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Burnout in der Sozialen Arbeit

Hintergründe und Handlungsstrategien

Burnout in der Sozialen Arbeit
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Markus Singer
  • Abgabedatum: Mai 2012
  • Umfang: 62 Seiten
  • Dateigröße: 776,8 KB
  • Note: 1,6
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Darmstadt Deutschland
  • Bibliografie: ca. 39
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-3713-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Singer, Markus Mai 2012: Burnout in der Sozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Burnout, Soziale Arbeit, Ausgebrannt, Syndrom, Symptom

Bachelorarbeit von Markus Singer

Einleitung:

Fußballtrainer Ralf Rangnick, Fernsehkoch Tim Mälzer und der Politiker Thomas Platzeck stehen als Persönlichkeiten stellvertretend für das Burnout-Syndrom, welches in der medialen Öffentlichkeit in den letzten Jahren eine stetig wachsende Bedeutung einnahm. Dabei bestehen unterschiedliche Ansichten über den Zusammenhang dieses Phänomens. Welchen Hintergrund besitzt Burnout in den Berufsfeldern der Sozialen Arbeit und welche Ursachen liegen dabei zugrunde? Wie lässt sich dennoch die psychosoziale Gesundheit der gefährdeten Menschen erhalten bzw. wiederherstellen? Diese Fragen sollen in der vorliegenden Bachelorarbeit beantwortet werden. Mein Praktikum im Studiengang Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Darmstadt leistete ich im Jugendamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf. In dieser Zeit begegnete ich engagierten Mitarbeitern, bei welchen bereits ein Burnout diagnostiziert wurde oder welche vom Ausbrennen gefährdet waren. Hintergrund war in der Regel die enorme bürokratische Arbeitsbelastung und der erschwerte Klientenkontakt. Diese Mitarbeiter erfüllten mit einer großen Motivation ihren beruflichen unterstützenden Auftrag der Sozialen Arbeit. In einer Verwaltung ist der administrative Aufgabenanteil gegenüber dem direkten Klientenkontakt vermindert. Diese Tatsache kann Frustration bei den betroffenen Menschen auslösen. Außerdem tragen kommunale Sparanstrengungen und Budgetkürzungen des Sozialhaushaltes zu dieser Entwicklung bei. Dabei sind die Beschäftigten des Jugendamtes - neben medialer Kritik bei Kindeswohlgefährdungen - den knapper werdenden finanziellen Ressourcen gegenüber verwaltenden Vorgesetzten ausgesetzt. Diese gewonnenen praktischen Erfahrungen bilden die Interessensgrundlage für diese Bachelorthesis.

Der Aufbau der Arbeit orientiert sich an der dreigliedrigen Anordnung der Forschungsfragen. Im ersten Gliederungspunkt beschreibe ich die wissenschaftlichen Hintergründe des Burnout. Dafür erfolgt die Auseinandersetzung mit den Spezifikationen des Burnout, mit seiner Begriffsdefinition und seiner Karriere. Daran schließt sich die Bearbeitung der Symptomatik des Ausbrennens an, welche sich in die verschiedenen Kategorien und die Abgrenzung zu benachbarten Forschungsgebieten untergliedert. Es folgt eine kurze und ausführliche Verlaufsdarstellung des Burnout. Die gewonnenen Erkenntnisse werden im Anschluss zusammengefasst. Im anschließenden Kapitel erfolgt die Auseinandersetzung mit zwei unterschiedlichen Erklärungsansätzen, welche sich in der Wissenschaft als ursächliche Beschreibungen eines Burnout eröffnet haben. Dabei existiert zum einen der Persönlichkeitszentrierte Ansatz mit seinen Vertretern FREUDENBERGER und EDELWICH & BRODSKY. Dieser betrachtet die individuellen Ursachen eines Burnout, wie den in der Sozialen Arbeit verankerten Helferansatz und die Frustration durch Arbeitsbedingungen. Neben dem Persönlichkeitszentrierten Ansatz existiert zum anderen der Sozial- Arbeits- und Organisationspsychologische Ansatz von PINES, ARONSON & KAFRY sowie der gesellschaftliche Ansatz. Letzterer betrachtet die von den Arbeitgebern zunehmend geforderte Flexibilisierung im Berufsleben als Ursache des psychischen Ausbrennens. In diesem Absatz wird ebenso nach dem besonderen Auftreten eines Burnout in der Sozialen Arbeit gefragt. Es erfolgt auch in diesem Abschnitt eine Zusammenfassung der Ergebnisse. Aufbauend auf den Erklärungsmodellen werden im letzten Gliederungspunkt verschiedene Handlungsansätze beschrieben, welche sowohl präventiv als auch intervenierend einen Burnout vermeiden bzw. aussetzen sollen und somit die psychosoziale Gesundheit der vom Ausbrennen gefährdeten Menschen erhalten soll. Es wird darauf hingewiesen, dass auf eine Beschreibung der gängigsten Messinstrumente eines Burnout, wie der MBI (Maslach Burnout Inventory) oder die Überdrussskala von PINES, ARONSON & KAFRY, aufgrund des Umfangs verzichtet wird. Zum Abschluss folgen eine Zusammenfassung der Erkenntnisse und ein studiendidaktischer Ausblick.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Spezifikation des Burnout 3
1.1 Begriffsdefinition und Geschichte 4
1.1.1 Definition von Burnout 4
1.1.2 Begriffskarriere 6
1.1.3 Zusammenfassung 7
1.2 Symptomatik 8
1.2.1 Kategorien 8
1.2.2 Abgrenzung und Parallelen zu anliegenden Forschungsgebieten 10
1.2.3 Folgen eines Burnout 12
1.2.4 Zusammenfassung 13
1.3 Verlauf 13
1.3.1 Das Verlaufsmodell von Freudenberger & North 14
1.3.2 Zusammenfassung 17
1.4 Ergebnisse 18
2. Ursachen und Erklärungsansätze 19
2.1 Persönlichkeitszentrierter Ansatz 19
2.1.1 Helferansatz 19
2.1.2 Frustration durch Arbeitsbedingungen 22
2.1.2.1 Arbeitsbedingungen 22
2.1.2.2 Motivationslage 24
2.1.2.3 Belastung durch das Team 25
2.1.2.4 Belastung durch die Institution 25
2.1.3 Zusammenfassung 26
2.2 Sozial-, Arbeits- und Organisationspsychologischer Ansatz 27
2.2.1 Der Ansatz von Pines, Aronson & Kafry 27
2.2.1.1 Überlastung 29
2.2.1.2 Mangel an Autonomie 29
2.2.1.3 Mangel an Belohnung 30
2.2.2 Gesellschaftlicher Ansatz 31
2.2.3 Zusammenfassung 33
2.3 Ergebnisse 34
3. Handlungsansätze 35
3.1 Professionalität und Selbstreflexion 36
3.1.1 Achtsamkeit 38
3.1.2 Salutogenese 39
3.1.3 Zusammenfassung 41
3.2 Institutionelles Handeln 41
3.2.1 Supervision 41
3.2.2 Fort- und Weiterbildung 43
3.2.3 Zusammenfassung 45
3.3 Soziale Unterstützung 45
3.3.1 Funktionen sozialer Unterstützungssysteme 46
3.3.2 Umgang mit Lob und Kritik 49
3.3.3 Zusammenfassung 50
4. Zusammenfassung der Erkenntnisse 51
5. Abstract 53
6. Literaturverzeichnis 54
7. Abkürzungsverzeichnis 57
8. Erklärung 58

Textprobe:

Kapitel 2, Ursachen und Erklärungsansätze:

Jeder Prozess besitzt einen ursächlichen Auslöser. Es liegt demnach nahe, dass auch die Chronologie des Burnout eine solche Kausalität besitzt und bei den betroffenen Menschen die bereits beschriebenen Symptome bewirken kann. Im folgenden Kapitel werden diese Ursachen auf wissenschaftliche Erklärungsansätze bezogen. Dabei existiert der Persönlichkeitszentrierte Ansatz mit seinen Vertretern FREUDENBERGER und EDELWICH & BRODSKY und der Sozial-, Arbeits-, und Organisationspsychologische Ansatz von PINES et al. und MASLACH & JACKSON. Der Persönlichkeitszentrierte Ansatz hinterfragt die individuellen Ursachen eines Burnout und der Sozial-, Arbeits-, Organisationspsychologische Ansatz die gesellschaftlichen und organisationstypischen Ursprünge der Symptomatik Burnout.

2.1, Persönlichkeitszentrierter Ansatz:

Es existieren im individuenzentrierten Ansatz verschiedene Eigenschaften, welche in ihren Ausprägungen zu einem Burnout führen können. Dabei steht die Persönlichkeit des helfenden Menschen im Vordergrund (vgl. Urach 2007, S. 37) sowie das Streben um berufliche Ziele (vgl. Wagner 1993, S. 18). Umweltbedingte Einflüsse werden ausgeblendet und durch FREUDENBERGER die gesteigerte Helfermotivation des Betroffenen als Ursache der Burnoutgefährdung betont (vgl. Hedderich 2009, S. 28). Dabei wird der Helferansatz genannt, welcher besonders in den betreuenden Berufsfeldern auftritt.

2.1.1, Helferansatz:

In der Ausprägung des Helferansatzes besteht häufig eine Diskrepanz zwischen Helferideal und der beruflichen Wirklichkeit (vgl. Poulsen 2009, S. 17). Daraus resultiert ein Über-Engagement des Helfenden als Ausgleichsoption zwischen beiden Ebenen. Es stellt sich dabei die Frage, mit welcher Motivation Berufstätige in der Sozialen Arbeit ihrem Handlungsauftrag gerecht werden wollen. Was ist der Auftrag der Sozialen Arbeit und was macht Soziale Arbeit aus? ENZMANN & KLEIBER sehen den Auftrag in der Personenbezogenheit und im lösungsorientierten Ansatz (vgl. Enzmann & Kleiber 1989, S. 15). Die Beziehung zum Klienten ist dabei für eine erfolgreiche Arbeit von entscheidender Bedeutung. Die Hilfeempfänger sind nach ENZMANN & KLEIBER aus Sicht der handelnden Institutionen nicht in der Lage, eigene Problematiken selbstständig zu lösen und benötigen dabei Unterstützung (vgl. ebd., S. 15). ENZMANN & KLEIBER sehen diesen Hintergrund von Sozialer Arbeit jedoch auch als Selbsterhaltungszweck sozialer Institutionen und Helfen als selbstverständliches und alltägliches Handeln (vgl. ebd., S. 15). Es ist zu klären, ab wann dieses Wirken einen professionellen Charakter besitzt. Diese Frage lässt sich durch die Festlegung institutionellen Handelns als professionelle Arbeit beantworten. Die Form der Unterstützung sollte dabei immer Hilfe zur Selbsthilfe beinhalten und eine eigenständige Befähigung zu lösungsorientiertem Handeln sein. Das Wirken gegen die verschiedenen lebensweltlichen Problematiken der Hilfeempfänger erfordert viel Kraft und Einsatz und bedingt oftmals eine falsche Belohnungserwartung, die sich sowohl finanziell durch nur mäßige Entlohnung als auch emotional durch ein oftmals fehlendes Feedback offenbaren kann. Zusätzlich spielt in diesem Zusammenhang das geringe gesellschaftliche Prestige sozialer Berufe gegenüber Tätigkeiten in der freien Wirtschaft eine Rolle (vgl. Wagner 1993, S. 23). Gleichzeitig leidet das eigene Selbstwertgefühl unter der Differenz zwischen Erwartung und Belohnung (vgl. Quernheim 2010, S. 7). Gefährdete des Ausgebranntseins sehen die eigenen Unzulänglichkeiten als Ursache des Burnout (vgl. Reiners-Kröncke, Röhrig & Specht 2010, S. 28). Die Folge dieser Einstellung ist eine mechanische und emotional distanzierte Ausführung beruflicher Aufgaben (vgl. ebd., S. 29). RICHTER & HACKER erforschten den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen wie den eigenen Unzulänglichkeiten und der Burnoutgefährdung (vgl. Richter & Hacker 1998, S. 149). Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Burnout besonders in der finalen Berufsorientierung präsent sei; also der Ausführung beruflicher Tätigkeiten ‘[…] um seiner Aufgabe und Inhalte wegen […]’ (ebd., S. 149). Diese Handlung aus einer bestimmten Motivation heraus steht der instrumentellen Berufsorientierung, welche die Aktivitäten aus einer rationalen und funktionellen Sichtweise betrachtet, gegenüber (vgl. ebd., S. 149). Das selbstlose Helferverhalten, welches sich in dieser ersteren Arbeitsmotivation ausdrückt, wird als Helfersyndrom bezeichnet. Dazu existieren Ausführungen von SCHMIDBAUER (2004) und FENGLER (2001), welche bedeutende Kritiker dieser Theorie darstellen. SCHMIDBAUER sieht das Helfersyndrom ursächlich in der elterlichen Erziehung und in der Vermittlung ideeller Werte, die ihrerseits später von den Kindern in der beruflichen Tätigkeit weitergeben werden, um das Gegenüber (Klient) zu einem ebenbildlichen Menschen zu entwickeln (vgl. Schmidbauer 2004, S. 14). Er kritisiert, dass die schlechten persönlichen Eigenschaften verneint und durch das Helfen behoben werden sollen (vgl. ebd., S. 15). Aus dieser Haltung resultiert eine fehlende Akzeptanz für die Fehler des Klienten, da besonders die eigenen Schwächen nicht anerkannt werden. Daraus entstehe eine nicht vorhandene Wirksamkeit des eigenen beruflichen Handelns, da der Klient sich nicht nach persönlichen Vorstellungen instrumentalisieren lässt. In diesem Handeln besteht der Wunsch, weltliche Wirklichkeiten zu verbessern und schließt oftmals auch das Ziel der Selbstverwirklichung mit ein (vgl. Burisch 2010, S. 10). FENGLER sieht - ähnlich wie bei der Begrifflichkeit Burnout - eine inflationäre Nutzung des Begriffs Helfersyndrom (vgl. Fengler 2001, S. 37). Dieser beschreibt zunehmend neben einer zwanghaften Ausprägung auch das alltägliche Helfen und wird durch diese dargestellte Begriffsdiskussion häufig negativ assoziiert (vgl. ebd., S. 37). Der Helfer ist nach FENGLER nicht so hilflos, wie er durch SCHMIDBAUER in seinem Werk ‘Der Hilflose Helfer’ (2004) charakterisiert wird sondern bekommt sein eigenes Handeln durch das Klientel gespiegelt und sollte durch seine in der Ausbildung erworbenen Fähigkeiten mit dieser Situation umgehen können. FENGLER nennt dabei hilfreiche Unterstützungsinstrumente wie Supervision, Therapie und Beratung (vgl. Fengler 2001, S. 38).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass beim Helferansatz die Persönlichkeit des vom Burnout gefährdeten Menschen im Mittelpunkt der ursächlichen Betrachtung des Ausgebranntseins steht. Aus diesem Grund wird dies als Persönlichkeitszentrierter Ansatz bezeichnet. Es wird in der Fähigkeit, eigene Ansprüche umzusetzen, zwischen dem Helferideal und der realen Wirklichkeit unterschieden. Burnout entsteht in diesem Zwiespalt der falschen Belohnungserwartung aus dem Helfen heraus.

Arbeit zitieren:
Singer, Markus Mai 2012: Burnout in der Sozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Burnout, Soziale Arbeit, Ausgebrannt, Syndrom, Symptom

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