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Business Angels: Theorie und Praxis der informellen Gründungsfinanzierung in Deutschland

Business Angels: Theorie und Praxis der informellen Gründungsfinanzierung in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jeanette Pölling
  • Abgabedatum: März 2000
  • Umfang: 76 Seiten
  • Dateigröße: 585,9 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6650-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6650-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6650-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pölling, Jeanette März 2000: Business Angels: Theorie und Praxis der informellen Gründungsfinanzierung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Neue Institutionenökonomik, Principal-Agent-Theorie, informelles Venture Capital, NIÖ, Informationsasymmetrien

Diplomarbeit von Jeanette Pölling

Zusammenfassung:

Für die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften sind Innovationen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Ein dauerhafter Strukturwandel sowie die Sicherung und der Ausbau von Beschäftigung können durch sie ermöglicht werden. Bei Innovationen handelt es sich um qualitativ neuartige Produkte oder Verfahren, die von einer Unternehmung erstmalig in den Markt oder den Betrieb eingeführt werden. Eine Prognose über deren Erfolg am Markt ist nur sehr eingeschränkt möglich. Die Finanzierung solcher Projekte ist infolgedessen mit Risiko behaftet. Um die Wachstums- und Innovationsfähigkeit einer Volkswirtschaft zu erhalten, ist deshalb eine ausreichende Versorgung mit Risikokapital unerlässlich.

Ein Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog verdeutlicht die aktuelle Problematik der Investitionsbereitschaft in risikoreiche Innovationen innerhalb der deutschen Wirtschaft: „Wir brauchen in Deutschland wieder Gründerjahre, eine neue Wagniskultur, einen Mentalitätswandel hin zu mehr Risikobereitschaft, Flexibilität und Offenheit gegenüber dem Wandel. Dazu gehört auch eine Gründerwelle, damit viele junge und junggebliebene Menschen mit guten Ideen den Sprung in die berufliche Selbständigkeit wagen.“ Nach der Idee zu einem Innovationsprojekt muss zu seiner Umsetzung die Finanzierung gesichert werden. Die Forderung nach dazu notwendigem Wagniskapital kann mit der Ungeeignetheit herkömmlicher Finanzierungsformen für die Umsetzung riskanter Projekte begründet werden. Gerade in jüngster Zeit treten auch in Deutschland Formen von Kapital auf, Venture Capital genannt, die sich speziell die Finanzierung riskanter Vorhaben zur Aufgabe gemacht haben. Venture Capital im engeren Sinne ist Eigenkapital mit zusätzlicher Unterstützung des Managements. Es existiert in formeller und informeller Ausprägung.

Der formelle Venture Capital-Markt umfasst sogenannte Venture Capital- Gesellschaften. Sie nehmen Kapital von Financiers wie Industrie- und Handelsbetrieben oder privaten Haushalten entgegen, verwalten und investieren es in entsprechende Wagnisunternehmen. Informelles Wagniskapital dagegen wird den innovativen Unternehmen ohne Zwischenschaltung von Intermediären zugeführt. Business Angels sind eine solche Form der informellen Finanzierung. Dem kapitalsuchenden Unternehmen wird von einer vermögenden Privatperson Geld direkt zur Verfügung gestellt. Diese bringt kaufmännisches oder technisches Know-how sowie Kontakte und Erfahrungen mit in die Finanzierungsbeziehung ein. Aufgrund des vermehrten Auftretens von Business Angels auch in Deutschland soll diese Form der Venture Capital Finanzierung theoretisch näher untersucht werden.

Business Angels können als Institution oder auch Organisation bezeichnet werden. Der Theorierahmen zur Erklärung der Existenz von Institutionen ist die „Neue Institutionenökonomik“. Sie bedient sich zur Analyse von Institutionen unter anderem der Prinzipal-Agenten-Theorie. Dieser für die vorliegende Arbeit relevante Forschungszweig der „Neuen Institutionenökonomik“ untersucht im speziellen Fall der Finanzierung die Informationsasymmetrien zwischen einem Kapitalgeber (Prinzipal) und einem Kapitalnehmer (Agent) sowie deren Möglichkeiten zur Lösung. Mit Hilfe der Prinzipal-Agenten-Theorie wird im folgenden untersucht, wie Business Angels und deren Kapitalnehmer in der Praxis mit den Problemen asymmetrischer Information umgehen.

Nach grundlegenden Definitionen der Gründungsphase sowie der zur Analyse relevanten Unternehmensform werden allgemeine Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmung dargestellt und die besonderen Probleme innovativer Unternehmensgründungen bei der Finanzierung betrachtet. Zur allgemeinen Analyse der Beziehung zwischen Prinzipal und Agent wird die Neue Institutionenökonomik als Theoriegrundlage näher definiert, um anschließend bestehende Informationsasymmetrien der Beteiligten jeweils vor und nach Vertragsabschluß und deren Designs zur Lösung darzustellen. Nach Schaffung dieser theoretischen Grundlage kann darauf aufbauend untersucht werden, inwiefern durch eine Finanzierung mit Business Angels die genannten Probleme reduziert werden. Im Anschluss daran wird die praktische Relevanz der Finanzierung durch Business Angels in Deutschland dargestellt. Eine kritische Würdigung sowie die Zusammenfassung der gewonnenen Ergebnisse runden die theoretische und praktische Untersuchung von Business Angels als informeller Form von Venture Capital ab.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Unternehmensfinanzierung in der Gründungsphase 4
2.1 Gründungsphase und relevante Unternehmensform 4
2.2 Möglichkeiten der Gründungsfinanzierung 5
2.3 Problematik der Finanzierung innovativer Vorhaben 8
3. Theoretische Analyse des Finanzkontraktes 13
3.1 Neue Institutionenökonomik und Prinzipal-Agenten-Theorie 13
3.2 Informationsasymmetrien vor Vertragsabschluß 17
3.2.1 Qualitätsunsicherheit und Adverse Selektion 17
3.2.2 Screening, Signalling und Self Selection 20
3.3 Informationsasymmetrien nach Vertragsabschluß 23
3.3.1 Moralisches Wagnis 23
3.3.2 Anreizkompatible Verträge 25
3.4 Kosten der Prinzipal-Agenten-Beziehung 27
3.5 Funktionsmechanismus der Reputation 30
4. Venture Capital und Business Angels zur Reduzierung der Prinzipal-Agenten-Probleme 32
4.1 Der Begriff des Venture Capital 32
4.2 Formelles Venture Capital 34
4.2.1 Venture Capital-Gesellschaften als Intermediäre 34
4.2.2 Lösung der Prinzipal-Agenten-Probleme 35
4.3 Informelles Venture Capital 37
4.3.1 Informeller Markt und Investoren 37
4.3.2 Business Angels als informelle Investoren 39
4.3.2.1 Charakteristika von Business Angels 39
4.3.2.2 Motivationen von Business Angels 40
4.3.2.3 Ablauf der Finanzierung durch Business Angels 41
4.4 Reduzierung der Informationsasymmetrien zwischen Business Angel und Entrepreneur 42
4.4.1 Abbau von Qualitätsunsicherheit bei Investmententscheidung 42
4.4.2 Abbau des Moralischen Wagnisses im Rahmen von Betreuung und Desinvestment 47
4.4.3 Netzwerke zum Abbau von Unsicherheiten 53
4.4.4 Abschließende Betrachtung der Reduzierung der Informationsasymmetrien 55
5. Praktische Relevanz von Business Angels in Deutschland 57
5.1 Struktur und Größe des deutschen Business Angels Marktes 57
5.2 Business Angels in den USA als Vergleich 58
5.3 Kritische Würdigung der Anwendbarkeit in Deutschland 59
6. Zusammenfassung und Ausblick 61
Anhang 64
Literaturverzeichnis 66

Automatisiert erstellter Textauszug:

Venture Capital soll im folgenden definiert werden als Lösungsvorschlag für die Finanzierung junger, innovativer und technologisch orientierter Unternehmensgründungen,131 die aus den angeführten Problemen im Rahmen der Prinzipal-Agenten-Beziehung resultieren. Wie in der Ökonomie mit der Tatsache der asymmetrisch verteilten Information umgegangen wird, zeigt die reale Institutionenstruktur,132 die im folgenden dargestellt werden soll. Zur Analyse der Finanzierungsform der Business Angels sei zunächst deren übergeordneter Begriff des Venture Capital näher erläutert. Es handelt sich um eine Form von Beteiligungskapital, welches auch Unternehmen ohne Zugang zur Börse zur Verfügung steht. Häufig wird gleichbedeutend auch von Risikokapital, Wagniskapital, Chancenkapital133 oder Beteiligungskapital gesprochen. Diese Bezeichnungen beschreiben in erster Linie den Finanzierungscharakter des Venture Capitals. Die Besonderheit außerhalb der Finanzierungsfunktion ist jedoch die Beratung des Kapitalnehmers durch den Venture Capital-Geber. Zusammenfassend kann Venture Capital durch folgenden Eigenschaften charakterisiert werden: 134 • Es handelt sich um die zeitlich befristete Zurverfügungstellung von haftendem Eigenkapital in der Form der Beteiligungsfinanzierung. Es wird in solche Unternehmen investiert, die mit ihren Vorhaben hohe [...]

durch gefestigt.127 Für den Agenten stellt die Reputation, solange sie nicht angezweifelt wird, einen Wert dar. Das Ansehen und der gute Ruf des Agenten können durch den Prinzipal in Form von Nachrede vernichtet werden. Dementsprechend wird der Agent gegenüber dem Prinzipal zu einem Verhalten hoher Genauigkeit und Sorgfalt animiert. Reputation wirkt vorbeugend und dient der Abwendung eines Verlustfalles.128 Ihre Wirkung ist um so größer, je bedeutender der Informationsunterschied zwischen Prinzipal und Agent ist.129 Abschließend ist zu bemerken, dass der Reputationsmechanismus an sich kostenfrei und insbesondere bei mehrperiodigen Beziehungen von Interesse ist. Er kann als ein stabilisierendes Element bezeichnet werden. Vor allem für junge, innovative Technologieunternehmen ist eine langfristige Beziehung zu ihrem Kapitalgeber wichtig, da sie vermutlich im Laufe ihrer Geschäftstätigkeit wiederholt auf Kapital angewiesen sind. Sie werden demnach eine Reputation aufbauen und diese nicht durch Ausnutzen der Informationsasymmetrien zerstören. Interessenkonflikte können folglich durch den Mechanismus der Reputation abgebaut werden. Ist keine Reputation gebildet, so hat der Kreditnehmer mehr Anreiz risikoreiche Projekte durchzuführen, 130 also nicht im Sinne des Prinzipals zu handeln. Nachdem die Prinzipal-Agenten-Theorie in ihren Ausprägungen vor und nach Vertragsabschluß dargestellt wurde, kann nun untersucht werden, inwiefern Venture Capital in der Form von Business Angels in der Lage ist, die dargestellten Probleme junger, innovativer und technologieorientierter Gründungen bei der Finanzierung zu lösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. [...]

Zur Verringerung der Probleme asymmetrischer Information vor und nach Vertragsabschluß dient noch ein weiteres Kooperationsdesign, das der Reputation. Darunter wird das durch Außenstehende bewertete Ansehen und der Ruf eines Unternehmens, oder einzelner Personen, verstanden. Reputation ist abstrakt und kann in der Bilanz nicht erfasst werden. Sie ist jedoch für sämtliche Vorhaben nützlich und von Vorteil. Reputation entsteht erst durch mehrere Vorgänge, in denen sich die betroffene Unternehmung oder Person ein Ansehen durch Wohlverhalten erworben hat.124 Im Rahmen der Schließung von Kontrakten wirkt gute Reputation als ein Faktor der Erfolges. Abschluss, Gestaltung und der Verlauf eines Vertrages werden durch sie positiv beeinflusst.125 Im Rahmen der Beziehung zwischen Prinzipal und Agent ist die Reputation des Agenten in den Händen des Prinzipals als eine Art Pfand oder Wohlstandsposition zu bezeichnen.126 Zusätzlich dient sie dem Prinzipal als Signal. Er erhält mit Hilfe die Reputation Anhaltspunkte über das Verhalten des Agenten in der Vergangenheit und hält eine Maßnahme zur Sanktion in der Hand. Die Erwartungen des Prinzipals werden da- [...]

Arbeit zitieren:
Pölling, Jeanette März 2000: Business Angels: Theorie und Praxis der informellen Gründungsfinanzierung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Neue Institutionenökonomik, Principal-Agent-Theorie, informelles Venture Capital, NIÖ, Informationsasymmetrien

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