Chancen und Risiken des WTO-Beitritts für den Bankensektor der VR China
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Markus Dziemba
- Abgabedatum: Februar 2002
- Umfang: 97 Seiten
- Dateigröße: 800,9 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6158-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6158-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6158-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Dziemba, Markus Februar 2002: Chancen und Risiken des WTO-Beitritts für den Bankensektor der VR China, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Banken, Kredite, Reformen, Umstrukturierung
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Diplomarbeit von Markus Dziemba
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Arbeit schildert im zweiten Kapitel die Struktur und die Entwicklung des chinesischen Finanzwesens, wobei das Hauptaugenmerk auf die Transformation des Bankensektors gelegt wird, da dieser eine Schlüsselfunktion im Liberalisierungsprozess inne hat. Hierbei werden einzelne den Bankensektor betreffende Reformschritte seit Beginn der wirtschaftlichen Reformen von 1978 dargestellt. Besondere Beachtung erhalten dabei die Zentralbank, die Auslandsbanken und vor allem die Geschäftsbanken. Die vier großen staatlichen Geschäftsbanken spielen aufgrund ihrer immensen Größe und Bedeutung für das chinesische Bankwesen eine herausragende Rolle. Des weiteren beschäftigt sich das zweite Kapitel auch mit den wichtigsten Reformschritten der letzten zwei Jahrzehnte und den daraus resultierenden Veränderungen im Bankensektor.
Aus gegebenem aktuellen Anlass des Beitritts der VR China zur Welthandelsorganisation, wird auch auf den historischen Prozess welcher der Aufnahme Chinas vorgelagert war im dritten Kapitel ausführlich eingegangen werden. Ferner wird ein kurzer Überblick auf die Beschaffenheit und Zielausrichtung der WTO gegeben und welchen Nutzen China aus dieser Mitgliedschaft ziehen kann. Es werden auch die Bedingungen beleuchtet, die die WTO an den Beitritt der VR China geknüpft hat. Hierbei wird konkret auf die ausgehandelten bilateralen Abkommen eingegangen, die den Bankensektor betreffen.
Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet im vierten Kapitel die derzeitige Verfassung des Bankensystems und inwieweit dieses geeignet ist, die durch den WTO-Beitritt verursachten neuen Herausforderungen zu begegnen. Es sollen vor allem die Chancen und Risiken des WTO-Beitritts aufgezeigt werden, die in der nächsten Zeit auf die chinesische Wirtschaft zukommen und bei denen der Bankensektor eine zentrale Rolle spielt. Das Ende des vierten Kapitels bilden die von der Regierung in Beijing in jüngster Zeit eingeleiteten Maßnahmen zur Sanierung der Banken. Diese Maßnahmen werden genau analysiert und kritischen Würdigung unterzogen. Im fünften Kapitel sollen schließlich Strategien und Lösungsansätze diskutiert werden, die zusätzlich dazu geeignet sind den Bankensektor für den zunehmenden Wettbewerbsdruck zu rüsten, welcher die Globalisierung und die wirtschaftliche Öffnung der Volksrepublik China unausweichlich mit sich bringen. Die Arbeit endet im sechsten Kapitel mit einer Schlussbetrachtung.
Zum Quellenmaterial ist noch anzumerken, dass aufgrund der außerordentlichen Aktualität des Themas, dies gilt hauptsächlich für den zweiten Teil der Arbeit, mit Zeitungsartikeln aus der deutschen und englischsprachigen Wirtschaftspresse gearbeitet wurde. Die meisten dieser Artikel stammen aus dem Internet.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungs- und Tabellenverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 1.1 | Das allgemeine Umfeld der Wirtschaftsreformen seit 1978 | 1 |
| 1.2 | Heutige wirtschaftliche Rahmendaten Chinas | 2 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 4 |
| 2. | Die Entwicklung des Bank- und Finanzsektors in der VR China | 6 |
| 2.1 | Die Reformen im Bankensektor | 6 |
| 2.1.1 | Die Reformen von 1978 bis 1984 | 6 |
| 2.1.2 | Die Reform des Bankensektors bis zur Asienkrise | 8 |
| 2.2 | Die Zentralbank | 11 |
| 2.2.1 | Die Chinesische Volksbank als Zentralbank | 11 |
| 2.2.2 | Die Instrumente der Chinesischen Zentralbank | 12 |
| 2.3 | Die Geschäftsbanken | 14 |
| 2.3.1 | Die rechtliche Stellung der Geschäftsbanken | 15 |
| 2.3.2 | Aufgaben der Geschäftsbanken | 16 |
| 2.3.3 | Funktionswandel der Geschäftsbanken | 17 |
| 2.4 | Banken mit ausländischem Kapital | 18 |
| 2.4.1 | Ausländisches Engagement in Zahlen | 18 |
| 2.4.2 | Formen von ausländischen Banken | 19 |
| 2.4.3 | Bedingungen für die Gründung von Banken mit Bedingungen für die Gründung von Banken mit ausländischem Kapital | 20 |
| 2.5 | Wettbewerbsbedingungen im Bankensektor | 21 |
| 2.6 | Neue Reformansätze seit der Asienkrise | 24 |
| 3. | China und die WTO | 27 |
| 3.1 | Entstehung der WTO und historischer Hintergrund | 27 |
| 3.1.1 | Ziele der WTO | 28 |
| 3.1.2 | Wirkungsweise der WTO | 29 |
| 3.2 | Chinas Beitritt in die WTO | 30 |
| 3.2.1 | Vorgeschichte des Beitritts | 30 |
| 3.2.2 | Beitrittsverhandlungen | 30 |
| 3.3 | Mögliche Folgen des Beitritts Chinas zur WTO | 32 |
| 3.3.1 | Wirtschaftlicher Nutzen des Beitritts für China | 33 |
| 3.3.2 | Risiken des WTO-Beitritts für die VR China | 34 |
| 4. | Mögliche Auswirkungen des WTO-Beitritts für den Bankensektor | 36 |
| 4.1 | Aktuelle Lage des chinesischen Bankensystems | 36 |
| 4.1.1 | Das WTO-Beitrittsprotokoll für den Bankensektor | 40 |
| 4.1.2 | Reaktion der Auslandsbanken auf den WTO-Beitritt | 41 |
| 4.1.3 | Verstärkter Anpassungsdruck auf den Bankensektor | 43 |
| 4.2 | Mögliche Auswirkungen ausländischer Konkurrenz | 44 |
| 4.3 | Neueingeleitete Maßnahmen zur Umstrukturierung des Bankensystems | 50 |
| 4.3.1 | Rekapitalisierung der Banken | 50 |
| 4.3.2 | Implementierung internationaler Bilanzierungsvorschriften | 52 |
| 4.3.3 | Gründung von Vermögensverwaltungsunternehmen (AMCs) | 55 |
| 4.3.4 | Debt-Equity-Swaps | 57 |
| 4.3.5 | Versteigerung von Unternehmenswerten | 60 |
| 4.3.6 | Börseneinführung der Banken | 62 |
| 4.4 | Kritische Würdigung der bislang eingeleiteten Maßnahmen | 64 |
| 4.4.1 | Kritik an Auffanggesellschaften | 66 |
| 4.4.2 | Reaktionen auf die Kritik | 68 |
| 5. | Weitere Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit | 68 |
| 5.1 | Verbesserungsvorschläge für den Bankensektor | 69 |
| 5.2 | Kooperation mit ausländischen Banken | 71 |
| 5.3 | Aufbau der PBOC zu einer „wahren“ Zentralbank | 72 |
| 5.4 | Stärkere Konzentration auf das Privatkundengeschäft | 74 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 76 |
| Literaturverzeichnis | 79 |
10 ken initiiert werden, indem man ihnen erlaubte, ihre Aktivitäten auf neue Geschäftsfelder auszuweiten.38 Diese institutionelle Diversifizierung im Bankensektor brachte eine Reihe positiver Effekte mit sich, die schnell zu vermehrtem Wettbewerb in diesem Wirtschaftsbereich führten. Jedoch machte sich schnell eine gegenläufige Entwicklung im Finanzsektor breit, die durch die sog. Trust and Investment Companies (TICs) ausgelöst wurde. Da die staatlichen Banken sehr strenge Verhaltensregeln und enge Aktionsspielräume wegen staatlicher Kreditpläne hatten, begannen sie in den 80er Jahren verstärkt mit der Gründung von Treuhandabteilungen. Diese wurden in den Folgejahren ausgegliedert und wurden schnell zu wichtigen Finanzierungsquellen für die Banken. Der Anreiz zur Gründung war sehr groß, da diese Treuhandgesellschaften nicht den selben strengen Regularien unterworfen waren wie die Banken. Bald wurden auch von Lokalbehörden und sogar von der Zentralregierung TICs gegründet. Dies führte schnell dazu, dass sie sämtliche Funktionen einer Geschäftsbank übernahmen und zu wichtigen Konkurrenten am Interbankenmarkt wurden, ohne im selben Maße wie die Banken, von staatlichen Restriktionen betroffen zu sein.39 Ende der 80er Jahre gab es nach explosionsartiger Vermehrung bereits über 1000 dieser Gesellschaften. Insbesondere durch umfangreiche Spekulationen im Immobiliensektor,40 trugen sie somit auch in erheblichem Maße zu der wirtschaftlichen Überhitzung und stark angestiegenen Inflation der Jahre 1992/93 bei. Aufgrund dieser Finanzkrise wurde 1995 mit dem Zentralbankgesetz und dem Geschäftsbankengesetz ein neuer Regulierungsrahmen geschaffen, der auch eine ausdrückliche Trennung von Geschäftsbanken und Treuhandgesellschaften vorsah (§ 43 GBG, s. u.). In den nun folgenden Kapiteln dieser Arbeit wird die Funktions- und Wirkungsweise der einzelnen Bankenbereiche dargestellt. [...]
In diesem Abschnitt sollen die wichtigsten Reformmaßnahmen zur Umstrukturierung des Bankensystems bis 1998 dargestellt werden. Die institutionelle Reform des Finanzsektors machte ihren Anfang mit der Neugliederung des Bankensystems und fand nach mehreren Reformschritten bis zum Erlass des Geschäftsbankengesetzes (GBG) 1995 ihren vorläufigen Abschluß.32 Dabei wurde ein zweigleisiger Ansatz verfolgt, der die Transformation von einer zentralgesteuerten Planwirtschaft hin zu einer Marktwirtschaft mit sozialistischer Prägung als Endziel vorsah.33 Dieser Ansatz enthielt sowohl Elemente der Planwirtschaft wie auch der marktwirtschaftlichen Ordnung. Diese Systeme sollten ein Nebeneinander in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft bilden, sie entschieden daher auch über die Umstrukturierungsmaßnahmen die das Bankensystem betreffen sollten.34 Das Finanzministerium der Zentralregierung in Beijing begann mit der institutionellen Abtrennung spezieller Bereiche der chinesischen Volksbank hin zu Spezialbanken, diese wurden unmittelbar zu weisungsgebundenen Erfüllungsgehilfen des Staates. Der Finanztransfer zwischen dem Staat auf der einen, an die Unternehmen auf der anderen Seite, wurde nun ersetzt durch direkte Kreditvergabe der Spezialbanken an die Betriebe.35 Den Kreditwünschen der Staatsunternehmen wurde in fast allen Fällen entsprochen (der Staat als `lender of last resort´)36. Da die Kontrolle der Kreditvergabe sehr locker gehandhabt wurde und meist auch noch politischer Druck der lokalen Behörden die Kreditvergaben forcierten, waren eine große Zahl dieser Kreditengagements sehr riskant und unwirtschaftlich. Bereits in dieser frühen Phase wurde der Grundstein für eine Vielzahl fauler Kredite gelegt, mit denen China bis in die Gegenwart schwer zu kämpfen hat. Aufgrund der nur zögerlichen Reformbemühungen bei den staatseigenen Unternehmen, verlief auch die Erneuerung der Banken nur sehr schleppend. Wie bereits erwähnt, war eine Umstrukturierung des bisherigen Finanzsystems dringend geboten, da sich durch die rasant vollziehenden Entwicklungen in anderen Wirtschaftszweigen Unzulänglichkeiten im Bank- und Finanzwesen offenbarten. [...]
7 dem in der Anfangsphase der Agrarsektor im Mittelpunkt der Reformen stand, rückte seit 1984 der Finanzsektor ins Zentrum der Reformanstrengungen.28 Da das Finanzwesen und hierbei insbesondere das alte Monobankensystem den neuen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde und im Vergleich zu den bereits reformierten Wirtschaftsbereichen zurückgeblieben war, entschloss man sich im Jahre 1979 zu einer Reform des Finanzsektors.29 Ziel war es in erster Linie, ein den neuen wirtschaftlichen Bedingungen angepasstes Finanzsystem zu schaffen, das differenzierter und vor allem flexibler auf die neue ökonomische Situation in der Volksrepublik reagieren konnte. Dabei vollzog sich zwischen 1979 und 1984 die erste entscheidende Transformation des chinesischen Bankensystems, indem die schrittweise Kommerzialisierung des Bankwesens in Gang gesetzt wurde. Mit der Gründung der Industrie- und Handelsbank Chinas (Industrial and Commercial Bank of China, ICBC) im Jahre 1984, die sich nun mit konkreten Bankgeschäften der Peoples Bank of China innerhalb der Städte befasste, begann die zweite Phase der Bankenreform.30 Zu den vier staatlichen Spezialbanken, (BOC, ABC, ICBC, CIB) trat 1985 noch die Volksaufbaubank (China Construction Bank, CCB) hinzu. Die meisten Finanzierungsgeschäfte der Peoples Bank of China wurden fortan von der PCBC übernommen, die insbesondere der Baubranche Kredite gewährte, sowie von der Bank of China (BOC), die auf Devisengeschäfte spezialisiert war. Eine weitere spezialisierte Bank war die Agricultural Bank of China (ABC), die für Geschäfte im ländlichen Sektor zuständig war, dabei übernahm sie die Überwachung von rd. 60.000 ländlichen Kreditgenossenschaften.31 Die kommerziellen staatlichen Spezialbanken ICBC, ABC, BOC und CCB werden auch die „Großen Vier“ genannt. Die formale Umstrukturierung der PBOC in eine Zentralbank war somit Anfang 1984 abgeschlossen und beendete die Transformation von einem Monobankensystem in ein zweistufiges Bankwesen. [...]
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