Business Improvement Districts
Ein erfolgreiches Kooperationsmodell für Deutschland?
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Saskia Müller
- Abgabedatum: September 2004
- Umfang: 44 Seiten
- Dateigröße: 426,2 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- Bibliografie: ca. 30
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2068-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Müller, Saskia September 2004: Business Improvement Districts, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Business Improvement District, Trittbrettfahrer, Public Private Partnership, Immobiliengemeinschaft, Modellprojekt
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Bachelorarbeit von Saskia Müller
Einleitung:
‚Business Improvement District’ (kurz BID) von der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (BCSD), auch ‚Bündnisse für Investitionen und Dienstleistungen’ genannt, stellt ein neues Konzept zur Verbesserung und Aufwertung der Innenstädte dar. Es hat sich zunächst in Kanada und den USA herausgebildet und soll nun auf deutsche Innenstädte übertragen werden. Es stellen sich daher die Fragen, ob BIDs übertragen werden können und ob diese Adaption auch in Deutschland eine so Erfolg versprechende Auswirkung wie in Amerika haben kann.
Zur Beantwortung dieser Fragen verschafft die Arbeit einen Einblick in die Thematik der Business Improvement Districts, untersucht das Problem der Übertragbarkeit anhand verschiedener Modellprojekte auf deutsche Städte und analysiert die damit verbundenen ökonomischen Probleme.
Ausgangspunkt der Überlegungen ist die derzeitige überwiegend schlechte Situation deutscher Innenstädte, die durch den Einsatz von Interessengemeinschaften nur geringfügig behoben werden konnte (2. Kapitel). Als mögliche Alternative bietet sich das nordamerikanische BID-Modell an, das im 3. Kapitel dargestellt wird. Nach einem kurzen Abriss der Entstehungsgeschichte des BID-Konzeptes wird auf die besonderen Merkmale dieses Modells eingegangen. Im weiteren Verlauf der Untersuchung werden die Ursachen zur Gründung eines BIDs und ein Vergleich zu Einkaufszentren, welche einen zwingenden Aufschluss auf die nötigen Aktivitäten eines BIDs geben, thematisiert. Anhand eines Beispiels werden darüber hinaus bisherige Erfolge dargestellt. Das 4. Kapitel soll schließlich Aufschluss darüber geben, ob auch in Deutschland ein solches Modell möglich ist und welche bisherigen Schritte eingeleitet wurden. Anhand verschiedener Modellprojekte wird das ökonomische Problem der Anreizgestaltung zur Kooperation analysiert. Im 5. Kapitel werden eine Zusammenfassung und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gegeben.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Problemdarstellung der deutschen Innenstädte | 2 |
| 2.1 | Der Wandel der Zeit | 2 |
| 2.2 | Der bisherige Ansatz in deutschen Städten | 2 |
| 3. | BID - eine (mögliche) Alternative | 4 |
| 3.1 | Historie | 4 |
| 3.2 | Was ist ein BID? | 5 |
| 3.2.1 | Definition und Merkmale | 5 |
| 3.2.2 | Ursachen für die Gründung eines BIDs | 6 |
| 3.2.3 | Einkaufszentren als Benchmark für BIDs | 10 |
| 3.2.4 | Aktivitäten von BIDs | 13 |
| 3.3 | Der Enstehungsprozess | 14 |
| 3.4 | Erfolge anhand eines Beispiels (Washington DC BID) | 15 |
| 4. | BIDs in Deutschland | 18 |
| 4.1 | Ausgangslage | 18 |
| 4.2 | Modellprojekte in Deutschland | 19 |
| 4.2.1 | Modellprojekte - nach dem Prinzip der Freiwilligkeit 19 | |
| 4.2.1.1 | Programm der Aufbaubetreuung | 20 |
| 4.2.1.2 | ISG-Projekte in NRW | 21 |
| 4.2.1.3 | Analyse | 24 |
| 4.2.2 | Modellprojekt - unter Einführung der Zwangsmitgliedschaft | 27 |
| 4.2.2.1 | Rechtliche Untersuchung der Übertragungsmöglichkeit | 27 |
| 4.2.2.2 | Zum Hamburger Referentenentwurf | 29 |
| 4.2.2.3 | Das Modellprojekt ‚Neuer Wall’ | 31 |
| 5. | Zusammenfassung und Ausblick | 33 |
| Literaturverzeichnis | 35 | |
| Expertengespräche | 39 |
Textprobe:
Kapitel 4., BIDs in Deutschland:
Ausgangslage:
Es stellt sich nun die Frage, ob BIDs auch in Deutschland durchführbar sind und zu einem so großen Erfolg führen können wie das in Nordamerika der Fall ist.
Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in Deutschland eine ganz andere Ausgangssituation herrscht. So bestehen grundlegende Unterschiede zum anglo-amerikanischen Kontext in der Rolle kommunaler Entscheidungsträger und Aufgaben. In Deutschland haben die Kommunen einen viel stärkeren Einfluss und eine bedeutendere Rolle auf die Stadtplanung. Da im Rahmen eines BIDs auch planungsrelevante Sachverhalte berührt werden, kann deren Einrichtung nur in Abstimmung und unter Einbindung der jeweiligen Kommune erfolgen. Denn örtliche Planung ist kommunales Hoheitsrecht und bedarf somit der Zusammenarbeit mit kommunalen Akteuren (Planungsämter, Dezernate usw.).
Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Mentalität der deutschen privaten Akteure auf einer anderen Denkart beruht. Im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Verhalten wo Partizipation in erster Linie durch Eigeninitiative realisiert wird, herrscht in Deutschland eine Erwartungshaltung gegenüber öffentlichen Akteuren vor. Das Bewusstsein, dass ein Quartiersvorsprung durch privates Engagement und eine freiwillige Eigeninitiative erreicht werden kann, muss erst geschaffen werden.
Allerdings muss hinsichtlich des privaten Engagements auch hinzu gefügt werden, dass in den amerikanischen Städten das Druckpotential bei weitem größer gewesen ist als in Deutschland. So waren in der Vergangenheit einige Stadtgebiete in den großen Metropolen stark heruntergekommen, so dass sie für einige Passanten zu ‚no go areas’ allein aufgrund des Sicherheits- und Sauberkeitsempfindens avancierten. Eine solch gravierende Ausgangssituation besteht in deutschen Städten nicht. Sicherheit und Sauberkeit sind zum größten Teil durch kommunale Grundleistungen abgedeckt. Im Vordergrund stehen hier eher eine Verbesserung und Verschönerung der Gestaltung der Innenstadtlagen und die Erzielung eines Branchenmixes, um ein nettes Ambiente für die Passanten zu schaffen und die Kaufkraft wieder in die Städte zu ziehen.
Darüber hinaus gilt, das Gefühl zu beseitigen, dass eine Verbesserung der Innenstadtlagen bereits durch die vielen Interessen- und Werbegemeinschaften erfüllt werden kann. Wie in Kapitel 2 bereits erläutert, wird in diesen Aktionsgemeinschaften meistens der gleiche Kreis von Akteuren angesprochen. Wichtige Gruppen wie die Grundstückseigentümer und Immobilienbesitzer aber auch andere Parteien wie Gastronome, Hoteliers und Freiberufler werden zu oft außenvorgelassen. Dabei ist es notwendig sämtliche Akteure, die den Wirtschaftsstandort arbeits- und lebensfähig machen, einzubinden.
Es muss also eine Veränderung in der Herangehensweise und im Denken der zukünftig zu beteiligenden Akteure erreicht werden.
Seit kurzem werden deshalb in Deutschland unterschiedliche Modelle zur Einbindung von Eigentümern entwickelt, die sich maßgeblich durch das Prinzip der Freiwilligkeit und der Zwangsmitgliedschaft unterscheiden. Hierbei handelt es sich um teilweise modifizierte Konzepte des klassischen BID-Modells, die sich jedoch noch in der Anfangsphase befinden und daher einer vollständigen, abschließenden Analyse nicht zugänglich sind. Möglich ist aber bereits eine Analyse der Funktionsweise und Mechanismen.
Modellprojekte in Deutschland:
Modellprojekte - nach dem Prinzip der Freiwilligkeit:
In diesem Bereich werden in Deutschland zur Zeit 2 Pilotprojekte eingeführt.
Zum einen werden durch eine Initiative des Deutschen Seminars für Städtebau und Wirtschaft (DSSW) 4 ostdeutsche Städte (Weimar, Chemnitz, Halle und Schwerin) unterstützt und mit einer professionellen Aufbaubetreuung im Rahmen eines Revitalisierungsprogrammes des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) gefördert. Hierbei handelt es sich jedoch um ein markt- und aktionsorientiertes, pragmatisches Modell, das die Eigentümer zur Mitgestaltung ihres Standortes auffordert, ohne ihnen jegliche weitere finanzielle Unterstützung zu geben.
Zum anderen wird in Nordrhein-Westfalen (NRW) die Gründung von Immobilien- und Standortgemeinschaften (ISGs) durch ein Förderprogramm des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport (MSWKS) des Landes Nordrhein-Westfalen forciert.
Programm der Aufbaubetreuung:
Mitte 2003 wurde die Initiative zur Einbindung der Eigentümer und Gründung von Standortgemeinschaften in den genannten 4 Städten gestartet. Zwar sind die Städte von der Typologie der Geschäftslagen und der Struktur der Eigentümer sehr verschieden. Allerdings gilt für alle der ausgewählten Geschäftslagen ein hoher gewerblicher Leerstand, ein enormer Druck durch eine steigende Konzentration bei Einzelhandel und Dienstleistungen und das Problem einer Stadtflucht aufgrund fehlender wirtschaftlicher Funktionen.
Als Zwischenstand nach einem Jahr lässt sich festhalten, dass der Aktivierungsprozess der Eigentümer in einigen Städten erst langsam angelaufen ist und eine Sensibilisierung noch forciert werden muss. So galt zunächst als erstes Ziel, entsprechende Schlüsselakteure zu motivieren. Z.B. haben sich in Weimar, wo 150 hauptsächlich kleine und meist nicht ortsansässige Eigentümer das Gebiet ausmachen, erst 21 Eigentümer zu einer Programm-Kerngruppe formiert. In Halle konnte sich aus 35 Eigentümern eine Kerngruppe von 15 bilden. Ein Problem bei nicht ansässigen Eigentümern ist, dass teilweise die lokale Bindung fehlt und daher ein Anreiz zur Standortaufwertung in geringerem Maße vorhanden ist als bei Ortsansässigen.
Ein generelles Problem in ostdeutschen Städten ist aber auch, dass als Grundeigentümer sehr viele Fondsgesellschaften vertreten sind, d.h. mit Kapitalanlegern, denen die lokale Identität völlig fehlt. Das hauptsächliche Ziel dieser ist eher, entsprechende Sonderabschreibungen geltend zu machen oder Subventionen einzustreichen. Ein Verwertungsinteresse einer Drittvermarktung ist dagegen nicht vorhanden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836620680
Arbeit zitieren:
Müller, Saskia September 2004: Business Improvement Districts, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Business Improvement District, Trittbrettfahrer, Public Private Partnership, Immobiliengemeinschaft, Modellprojekt



