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Buchsprachlichkeit und Endungsbetonung

Zur Betonung der Verben auf -it im Russischen

Buchsprachlichkeit und Endungsbetonung
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Ulrich Müller
  • Abgabedatum: April 1999
  • Umfang: 137 Seiten
  • Dateigröße: 716,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6605-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Müller, Ulrich April 1999: Buchsprachlichkeit und Endungsbetonung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sprachwissenschaft, Russistik, Sprachwandel, Slavistik

Magisterarbeit von Ulrich Müller

Einleitung:

Die Arbeit befasst sich mit einem Teilaspekt der russischen Betonung, der von einem anhaltenden Wandel gekennzeichnet ist und sich daher der Beschreibung mit eindeutigen Regeln entzieht. Die in Bezug auf das gesamte russische Verbalsystem nicht produktive Wechselbetonung breitet sich in der Gruppe der Verben, die im Infinitiv die Endung –it’ haben, auf Kosten der Endungsbetonung aus. Diese Entwicklung ist aber nicht so weit fortgeschritten, dass sie eine zuverlässige Aussage ermöglicht. Nach wie vor bewahren viele Verben die Endungsbetonung. Auffällig ist, dass unter diesen Verben insbesondere solche sind, die bestimmte Merkmale aufweisen, die im Allgemeinen mit dem Kirchenslawischen in Verbindung gebracht werden.

In einer quantitativen Auszählung wird überprüft, wie groß die Übereinstimmung zwischen solchen Merkmalen und Endungsbetonung tatsächlich ist. Die Merkmale werden gemäß der Arbeit von Šachmatov und Shevelov festgelegt. Die zu untersuchenden Verbkorpora werden nach den Wörterbüchern von Zaliznjak, Daum/Schenk und Zasorina zusammengestellt und ihr Betonungsverhalten an Hand verschiedener Wörterbücher in synchroner und diachroner Perspektive analysiert.

Inhaltsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis 3
Abkürzungen 4
1. Einleitung 5
1.1 Die russische Betonung und die Verben auf -it' 5
1.2 Die Worthäufigkeit 9
1.3 Stand der Forschung 12
1.3.1 Die historische Entwicklung 12
1.3.2 Die morphologische Nutzung 15
1.3.3 Die pragmatische Nutzung 20
1.4 Die untersuchten Verbmengen 25
1.4.1 Die buchsprachlichen Verben 25
1.4.2 Die 701 häufigsten Verben 28
1.4.3 Das Partizip Präteritum Passiv 30
2. Die Betonung der buchsprachlichen Verben 32
2.1 Die Lautverbindungen -ra-, -re- und -le- 32
2.2 Buchsprachlicher Stamm 32
2.3 Komposita 33
2.4 Konsonantenwechsel d - D 33
2.5 Konsonantenwechsel T – ŠtŠ 33
2.6 Präfix so- 34
2.7 Präfix vo- 34
2.8 Präfix voz-/vos- 34
2.9 Präfix pre- 34
2.10 Präfix pred- 35
2.11 Präfix iz-/is- 35
2.12 Buchsprachliches Imperfektivierungssuffix -a- 35
2.13 Ergebnisse 36
2.13.1 Präsens/Futur 36
2.13.2 Das Partizip Präteritum Passiv 39
3. Die Betonung der 701 häufigsten Verben auf -it' 41
3.1 Die heutigen Akzentverhältnisse der 701 häufigsten Verben 41
3.1.1 Präsens/Futur 41
3.1.2 Das Partizip Präteritum Passiv 42
3.2 Bisheriger Übergang von Endungsbetonung zu Wechselbetonung 43
3.3 Die buchsprachlichen Verben unter den 701 häufigsten 43
3.4 Ergebnisse 44
3.4.1 Präsens/Futur 44
3.4.2 Das Partizip Präteritum Passiv 46
4. Zusammenfassung 47
5. Anhang: Verblisten 52
Vorbemerkungen 52
5.1 Verblisten zu 2. Die Betonung der buchsprachlichen Verben 53
5.1.1 Die Verben mit nicht buchsprachl. Lautverbindung -ra-, -re- und -le- 53
5.1.2 Die Verben mit buchsprachlichem Stamm 54
5.1.3 Die komponierten Verben 56
5.1.4 Die Verben mit buchsprachlichem Konsonantenwechsel d - žd 57
5.1.5 Die Verben mit buchsprachlichem Konsonantenwechsel t – štš 59
5.1.6 Die Verben mit buchsprachlichem Präfix 60
5.1.6.1 Präfix so- 60
5.1.6.2 Präfix vo- 60
5.1.6.3 Präfix voz-/vos- 60
5.1.6.4 Präfix pre- 61
5.1.6.5 Präfix pred- 61
5.1.6.6 Präfix iz-/is- 62
5.1.7 Die Verben mit buchsprachlichem Imperfektivierungssuffix 64
5.1.8 Buchsprachliche und volkssprachliche Verbpaare 77
5.2 Verblisten zu 3. Die Betonung der 701 häufigsten Verben auf -it' 81
5.2.1 Die heutigen Akzentverhältnisse 81
5.2.2 Bisheriger Übergang von Endungsbetonung zu Wechselbetonung 95
5.2.3 Die buchsprachlichen Verben unter den 701 häufigsten 103
5.3 Die buchsprachlichen Verben bei Tornow 110
Literatur 113
Alphabetisches Verzeichnis 120

Automatisiert erstellter Textauszug:

1.4.1. Die buchsprachlichen Verben In der Literatur wird bezüglich der eb Verben auf -ить häufig deren buchsprachlicher Charakter genannt. Die moderne russische Literatursprache ist aus der kirchenslavischen Sprache hervorgegangen, so daß zahlreiche Wörter im Bestand der ersteren Merkmale kirchenslavischen Ursprungs aufweisen. Diese Merkmale ordnen die betreffenden Wörter einer bestimmten Sprachebene, der Ebene der Buchsprache zu. Für Isačenko sind alle Verben kirchenslavischen Ursprungs mit abstrakter Bedeutung eb. Er erwähnt in diesem Zusammenhang buchsprachliche Präfigierung, Lehnübersetzung (руководить von griech. χειραγωγεω '[an der Hand] führen') und die Bewahrung der altbulgarischen Konsonantenwechsel т - щ und д - жд.85 Auch Fedjanina weist Verben mit Konsonantenwechsel т - щ dem eb Typ zu. Sie nennt als Ausnahme nur поглотить.86 Bei Raecke ist ein Hinweis auf die allerdings nicht vollständige Korrelation zwischen der Verwendung des buchsprachlichen Imperfektivierungssuffixes -а- und Endungsbetonung sowie der des volkssprachlichen Suffixes -ива- und Wechselbetonung zu finden. Raecke interpretiert diese Parallele dahin, daß das Imperfektivierungssuffix -ива- Wechselbetonung festigt oder durchzusetzen hilft, während das Imperfektivierungssuffix -a- die Beibehaltung der älteren Endungsbetonung unterstützt. Er verweist dabei auch auf die zeitliche Parallele im Aufkommen der Wechselbetonung und der Bildung von Imperfektiva durch das Suffix -ива-.87 Nach Zaliznjak sind äußere Anzeichen, die fast ausnahmslos auf Endungsbetonung eines Verbes hinweisen, Liquidametathese in der Wurzel (омрачить u.a.) und Konsonantenwechsel т - щ oder д - жд im Paradigma (посетить u.a.). Ferner sieht er Paare wie z. B. возбудит - разбудит als typisch an.88 Kempgen fügt diesen Angaben Zaliznjaks die Verwendung des Imperfektivie- [...]

24 "russischer" ist als die Endungsbetonung.84 Auf Grund der bereits angesprochenen Unterschiede zwischen den Sprechern, den Altersstufen und den jeweiligen Kontexten, in denen ein Wort verwendet wird, läßt es sich im einzelnen kaum entscheiden, ob ein Wort "vertraut" oder "distanziert" ist. Die von Kunert verwendete Einschätzung der Wechselbetonung als "russischer" ist aber von sehr allgemeinem Charakter. Auch die Bewertung eines Wortes als umgangs- und volkssprachlich oder als buchsprachlich kann unter Umständen generell vorgenommen werden. Dafür sind aus der historischen Sprachwissenschaft konkrete, buch- oder volkssprachliche Kennzeichen bekannt. Der Bezug solcher aus der wissenschaftlichen Analyse gewonnener Merkmale zu der individuellen Realität eines Sprechers muß nicht unbedingt gegeben sein. Kunert zweifelt sogar an, daß diese Kriterien dem russischen "Durchschnittssprecher" bekannt sind, daß Unterschiede wie die zwischen горожанин und гражданин oder голова und глава auf Grund der Lexikalisierung dieser Unterschiede (für unseren Bereich möchte ich das Beispiel хоронить хранить anfügen) erkannt werden. Die in der Literatur angesprochene Parallele zwischen diesen in der Analyse aufgestellten Merkmalen und der Verteilung der lebendigen Betonungsmuster läßt aber die Feststellung zu, daß die Unterscheidung von Wörtern nach der Sprachebene, in der sie vorzugsweise verwendet werden, von vielen individuellen Sprechern immer wieder realisiert wird. [...]

23 Markierung, wie sie zwischen den akzentuellen Alternationen einerseits und den grammatischen Beziehungen andererseits besteht.82 Für das Verständnis der russischen Betonung muß nach Shapiro die Funktion, Silben zu markieren, die durch akzentuelle Alternationen erfüllt wird, anerkannt werden. Die historische Entwicklung der russischen Akzentuierung macht dabei den methodischen Rückblick unentbehrlich.83 Shapiro verweist somit auf drei wichtige Aspekte: das Unvermögen rein synchroner Beschreibung, akzentuelle Phänomene zu erklären, geschweige denn vorhersagbar zu machen, die Korrelation zwischen akzentuellen Mustern und grammatischen Kategorien sowie die Möglichkeit, eine Silbe mit Hilfe der Betonung in einer bestimmten Weise zu markieren. Shapiros Überlegungen entsprechen den zu beobachtenden Akzenteigenschaften der Verben auf -ить. Denn die Konkurrenz der beiden Akzentmuster Endungsbetonung und Wechselbetonung ist ohne Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung, ohne Berücksichtigung der Tatsache, daß sie in der Ausprägung beider Akzentmuster entstanden ist, schwer verständlich. Darüber hinaus bedarf natürlich das Überleben beider ebenso einer Erklärung. Hier nun ist Shapiros Verweis auf den familiären Charakter der Wechselbetonung und den unfamiliären der Endungsbetonung außerordentlich interessant. Als typisch für die eb Verben wird sehr häufig auf deren buchsprachlichen Charakter verwiesen, wohingegen die Wechselbetonung der Verben auf -ить der Ebene der Umgangs- bzw. der Volkssprache zugeordnet wird. Wenn mit der Tendenz zur Morphologisierung lediglich die Ausbreitung der Wechselbetonung erklärt wird, so eröffnet sich mit diesem Ansatz eine Möglichkeit, die Konkurrenz beider Akzentmuster zu deuten. Durchaus ähnliche Ansätze verfolgt auch Ilse Kunert, indem sie einerseits auf den Wandel der Sprache verweist und andererseits für die Ausbreitung der Wechselbetonung nicht so sehr deren Morphologisierbarkeit geltend macht, sondern vielmehr den Umstand, daß sie die als typisch russisch empfundene Alternation reduzierter und nicht-reduzierter Vokale lebendig macht, also die Wechselbetonung [...]

Arbeit zitieren:
Müller, Ulrich April 1999: Buchsprachlichkeit und Endungsbetonung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sprachwissenschaft, Russistik, Sprachwandel, Slavistik

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