Der Bürgerhaushalt als Ausweg aus der Schuldenfalle?
Porto Alegre: Chance für Berlin
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christian Zimmer
- Abgabedatum: Juni 2003
- Umfang: 131 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8083-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8083-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8083-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Zimmer, Christian Juni 2003: Der Bürgerhaushalt als Ausweg aus der Schuldenfalle?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Partizipative Demokratie, Direkte Demokratie, Beteiligungsmodell, Partizipatorischer Haushalt, Öffentlicher Haushalt
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Diplomarbeit von Christian Zimmer
Einleitung:
Im Rahmen meiner Arbeit untersuche ich, inwieweit ein partizipatives Haushaltsmodell zur Besserung der Haushaltslage in deutschen Kommunen beitragen kann. Dabei stelle ich zwei Fälle gegenüber, anhand derer ich die Übertragung eines bereits erfolgreichen partizipativen Modells auf eine Stadt mit stark defizitärem Haushalt analysiere.
Auf der einen Seite steht die südbrasilianische Metropole Porto Alegre, wo bereits seit vierzehn Jahren ein partizipatives Haushaltsmodell erfolgreich angewandt wird, um u.a. die dortige Haushaltsmiesere zu bekämpfen. Auf der anderen Seite Berlin, wo die Einführung eines solchen Modells von verschiedenen Initiativen angestrebt wird.
Es stellt sich dabei die grundlegende Frage, ob ein auf die Grundprinzipien reduziertes Modell aus Porto Alegre in Berlin anwendbar ist und es dort zu einer Verbesserung der finanzpolitischen Situation führen kann. Die Frage nach der Übertragbarkeit des Modells von Porto Alegre wird bei den bisherigen Beschreibungen und Untersuchungen oft theoretisch diskutiert, ohne jedoch an einem konkreten Fallbeispiel detailliert durchgespielt worden zu sein.
Es geht in der Untersuchung darum, an einem Beispiel zu zeigen, dass eine Übertragung prinzipiell möglich ist und mit großer Wahrscheinlichkeit die beschriebenen positiven Effekte nach sich ziehen wird. Laut Wehling und Kost hängt dies von mehreren Faktoren ab: ein starker politischer Wille, weitreichende Strategien und starke Impulse von Außen gelten als entscheidende Umstände für die tatsächliche Implementierung eines überlegenen Problemlösungssystems. Die genannten Faktoren ergeben sich aus der Tendenz zur Beibehaltung des status quo in etablierten Systemen. Diese Tendenz zum status quo wiederum resultieren aus der Tatsache, dass die systemtragenden Personen, Parteien, Verbände und Interessengruppen auf Grund der gegebenen Institutionen in ihre Position gekommen sind und Veränderungen diese Position gefährden könnten. Folgt man dieser Argumentation, so sind bei der Umsetzung des Bürgerhaushaltes in Berlin schwerwiegende Hemmnisse zu erwarten, da ein partizipatives Politikmodell die bisherigen Entscheidungsstrukturen in Frage stellt.
Ob die notwendigen Faktoren – äußere Impulse, geeignete Konzepte und politischer Wille in ausreichendem Maße vorhanden sind, stellte sich im Zuge meiner Untersuchungen und der Arbeit von Berliner Initiativen zur Einführung eines Bürgerhaushalts heraus.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Legitimationskrise der Demokratie und öffentliche Verschuldung | 6 |
| 1.1 | Legitimationskrise der Demokratie | 6 |
| 1.1.1 | Legitimationskrise durch Steuerungsverlust | 7 |
| 1.1.2 | Legitimationskrise durch Erosion des demokratischen Inputs | 9 |
| 1.1.3 | Legitimationskrise durch gesellschaftliche Modernisierung | 9 |
| 1.1.4 | Mit partizipatorischer Demokratie aus der Legitimationskrise | 12 |
| 1.2 | Problematik der öffentlichen Verschuldung | 14 |
| 1.2.1 | Haushaltslage in Deutschland | 14 |
| 1.2.1.1 | Ausmaß der Verschuldung | 15 |
| 1.2.1.2 | Wirkung von Staatsverschuldung | 16 |
| 1.2.1.3 | Die Schuldenfalle | 18 |
| 1.2.1.4 | Wege zur Schuldenbegrenzung | 20 |
| 1.2.1.5 | Gründe für Verschuldung | 22 |
| 1.2.2 | Neue Lösungsansätze | 26 |
| 1.2.2.1 | Aktive Versuche der Haushaltskonsolidierung | 26 |
| 1.2.2.2 | Reformen auf kommunaler Ebene | 27 |
| 1.2.2.3 | Neue Steuerungsmodelle und New Public Management | 29 |
| 1.2.2.4 | Von Binnenmodernisierung zur Staatsreform | 31 |
| 2. | Der Bürgerhaushalt von Porto Alegre und seine Übertragbarkeit | 34 |
| 2.1. | Die Wurzeln des Bürgerhaushaltes | 35 |
| 2.2. | Funktionsweise des Bürgerhaushaltes in Porto Alegre | 40 |
| 2.3 | Erfolge und Verbreitung | 49 |
| 2.4 | Rahmenbedingungen zur Übertragung | 51 |
| 2.4.1 | Rahmenbedingungen am Beispiel Porto Alegre | 53 |
| 2.4.2 | Rahmenbedingungen in Berlin | 55 |
| 2.5 | Funktionsbedingungen | 62 |
| 3. | Der Bürgerhaushalt Berlin | 63 |
| 3.1. | Haushaltslage | 64 |
| 3.1.1 | Ursachen der Berliner Finanzkrise | 65 |
| 3.2.1 | Lösungsansätze der Parteien | 66 |
| 3.2. | Lösungsansatz Bürgerhaushalt | 66 |
| 3.2.1 | Das Modell der AG Bürgerhaushalt | 67 |
| 3.2.2 | Haushaltsaufstellung der Bezirke als Ausgangspunkt | 69 |
| 3.2.3 | Modellgestaltung | 72 |
| 3.2.3.1 | Die Verfahrensschritte im Einzelnen | 74 |
| 3.2.3.2 | Unterschied zu Porto Alegre | 76 |
| 3.2.4. | Perspektiven zur Umsetzung | 82 |
| 3.3 | Der Bürgerhaushalt als Ausweg aus der Schuldenfalle? | 83 |
| Zusammenfassung und Schlusswort | 86 | |
| I. | Abkürzungsverzeichnis | 88 |
| II. | Literatur- und Quellenverzeichnis | 89 |
| III. | Tabellen und Abbildungen | 96 |
| IV. | Anhang | 97 |
| Anhang 1: Fallbeispiel zum Ablauf des Orçamento Participativo | ||
| Anhang 2: Senatsverwaltung für Finanzen (2003b): Perspektiven |
b) Der konkrete Prozess: Regionale Versammlungen, thematische Versammlungen und die vier Momente des Orçamento Participativo Die Mitbestimmung im Orçamento Participativo hat drei Quellen, aus denen dem Prozess zugearbeitet wird. Zwei der drei Quellen werden von der Bürgerschaft gebildet. Es handelt sich hierbei um die Bürgerversammlungen. Auf dieser untersten Stufe der Bürgerorganisation werden öffentliche Treffen abgehalten, an denen jeder Bewohner aktiv teilnehmen kann. Dort wird über Prioritäten und Projekte für den nächsten Investitionshaushalt diskutiert. Die Treffen sind in je eine Versammlung pro Stadtregion und fünf thematische Versammlungen141 unterteilt. Die Stadt ist gemäß eigens geschaffener sozio-öknomischer Kriterien in 16 Regionen für regionale Versammlungen, der ersten Input-Quelle, aufgeteilt. Damit ist gewährleistet, dass die Teilnehmer den direkten Bezug zu Projekten in ihrer Nähe haben und alle lokalen Bedürfnisse angemessen berücksichtigt werden können. In den Versammlungen werden konkrete Investitionsprojekte vorgestellt und diskutiert sowie generelle Prioritäten für die zukünftige Entwicklung der Region gesetzt. Am Ende der [...]
und der Begleitung der Ausführung des Mehrjahresplanes, der Haushaltsrichtlinien und des jährlichen Haushaltes zu garantieren.“ (L.O.M. Porto Alegres, 1990)139. Diese Verfassungsnorm legt die Grundlage des Bürgerhaushaltes fest, ohne die Umsetzung näher zu bestimmen. Man sollte annehmen, dass diese dann in der kommunalen Gesetzgebung zu finden sei. Der Bürgerhaushalt ist als Prozess jedoch nicht gesetzlich verankert. Er besteht vielmehr in einer informellen Übereinkunft über das Verfahren, die zwar in dessen Geschäftsordnung (Regimento Interno) niedergeschrieben ist, aber keine Gesetzeskraft hat. Der angesprochene erste Artikel der Kommunalverfassung ist durch die Bestimmungen der Bundesverfassung gedeckt. Zu nennen ist hier unter anderem der Artikel 29, Abschnitt X, in dem festgelegt wird, „dass die "Mitarbeit repräsentativer Verbände bei der Planung im Munizipium" zu beachten ist.“140 Die Organe des Orçamento Participativo stellen im konkreten Fall Porto Alegres repräsentative Verbände dar, in denen gemäß der Kommunalverfassung die Mitarbeit der Einwohnerschaft garantiert wird. [...]
a) Der rechtliche Rahmen: Das Verfahren des Orçamento Participativo wurde den Vorgaben aus der brasilianischen Verfassung angepasst. Brasilien ist in drei politisch administrative Ebenen unterteilt: die bundesstaatliche Ebene, die einzelstaatliche Ebene sowie die Munizipien als unterste Ebene. Diese Aufteilung ist dem deutschen Föderalismus mit seiner Gliederung in Bund, Länder und Gemeinden durchaus vergleichbar. Die neue Brasilianische Verfassung von 1989 räumte den Städten weitreichende Eigenständigkeit ein, um die vorher herrschende Zentralisierung zu konterkarieren. Sie geben sich auf dieser Grundlage unter Maßgabe der Bundesverfassung eigene Kommunalverfassungen, die sogenannten Leis Orgânicas dos Municípios. Diese weitgehende gesetzgeberische Eigenständigkeit ermöglichte es der Regierung Porto Alegres die jährliche Haushaltsaufstellung in die Hände der Bürger zu legen. So heißt es im ersten Artikel der Kommunalverfassung Porto Alegres: „Ausgehend von den Regionen des Munizipiums ist die Beteiligung der Einwohnerschaft in den Phasen der Ausarbeitung, Bestimmung [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832480837
Arbeit zitieren:
Zimmer, Christian Juni 2003: Der Bürgerhaushalt als Ausweg aus der Schuldenfalle?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Partizipative Demokratie, Direkte Demokratie, Beteiligungsmodell, Partizipatorischer Haushalt, Öffentlicher Haushalt



