Chancen und Grenzen segregativer Betreuung Demenzkranker
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jenifer Brown
- Abgabedatum: März 2006
- Umfang: 85 Seiten
- Dateigröße: 873,7 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Hochschule für Sozialwesen Esslingen (FH) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9674-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9674-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9674-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Brown, Jenifer März 2006: Chancen und Grenzen segregativer Betreuung Demenzkranker, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Demenzwohnformen, Pflegeheim, Altenheim, Stationäre Versorgung, Finanzierung Betreuung
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Diplomarbeit von Jenifer Brown
Einleitung:
Das Thema „Demenz“ wird derzeit sowohl in der Fachwelt, als auch in der Politik vielfach diskutiert. Der Anteil, der an Demenz erkrankten Menschen, wird in Deutschland derzeit auf etwa eine Million Menschen geschätzt. In den nächsten Jahrzehnten ist mit einer Zunahme auf zwei Millionen zu rechnen, sollte es nicht zu kausalen Therapieerfolgen in der Medizin kommen.
Die wachsende Anzahl demenzkranker Menschen, die eine adäquate Versorgung und Betreuung benötigen, stellt hohe Anforderungen an die Pflegeeinrichtungen, Pflegedienste und Angehörigen. Es werden circa 65% der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner als dementiell erkrankt eingestuft, und angesichts solcher Zahlen ist die Pflegepolitik zum Handeln aufgefordert. In den Einrichtungen und Einrichtungsverbänden der Altenhilfe wurde in den letzten Jahren nach innovativen Wegen zur Verbesserung der Betreuungsqualität und der Lebenssituation Dementer gesucht. Allerdings kann die Versorgungssituation noch nicht als befriedigend angesehen werden.
Die Voraussagen der neunten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes vom Jahre 2000 besagen, dass „innerhalb der nächsten 30 Jahre ein Anstieg um fast 7 Mio. auf dann mehr als 20 Mio. über 65-Jährige zu erwarten ist“. Ob die Zahl der Demenzkranken ebenso rasant ansteigen wird, ist auf Grund von möglichen Vorbeuge- und Behandlungserfolgen nicht sicher festzustellen. Erste Hochrechnungen gehen allerdings von einem Anstieg der momentan geschätzten 1,13 Mio. Demenzkranken auf 1,95 Mio. im Jahre 2030 und auf 2,8 Mio. im Jahr 2050 aus. Es steht fest, dass die ökonomischen Belastungen bereits heute immens sind und die größte Versorgungslast von den Angehörigen getragen wird.
Daher ist es verständlich, dass die Betroffenen daran interessiert sind, ihrem finanziellen Einsatz entsprechend effektive Leistungen zu erhalten. Zugleich sind die Alten- und Pflegeeinrichtungen daran interessiert, einer ständig wachsenden Kundengruppe eine qualifizierte Versorgung anbieten zu können, um so ihre Wettbewerbsposition zu verbessern. Die hier aufgeführten Punkte machen deutlich, dass das Thema der geeigneten Wohn- und Betreuungsform für demente Bewohnerinnen und Bewohner von hoher Relevanz für alle Beteiligten ist.
Gang der Untersuchung:
In dieser Diplomarbeit möchte ich auf die Frage eingehen, welches die am besten geeignete Versorgungsform für demente Bewohnerinnen und Bewohner in der stationären Altenhilfe ist. In deutschen Pflegeeinrichtungen existieren unterschiedliche Modelle. In den meisten Fällen handelt es sich um eine integrative Wohn- und Betreuungsform, wo demente und nicht-demente Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam in einem Wohnbereich zusammenleben. Neuere Formen sind die segregative Wohn- und Betreuungsformen, wo beide Bewohnergruppen in räumlich getrennten Bereichen leben und wohnen.
Die zentralen Fragestellungen dieser Arbeit sind in zwei Zieldimensionen untergliedert. Der erste Schwerpunkt liegt in einer ausführlichen Literaturrecherche, um die unterschiedlichen Wohn- und Betreuungsformen für demente Bewohnerinnen und Bewohner vorzustellen, die in den stationären Altenhilfeeinrichtungen angeboten werden.
Hieraus können die Vor- oder Nachteile abgeleitet werden, die die segregative Wohn- und Betreuungsform für demente Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Angehörigen im Vergleich zur integrativen Versorgung bringt. Ebenso wichtig ist die Frage, welchen Nutzen die nicht-dementen Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Angehörigen durch die segregative oder die integrative Formen haben. Zusammenfassend soll die Frage beantwortet werden, für welche Bewohnerinnen und Bewohner die jeweilige Wohn- und Betreuungsform sinnvoll und förderlich sind.
Den zweiten Schwerpunkt bilden die organisatorischen Ziele einer Altenhilfeeinrichtung, die beispielhaft anhand des Alten- und Pflegeheimes in Winnenden, Baden-Württemberg, herausgearbeitet werden. Die Ziele, die mit dem Bau einer segregativen Einheit verfolgt werden, sollen hier auf dem Hintergrund der Literaturrecherche kritisch beleuchtet werden. Es sollen die Fragen beantwortet werden, welche der Ziele sich mit Hilfe eines segregativen Wohn- und Betreuungsmodells verwirklichen lassen und welche Ziele einander ausschließen. Das Ergebnis soll eine fundierte Entscheidungshilfe sein.
Inhaltsverzeichnis:
| Tabellenverzeichnis | III | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Relevanz | 1 |
| 1.2 | Fragestellung | 3 |
| 1.3 | Motivation | 2 |
| 1.4 | Literaturlage | 4 |
| 1.5 | Überblick | 4 |
| 2. | Definitionen | 5 |
| 2.1 | Demenzen | 5 |
| 2.2 | Wohn- und Betreuungsformen | 7 |
| 3. | Auswirkungen der Betreuungsformen | 12 |
| 3.1 | Demente Bewohnerinnen und Bewohner | 12 |
| 3.1.1 | Studie zur besonderen Dementenbetreuung in Hamburg | 12 |
| 3.1.2 | Studie zum Einfluss des Wohngruppenmilieus | 18 |
| 3.1.3 | Studie zu Wohngruppen für Demente | 19 |
| 3.1.4 | Internationale Studien | 21 |
| 3.2 | Personal | 23 |
| 3.2.1 | Allgemein | 23 |
| 3.2.2 | Evaluationsstudien | 24 |
| 3.2.3 | Schlussfolgerungen | 27 |
| 3.3 | Angehörige | 28 |
| 3.3.1 | Belastungen | 28 |
| 3.3.2 | Angehörige Demenzkranker | 29 |
| 3.3.3 | Schlussfolgerungen | 33 |
| 3.4 | Nicht-Demente Bewohnerinnen und Bewohner | 33 |
| 3.4.1 | Auswirkungen der Betreuungsformen | 33 |
| 3.4.2 | Schlussfolgerungen | 35 |
| 4. | Diskussion | 37 |
| 4.1 | Auswahl der Versorgungsform | 37 |
| 4.2 | Räumliche Trennungen | 38 |
| 4.3 | Verlegungen | 39 |
| 4.4 | Lebensqualität | 41 |
| 4.5 | Schlussfolgerungen | 42 |
| 5. | Beispieleinrichtung | 44 |
| 5.1 | Ziele der Einrichtung | 44 |
| 5.2 | Kompatibilität der Ziele | 46 |
| 5.2.1 | Bewohnerinnen und Bewohner | 46 |
| 5.2.2 | Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter | 50 |
| 5.2.3 | Angehörige | 52 |
| 5.2.4 | Betriebsziele | 53 |
| 5.2.5 | Finanzierung der Dementenbetreuung | 56 |
| 5.3 | Schlussfolgerungen und Empfehlung | 59 |
| 6. | Ausblick | 63 |
| Literaturliste | 66 | |
| Anhang | 75 |
Das bedeutet, dass für die segregative Einheit im Vergleich zur traditionellen Versorgung leicht erhöhte Pflegesätze vereinbart werden können. In der vorliegenden Beispieleinrichtung wird demnach eine segregative Betreuungs- und Wohnform angestrebt, die nicht an die Bedingungen der „Anlage 1“ gebunden ist, sondern ausgehandelte Pflegesätze abrechnen kann. Schlussfolgernd kann die Heimleitung selbst festlegen, welche Aufnahme- und Ausschlusskriterien hier gelten sollen. Diese Flexibilität ermöglicht es der Pflegeeinrichtung, auf die jeweils aktuelle Marktlage einzugehen. Im folgenden Kapitel werden nun die Ziele und Erwartungen der Beispieleinrichtung mit den Ergebnissen der vorliegenden Evaluationsstudien verglichen. Es soll an dieser Stelle herausgearbeitet werden, ob die Ziele kompatibel sind oder einander ausschließen. [...]
Im Vorfeld wurden die Erwartungen und Ziele, die mit dem Bau einer segregativen Wohn- und Betreuungsform angestrebt werden, in der Arbeitsgruppe diskutiert. Der Vorteil eines solchen Verfahrens ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst die Vorteile benennen können, die sie mit einer segregativen Betreuungs- und Wohnform verbinden. Sie erhielten bereits bei der Planung die Möglichkeit eigene Ideen und Vorschläge mit einzubringen, und sind so motivierter, sich an der Umsetzung und an der Ausgestaltung zu beteiligen. Durch die Eröffnung einer segregativen Einheit ändern sich das Arbeitsumfeld der Mitarbeiterschaft und die Zusammensetzung der Bewohnerinnen und Bewohner in den einzelnen Wohnbereichen. Das transparente Vorgehen der Heimleitung und die Einbeziehung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern die Akzeptanz des Vorhabens. Die Erwartungen und Ziele, die mit einer segregativen Betreuungs- und Wohnform verbunden werden, wurden im Brainstorming-Verfahren gesammelt und bildeten die Grundlage für weitere Entscheidungen. [...]
Nach der ausführlichen Darstellung der Auswirkungen auf Demente in den stationären Pflegeinrichtungen lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen. Die segregative Betreuungsform ist besonders für mobile und verhaltensauffällige Demenzkranke geeignet. Der positive Einfluss auf die nicht-kognitiven Prozesse und das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner konnten nachgewiesen werden, auch wenn sich der kognitive Leistungsabbau nicht verhindern lässt. Dem Bedürfnis der Dementen nach Überschaubarkeit und Normalität wird durch die bauliche Gestaltung der Wohnbereiche entsprochen. Die räumliche Trennung schützt die Dementen vor verbalen oder tätlichen Angriffen der kognitiv gesunden Bewohnerinnen und Bewohner. Zudem nehmen die Angehörigen das Pflegepersonal als kompetente Ansprechpartner wahr, und die emotionalen Belastungen nehmen deutlich ab. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832496746
Arbeit zitieren:
Brown, Jenifer März 2006: Chancen und Grenzen segregativer Betreuung Demenzkranker, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Demenzwohnformen, Pflegeheim, Altenheim, Stationäre Versorgung, Finanzierung Betreuung



