröße: 942,9 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9879-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9879-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9879-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung: Die Dissertation wurde mit "Cum Laude" ausgezeichnet.
  • Arbeit zitieren: Maass, Harald Januar 2002: Chinas Beziehungen zu Nordkorea in der Ära Deng Xiaoping (1978-1997), Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Internationale Beziehungen, Pjöngjang, Atomwaffe, Sperrvertrag, Flüchtlinge

Dissertation / Doktorarbeit von Harald Maass

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit wirft vor dem Hintergrund des koreanischen Konflikts ein Schlaglicht auf China. Wenn es einen Staat gibt, der über Informationen über die DVRK verfügt, ist es die Volksrepublik China. Seit dem Zerfall der Sowjetunion kann Peking als der letzte Verbündtete Pjöngjangs angesehen werden. Nach dem Koreakrieg, in dem China die DVRK mit Hunderttausenden sogenannter Freiwilligentruppen unterstütze, pflegten beide Seiten zumindest offiziell enge Freundschaftsbeziehungen. China ist der größte geografische Nachbar der DVRK und seit dem Zerfall der UdSSR der wichtigste Handelspartner und Lieferant von Rohstoffen. China ist zudem die einzige Großmacht, welche die Sicherheit der DVRK mit einem Militärpakt (1961) garantiert.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die Beziehungen zwischen der DVRK und der VR China nach 1978. Die Ära Deng Xiaoping im Titel bezeichnet dabei die Periode der Öffnung Chinas, der Hinwendung zu einem kapitalistischen Wirtschaftsstil und der damit verbundenen Öffnung gegenüber dem Westen. Die Arbeit analysiert die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen der beiden Staaten. Ziel der Arbeit ist es, Antworten oder zumindest eine Annäherung an politische Fragen zu ermöglichen, die wiederum Aufschluss über die weitere Entwicklung der DVRK bieten könnten: Welchen Einfluss hat Peking, das sich öffentlich als Außenseiter im koreanischen Konflikt bezeichnet, auf das nordkoreanische Regime? Besteht eine wirtschaftliche oder militärische Abhängigkeit der DVRK von China? Was sind Chinas Interessen in Korea und welche Außenpolitik verfolgt es? Und schließlich stellt sich noch die Systemfrage: Wird Pjöngjang eines Tages dem Weg der VR China in Richtung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Öffnung folgen?

Einleitung:

Als im Juni 2000 die beiden koreanischen Führer Kim Dae Jung und Kim Jong Il zum Gipfeltreffen in Pjöngjang zusammentrafen, herrschte bei vielen Beobachtern des koreanischen Konfliktes Optimismus. Als ein historisches Gipfeltreffen bezeichneten manche dieses erste Treffen der koreanischen Staatsführer, das mit einem 5-Punkte Plan und einem Kommunique zur Wiedervereinigung und Friedenssicherung abgeschlossen wurde. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung, der mit der sogenannten Sonnenscheinpolitik die Annäherung der beiden verfeindeten Staaten vorangetrieben hatte, erhielt im gleichen Jahr den Friedensnobelpreis.

Mittlerweile hat sich jedoch Ernüchterung eingestellt, der erhoffte Durchbruch in dem Jahrzehnte alten koreanischen Konflikt blieb aus. In den politischen Folgegesprächen zwischen Seoul und Pjöngjang konnten sich beide Seiten bislang auf keine konkreten Abrüstungsschritte und Maßnahmen zur Friedenssicherung einigen. Der im Juni 2000 angekündigte Gegenbesuch Kim Jong Ils in Seoul ist bislang offen. Zwar gab es in den Jahren 2000 und 2001 einige kurze, medienwirksame Treffen durch den Krieg getrennter Familien beider Seiten. An der brisanten politischen Lage auf der koreanischen Halbinsel hat sich jedoch nichts grundlegend geändert.

Korea ist weiter ein potentieller Krisenherd in Ostasien. Fünf Jahrzehnte nach dem Koreakrieg (1950-1953) stehen sich entlang der Demarkationslinie am 38. Breitengrad zwei hochgerüstete Armeen gegenüber. Ein Jahrzehnt nach dem Fall der Mauer in Deutschland, nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion herrscht in Korea nach wie vor Kalter Krieg: Auf der einen Seite das kommunistische Nordkorea, seit 1961 durch einen Beistandspakt mit der VR China militärisch verbunden. Im Süden die demokratische Republik Korea, unterstützt durch Truppen der USA.

Im Gegensatz zu anderen kommunistischen Staaten gab es in Nordkorea (DVRK) nach dem Zerfall der Sowjetunion keinen Systemwandel. Als einer der letzten Staaten hält die DVRK an der sozialistischen Planwirtschaft fest und steht damit nahezu isoliert in der Staatengemeinschaft. Das politische und wirtschaftliche System ist von dem Vorbild der einstigen Schutzmacht UdSSR geprägt und wird von einer leninistisch-marxistischen Einparteienherrschaft dominiert. Mit dem Zerfall des Ostblocks gingen Außenhandel und Wirtschaftsentwicklung der DVRK stark zurück, ein Großteil der Fabriken im Land stehen heute still. Seit Mitte der neunziger Jahre sind große Teile der Bevölkerung von Nahrungsmittellieferungen der internationalen Hilfsorganisationen abhängig. Die Einparteienherrschaft der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) ist auch nach der Machtübernahme Kim Jong Ils, der 1994 seinen verstorbenen Vater Kim Il Song an der Spitze folgte, ungebrochen.

Anders sieht die Lage in Südkorea aus, das während und nach dem Koreakrieg militärisch und wirtschaftlich von den USA unterstützt wurde. Die Republik Korea entwickelte sich mit einem westlich-kapitalistischen Modell zu einem der wirtschaftlich erfolgreichen asiatischen Tigerstaaten. Südkorea ist hinter Japan und China eine der führenden Industrienationen Asiens. Seit den Achtzigern kam es unter dem Druck der Bevölkerung auch zu einer politischen Liberalisierung. Das Militärregime wurde durch ein demokratisches Mehrparteiensystem abgelöst. 1998 wählten die Südkoreaner den ehemaligen Dissidenten Kim Dae Jung zum Präsidenten. Die Wahl wurde von vielen Beobachtern Südkoreas als letzter Schritt zur Demokratisierung angesehen.

Der Koreakrieg und der ideologische Systemkonflikt führten auf der koreanischen Halbinsel zu einer Teilung, die weitaus stärker ist als die im früheren Deutschland. Im Gegensatz zur einstigen BRD und DDR, die durch eine Reihe ziviler und staatlicher Kontakte miteinander verbunden waren, sind die beiden Koreas nahezu voneinander isoliert. Zwischen Nord- und Südkorea gibt es bis heute weder Briefverkehr noch Telefonverbindungen. Bis auf einige wenige humanitäre Familienzusammenführungen haben Millionen Koreaner seit einem halben Jahrhundert keine einzige Nachricht von ihren Familien aus dem anderen Landesteil erhalten. Viele wissen nicht, ob ihre Verwandten noch leben. Zwischenstaatlicher Austausch zwischen Nord- und Südkorea auf wissenschaftlichem oder privatem Gebiet findet praktisch nicht statt. Auf politischer Ebene haben sich nach 1998 die Kontakte zwar verstärkt. Das Gipfeltreffen im Juni 2000 zwischen Kim Dae Jung und Kim Jong Il führte jedoch zu keinen konkreten Entspannungsmaßnahmen oder Abrüstungsschritten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
1.1 Führungsmacht, Vermittler, Außenseiter? Pekings Einfluss in Pjöngjang 3
1.2 Verschlossene Tore: Wissenschaftliches Arbeiten über Nordkorea 7
2. Vom Tributstaat zum sozialistischen Bündnispartner - Chinas Beziehungen zu Nordkorea bis 1978 11
2.1 Historische Beziehungen 11
2.1.1 Korea und das chinesische Kaiserreich 11
2.1.2 Pekings Rolle in der kommunistischen Bewegung Koreas 15
2.1.3 Zusammenfassung 20
2.2 China und der Koreakrieg 22
2.2.1 Mao Zedongs Entscheidung zum Kriegseintritt 1950 22
2.2.2 Chinas Freiwilligenarmee in Korea 26
2.2.3 Pekings Rolle bei den Waffenstillstandsverhandlungen 1953 31
2.2.4 Zusammenfassung 35
2.3 Wettstreit mit Moskau: Pekings Koreapolitik bis Maos Tod 37
2.3.1 China als Nordkoreas Bündnispartner 37
2.3.2 Pjöngjang und die Konkurrenz zwischen Peking und Moskau 42
2.3.3 Kulturrevolution: China kehrt sich nach innen 47
2.3.4 Zusammenfassung 50
3. Chinas Beziehungen zu Nordkorea in der Ära Deng Xiaoping (1978-1997) 53
3.1 Politische Beziehungen 53
3.1.1 Chinas Außenpolitik in der Reformära 53
3.1.1.1 Entideologisierung 53
3.1.1.2 Entpersonalisierung 59
3.1.1.3 Neuorientierung in Asien 61
3.1.2 Nordkoreas Außenpolitik nach 1979 63
3.1.2.1 Aufbau- und Entscheidungsstruktur 63
3.1.2.2 Theorie- und Ideologie in der Außenpolitik der DVRK 68
3.1.3 Pekings Weg zur Zwei-Korea-Politik 75
3.1.3.1 Chinesisch-sowjetische Entspannung 75
3.1.3.2 Annäherung an Südkorea 81
3.1.3.3 Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Seoul 91
3.1.4 China und die Korea-Frage 95
3.1.4.1 Pekings Interessen auf der koreanischen Halbinsel 95
3.1.4.2 China und die Koreapolitik der Drittstaaten 98
3.1.4.2.1 USA 98
3.1.4.2.2 Russland 104
3.1.4.2.3 Japan 107
3.1.4.3 Pekings Koreapolitik und Wiedervereinigung 111
3.1.5 China als letzter Verbündeter Nordkoreas 115
3.1.5.1 Rituelle Freundschaftsdiplomatie 115
3.1.5.2 Peking und Nordkoreas UN-Politik 122
3.1.5.3 Die Nuklear-Krise 1993/94 125
3.1.5.4 Kim Il Sungs Tod 1994 130
3.1.5.5 Die Flucht des Parteisekretärs Hwang Yang Jop 133
3.1.5.6 China und das nordkoreanische Flüchtlingsproblem 139
3.1.5.7 Nordkoreas Annäherung an Taiwan 142
3.1.5.8 Chinas Einschätzung von Kim Jong Il 147
3.1.6 Zusammenfassung 152
3.2 Militärische Beziehungen 155
3.2.1 Chinas Militärpolitik gegenüber Nordkorea 155
3.2.2 Der Beistandspakt von 1961 160
3.2.3 Die Rolle der Korea-Veteranen in Chinas Volksbefreiungsarmee 163
3.2.4 China und Nordkoreas nukleares Raketenprogramm 164
3.2.5 Zusammenfassung 167
3.3 Wirtschaftliche Beziehungen 169
3.3.1 Chinas Reformpolitik und die Auswirkungen auf den Koreahandel 169
3.3.1.1 China und Nordkorea 169
3.3.1.2 China und Südkorea 176
3.3.2 Auslöser der Hungerkrise? Pekings Umstellung des Handels auf harte Währung 179
3.3.3 Chinas Reformpolitik: Vorbild für Pjöngjang? 184
3.3.4 Zusammenfassung 198
4. Ergebnis: Chinas Weg zur nationalstaatlichen Interessenpolitik am Beispiel der Koreapolitik 201
Literatur- und Quellenverzeichnis 218
Abkürzungs- und Tabellenverzeichnis 247

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ungeachtet der öffentlichen Unterstützung Chinas für eine koreanische Einheit stellt sich die Frage, ob und welches Interesse Peking tatsächlich an einer Wiedervereinigung auf Korea hatte. China war nach 1992 die einzige Großmacht, die sowohl über gute Beziehungen zu Pjöngjang als auch zu Seoul verfügte, und somit in ganz Korea Einfluss üben konnte.370 Diese unangefochtene Position brachte Peking einige Vorteile: So wie Pjöngjang einst die Konkurrenten Moskau und Peking gegeneinander ausgespielt hatte, konnte China in seiner neuen Position seine wirtschaftlichen und politischen Interessen in Seoul und Pjöngjang optimal durchsetzen. China hatte damit wieder seine historisch starke Position auf der koreanischen Halbinsel gefestigt. Solange Korea ein geteiltes Land war, verfügte Peking gegenüber den anderen Großmächten USA, Russland und Japan über eine dominierende Stellung.371 [...]

Obwohl China öffentlich eine Lösung der Koreafrage durch alleinige Verhandlungen zwischen Seoul und Pjöngjang unterstützte, schien Peking nicht abgeneigt, als US-Präsident Bill Clinton und Südkoreas Staatschef Kim Young Sam im April 1996 überraschend VierParteien-Gespräche (Nord- und Südkorea, USA, China) vorschlugen. 365 Pjöngjang hatte kein Interesse, China in die Verhandlungen mit einzubeziehen und lehnte den Vorschlag zunächst ab. Nordkorea befürchtete offensichtlich, dass Peking in den Gesprächen die Positionen Washingtons und Seouls unterstützen könnte. Als Alternative schlug Pjöngjang „3+1“-Gespräche vor, bei denen Pjöngjang, Seoul und Washington am Verhandlungstisch sitzen und China das Ergebnis nur absegnen sollte.366 Die USA akzeptierten diese Version, nicht aber Südkorea, das eine volle Beteiligung Chinas an den Verhandlungen forderte. Seoul argumentierte, dass China einen mäßigenden Einfluss in den Verhandlungen auf Pjöngjang ausüben könnte.367 Im Mai 1997 erklärte Chinas Außenminister Qian Qichen gegenüber seinem südkoreanischen Amtskollegen, dass China Vier-Parteien-Gespräche für „realistisch und durchführbar“ halte.368 Nach mehreren Zwischenverhandlungen fanden im Dezember 1997 in Genf die erstem 4-Parteien-Gespräche über eine Friedenslösung für Korea statt.369 [...]

112 weils die DVRK.359 Anfang der neunziger Jahre legte Peking besonderen Wert auf Kim Il Sungs Vorschlag, Korea als einen Bundesstaat unter der Formel „Eine Nation, ein Land, zwei Systeme, zwei Regierungen“ zu vereinigen. In einem Leitartikel der Renmin Ribao (Volkszeitung) vom 11. Juli 1991 hieß es beispielsweise: „Kim Il Sung hat den Vorschlag gemacht, auf der Basis der Formel ´eine Nation, ein Land, zwei Systeme, zwei Regierungen´ das Vaterland in einem Bundesstaat zu vereinigen. Wir sind der Meinung, dass dieser Vorschlag der realen Situation auf der koreanischen Halbinsel entspricht und der Stabilität auf Korea zugute kommt.“ 360 Chinas besonderes Interesse an diesem Vorschlag mag daran gelegen haben, dass er dem Grundsatz der chinesischen Wiedervereinigungsformel „Ein Land, zwei Systeme“ entsprach, die Peking bei den Verhandlungen über die Rückkehr Hongkongs und Macaos zu China verwendet hatte.361 Interessanterweise griffen Pekings Regierungsmitglieder diese Formel nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Seoul in Bezug auf Korea nicht mehr auf. Peking stoppte 1992 seine bis dahin einseitige öffentliche Unterstützung für Pjöngjangs Wiedervereinigungsvorschläge und sprach seitdem nur mehr in allgemeiner Form von der Notwendigkeit von Frieden und einer Wiedervereinigung in Korea.362 Zwar wurde weiterhin in Verlautbarungen und in den Staatsmedien Chinas die Freundschaft zu Nordkorea beschrieben, in der Wiedervereinigungsfrage vertrat Peking jedoch weder Seouls noch Pjöngjangs Position. Der damalige Ministerpräsident Li Peng erklärte im November 1994 Pekings allgemeine Position zur Wiedervereinigungsfrage in Korea: „China war immer der Meinung, dass Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel auf friedlichem Wege erreicht werden sollte. Dieser friedliche Weg sind Gespräche zwischen dem Süden und dem Norden, welche China unterstützt.“363 Pjöngjangs Forderung nach dem Abzug der US-Truppen aus Korea als Voraussetzung für eine Wiedervereinigung wurde von Peking nach 1992 in öffentlichen Verlautbarungen nur noch indirekt unterstützt. China betonte, dass die Wiedervereinigung eine innere Angele- [...]

Arbeit zitieren:
Maass, Harald Januar 2002: Chinas Beziehungen zu Nordkorea in der Ära Deng Xiaoping (1978-1997), Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Internationale Beziehungen, Pjöngjang, Atomwaffe, Sperrvertrag, Flüchtlinge

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