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Chancen und Risiken des EU-Beitritts von Polen und dem Baltikum

Chancen und Risiken des EU-Beitritts von Polen und dem Baltikum
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Karsten Witt
  • Abgabedatum: Oktober 2003
  • Umfang: 80 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7675-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7675-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7675-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Witt, Karsten Oktober 2003: Chancen und Risiken des EU-Beitritts von Polen und dem Baltikum, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Osterweiterung, Kosten-Nutzen-Analyse, Währungskrise, Bankenkrise, Signalansatz

Diplomarbeit von Karsten Witt

Problemstellung:

Die Arbeit widmet sich dem Ziel, die Chancen und Risiken der EU-Osterweiterung aus volkswirtschaftlicher Perspektive zu erörtern. Da sämtliche Beitrittsländer gemäß Artikel 4 des Beitrittsvertrages bereits ab dem 1.Mai kommenden Jahres an der Wirtschafts- und Währungsunion teilnehmen, gälte es prinzipiell, Chancen und Risiken sowohl des EU- als auch des mittelfristig erwarteten Beitritts zum gemeinsamen Währungsraum abzuwägen. Hier möchte ich indes eine erste Einschränkung vornehmen: Schwerpunkt der Untersuchung ist die Zeit zwischen dem Beitritt zur EU und der Einführung der Einheitswährung in den MOEL. Insofern werden Erkenntnisse zu Chancen und Risiken des Beitritts zur Währungsunion, wie sie aus der Theorie optimaler Währungsräume hinreichend bekannt sind, in diese Arbeit nicht einfließen.

Die so eingegrenzte Aufgabenstellung verlangt eine Gegenüberstellung der (erwarteten) materiellen Kosten und des (erwarteten) materiellen Nutzens der Osterweiterung. Von einer Berücksichtigung immaterieller Wohlfahrtskomponenten, insbesondere der dauerhaften Sicherung von Frieden und Freiheit in Europa, wird daher abgesehen, obwohl gerade diese Überlegungen bei der Beurteilung der vorliegenden Erweiterungsrunde eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Da jedoch auch die verbleibenden Facetten des Themas noch so zahlreich sind, dass nicht alle detailliert behandelt werden können, werden in einem Überblickskapitel Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Studien über Chancen und Risiken der EU-Osterweiterung jeweils aus Perspektive der aktuellen EU-Mitgliedstaaten sowie der beitretenden Länder zusammengefasst.

Im Hauptteil der Arbeit wird der Versuch unternommen, das Risiko einer Währungs- und Bankenkrise, dem die vier nordöstlichen Beitrittsländer Polen, Litauen, Lettland und Estland (NO 4) in der Zeit zwischen EU-Mitgliedschaft und Beitritt zur Währungsunion ausgesetzt sein werden, abzuschätzen. Die Untersuchung umfasst neben einer ausführlichen Darstellung des theoretischen Hintergrundes von Banken- und Währungskrisen eine Analyse des Gefährdungspotentials in den NO 4, die sowohl rechtliche und institutionelle Aspekte als auch makroökonomische Risikofaktoren einbezieht; hier sind insbesondere zu nennen: reale Aufwertung, Zuflüsse internationalen Kapitals sowie die Stabilität der jeweiligen nationalen Bankensysteme.

Aufbauend auf diese Analyse wird dann die Gefährdung der makroökonomischen Stabilität mit Hilfe des Signalansatzes empirisch abgeschätzt. Die Arbeit schließt mit einer eigenen Beurteilung, einigen wirtschaftspolitischen Empfehlungen sowie einer kurzen Schlussbetrachtung.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 6
Abbildungsverzeichnis 7
Tabellenverzeichnis 8
1. Einleitung 9
2. Überblick über Chancen und Risiken 11
2.1 Gemeinsame Chancen 11
2.2 Risiken für die Europäische Union 12
2.3 Risiken für den Euroraum 16
2.4 Risiken für die Beitrittsländer 18
2.5 Ausblick über den Fortgang der Untersuchung 21
3. Ursachen von Finanzkrisen 22
3.1 Währungskrisenmodelle der ersten Generation 23
3.2 Währungskrisenmodelle der zweiten Generation 25
3.3 Vergleich und Kritik der Modellgenerationen 30
3.4 Bankenkrisen 31
3.5 Der Zusammenhang von Banken- und Währungskrisen 32
3.6 Übertragung von Währungskrisen 35
4. Gefährdungspotentiale für Polen und das Baltikum 37
4.1 Rechtlicher und institutioneller Rahmen des Beitrittsprozesses 38
4.1.1 Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs 38
4.1.2 Beitritt zum Wechselkursmechanismus 39
4.1.3 Wechselkursarrangements 41
4.2 Quellen makroökonomischer Instabilität 42
4.2.1 Reale Aufwertung 42
4.2.2 Kapitalzuflüsse 45
4.2.3 Bankensysteme 48
4.2.3.1 Marktstruktur 48
4.2.3.2 Regulierung und Überwachung 49
4.2.3.3 Die Entwicklung ausgewählter Rentabilitätsindikatoren 49
4.2.3.4 Risiken im Bankensektor 51
5. Statistische Analyse des Gefährdungspotentials – der Signalansatz 53
5.1 Methodik 54
5.2 Prognosequalität der Indikatoren 57
5.3 Der Verlauf des Gesamtindikators 59
5.4 Ergänzungen zum Signalansatz 62
6. Eigene Beurteilung des Risikopotentials und wirtschaftspolitische Empfehlungen 65
7. Schlussbemerkung 69
8. Literaturverzeichnis 70
9. Anhang 78

Automatisiert erstellter Textauszug:

im Europäischen System der Zentralbanken maßgeblichen EZB-Rates ist eine solche Interessenpolitik zumindest möglich. Der EZB-Rat setzt sich zusammen aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken (Art. 112 EGV). Während das Direktorium sich wahrscheinlich auch in Zukunft bei seinen Voten vorrangig am Wohl des gesamten Euroraumes orientieren dürfte, könnte es von einer Koalition nationaler Zentralbankpräsidenten überstimmt werden, die eine Geldpolitik anstreben, die nur für einen Teil der Volkswirtschaft des Euroraumes maßgeschneidert ist. Doch auch wenn die Präsidenten der nationalen Zentralbanken von jeweiligen Landesinteressen unbeeinflusst entscheiden, besteht die Gefahr der Ineffektivität der europäischen Geldpolitik. In einem unreformierten Leitungsgremium werden die geldpolitischen Entscheidungen zukünftig von sechs Direktoriumsmitgliedern und 25 Zentralbankpräsidenten getroffen. Dieses Größenproblem und der damit verbundene Anstieg der Entscheidungskosten erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Blockade und Handlungsunfähigkeit im EZB-Rat. Damit sich die möglichen Konsequenzen eines um die MOEL erweiterten Euroraumes nicht als „the real stumbling bloc to granting admission to these additional members“42 erweisen, hat der Europäische Rat im Vertrag von Nizza die Möglichkeit einer Reform der EZB-internen Entscheidungsprozesse eröffnet (Erster Teil, Artikel 5 des Vertrages von Nizza). Allerdings ist auch die EZB offensichtlich nicht bereit, das grundlegende Prinzip des „one member – one vote“ aufzugeben43, so dass sich noch keine klare Lösung des Effizienz- und Effektivitätsproblems herauskristallisiert hat. 2.4 Risiken für die Beitrittsländer [...]

[zu] sichern[,] damit die Geldwertstabilität in der EWWU nicht gefährdet wird“38, wird von wichtigen Ländern nicht befolgt (Deutschland und Frankreich im Jahre 2002 und voraussichtlich wiederum in diesem Jahr; Tabelle 1). Durch Verweis auf diese Fakten und durch die so gerechtfertigte Forderung nach einer analogen Auslegung der Konvergenzkriterien im Fall der Osterweiterung könnte es den Beitrittskandidaten gelingen, einen Beitritt zur Währungsunion durchzusetzen, ohne dass sie sämtliche Konvergenzkriterien erfüllen. Eine Erweiterung des Euroraumes unter Verzicht auf die disziplinierende Wirkung der Konvergenzkriterien bedeutete im vorliegenden Fall wahrscheinlich die Aufnahme relativ hoch inflationierender Länder. Die daraus resultierende Erhöhung der durchschnittlichen Inflationsrate würde dann der Europäischen Zentralbank das Signal für eine restriktivere Geldpolitik geben, die in einigen westeuropäischen Staaten, die ohnehin schon eine Inflation unter zwei Prozent aufweisen, Deflationstendenzen auslösen oder verstärken könnte. Begg et al. (2003) sehen diese Gefahr nicht: In Anbetracht der geringen Wirtschaftskraft der Beitrittsländer im Vergleich zu der des Euroraumes folgern sie, dass „price stability and macroeconomic stability [...] would hardly be in serious risk if an AC [Accession Country] joined the euro area with a significantly higher rate of inflation.“39 Wenn auch das Risiko deflationärer Geldpolitik für einige reife Volkswirtschaften des Euroraumes relativiert werden muss, so steht doch die europäische Geldpolitik als solche vor schweren Herausforderungen: Die EZB muss in absehbarer Zukunft ihre Entscheidungen vor dem Hintergrund einer wesentlich heterogeneren europäischen Wirtschaftslandschaft treffen, die neben einer möglicherweise höheren Durchschnittsinflation eine erhöhte Streuung der Inflationsraten erwarten lässt. Dadurch wird eine einheitliche Geldpolitik bereits technisch wesentlich erschwert.40 Zusätzlich drohen, vergleic hbar mit den oben beschriebenen Problemen bei Strukturfonds und GAP, die Entscheidungsprozesse im EZB-Rat an Effizienz und Effektivität einzubüßen.41 Ineffizienzen in der einheitlichen Geldpolitik sind zu befürchten, wenn sich bei der Formulierung der Geldpolitik regionale Interessen auf Kosten der gesamten Wohlfahrt des Euroraumes durchsetzen. Aufgrund der Zusammensetzung des für die Geldpolitik [...]

Bereits bei der Entscheidung, welche EU-Mitgliedstaaten die Voraussetzungen für die Einführung einer einheitlichen Währung erfüllen, gingen die Kommission und das Europäische Währungsinstitut, die mit der Erstellung der Konvergenzberichte betraut waren, sowie der Europäische Rat und das Europäische Parlament einen Kompromiss bezüglich des Schuldenstandskriteriums ein, das nur von vier Ländern erfüllt wurde37; die bei den Inflationsraten zu Beginn der Währungsunion erreichte Konvergenz besteht nicht mehr: im Jahre 2002 wäre der Beitritt Griechenlands, Irlands, der Niederlande, Portugals und Spaniens am Inflationskriterium gescheitert (Tabelle 1); der Stabilitäts- und Wachstumspakt, der darauf abzielt, „die finanzpolitische Disziplin der EU-Länder auch nach dem Eintritt in die Endstufe der Währungsunion [...]

Arbeit zitieren:
Witt, Karsten Oktober 2003: Chancen und Risiken des EU-Beitritts von Polen und dem Baltikum, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Osterweiterung, Kosten-Nutzen-Analyse, Währungskrise, Bankenkrise, Signalansatz

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