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Chancen und Risiken alternativer Abwicklungsmodelle für die Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs

Eine vergleichende Analyse

Chancen und Risiken alternativer Abwicklungsmodelle für die Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andreas Thiel
  • Abgabedatum: Februar 2003
  • Umfang: 128 Seiten
  • Dateigröße: 1,7 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: European Business School Schloß Reichartshausen, Oestrich-Winkel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7178-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7178-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7178-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Thiel, Andreas Februar 2003: Chancen und Risiken alternativer Abwicklungsmodelle für die Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Transaction Banking, Zahlungssysteme, TARGET, Single Euro Payment Area (SEPA), Europäische Union

Diplomarbeit von Andreas Thiel

Problemstellung:

Im europäischen Massenzahlungsverkehr werden derzeit vorwiegend Korrespondenzbankbeziehungen oder darauf basierende Clublösungen zur Zahlungsabwicklung eingesetzt. Aufgrund unterschiedlicher nationaler Standards ist eine automatische Verarbeitung in den meisten Fällen unmöglich, was zu hohen Kosten sowie langen Abwicklungszeiten führt.

Die hohen Kosten von Auslandsüberweisungen sowie die zeitaufwendigen Abwicklungswege stellen eine erhebliche Barriere für den europäischen Binnenmarkt dar. Hierdurch wird der freie und ungehinderte Austausch von Waren und Dienstleistungen beeinträchtigt. Um den Finanzbinnenmarkt endlich Realität werden zu lassen, erließen der Ministerrat und das Parlament der EU im Dezember 2001 eine Verordnung über grenzüberschreitende Zahlungen in Euro. Diese verpflichtet die europäischen Banken, bis Juli 2003 die Preise für Auslandsüberweisungen denen für Inlandsüberweisungen anzugleichen. Die Verordnung setzt die Banken unter starken Kostensenkungsdruck, da Auslandsüberweisungen sonst nicht mehr kostendeckend angeboten werden können.

Auch im Großzahlungsverkehr, der heute vom gemeinsamen TARGET-System des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) dominiert wird und bei dem nur geringe Kostendifferenzen zwischen inländischen und grenzüberschreitenden Zahlungen existieren, gibt es noch zahlreiche Ineffizienzen und damit erhebliches Reformpotential. So läßt der TARGET-Verbund aus heterogenen nationalen Systemen keinen einheitlichen Servicelevel zu. Außerdem können viele nationale Systeme aufgrund von geringen Abwicklungsstückzahlen nicht wirtschaftlich arbeiten. Eine Reform ist besonders im Hinblick auf die anstehende EU-Osterweiterung dringend vonnöten, da sonst bis zu zehn neue Systeme dem TARGET-Verbund angeschlossen werden müßten, was bestehende Ineffizienzen noch verstärken würde. Ein leistungsfähiges Großzahlungsverkehrssystem ist essentiell wichtig, da nur so die Integration des Euro-Geldmarkts und damit auch die Effizienz der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gewährleistet werden kann.

Da sowohl im grenzüberschreitenden Groß- als auch im Massenzahlungsverkehr Reformen unausweichlich sind, stellt sich die Frage nach alternativen Abwicklungsmodellen zur Lösung der Probleme im jeweiligen Bereich. Die vorliegende Diplomarbeit geht dieser Frage nach. Die Problemstellung umfaßt vier konkrete Fragenkomplexe:

- Wie ist die derzeitige Situation im grenzüberschreitenden Groß- und Massenzahlungsverkehr, welche Probleme existieren und wo liegen deren Ursachen?

- Welche alternativen Abwicklungsmodelle können implementiert werden, um die Defizite im Groß- und Massenzahlungsverkehr zu beseitigen, und wo liegen ihre spezifischen Stärken und Schwächen?

- Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus diesen Abwicklungsmodellen für die Beteiligten und wie sind die Implementierungschancen einzuschätzen?

- Wo liegen die höchsten Kostensenkungspotentiale im grenzüberschreitenden Massenzahlungsverkehr und welchen Stellenwert haben in diesem Zusammenhang die diskutierten Abwicklungsmodelle?

Da Verbesserungen auf allen Stufen des Zahlungsverkehrsprozesses möglich sind, analysiert diese Arbeit den gesamten Prozeß vom Auftragseingang bis zur endgültigen Gutschrift auf dem Konto des Empfängers. In die Analyse fließen neben der einschlägigen Fachliteratur und eigenen Gedanken auch Informationen aus Interviews ein, die der Autor mit den folgenden Experten durchführte:

Andreas Goralczyk, Bundesverband deutscher Banken e. V. (BdB), Direktor im Geschäftsbereich Retail Banking, Zahlungssysteme und Informationstechnologie Axel Schindler, Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V. (BVR), Referent Abt. Kartenstrategie / Zahlungsverkehr, Axel Weiß, Deutscher Sparkassen- und Giroverband, Abteilungsdirektor für den Zahlungsverkehr und für das Referat „Marktpolitik internationaler Zahlungsverkehr“, Christoph Stuhldreier, WGZ-Bank, Abteilungsdirektor Produktmanagement Bereich Zahlungsverkehr, Dr. Hans-Jürgen Friederich, Deutsche Bundesbank, Leiter des Zentralbereichs Zahlungsverkehr, Kontenführung, Depot, Abwicklung Handelsgeschäfte, Henrik Parl, Eurogiro Network A/S, Managing Director.

Gang der Untersuchung:

Nach einer Klärung der Grundlagen wird zunächst die aktuelle Situation im grenzüberschreitenden Groß- und Massenzahlungsverkehr dargestellt, indem bestehende Systeme beschrieben werden sowie auf gegenwärtige Probleme und deren Ursachen eingegangen wird. Obwohl mit dem EURO1-System der Euro Banking Association (EBA) neben TARGET noch ein weiteres bedeutendes Großzahlungsverkehrssystem existiert, steht im Bereich Großzahlungsverkehr die Betrachtung von TARGET im Vordergrund, da bei EURO1 kein wesentlicher Reformbedarf auszumachen ist. Eine kurze Darstellung von EURO1 ist aber auf jeden Fall notwendig, denn dieses System ist ein wichtiges Beispiel für ein zeitdiskretes Nettozahlungsverkehrssystem und zugleich technische Plattform für die europäischen Massenzahlungsverkehrssysteme STEP1 und STEP2. Da im Bereich Massenzahlungsverkehr mehrere Ansätze zur Abwicklung von Auslandszahlungen im Euro-Raum existieren, werden nur die Systeme diskutiert, die sowohl von deutschen Banken genutzt werden als auch von europaweiter Bedeutung sind. Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, daß Systeme aller drei Bankengruppen berücksichtigt werden.

Im Hauptteil der Arbeit werden zunächst drei alternative Ansätze zur Modernisierung des TARGET-Verbundes (ein einheitliches europäisches System, äquivalente nationale Systeme sowie die Kombination aus nationalen Systemen und einer Gemeinschaftsplattform, der sich einzelne Länder anschließen können, die kein eigenes RTGS System betreiben wollen.) sowie sechs Ansätze zur Schaffung einer Single Euro Payment Area (SEPA) (Euro-ACH, PEACH, ACH-Verbund, Hybridlösung, Beibehaltung des Korrespondenzbankmodells unter konsequentem Einsatz von einheitlichen STP-Standards sowie die Nutzung der Kreditkartennetzwerke für den Massenzahlungsverkehr) vorgestellt.

Anschließend werden die Stärken und Schwächen dieser alternativen Abwicklungsmodelle ausführlich betrachtet und anhand von neun Kriterien (Servicelevel, Liquiditätsmanagement, Betriebsrisiko, Betriebskosten, Investitions- und Zeitaufwand, Erweiterbarkeit, Offenheit, Akzeptanz und Wettbewerbssituation) bewertet. Weiterhin werden sie auf Chancen und Risiken für alle beteiligten Interessengruppen sowie auf ihre Implementierungschancen hin analysiert. Zum Abschluß findet eine detaillierte Kostenanalyse des Zahlungsverkehrsprozesses statt. Daraus werden Handlungsempfehlungen abgeleitet, wie die Kostensituation im Massenzahlungsverkehr verbessert werden kann. Dabei wird u. a. analysiert, welche Rolle die Wahl eines alternativen Abwicklungsmodells für potentielle Kostensenkungen spielt.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Europäische Finanzmarktintegration 1
1.2 Problemstellung und Eingrenzung des Themenfeldes 2
1.3 Gang der Untersuchung 3
2. Grundlagen des Zahlungsverkehrs 4
2.1 Groß- und Massenzahlungsverkehr 4
2.2 Zahlungsverkehrsinstrumente 4
2.3 Der Zahlungsverkehrsprozeß 5
2.3.1 Informationsübermittlung 5
2.3.2 Zahlungsverarbeitung oder Clearing 6
2.3.3 Abwicklung 6
2.4 Arten von Abwicklungssystemen 7
3. Aktuelle Situation und Probleme des länderübergreifenden Zahlungsverkehrs 8
3.1 Großzahlungsverkehr 8
3.1.1 Das privatwirtschaftliche Nettoabwicklungssystem EURO1 8
3.1.2 Das Echtzeitbruttoabwicklungssystem TARGET 10
3.1.3 Reformbedarf im TARGET-Verbund 12
3.2 Massenzahlungsverkehr 14
3.2.1 Aktuelle Situation des Massenzahlungsverkehrs im EU-Raum 14
3.2.1.1 Korrespondenzbankbeziehungen 14
3.2.1.2 TIPANET, S-InterPay und Eurogiro 15
3.2.1.3 STEP1 17
3.2.2 Probleme im Massenzahlungsverkehr 18
3.2.2.1 Hohe Kosten 18
3.2.2.2 Mangelnde Transparenz 19
3.2.2.3 Lange Abwicklungsdauer 20
3.2.3 Ursachen der bestehenden Probleme 20
3.2.4 Die Europäische Union schafft Handlungszwang 22
4. Konzepte zur Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs 24
4.1 Modelle zur Modernisierung des TARGET-Verbundes 24
4.2 Die Single Euro Payment Area Initiative als Maßnahme zur Steigerung der Effizienz im europäischen Massenzahlungsverkehr 26
4.2.1 Der European Payment Council 26
4.2.2 Ziele der Single Euro Payment Area Initiative 26
4.2.3 Straight-Through-Processing-Standards 28
4.2.4 Im Rahmen der SEPA-Initiative diskutierte Abwicklungsmodelle 30
4.2.5 Konkrete Initiative: STEP2 31
5. Vergleichende Analyse alternativer Abwicklungsmodelle im Groß- und Massenzahlungsverkehr 32
5.1 Bewertungskriterien 32
5.2 Bewertung der dargestellten Verbesserungskonzepte des TARGET-Verbundes 34
5.2.1 Zentrale Plattform 34
5.2.2 Beibehaltung eines dezentralen Systems 35
5.2.3 TARGET2 als Kompromißlösung 36
5.2.4 Gegenüberstellung der alternativen TARGET-Modelle 37
5.2.5 Chancen und Risiken für die Beteiligten 37
5.2.5.1 Geschäftsbanken 37
5.2.5.2 Nationale Notenbanken 37
5.2.6 Die Zukunft von TARGET 38
5.3 Bewertung der dargestellten Massenzahlungsverkehrsabwicklungsmodelle 39
5.3.1 Einzelnes europäisches Automated Clearing House für den Euro 39
5.3.2 Pan-europäisches Automated Clearing House 40
5.3.3 Verbund nationaler Automated Clearing Houses 41
5.3.4 Kombination zwischen pan-europäischem Automated Clearing House und Verbund nationaler Automated Clearing Houses (Hybridmodell) 41
5.3.5 Korrespondenzbankbeziehungen unter Verwendung von Straight-Through-Processing-Standards 42
5.3.6 Nutzung der bestehenden Kreditkartennetzwerke 43
5.3.7 Gegenüberstellung der Alternativen für den europäischen Massenzahlungsverkehr 43
5.3.8 Chancen und Risiken für die Beteiligten 44
5.3.8.1 Banken 44
5.3.8.2 Bankkunden 45
5.3.8.3 Sonstige Beteiligte 45
5.3.9 Implementierungschancen 46
6. Analyse des Zahlungsverkehrsprozesses unter Kostengesichtspunkten 49
6.1 Prozeßgruppen und Einzelprozesse im Massenzahlungsverkehr 49
6.2 Zuordnung der Kosten auf die Einzelprozesse 52
6.3 Handlungsempfehlung 55
7. Fazit 57
7.1 Ergebniszusammenfassung 57
7.2 Ausblick 59
Anhang 61
Literaturverzeichnis 107

Automatisiert erstellter Textauszug:

Das Ziel eines homogenen Servicelevels mit einheitlichen Kosten und Laufzeiten würde durch ein Euro-ACH vollständig erreicht. Insbesondere würden keinerlei Unterschiede mehr zwischen IZV und AZV auftreten. Die Banken müßten nur noch ein System in ihr Liquiditätsmanagement einbeziehen, allerdings wäre das Betriebsrisiko sehr hoch und erforderte redundante Notfallsysteme. Besonders gut schneidet diese Alternative bei den Betriebskosten ab. Vermutlich könnten langfristig Stückkosten von unter 0,01 € erreicht werden. Da jedoch kein schrittweiser Übergang möglich ist, wären die Investitionskosten und der in Jahren zu rechnende Zeitaufwand für die Implementierung sehr hoch. Die Erweiterbarkeit wäre prinzipiell gut, allerdings müßten bei der Erweiterung der Euro-Zone alle Banken aus hinzukommenden Ländern vorher ihre internen Systeme unter hohen Kosten auf die Nutzung des ACHs umstellen. Die Akzeptanz für ein solches Modell ist äußerst gering, da es keine Möglichkeit zur schrittweisen Migration bietet. Die Offenheit des Systems wäre notwendig und von den Aufsichtsbehörden zu garantieren, da kein anderes System existieren würde. Aus wettbewerblicher Sicht ist das Euro-ACH jedoch kritisch zu betrachten, da es eine absolute Monopolstellung im [...]

entsprechenden Leitungsebene225 getroffen werden.226 Insgesamt hat das TARGET2Konzept bisher den Eindruck erweckt, als würden in Zukunft neben der Gemeinschaftsplattform weiterhin eine Vielzahl nationaler Systeme bestehen bleiben. In den letzten Monaten hat sich das entsprechende Umfeld jedoch gewandelt, was unter anderem der kontinuierlichen Überzeugungsarbeit der Bundesbank zu verdanken ist. Inzwischen sind fast alle NZBen davon überzeugt, daß nur eine Einheitsplattform kostendeckend arbeiten kann. Somit ist es durchaus wahrscheinlich, daß bereits zu Beginn die meisten Länder der Gemeinschaftsplattform beitreten werden.227 Damit hätte sich die Idee, die Gemeinschaftsplattform als Nukleus einer künftigen zentralen Plattform einzusetzen,228 als so erfolgreich erwiesen, daß die nationalen Systeme nicht schrittweise reduziert, sondern direkt bei Start des neuen Systems abgeschafft würden. [...]

Die deutschen Banken haben ihrem Wunsch „nach kostengünstigen, sicheren, raschen, transparenten und vor allem Liquidität sparenden Geldtransfers“223 in einem Positionspapier des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) Ausdruck verliehen. Dort fordern sie eine einheitliche Plattform, die Nutzung von Skaleneffekten, eine robuste Infrastruktur und eine übergreifende Notfallplanung.224 Obwohl das ESZB den Dialog mit den Anwendern bei der Entwicklung von TARGET2 deutlich heraushebt, reichte diese Kooperationsbereitschaft bisher nicht so weit, daß man den Wunsch nach einer zentralen Plattform erfüllen wollte. Dem standen zu viele politische Barrieren und nationalstaatliche Eigeninteressen entgegen. In einem Papier der EZB zu TARGET2 wird ausdrücklich erwähnt, daß trotz enger Einbindung der Anwender die Entscheidungen auf der [...]

Arbeit zitieren:
Thiel, Andreas Februar 2003: Chancen und Risiken alternativer Abwicklungsmodelle für die Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
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