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Case Management in der Sozialarbeit mit Suchtkranken unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Netzwerkarbeit

Case Management in der Sozialarbeit mit Suchtkranken unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Netzwerkarbeit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Gerda Schulz
  • Abgabedatum: Juni 2005
  • Umfang: 117 Seiten
  • Dateigröße: 433,1 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Wiesbaden Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9293-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9293-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9293-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schulz, Gerda Juni 2005: Case Management in der Sozialarbeit mit Suchtkranken unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Netzwerkarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Netzwerkkarte, Interview, Unterstützung, Hilfeplanung, Droge

Diplomarbeit von Gerda Schulz

Einleitung:

Die vorliegende Diplomarbeit thematisiert die Methode des Case Managements in der Arbeit mit Suchtkranken unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Netzwerkarbeit. Case Management als ein Konzept der Sozialen Arbeit, findet in vielen sozialpädagogischen Fachrichtungen Verwendung und wird auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise im Gesundheitswesen eingesetzt. Ich stelle diese Methode in der Arbeit mit Suchtkranken vor, einem Klientel mit vielfältigen und komplexen Problemlagen. Sucht, Verlust von Wohnung oder Arbeit, Verschuldung und Krankheit sind Auswirkungen eines nicht gelingenden Lebens. Die Problemlagen dieser Klientel wirken sich in alle Lebensbereiche aus und die Selbsthilfepotenziale sowie die Ressourcen, welche ein Netzwerk zur Verfügung stellt, können von den Betroffenen nicht verwirklicht und genutzt werden. Das Ziel Sozialer Arbeit liegt in der selbstständigen Lebensführung der Betroffenen ohne institutionellen Einfluss, einem Selbstmanagement im Kontext des sozialen Netzwerkes.

Case Management dient hier als Intervention, um in die Lebensphase eines Menschen einzugreifen, welcher nicht in der Lage ist, seine Alltagsbezüge zu bewältigen. Nach dem dem ökosozialen Ansatz von Wendt werden Menschen nicht als isolierte Individuen betrachtet, sondern immer in ihrer Umgebung, dem jeweiligen sozialen Umfeld wahrgenommen. Die Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Individuum beeinflussen die Lebenssituation eines Menschen. Soziale Probleme können dann entstehen, wenn die Bedürfnisse eines Menschen und seine soziale Umwelt schlecht aufeinander abgestimmt sind, wenn also die Bedürfnisse einer Person durch die Umwelt nicht erfüllt werden und die zur Verfügung stehenden individuellen Ressourcen nicht für die Schaffung von entsprechenden Umweltressourcen genutzt werden können. Ziel ist es, die Person so zu stärken, dass sie selbstständig Ressourcen erschließen und eigenständig die Lebensführung übernehmen kann. Mit dem Konzept des Case Managements soll durch eine effektive Hilfeleistung, durch Koordination und unter Partizipation der Betroffenen auf diesen verzweigten Hilfebedarf suchtkranker Menschen eingegangen werden.

Im ökosozialen Ansatz wird ein Individuum immer in seinen sozialen Netzwerkbezügen wahrgenommen, seinen Beziehungen und Verbindungen in unterschiedliche Lebensbereiche. Dies war für mich ausschlaggebend, Case Management unter dem Aspekt der sozialen Netzwerkarbeit zu untersuchen. Inwieweit kann das Konzept der sozialen Netzwerkarbeit für einen erfolgreichen Case Management-Prozess dienlich sein und wie kann eine professionelle Fachkraft beide Methoden miteinander verbinden. Wie ist es möglich, eine Netzwerkanalyse durchzuführen und deren Ergebnisse so in den Hilfeprozess zu integrieren, dass die Ziele des Case Managements, eine Ablösung aus den Bezügen des institutionellen Sektors und die Zurückgabe der Rollen und Funktionen des Case Managers an das informelle Netz, ermöglicht werden. M.E. stellt die soziale Netzwerkarbeit durch das Erschließen des sozialen Umfeldes eines Klienten, eine effektive Möglichkeit dar, die Hilfemaßnahmen individuell an die Problemlagen der betreffenden Person anzupassen und das Netzwerk so zu verändern, dass es Stabilität erhält und soziale Unterstützung bereitstellen kann.

Durch die Einbeziehung der sozialen Netzwerkarbeit kann meiner Ansicht nach die Effektivität des Case Management-Prozesses verstärkt werden. Es stellt sich die Frage, inwieweit Case Management soziale Unterstützungsarbeit zur Verbesserung des persönlichen Netzwerkes auf der einen Seite und Vernetzungsarbeit in und mit dem professionellen Dienstleistungssystem auf der anderen Seite, erfüllen kann.

In Kapitel eins meiner Diplomarbeit werde ich auf die Gründe und Entwicklung einer Suchterkrankung eingehen und die Problemlagen drogenabhängiger Menschen thematisieren. Wie vielfältig die Einflüsse suchtentstehender Komponenten sind, welche Folgen dies für die sozialen Netzwerke drogenabhängiger Menschen entwickelt und welche Konsequenzen für die Soziale Arbeit entstehen, wird im ersten Kapitel erläutert.

In Kapitel zwei wird die Methode des Case Managements vorgestellt. Dabei geben die Ausführungen einen Einblick in die historische Entwicklung sowie in Schwerpunkte und Funktionen von Case Management. Abschließend werde ich den Prozess des Case Managements aufzeigen, welcher idealtypisch in fünf Schritten abläuft und skizzieren, in welchen Phasen die soziale Netzwerkarbeit als Methode verortet werden kann.

Weiter wird in Kapitel drei das Konzept der sozialen Netzwerkarbeit vorgestellt. Auch hier beginne ich mit einem historischen Abriss, um die Bedeutung sozialer Netzwerke aufzuzeigen. Im dritten Kapitel liegt der Schwerpunkt auf den Beschreibungsmöglichkeiten sozialer Netzwerke - als Grundlage für eine Netzwerkanalyse und für die Implementierung netzwerkorientierter Interventionen. Dabei gebe ich einen Überblick über praktische Techniken in der sozialen Netzwerkarbeit. Weiter werde ich die Funktion von sozialen Netzwerken, die soziale Unterstützung aufzeigen, da sozialpädagogische Interventionen auf eine Verbesserung der sozialen Unterstützung in Netzwerken hinzielen. Dabei stehen auch die belastenden Aspekte sozialer Unterstützung und sozialer Netzwerke im Vordergrund, wie sie m.E. bei drogenabhängigen Menschen überwiegend vorzufinden sind.

Beenden werde ich meine Diplomarbeit mit einem Interview, welches ich mit einem suchtkranken Menschen geführt habe. Schwerpunkt dieses Interviews stellen die sozialen Netzwerkbeziehungen sowie die Bereiche, in welche die Person involviert ist, dar. Auf Grundlage der angefertigten Netzwerkkarte habe ich das Netzwerk analysiert und dessen Struktur und Funktion genauer betrachtet. Ich habe festgestellt, inwieweit soziale Unterstützung vorhanden ist, welche belastenden Netzwerkbeziehungen existieren und Überlegungen angestellt, welche Möglichkeiten der Hilfemaßnahmen effektiv sein könnten und wie im Case Management die Netzwerkstruktur des Drogenabhängigen verbessert werden könnte.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 1
1. Grundaspekte von Sucht 4
1.1 Definition von Sucht 4
1.2 Entstehung von Sucht 6
1.3 Problemlagen suchtkranker Menschen 8
2. Das Konzept von Case Management 12
2.1 Definition von Case Management 12
2.2 Entwicklung von Case Management 14
2.3 Schwerpunkte von Case Management 17
2.3.1 Klientenorientierter und Einrichtungsorientierter Schwerpunkt 17
2.3.2 Ethische Probleme 18
2.4 Funktionen von Case Management 19
2.5 Verlaufsmodell von Case Management 21
2.6 Arbeitsschritte von Case Management 24
2.6.1 Assessment 24
2.6.2 Hilfeplanung 27
2.6.3 Intervention 30
2.6.4 Monitoring 33
2.6.5 Evaluation 35
3. Das Konzept der Sozialen Netzwerkarbeit 39
3.1 Definition eines sozialen Netzwerkes 39
3.2 Gesellschaftliche Modernisierung und soziale Netzwerke 40
3.3 Merkmale und Beschreibungsdimensionen sozialer Netzwerke in der Netzwerkanalyse 45
3.4 Das Konzept der Sozialen Unterstützung 52
3.4.1 Definition sozialer Unterstützung 52
3.4.2 Inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung 53
3.5 Negative Aspekte sozialer Netzwerke und sozialer Unterstützung 57
3.5.1 Formen der belastenden Unterstützung 57
3.5.2 Belastende Aspekte in den Netzwerken von Drogenabhängigen 59
3.6 Soziale Netzwerkarbeit in der Praxis 61
3.6.1 Netzwerkinterventionen 62
3.6.2 Praktische Techniken in der Sozialen Netzwerkarbeit 65
3.7 Prinzipien der Sozialen Netzwerkarbeit 68
4. Netzwerkorientiertes Interview 70
4.1 Theoretische Vorüberlegungen 70
4.2 Durchführung des Interviews 71
4.3 Beschreibung des sozialen Netzwerkes von Martin 73
4.3.1 Struktur und Inhalte im Netzwerk von Martin 74
4.3.2 Soziale Unterstützung im Netzwerk von Martin 76
4.3.3 Gewünschtes Netzwerk von Martin 79
4.4 Netzwerkorientierte Interventionsmöglichkeiten im Netzwerk von Martin 80
5. Schlussbetrachtung 85
6. Literaturverzeichnis 88
7. Anhang: Transkribiertes Interview 95

Automatisiert erstellter Textauszug:

Zur instrumentellen Unterstützung gehören materielle Hilfen, in Form von Sach- oder Geldleistungen, Leistungen die praktische Hilfe anbieten sowie gegenseitige Beratung und Information. Aber auch das alltägliche Miteinander, dass Normalität herstellt und erst bei Verlust oder stärkeren Belastungen als notwendig empfunden wird, ist der instrumentellen Unterstützung zugeordnet (Diewald 1991, S. 70-77; Bullinger/Nowak 1998, S. 102). Keupp (1987, S. 31ff) führt weiter an, dass die Struktur eines Netzwerkes Auskunft über die Art der sozialen Unterstützung gibt. Netzwerke mit hoher Dichte, langen und engen Beziehungen und großer Homogenität vermitteln am ehesten eine hohe emotionale Unterstützung. Je größer und dichter ein Netzwerk wird, desto größer wird auch die instrumentelle Unterstützung. Die Vermittlung von sozialen Kompetenzen und verschiedenartigen Informationen erfolgt eher in Netzwerken, deren Intensität und Homogenität geringer ausfällt und in denen häufige Verbindungen zu anderen Netzwerken bestehen. [...]

chem besonders die subjektiven Wahrnehmungen einer Person einfließen (Aymanns 1995, S. 32ff). Häufig wird soziale Unterstützung als Kognition verstanden, als subjektive Einschätzung einer Person. Entscheidend dabei ist, ob das vorhandene soziale Netz auch als unterstützend wahrgenommen wird und wie die Qualität und Quantität eines sozialen Netzwerkes und der daraus entstehenden Unterstützung bewertet wird (Ludwig-Mayerhofer/Greil 1993, S. 79). Unterstützende Netzwerkmitglieder nehmen ihre Hilfeleistungen anders wahr als die Person, die sie erhält. Dabei sind unterschiedlichen Personen unterschiedliche Rollen und somit verschiedene Unterstützungsfunktionen zugeordnet (Reisenzein u.a. 1993, S. 75). Unter der Leistung der sozialen Unterstützung verstehen Bullinger und Nowak (1998, S. 101) auch die Menge an Unterstützungen, die eine Person besonders in Belastungssituationen von den Menschen ihres persönlichen Netzwerkes erhält. [...]

In der Literatur wird das Konzept des Sozialen Netzwerkes oft synonym mit dem Konzept der Sozialen Unterstützung verwendet. Nach Klusmann (1989, S. 17) stellt das soziale Netzwerk allerdings ein umfassendes System dar, in welchem die soziale Unterstützung als ein Teilaspekt, die bedeutendste und wichtigste Funktion betrachtet werden kann. Die Konzepte müssen unabhängig voneinander verstanden werden, um sie genauer differenzieren zu können und um die Frage, welche Arten der Unterstützung von sozialen Netzwerken erbracht werden können, zu beantworten (Klusmann 1989, S. 36; Keupp 1987, S. 31). Soziale Unterstützung wird als positive Wirkung und Funktion eines sozialen Netzes betrachtet (Frietsch/Löcherbach 1995, S. 40) sowie als „sozialer Austauschprozess, in dem verschiedene Akteure und Beziehungskomponenten situationsspezifisch zusammenwirken“ (Diewald [...]

Arbeit zitieren:
Schulz, Gerda Juni 2005: Case Management in der Sozialarbeit mit Suchtkranken unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Netzwerkarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Netzwerkkarte, Interview, Unterstützung, Hilfeplanung, Droge

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