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Der CO2-Markt in der EU

Eine industrieökonomische Analyse am Beispiel der Energiewirtschaft

Der CO2-Markt in der EU
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Momtchil Michliachki
  • Abgabedatum: Juni 2007
  • Umfang: 56 Seiten
  • Dateigröße: 358,6 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 40
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2845-7
  • ISBN (CD) :978-3-8366-2845-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Michliachki, Momtchil Juni 2007: Der CO2-Markt in der EU, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Emissionshandel, CO2-Markt, Klimawandel, Energiewirtschaft, Wettbewerb

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Diplomarbeit von Momtchil Michliachki

Einleitung:

Das Klimasystem auf der Erde gerät langsam aus dem Gleichgewicht. Wissenschaftliche Studien belegen eindeutig, dass der anthropogene Faktor einen enormen Beitrag zur globalen Erderwärmung leistet. Mit dem Ziel dem laufenden Klimawandel entgegenzuwirken und die zukünftigen katastrophalen Folgen zu verhindern, haben sich zahlreiche Staaten mit dem Kyoto-Protokoll völkerrechtlich verpflichtet, ihre nationalen Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 deutlich zu reduzieren. Um die effektive und kostengünstige Erreichung dieses Zieles zu sichern, sieht das Kyoto-Protokoll so genannte flexible Instrumente vor. Eines dieser Instrumente stellt der Emissionshandel dar. Ein Emissionshandelssystem bietet eine marktwirtschaftlich orientierte Alternative, den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren. Eine Tonne CO2 erhält durch dieses System einen Wert, der über den Marktmechanismus auf dem Emissionshandelsmarkt bestimmt wird. Das Instrument garantiert, dass Emissionsminderungsziele erreicht werden und Emissionsminderungsmaßnahmen dort durchgeführt werden, wo sie am kostengünstigsten sind. Darüber hinaus werden Anreize für Investitionen und Innovationen auf dem Gebiet der CO2–sparenden Technologien geschaffen. Im Januar 2005 startete in der Europäischen Union das erste internationale Emissionshandelssystem, das heute Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie in allen 27 Mitgliedsstaaten umfasst. Die betroffenen Unternehmen müssen einen neuen Produktionsfaktor in ihre strategische, taktische und operative Planung berücksichtigen und ihre Unternehmensstrategie anpassen. Damit wird die Einführung des EU-Emissionshandelssystems zwangsläufig die bisherigen Rahmenbedingungen in den betroffenen Branchen beeinflussen. In dieser Arbeit soll das Emissionshandelssystem aus industrieökonomischer Sicht untersucht und bewertet werden. Die Analyse wird am Beispiel der deutschen Energiewirtschaft mit Schwerpunkt auf der Stromerzeugung geführt. Aufgrund ihres enormen Anteils an den CO2-Emissionen sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene, hat die deutsche Stromwirtschaft eine Schlüsselrolle im Emissionshandelssystem. Die Zielsetzung der vorliegenden Ausarbeitung ist in drei Abschnitte unterteilt.

Zuerst sollen das Umfeld der Klimawandelproblematik sowie die daraus ableitbaren befürchteten Folgen dargestellt werden.

Der zweite Abschnitt beschreibt die Entstehung des Emissionshandelsystems in der EU und liefert einen Überblick über die rechtlichem Rahmenbedingungen und die bisherigen Entwicklungen in der Praxis des Emissionshandels.

Der dritte Abschnitt bildet den Schwerpunkt der Ausarbeitung. Die Untersuchung befasst sich mit den Auswirkungen des Emissionshandelsystems auf die deutsche Stromwirtschaft aus wettbewerbspolitischer Sicht und liefert eine industrieökonomische Bewertung des neuen umweltpolitischen Instruments. Die Analyse behandelt die Unternehmensebene, die Wettbewerbssituation auf den relevanten Märkten, Potentiale für Marktmachtmissbrauch sowie vorgesehene Investitions- und Innovationsanreizstrukturen.

In Kapitel 2 erfolgt eine Einführung in die Thematik des Klimawandels. Neben der Erläuterung der theoretischen Grundlagen und der aktuellen Entwicklung werden hier die erwarteten Folgen und die Notwendigkeit eines Entgegensteuerns beleuchtet. Gegenstand von Kapitel 3 ist die Entstehung des Marktes für Emissionsberechtigungen. Nach einer kurzen Darstellung der historischen Entwicklungen in der internationalen Umweltpolitik werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen Emissionshandel auf europäische und nationale Ebene im Detail aufgeführt. In Kapitel 4 wird zunächst die Umsetzung des Emissionshandelssystems in der Praxis, deren Funktionsweise sowie die aktuellen Marktstruktur und -entwicklung auf dem CO2-Markt diskutiert. Anschließend wird die überragende Rolle der deutschen Stromwirtschaft im Rahmen des EU-Emissionshandel belegt. Kapitel 5 befasst sich mit der Untersuchung der direkten Auswirkungen des Emissionshandelssystems auf die deutschen Stromversorgungsunternehmen. Die Analyse konzentriert sich auf die Anpassung von Unternehmensstrategie und Unternehmensstruktur, behandelt die Windfall-Profits-Problematik im Stromerzeugungssektor und diskutiert die Auswirkung des Emissionshandelssystems auf die Entwicklung der Strompreise. Kapitel 6 setzt den Schwerpunkt der vorliegenden Ausarbeitung. In diesem Kapitel werden zunächst die konkreten Effekte des Emissionshandels auf der Wettbewerbssituation deutscher Stromversorgungsunternehmen in den drei relevanten Märkten – nationaler Strommarkt in Deutschland, EU-Binnenmarkt und Markt für Emissionsberechtigungen - untersucht. Ein weiterer Schwerpunkt bildet die Untersuchung des Verdachtes auf Marktmachtmissbrauch in Form der Einpreisung von Emissionsberechtigungen in den Strompreis. Abschließend werden die industrieökonomisch relevanten Potentiale der Investitions- und Innovationsanreizstrukturen des Emissionshandelssystems analysiert. Kapitel 7 beinhaltet eine Bewertung der Ergebnisse aus industrieökonomischer Sicht und einen Ausblick auf weitere Entwicklungen in diesem Themenumfeld. In Kapitel 8 wird abschließend ein Fazit gezogen.

Inhaltsverzeichnis:

1. ZIELSETZUNG UND AUFBAU DER ARBEIT 1
2. TREIBHAUSEFFEKT, KLIMAWANDEL, FOLGEN 3
2.1 TREIBHAUSEFFEKT UND KLIMAWANDEL 3
2.2 FOLGEN 4
3. ENTSTEHUNG DES CO2-MARKTES 5
3.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNGEN 5
3.2 EMISSIONSHANDELSRICHTLINIE DER EU 8
3.3 NATIONALE UMSETZUNG DER EMISSIONSHANDELSRICHTLINIE 9
3.3.1 Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) 10
3.3.2 Zuteilungsgesetz 2007 (ZuG 2007) 12
3.3.3 Projekt-Mechanismen-Gesetz (ProMechG) 14
3.3.4 Zuteilungs- und Emissionshandelskostenverordnung 15
3.4 ZUSAMMENFASSUNG 15
4. EMISSIONSHANDEL IN DER PRAXIS 16
4.1 FUNKTIONSWEISE DES EMISSIONSHANDELS 16
4.2 MARKTSTRUKTUR UND MARKTPLÄTZE 17
4.3 MARKT- UND PREISENTWICKLUNG 18
4.4 STROMWIRTSCHAFT ALS ZENTRALER AKTEUR 20
5. AUSWIRKUNG AUF DIE STROMERZEUGUNGSUNTERNEHMEN 21
5.1 NEUER PRODUKTIONSFAKTOR UND NEUE UNTERNEHMENSSTRATEGIE 21
5.2 STRUKTURELLE UND ORGANISATORISCHE AUSWIRKUNGEN 22
5.3 WINDFALL PROFITS 23
5.4 ZUSAMMENFASSUNG 25
6. EMISSIONSHANDEL UND WETTBEWERB 26
6.1 AUSWIRKUNGEN AUF DIE WETTBEWERBSSITUATION 26
6.1.1 Nationaler Strommarkt 26
6.1.2 EU-Binnenmarkt 31
6.1.3 Markt für Emissionsberechtigungen 35
6.1.4 Zusammenfassung 38
6.2 MARKTMACHTMISSBRAUCH 39
6.2.1 §19 Abs.1 GWB 40
6.2.2 Art. 82 EGV 41
6.2.3 Zusammenfassung 42
6.3 INVESTITION UND INNOVATION 43
6.3.1 Investitionsanreize 43
6.3.2 Innovationsanreize 44
6.3.3 Zusammenfassung 45
7. INDUSTRIEÖKONOMISCHE BEWERTUNG 45
8. FAZIT 50
QUELLENVERZEICHNIS

Textprobe:

Kapitel 4.1, Funktionsweise des Emissionshandels:

Der Emissionshandel erweist sich als ein sehr simples Instrument, das auf dem Cap-and-Trade-Verfahren basiert. Seiner Anwendung genügen lediglich drei Schritte. Der erste Schritt besteht darin, eine Obergrenze (Cap) für die insgesamt zulässige Emissionsmenge zu bestimmen. Konkret bedeutet dies, ein Subziel für die vom CO2-Handel erfassten Anlagen zu definieren, das aus dem gesamtwirtschaftlichen Klimaschutzziel – Minderung der Treibhausgase um 21% im Zeitraum 2008 bis 2012 gegenüber 1990 – abgeleitet wird. Diese Emissionsmenge ist im zweiten Schritt auf die einzelnen Emittenten in der Form von Emissionsberechtigungen aufzuteilen. Damit ein transparenter und liquider Markt zustande kommt und Wettbewerbsbarrieren verhindert werden, muss ein gesetzlicher und ordnungspolitischer Rahmen geschaffen werden, der reibungslos funktionierende Prozesse sicherstellt. Der dritte Schritt besteht darin den Handel mit den zugeteilten Emissionsberechtigungen (Trade) frei zu geben. Danach wird der Anpassungsprozess dem Marktmechanismus überlassen. Ob, wo, wann, wie und wie viele Emissionen vermieden werden, entscheidet sich aus dem Vergleich der spezifischen Vermeidungskosten vor Ort mit dem am Markt herrschenden Preis für Emissionszertifikate. Liegt dieser Preis über den spezifischen Vermeidungskosten, sind Emissionsvermeidungsmaßnahmen ökonomisch sinnvoll. Im umgekehrten Fall kann ein Emittent Emissionsrechte am Markt kaufen und auf diesem Wege seinen Verpflichtungen aus dem Nationalen Allokationsplan nachkommen. Im Unterschied zu den traditionellen Instrumenten, die einheitliche Anforderungen festlegen, ohne die spezifischen Kosten jedes Unternehmens zu beachten, schafft es der Emissionshandel Emissionsminderungsmaßnahmen dort zu erzwingen, wo es am kostengünstigsten ist. Nur aus diesem Vergleich erschließt sich die ökonomische Vorteilhaftigkeit des Emissionshandels. So schätzt die EU den gesamteuropäischen Kostenvorteil auf rund 2,4 Mrd. Euro pro Jahr im Vergleich zu alternativen Instrumenten. Die Prognose für Deutschland liegt zwischen 250 und 550 Mio. Euro, für eine Zertifikatpreisspanne zwischen 5 Euro pro Tonne und 30 Euro pro Tonne. Der Emissionshandel schöpft auf diesem Wege Kostendifferenzen zwischen verschiedenen Quellen anlagen-, branchen- und grenzüberschreitend aus. Dies führt zu optimaler Allokation knapper Ressourcen sowohl auf einzel- als auch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene. Soweit die Theorie. In der Praxis besteht die Herausforderung darin, das System so zu gestalten, dass die ökologische Integrität gewahrt bleibt, der Umsetzungsmechanismus schlank und unbürokratisch funktioniert und die Transaktionskosten möglichst gering gehalten werden können. Dabei müssen makroökonomische Restriktionen wie Beschäftigung, Preisniveaustabilität, angemessenes Wirtschaftswachstum, Wettbewerbskonformität berücksichtigt werden.

Marktstruktur und Marktplätze:

Im Rahmen des Emissionshandelssystems Europas werden zurzeit lediglich zwei Emissionszertifikate gehandelt. Der Markt umfasst zum einen die EU-Allowances (EUAs), die den Anlagenbetreibern in Europa jährlich von den nationalen Behörden zugeteilt werden und zum anderen die Certified Emission Reductions (CERs), die aus genehmigten CDM-Projekten entstandene Emissionsberechtigungen darstellen. Der Handel mit den restlichen gemäß Kyoto-Protokoll existierenden Berechtigungsarten:

- Emission Reduction Units (ERU): Berechtigungen aus JI-Projekten; - Assigned Amount Units (AAU): Berechtigungen aus anderen Ländern; - Removal Units (RMU): Berechtigungen aus Senkenprojekten; - Verified Emission Reductions (VER): Berechtigungen aus noch nicht genehmigten Emissionsminderungsprojekten; beginnt erst in der zweiten Handelsperiode oder wird nur unter Staaten im Rahmen des internationalen Emissionshandelssystems betrieben.

Als Marktteilnehmer sind drei Wirtschaftsgruppen zu erwarten. Die erste Gruppe umfasst die Unternehmen, die verpflichtet sind am Emissionshandel teilzunehmen. Die ersten Akteure des Marktgeschehens kamen aus der Energiewirtschaft. Diese haben auf ihre Erfahrungen im Umgang mit Handelsinstrumenten aus den Energiehandelsstrukturen aufbauen können und auf Erkenntnisse aus ihren bereits getesteten internen Emissionshandelssystemen zurückgreifen können. Die zweite Gruppe der Marktteilnehmer setzt sich aus Unternehmen des Finanzdienstleistungssektors zusammen. Diese Gruppe umfasst Banken, Broker und Versicherungen, die im Emissionshandel ein neues Betätigungsfeld sehen. Sie bieten Finanzprodukte und Vertragsabwicklungslösungen an, die aus dem Finanzmarkt abgeleitet und den Bedürfnissen des Emissionshandels zugeschnitten werden. Diese Teilnehmer können zum einen als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer fungieren und zum anderen direkt als Käufer oder Verkäufer agieren. Für Banken besteht zudem die Möglichkeit Emissionsreduzierungsprojekte im Rahmen der Joint Implementation und Clean Development Mechanismen zu finanzieren sowie selbst durchzuführen. Die Versicherungsunternehmen können außerdem auf den Emissionshandel zugeschnittene Haftungs- und Versicherungsprodukte anbieten. Die dritte Gruppe erschließt natürliche und juristische Personen, die sich freiwillig am Emissionshandel beteiligen und nicht dem Finanzdienstleistungssektor zuzuordnen sind. Dazu gehören Investoren mit Spekulationszielen. Diese pflegen die Hoffnung auf steigende Preise und daraus resultierende Gewinne. Dieser Gruppe sind auch Umweltorganisationen zuzurechnen. Sie können durch den Kauf von Zertifikaten eine Verknappung auf dem CO2–Markt bewirken. Das Ziel ist die Zertifikatpreise zu erhöhen und somit Unternehmen dazu zu bringen, mehr Vermeidungsmaßnahmen zu ergreifen. Es ist denkbar, dass zu Marketingzwecken ein nicht am Emissionshandel teilnehmendes Unternehmen einer Umweltorganisation Geld zur Verfügung stellt, um Emissionsrechte zu kaufen. So eine Kooperation kann wie das Regenwaldprojekt von 2003 zwischen WWF Deutschland und der Krombacher Brauerei gestaltet werden. Das beteiligte Unternehmen kann sich so als besonders umweltbewusst darstellen. Angesichts des geringen Alters des Emissionshandelmarktes und vieler Unklarheiten im Bezug auf seine Funktionsweise ist die dritte Gruppe momentan sehr schwach präsentiert. Die Handelsplätze für Emissionszertifikate werden in der Regel von den größten Strombörsen Europas betrieben. Darunter fallen die European Energy Exchange (EEX) – Leipzig, International Petroleum Exchange (IPE) – London, Nordpool – Oslo, Powernext – Paris, Energy Exchange Austria (EXAA) – Wien. Lediglich die Handelsplattform New Values (Climex) in Amsterdam wird von einer Bank und einem Netzbetreiber betrieben.

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Arbeit zitieren:
Michliachki, Momtchil Juni 2007: Der CO2-Markt in der EU, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Emissionshandel, CO2-Markt, Klimawandel, Energiewirtschaft, Wettbewerb

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