Bündnis für Arbeit - ein korporatistisches Konzept?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Armin Wiesler
- Abgabedatum: September 1999
- Umfang: 69 Seiten
- Dateigröße: 520,5 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2272-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2272-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2272-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wiesler, Armin September 1999: Bündnis für Arbeit - ein korporatistisches Konzept?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Arbeitslosigkeit, Kollektives Handeln, Rolle von Verbänden, Arbeitsmarkt, Bündnis für Arbeit
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Diplomarbeit von Armin Wiesler
Einleitung:
Nach dem Regierungswechsel des Jahres 1998 kam es in Deutschland zu einer Neuauflage des Bündnisses für Arbeit. Das Bündnis für Arbeit stellt einen Versuch dar, durch die Beteiligung von Verbänden das drückende Problem der anhaltenden hohen Arbeitslosigkeit, insbesondere in den neuen Bundesländern, zu bekämpfen. Durch derartige Bündnisse kommt den Verbänden, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer organisiert sind, eine besondere Bedeutung zu.
Zusammenfassung:
Nach einer Übersicht über die Entwicklung des Bündnisses für Arbeit, dessen Wurzeln in der Konzertierten Aktion des Jahres 1967 zu suchen sind, werden Vor- und Nachteile, die auftreten, wenn der Staat mit Verbänden in Verhandlungen eintritt, analysiert. Die Rolle der Verbände des Arbeitsmarktes, ihre Legitimation, ihre Interessen und ihre Ziele sind zentraler Bestandteil der vorliegenden Arbeit. Unterschiedliche Ursachen der Arbeitslosigkeit werden erläutert und Möglichkeiten zu ihrer Bekämpfung skizziert. Hierbei wird die Frage aufgeworfen, ob kooperative oder wettbewerbliche Lösungen zur Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt besser geeignet sind. Neben empirischen Untersuchungen werden auch die Erfahrungen unserer Nachbarländern, beispielsweise Holland, berücksichtigt. Die Rolle von Tarifautonomie und Einbeziehung des Staates in zentrale Verhandlungen werden ebenso hinterfragt wie die zunehmende Verbandsflucht, welche besonders den Gewerkschaften zu schaffen macht. Die Arbeit schließt mit einer Analyse der Erfolgschancen des Bündnisses für Arbeit auf nationaler Ebene und einem Ausblick auf die Ansätze einer europäischen Beschäftigungspolitik.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 2. | Begriffsbestimmungen | 2 |
| 2.1 | Das Bündnis für Arbeit | 2 |
| 2.1.1 | Verschiedene Ebenen des Bündnisses für Arbeit | 2 |
| 2.1.2 | Die Konzertierte Aktion | 4 |
| 2.1.3 | Das Bündnis für Arbeit und zur Standortsicherung | 5 |
| 2.1.4 | Das Bündnis für Arbeit Ost | 7 |
| 2.1.5 | Das Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit | 8 |
| 2.2 | Korporatismus | 10 |
| 2.2.1 | Die historische Perspektive | 10 |
| 2.2.2 | Die Korporatismusdiskussion | 11 |
| 2.2.3 | Eine wirtschaftspolitische Definition | 12 |
| 3. | Kooperation statt Konflikt | 14 |
| 3.1 | Die korporatistische Hypothese | 14 |
| 3.2 | Bessere Zielerreichung durch koordinierte Abstimmung | 15 |
| 3.2.1 | Die Aufgaben der einzelnen Politikbereiche | 15 |
| 3.2.2 | Effiziente Arbeitsverträge | 20 |
| 3.3 | Spieltheoretische Überlegungen | 22 |
| 3.4 | Der Erfolg korporatistischer Systeme | 25 |
| 4. | Wettbewerb statt Kooperation | 28 |
| 4.1 | Die liberal-pluralistische Hypothese | 28 |
| 4.2 | Probleme korporatistischer Lösungen | 29 |
| 4.2.1 | Das Interessenproblem | 29 |
| 4.2.2 | Das Wissensproblem | 32 |
| 4.2.3 | Die Rolle der Verbände | 33 |
| 4.3 | Einigung auf Kosten Dritter | 36 |
| 4.4 | Die fragwürdige Überlegenheit korporatistischer Systeme | 38 |
| 5. | Synthese | 40 |
| 5.1 | Das Bündnis für Arbeit als korporatistisches Konzept | 40 |
| 5.2 | Die Stellung der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände | 40 |
| 5.3 | Die besondere Problematik in den neuen Bundesländern | 43 |
| 5.4 | Die Rolle der Tarifautonomie | 46 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 48 |
| Literaturverzeichnis | IV |
Kosten des jeweils anderen einen maximalen Nutzen zu erzielen.93 Da die Spieler immer wieder aufeinander treffen, beeinflussen ihre gegenwärtigen Entscheidungen auch zukünftige Entscheidungen. Wechselseitige Kooperation führt zu besseren Ergebnissen als wechselseitige Defektion, so daß eine Strategie der Kooperation längerfristig vorgezogen wird. Mehrfache Treffen können zum Aufbau einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens beitragen. Diese Überlegungen erklären, warum das Bündnis für Arbeit nicht ein einmaliges Treffen, sondern eine auf Dauer angelegte Zusammenarbeit sein soll.94 Im Gegensatz zur Gefangenendilemma-Situation ist beim Battle of the SexesSpiel die Wahl einer kooperativen Strategie einer nicht kooperativen auch bei einmaligem Spiel überlegen. Allerdings gibt es zwei kooperative Lösungen, wovon die eine Lösung dem ersten Spieler und die andere Lösung dem zweiten Spieler einen relativen Vorteil verschafft, wie die Auszahlungsmatrix in Abbildung 1 zeigt.95 Das Battle of the Sexes-Spiel läßt sich als Situation erklären, bei der ein Ehepaar zusammen ausgehen möchte, wobei der Mann allerdings lieber zu einem Fußballspiel und die Frau lieber in die Oper gehen möchte. Da beide einen gemeinsamen Abend auf jeden Fall vorziehen, stellt sich die Frage, für welche Alternative sie sich entscheiden.96 Diese Situation ist auf eine Reihe realer Gegebenheiten anwendbar. Wichtige positive Ergebnisse hängen von der Fähigkeit ab zu kooperieren, aber die Kooperation ist bedroht durch die Wahl einer kooperativen Lösung, welche den Verhandlungspartnern nicht denselben Vorteil erbringt. Bei wiederholten Verhandlungen ist zwar offensichtlich, daß eine Strategie der Kooperation für beide Parteien zu besseren Ergebnissen führt, dennoch besteht die Gefahr, daß sich eine Verhandlungsseite dauerhaft ausgenützt fühlt. Daher wird möglicherweise der Spieler, der [...]
Beim Gefangenendilemma hat jeder Spielakteur die Möglichkeit zu kooperieren oder nicht zu kooperieren, wobei Nichtkooperation als Defektion bezeichnet wird. Wie die Auszahlungsmatrix zeigt, ist es vorteilhaft zu defektieren, wenn man annimmt, auch der andere werde defektieren. Dasselbe gilt auch, wenn man annimmt, der Partner werde kooperieren, da man sich durch Nichtkooperation auf dessen Kosten besser stellen kann.90 Daher ist, unabhängig von der Wahl des anderen, Defektion die dominante Strategie. Weil beide Spieler ihr Eigeninteresse verfolgen, wählen sie die kollektiv schlechteste Lösung.91 Der beschriebene Zusammenhang ist ein Problem bei Absprachen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. Wenn man z.B. Verhandlungen über die Schaffung zusätzlicher Beschäftigung betrachtet, kann es für die Unternehmer durchaus rational sein, trotz gewerkschaftlicher Lohnmäßigung keine zusätzlichen Arbeitsplätze bereitzustellen. Andererseits besteht für die Gewerkschaften ein Anreiz, zugesagte Lohnzurückhaltung nicht einzuhalten, wenn die Arbeitgeber durch Neueinstellungen in Vorleistung gegangen sind.92 Lösungsvorschläge dieses Problems sind durchaus vorhanden. Bei der beschriebenen Spielsituation wurde nämlich zugrunde gelegt, daß nur eine vorherbestimmte Anzahl an Durchgängen oder im Extremfall nur ein einziges Mal gespielt würde. Wenn das Spiel jedoch unbestimmt wiederholt wird, sinkt die Verlockung, auf [...]
gerung zum Abbau der Arbeitslosigkeit beitragen. Der einzelne Arbeitnehmer erhält zwar weniger Lohn als er bei einer ausschließlichen Lohnverhandlung erzielt hätte, gleichzeitig aber steigt die Zahl der Lohnempfänger an. Daher muß die gesamtwirtschaftliche Lohnsumme und dadurch die Kaufkraft bei dieser Art der Vereinbarung nicht zurückgehen.85 Während der Vorschlag effizienter Arbeitsverträge beim Bündnis für Arbeit und zur Standortsicherung noch ernsthaft diskutiert wurde, spielt er beim Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit allenfalls eine untergeordnete Rolle. Die Gewerkschaften waren bisher nicht bereit, über Löhne zu verhandeln, und auch die Arbeitgebervertreter boten bislang keine Beschäftigungsgarantien an.86 Doch nicht nur arbeitsmarkttheoretische Erwägungen sprechen für eine Zusammenarbeit von Vertretern der Politik und den Tarifpartnern. Auch spieltheoretisch sind kooperative Verhandlungen einer Strategie des Konflikts überlegen. 3.3. Spieltheoretische Überlegungen Strategisches Verhalten der einzelnen Wirtschaftssubjekte spielt in vielen ökonomischen Bereichen eine entscheidende Rolle. Eine spieltheoretische Analyse hat hierbei zwei Aufgaben zu erfüllen. Einerseits sollte die zugrunde liegende Situation als Spiel modelliert werden, und andererseits sollte aufgezeigt werden, welches Ergebnis des Spiels bei rationalem Verhalten der Spielakteure zu erwarten ist.87 Zur Modellierung eines Spiels, das die Verhandlungen zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften verkörpern soll,88 werden in der Literatur überwiegend zwei Spielsituationen verwendet: Das „Gefangenendilemma“ und das „Battle of the Sexes“-Spiel.89 Abbildung 1 zeigt mögliche Auszahlungsmatrizen beider Spiele. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832422721
Arbeit zitieren:
Wiesler, Armin September 1999: Bündnis für Arbeit - ein korporatistisches Konzept?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Arbeitslosigkeit, Kollektives Handeln, Rolle von Verbänden, Arbeitsmarkt, Bündnis für Arbeit



