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CDM- und Mikrofinanzprojekte

Analyse der Kombinierbarkeit am Fallbeispiel der Verbreitung effizienter Öfen in Kirgistan

CDM- und Mikrofinanzprojekte
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexander Wirth
  • Abgabedatum: Juli 2009
  • Umfang: 128 Seiten
  • Dateigröße: 879,3 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Bergische Universität Wuppertal Deutschland
  • Bibliografie: ca. 102
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3505-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wirth, Alexander Juli 2009: CDM- und Mikrofinanzprojekte, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Clean Development Mechanism, Mikrofinanzierung, Klimaschutzprojekt, Technologievertreitung, Finanzierung

Diplomarbeit von Alexander Wirth

Einleitung:

Die Themen Erderwärmung und Klimawandel finden auf Grund des damit verbundenen Bedrohungspotentials für den Menschen große Resonanz in Medien und Politik. Zur Minimierung ‚klimawirksamer’ Treibhausgase wurden entsprechend zahlreiche Klimaschutzkonzepte ersonnen. Beachtliche weltweite Popularität und Anerkennung in der Praxis hat im Besonderen das Konzept im Zusammenhang mit dem ‘Kyoto-Protokoll’ erlangt - der für diese Arbeit zentrale Clean Development Mechanism (CDM). CDM-Projekte ermöglichen es beispielsweise europäischen Industrieanlagenbetreibern, die von den Mitgliedstaaten der EU zur Emissionsreduktion verpflichtet wurden, in Entwicklungsländern energieeffiziente, treibhausgaseinsparende Technologien zu implementieren. Die dabei generierten Emissionsreduktionen werden in Form von Emissionszertifikaten verbrieft und im Rahmen des Emissionshandels zu einem Marktpreis gehandelt. Treibhausgasminimierung, bis dato eine unliebsame Forderung zahlreicher Stakeholdergruppen an das energieintensive Gewerbe, gewinnt dadurch eine neue betriebswirtschaftliche Attraktivität. Dieses Potential wurde auch in der Entwicklungszusammenarbeit erkannt. So lassen sich Emissionszertifikate als Finanzierungsquelle entsprechender entwicklungspolitischer Projektaktivitäten nutzen. Insbesondere Projekte zur Verbreitung energieeffizienter und erneuerbare Energien nutzender Technologien in Entwicklungsländern rücken in den Fokus. Eine Brücke zwischen Gewinnmaximierung und Gemeinnützigkeit im Spannungsfeld von Industrie- und Entwicklungsländern scheint geschlagen.

Ein ebenfalls innovatives und seit Jahrzehnten erfolgreich angewandtes und weltweit verbreitetes kommerzielles Instrument zur Armutsbekämpfung und ökonomischen Aktivierung benachteiligter - vom regulären Finanzdienstleistungen ausgeschlossener - Bevölkerungsgruppen bildet die sog. Mikrofinanzierung. Die von den Mikrofinanzinstitutionen bereitgestellten kleinen Kredite (sog. Mikrokredite), z.B. in Höhe von 200 USD, werden vor allem zur Generierung von Einkommen vergeben. Das Fehlen ‚klassischer’ Kreditsicherheiten wird hierbei mittels spezieller Kreditvergabeansätze durch vorhandenes ‚soziales Kapital’ der Kreditnehmer substituiert. Die Kreditnehmer erhalten damit die außergewöhnliche Möglichkeit aus dem häufig lebenslang fortwährenden ‘Armutszyklus’ auszubrechen.

Die Aufgabenstellung dieser praxisorientierten Arbeit ergibt sich aus der Absicht, der im entwicklungspolitischen Bereich tätigen Organisationen WECF und Atmosfair das Potential einer CDM-Projektaktivität in Kirgistan zu untersuchen. Den konkreten Rahmen für die ‚Machbarkeitsanalyse’ bildet das bereits angelaufene Programm zur Verbreitung energieeffizienter Öfen und Wärmedämmung der kirgisischen NGO CAMP Alatoo. Fokus der Untersuchung wird dabei die Ofenverbreitung sein. Nach ersten Gesprächen mit den kirgisischen Partnern ergab sich, dass dort bereits ein kleines Netzwerk mikrokreditausstellender Institute auf Dorfebene implementiert wurde, welches die Kunden des Programmes mit individueller Kreditfinanzierung für Installationen der Öfen versorgt. Ziel der Bereitstellung von Mikrokrediten ist die Überwindung der bestehenden finanziellen ‚Investitionsbarriere’ auf Ebene der ländlichen Haushalte, die sich aus den relativ hohen Preisen der Ofentechnologie ergibt.

Zielsetzung:

Vor dem oben skizzierten Hintergrund erwuchs die interessante und innovative Idee ein CDM-Klimaschutzprojekt auf Basis der in den kirgisischen Dörfern gegebenen und noch auszubauenden Mikrofinanzstrukturen zu implementieren, d.h. Mikrofinanzinstitute und ihre Mikrofinanzleistungen als ‚Vehicle’ für ein CDM-Projekt zu nutzen. Die Kombination von ‚CDM-Projekten’ und ‚Mikrofinanzierung’ wurde sowohl in der Praxis als auch in der gesichteten wissenschaftlichen Literatur bisher nicht aufgegriffen und wird somit zum ersten Mal in der vorliegenden Form und Tiefe diskutiert. Dabei wird die vorliegende Arbeit nach separater Diskussion beider Konstrukte mittels einer theoretischen und - im Rahmen eines Fallbeispiels am Energieeffizienzprogramm von CAMP Alatoo - praktischen Analyse, erstmals Möglichkeiten sowie Grenzen eines solchen Arrangements aufzeigen.

Die sich daraus ergebenden zu untersuchenden Fragestellungen sind die folgenden: Was sind die Hauptmerkmale von CDM-Projekten und Mikrofinanzierung/-institutionen? Wie können Mikrofinanzstrukturen im Rahmen von technologieverbreitungsbasierten CDM-Projektaktivitäten genutzt werden und welche Vorteile bzw. Grenzen des Arrangements sind zu erwarten? Welche Rahmenbedingungen sind für die Realisierung eines CDM-Projektes innerhalb des mikrokreditgestützten Energieeffizienzverbreitungsprogrammes von CAMP Alatoo gegeben? Wie könnte ein konkretes Projektvorhaben organisatorisch und finanziell konzipiert werden? Welche möglichen Probleme stehen einer erfolgreichen Realisierung des Projektvorhabens im Wege? Welche weiteren Schritte müssten getan werden, um das Vorhaben zu realisieren?

Gang der Untersuchung:

Die Untersuchung der oben genannten Fragestellungen erfolgt in fünf Schritten:

Im ersten Untersuchungsschritt werden relevante Aspekte von CDM-Projekten vorgestellt. In Kapitel zwei erfolgt hierzu eine Einführung in laufende klimapolitische Initiativen, den Clean Development Mechanism (CDM) und den Stand der Markt- und Projektentwicklungen. In Kapitel drei werden CDM-Projekte aus der Aufbau- und Ablaufperspektive vorgestellt, wobei auch auf Sonderkategorien von CDM-Projekten und die methodische Projektentwicklung, die in Hinsicht auf das Fallbeispiel von Relevanz sind, eingegangen wird. Abgerundet wird das Themenfeld durch die Darstellung finanzieller Aspekte von CDM-Projekten in Kapitel vier. Dazu werden insbesondere die Einnahme- und Ausgabestrukturen, Veräußerungsformen der vom Projekt generierten Zertifikate (CERs) und Konzepte zur Erlangung weiterer Finanzmittel mit einem Hinweis auf die Anwendbarkeit für das Fallbeispiel in Kirgistan vorgestellt.

Der zweite Untersuchungsschritt analysiert allgemeine Mikrofinanzierungsansätze und Mikrofinanzinstitutionentypen. Zum Einstieg in das Themenfeld werden in Kapitel fünf wichtige Begriffe und Abgrenzungen vorgestellt und die praktische Relevanz der Mikrofinanzierung im Kontext der Armutsbekämpfung verdeutlicht. In Kapitel sechs werden gängige Mikrofinanzinstitutionentypen, ihre Wirkungsbereiche und Entwicklungsansätze, ihre Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung sowie die angewandten Kreditmodelle vorgestellt. Abgerundet wird das Kapitel mit einer vom Autor konzipierten Systematisierung von Mikrofinanzinstitutionen und Kreditmodellansätzen nach Ausmaß der Interaktion, Entscheidungsfindung und Autonomie zwischen Kreditgeber und -nehmer, wodurch Erkenntnisgrundlagen für die spätere Kombination von CDM-Projekten und Mikrofinanzinstitutionen gewonnen werden.

Im dritten Untersuchungsschritt werden Technologieverbreitungsprogramme fokussiert. Dazu wird im siebten Kapitel die Bildung eines Grundverständnisses für entwicklungspolitische Programme zur Verbreitung von energieeffizienten und erneuerbare Energien nutzenden Technologien (z.B. brennstoffsparende Öfen) in Entwicklungs- und Schwellenländern angestrebt. Die hier skizzierten Prinzipien, wie beispielsweise die langfristige kommerzielle und finanzielle Nachhaltigkeit der Maßnahmen, werden als Rahmenbedingung für das erarbeitete praktische Fallbeispiel angewandt.

Nach der Vorstellung der Themenfelder ‚CDM-Projekt’, ‚Mikrofinanzierung’ und ‚Technologieverbreitung’ wird durch ihre Zusammenführung im vierten Untersuchungsschritt der theoretische Kern in Kapitel acht der Arbeit entwickelt. Die theoretische Analyse wird in zwei Stufen vollzogen. Zunächst wird anhand eines Modells untersucht, wie Mikrofinanzstrukturen zur Umsetzung von CDM-Projektaktivitäten genutzt werden können (z.B. Aufgabenübernahme, Kundenzugang oder Finanzierung individueller Produktinstallationen). Anschließend werden die Vorteile und Grenzen der jeweiligen Mikrofinanzinstitutionentypen im Sinne ihrer Verwendbarkeit für ein (gebündeltes) CDM-Projekt diskutiert.

Im fünften und letzten Untersuchungsschritt wird im Rahmen von Kapitel neun unter Analyse und Berücksichtigung der gegebenen lokalen Bedingungen und Potentiale (z.B. Baseline, Ofentechnologie, Nachfragepotential und Mikrofinanzstrukturen) sowie Finanzkapazitäten des Projektvorhabens (Möglichkeit einer Vorfinanzierung des Projektes durch Atmosfair) ein Projektszenario mit Aufgabenverteilung und Finanzplan entworfen. Das Projektkonzept basiert auf dem Ausbau der vorhandenen dörflichen Mikrofinanzinstitutionenstrukturen und ihrer anschließenden Verwendung als ‚Vehicle’ für die Umsetzung eines CDM-Projektes und Kreditfinanzierung der Ofeninstallationen auf Kundenebene. Zum Schluss werden die Ergebnisse problematisiert und weitere Schritte und Maßnahmen zur Realisierung des Projektes vorgeschlagen. Im Fazit erfolgt eine letzte Zusammenfassung und Würdigung der Befunde.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Zielsetzung 2
1.2 Vorgehensweise 3
2. Clean Development Mechanism 5
2.1 Einordnung und Grundlagen 5
2.2 CDM-Projektpipeline und Marktüberblick 12
3. CDM-Projektdurchführung 14
3.1 CDM-Projektarchitektur 15
3.2 In CDM-Projekte involvierte Instanzen 16
3.3 CDM-Projektzyklus 19
3.3.1 Vorprüfung 20
3.3.2 Dokumentation 21
3.3.3 Anerkennung 23
3.3.4 Umsetzung 24
3.3.5 Verwertung 25
3.4 Sonderkategorien von CDM-Projekten 26
3.4.1 Die Sonderkategorie ‘CDM-Kleinprojekt’ 26
3.4.2 Die Sonderkategorie ‘Programmatisches CDM-Projekt’ 27
3.5 Resümee 28
3.6 Methoden zur Bestimmung von Baseline und Projektmonitoring 28
4. Finanzielle Aspekte von CDM-Projekten 33
4.1 Erlös- und Kostenstrukturen von CDM-Projekten 34
4.1.1 Primär- und Sekundärerlöse 34
4.1.2 Investitions- und Transaktionskosten 36
4.2 Veräußerungsformen von CERs 40
4.2.1 Standardisierte Spotmarkt-Transaktionen 41
4.2.2 Transaktionen über langfristige Lieferverträge 41
4.2.3 Transaktionen über Options-Verträge 42
4.2.4 Das Emission Reduction Purchase Agreement 43
4.3 Konzepte zur Erlangung zusätzlicher Finanzmittel 45
4.3.1 Kundenanzahlung auf zukünftig gelieferte CERs 45
4.3.2 Beschaffung zusätzlicher Finanzmittel durch Beleihung des ERPA 46
4.3.3 Weitere Finanzierungsansätze 48
4.3.4 Resümee 48
5. Mikrofinanzierung 49
5.1 Begriffsklärung 49
5.2 Einordnung und Relevanz 52
6. Mikrofinanzinstitutionen 54
6.1 Typen von Mikrofinanzinstitutionen 54
6.1.1 Spar- und Darlehensgenossenschaften 55
6.1.2 Solidaritätsgruppen 56
6.1.3 Dorfbanken 57
6.1.4 Revolvierende Kreditfonds 58
6.1.5 Das Linkage-Modell 59
6.1.6 Mikrofinanzbanken 60
6.2 Wirkungsbereiche und Entwicklung von Mikrofinanzinstitutionen 61
6.3 Formen der Beschaffung weiterer Finanzmittel 62
6.4 Kreditmodelle der Mikrofinanzinstitutionen 64
6.4.1 Einmalige Kredite vs. Stufenkredite 65
6.4.2 Individual- vs. Gruppenkredite 65
6.5 Zusammenfassung 69
7. Technologieverbreitungsprogramme 71
8 Mikrofinanzinstitutionen als ‚Vehicle' für CDM-Projekte 74
8.1 Projektmodell mit zwei Projektpartnern 75
8.2 Verschiedene Mikrofinanzinstitutionentypen im Kontext eines CDM-Projektes 79
9. Fallbeispiel: Integration eines CDM-Projektes in ein mikrokreditbasiertes Programm zur Verbreitung energieeffizienter Öfen im ländlichen Kirgistan 81
9.1 Das Effizienzverbreitungsprogramm von CAMP Alatoo 81
9.1.1 Hintergrund der Initiative 81
9.1.2 Maßnahmen von CAMP Alatoo im Rahmen des Programms 82
9.1.3 Markt- bzw. Programmpotential 83
9.1.4 Produktspezifikation der effizienten Öfen 84
9.2 Implementierte MFI-Struktur zur Unterstützung des Programms 85
9.3 Vorstellung der Projektpartner des CDM-Projektes 88
9.4 Notwendige Voraussetzungen für die Durchführung eines CDM-Projektes 89
9.5 Bestimmung der Baseline für effiziente Öfen 91
9.6 Entwurf eines Durchführungs- und Finanzierungskonzeptes 93
9.6.1 Projektidee 93
9.6.2 Institutionelles Arrangement 95
9.6.3 Finanzielles Arrangement 96
9.7 Problematisierung und weitere Schritte zur Projektrealisierung 103
10. Fazit 104
Literaturverzeichnis 111
Anhang A: Baseline und ‘suppressed demand’ 121
Anhang B: Finanzplan - ‚pessimistischere' Emissionsreduktion (1,5 t CO2e je Ofen) 123

Textprobe:

Kapitel 6.1, Typen von Mikrofinanzinstitutionen:

MFIs können in nachstehende Organisationsformen unterschieden werden: (1) Genossenschaften, (2) Solidaritätsgruppen, gemeinschaftlich verwaltete Kreditfonds in Form von (3) Dorfbanken oder (4) revolvierenden Kreditfonds, (5) das ‘Linkage’-Modell und (6) Mikrofinanzbanken.

Spar- und Darlehensgenossenschaften:

Nach Erfolgen in Europa und Nordamerika in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Spar- und Darlehensgenossenschaften auch zur Implementierung von Mikrofinanz in Entwicklungsländern angewandt. Das Modell hat Ähnlichkeit mit dem unten beschriebenen gemeinschaftlich verwalteten Kreditfond, wobei Spar- und Kreditgenossenschaften in der Gründungsphase meist keine externen Finanzmittel beziehen, sondern sich vollständig aus Einlagen und Ersparnissen ihrer Mitglieder finanzieren. Die Ersparnismobilisierung ist für dieses Modell essentiell, wobei Finanzmittel besonders von Gemeindemitgliedern bereitgestellt werden, die Ersparnisse bilden können. Das genossenschaftliche Budget wird anschließend an Mitglieder als Kredit für Investitionszwecke bereitgestellt. Das Modell basiert auf folgenden Hauptprinzipien:

Partizipation: Mitglieder - unabhängig, ob sie sparen oder Kredite beziehen - sind die Eigentümer der Genossenschaft. Durch Erwerb von Anteilscheinen tragen sie zum Stammkapital bei. Nur Mitglieder haben Anspruch auf Kredit. Als Spar- und Kreditgenossenschaften organisierte Gruppen bestehen aus etwa 30 bis 100 Personen.

Leistungsumfang: Genossenschaften konzentrieren sich nur auf finanzielle Dienstleistungen. Sie definieren selbständig Kreditkonditionen und Umfang (obligatorischer) Spareinlagen. Die Kredithöhe und Konditionen sind meist abhängig vom Kreditzweck und für alle Mitglieder gleich oder von der Größe der Ersparnisse des Mitgliedes abhängig. Der Kreditzins wird häufig sehr hoch angesetzt, um ein ausreichendes finanzielles Budget der Genossenschaft zu generieren.

Finanzierung: Das Finanzbudget der Genossenschaft wird intern aus Kapitalbeteiligungen der Genossenschaftsmitglieder, Spareinlagen und Zinseinnahmen generiert. Überschüssige Erträge werden als Stammkapital einbehalten oder an die Mitglieder verteilt.

Verantwortung: Die Mitglieder verfügen über Entscheidungsbefugnisse und wählen das Personal. Kredite werden durch Ersparnisse des Kreditnehmers abgesichert. Gruppendruck und soziale Sanktionen greifen im Falle von Zahlungsausfällen (siehe dazu Kapitel 6.4.2).

Struktur: Genossenschaften beschränken sich auf bestimmte Gemeinden und schließen sich bei Bedarf von technischer oder finanzieller Unterstützung regionalen Genossenschaftsvereinigungen an. Teilweise existieren auch nationale genossenschaftliche Dachverbände.

Solidaritätsgruppen:

Die Mitglieder der Solidaritätsgruppe erhalten gemeinsam Kredite von einer Bank oder Nichtregierungsorganisation. Sie werden als Langzeitkunden des Kreditprogramms verstanden. Generell entwickeln Solidaritätsgruppen im Laufe ihres Bestehens nur eine geringe Autonomie gegenüber der kreditgebenden Institution und keine ausgeprägten Managementkapazitäten, was hingegen bei Genossenschaften der Fall ist. Die Hauptprinzipien des Modells sind wie folgt:

Partizipation: Drei bis zehn Personen schließen sich zu einer Gruppe zusammen und erhalten gemeinsam einen Kredit. Häufig müssen von den Gruppenmitgliedern zuvor Ersparnisse gebildet werden.

Leistungsumfang: Neben finanziellen Leistungen erhalten Mitglieder auch unterstützende Dienstleistungen (z.B. kommerzielle Beratung).

Finanzierung: Das Finanzbudget der Solidargruppe wird von der kreditgebenden Institution bereitgestellt und Fallweise von den Gruppenmitgliedern zusammengetragen. Eventuelle finanzielle Überschüsse, die z.B. aus Kreditrückzahlungen der Gruppenmitglieder resultieren, werden zur Schaffung von finanziellen Reserven der Gruppe verwendet.

Verantwortung: Gruppenmitglieder garantieren gemeinsam für die Kreditrückzahlung (Prinzip der Solidarhaftung). Sie erhalten erst dann einen weiteren Kredit, wenn der erste vollständig zurückgezahlt wurde.

Struktur: Mehrere Gruppen können sich zusammenschließen, um von Skaleneffekten aus gemeinsamer Ersparnis, Kreditnahme und -rückzahlung zu profitieren. Die Entscheidungsfindung erfolgt auf Kreditgeberebene (sog. top-down approach).

Dorfbanken:

Dorfbanken und die im nächsten Punkt vorgestellten revolvierenden Kreditfonds basieren auf dem Ansatz des gemeinschaftlich verwalteten Kreditfonds. Ihr Gründungskapital erhalten sie grundsätzlich von externen Kapitalgebern als Darlehen oder Fördermittel.

Dorfbanken sind zwischen Genossenschaften und Solidaritätsgruppen zu verorten. Sie werden häufig von NGOs und Geberorganisationen initiiert. Interessierte Gemeindemitglieder formen dazu eine Kreditnehmergruppe, die dann z.B. von der NGO in Organisation und Führung der Dorfbank unterrichtet wird. Dorfbanken umfassen im Schnitt 20 bis 50 Gruppenmitglieder. Folgende Eigenschaften kennzeichnen das Dorfbankmodell:

Partizipation und Leistungsumfang: Zum Aufbau gemeinsamer Kredit- und Spardienstleistungen schließen sich Dorfbewohnern zu einer Gruppe zusammen. Teilweise sind Mitgliedsbeiträge zur Stammkapitalbildung vorgesehen. Nach rund drei Jahren entwickeln Dorfbanken administrative und finanzielle Autonomie und sind i.d.S. ‚Kreditnehmenrgeführt’. Danach steht es ihnen frei eine eigene ‚Firmenpolitik’ zu gestalten.

Finanzierung: Dorfbanken entstehen zunächst durch eine externe, meist verzinste Initialfinanzierung. Internes Kapital wird anschließend mittels obligatorischer Ersparnisse, Zinseinnahmen und Stammkapitaleinlagen der Mitglieder generiert. Im Optimalfall wird keine zusätzliche externe Finanzzufuhr mehr benötigt. Die Initialfinanzierung wird alsdann in einer bestimmten Zeit mit Zinsen zurückgezahlt. Überschüssige Erträge gehen in Aufstockung von Stammkapital oder werden an die Mitglieder verteilt. Bevor ein Mitglied Kredite erhält, muss es Ersparnisse bilden und die Ersparnisbildung während der Kredittilgung fortsetzen. Die individuelle Kredithöhe hängt oft von den getätigten Ersparnissen des Mitgliedes ab.

Verantwortung: Die organisatorische Entscheidungsfindung wird von den Dorfbankmitgliedern selbst gestaltet. Dazu wählen sie ein autorisiertes Managementkomitee. Wie bei Solidaritätsgruppen haften Dorfbankmitglieder gemeinsam für Kreditrückzahlung und -ausfall. Das heißt Zahlungsausfälle müssen gesamtschuldnerisch von anderen Mitgliedern beglichen werden. Der soziale Druck wirkt hierbei als Kreditsicherheit.

Struktur: Dorfbanken sind meist nicht in einen regionalen oder überregionalen Verbund integriert. Fachliche und finanzielle Unterstützung erhalten sie von der sie betreuenden Organisation. Aufgrund ihrer Autonomie sind Dorfbanken auch in abgelegenen Gegenden vorzufinden.

Arbeit zitieren:
Wirth, Alexander Juli 2009: CDM- und Mikrofinanzprojekte, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Clean Development Mechanism, Mikrofinanzierung, Klimaschutzprojekt, Technologievertreitung, Finanzierung

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