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Britische Sicherheitspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg

Eine Analyse des Verhaltens Großbritanniens in Krisenfällen und der Verschiebung der sicherheitspolitischen Prioritäten

Britische Sicherheitspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christina Brunnenkamp
  • Abgabedatum: Februar 2000
  • Umfang: 142 Seiten
  • Dateigröße: 1,7 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Passau Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4766-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4766-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4766-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Brunnenkamp, Christina Februar 2000: Britische Sicherheitspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Großbritannien, Kosovokrise, Falklandkrieg, Sicherheitspolitik, Kubakrise

Diplomarbeit von Christina Brunnenkamp

Problemstellung:

Diese Arbeit zeichnet auf der Makroebene die Phasen des Wandels Großbritanniens von der Großmacht zur westlichen Mittelmacht in verschiedenen Konstellationen nach und analysiert dabei auf der Mikroebene schwerpunktmäßig das britische Verhalten in ausgewählten Konfliktfällen. Wie entwickelte sich die britische Sicherheitspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg? Geschah der zu beobachtende Wandel immer nur unter Druck und auf äußere Einflüsse hin oder aus eigenem Antrieb? Gibt es ein krisentypisches Verhalten Großbritanniens, und wenn ja, hat es sich den veränderten Gegebenheiten angepaßt? „Die Frage scheint letztlich zu sein, ob der Mensch und seine Gesellschaften Ziele ihrer eigenen Wahl verfolgen, oder ob ihr Verhalten sich an Zielen orientierte, die ihnen durch Kräfte aufgezwungen werden, welche sich zumeist ihrer Kontrolle entziehen.“ Die Analyse setzt beim Nationalstaat als „Ansammlung von Individuen, Institutionen, Gebräuchen und Verfahrensweisen“ an. Vielfach wird jedoch die Bezeichnung der gesellschaftlichen Entität (Großbritannien) oder ihrer Repräsentanten (Premier-, Außen-, Verteidigungsminister) gebraucht, da in der verwendeten Literatur die im Namen des Staates handelnden Entscheidungseinheiten aufgrund ihres Auftretens nach außen als geschlossene Willenseinheiten nicht immer klar differenziert werden. „Unter dem Blickwinkel einer Betrachtung von der internationalen Politik her scheinen Staaten daher nur durch ihre Repräsentanten auf der internationalen Bühne vertreten.“ Es wurde jedoch darauf geachtet, daß hieraus resultierende Ungenauigkeiten in der Beschreibung die Aussagekraft der Erklärungen nicht vermindern.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in vier Hauptteile (Britische Sicherheits- und Verteidigungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg, während des Kalten Krieges, während des Neuen Kalten Krieges und nach dem Kalten Krieg) und einen Bewertungsteil.

Einer kurzen, allgemeinen Darstellung der Position Großbritanniens in der Weltpolitik zur Erläuterung der weltpolitischen Rahmenbedingungen folgt jeweils die Analyse des Verhaltens Großbritanniens in einem Konflikt im entsprechenden Zeitraum.

Die komplexen globalen Zusammenhänge wurden für die Zwecke dieser Arbeit nach Möglichkeit vereinfacht. Bei der Darstellung der Konstellationen wurden jeweils nur die hauptsächlich beteiligten Staaten oder Staatengruppen aufgeführt, so daß die Umorientierung Großbritanniens sichtbar wird. Im ersten Teil sind dies aufgrund der vollständigen Neuorientierung in einer völlig veränderten Sicherheitsumgebung die USA und die UdSSR, das Commonwealth und Europa. Im zweiten Teil sind letztlich nur die zwei Großmächte von Bedeutung. Im dritten Teil gewinnt Europa zunehmend an Bedeutung und verdrängt schließlich im vierten Teil die UdSSR bzw. Russische Föderation vollständig.

Die exemplarisch gewählten Konflikte zeichnen sich jeweils durch eine besondere Relevanz für Großbritannien in der jeweiligen Zeit aus: die Suez-Krise 1956 als Wendemarke für den Verlust des Weltmachtstatus Großbritanniens, die Kuba-Krise 1962 als Beispiel des begrenzten Einflusses Großbritanniens auf die Hauptakteure der Weltpolitik im Kalten Krieg, der Falkland-Krieg 1982 als Versuch, den verteidigungspolitischen Spielraum noch einmal jenseits von Europa auszudehnen, den Kosovo-Krieg 1999 als ersten Krieg, in dem sich die NATO als Militärbündnis bewähren mußte und in dem britische Politiker als Stimmführer hervortraten.

Diese vier Krisen eignen sich besonders gut für eine Analyse, da sie jeweils recht kurz waren und trotzdem deutlich das Selbstbild und die tatsächliche Position Großbritanniens widerspiegeln. An ihnen läßt sich nicht nur die schwindende Bedeutung Großbritanniens in der Welt zeigen, sondern auch seine Position zu seinem wichtigsten Partner, den USA, und seine Wendung hin zu Europa.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Ziel der Arbeit 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
1.3 Methode 4
1.4 Definitionen: Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik 6
1.4.1 Außenpolitik 7
1.4.2 Sicherheitspolitik 7
1.4.3 Verteidigungspolitik 8
1.5 Politische Denkmuster 8
1.6 Die Akteure der britischen Außenpolitik 10
1.6.1 Die Regierung 11
1.6.2 Das Außenministerium (Foreign and Commonwealth Office) 12
1.6.3 Andere Ministerien 13
1.6.4 Das Parlament 13
1.7 Literatur 14
2. Britische Sicherheitspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1957) 16
2.1 Das politische Umfeld 17
2.1.1 USA 17
2.1.2 Europa 18
2.1.3 UdSSR 20
2.1.4 Commonwealth/Naher Osten 22
2.2 Die Suez-Krise (26.7.-30.11.1956) 24
2.2.1 Die Ereignisse 24
2.2.2 Das Verhalten Großbritanniens 25
2.2.2.1 System und Entscheidung 25
2.2.2.2 Perzeption und Wirklichkeit 31
2.2.2.3 Interesse und Macht 35
2.2.2.4 Kooperation und Konflikt 37
3. Britische Sicherheitspolitik während des Kalten Krieges 42
3.1 Das politische Umfeld 42
3.1.1 USA 42
3.1.2 UdSSR 43
3.2 Die Kuba-Krise (22.-28.10.1962) 44
3.2.1 Die Ereignisse 44
3.2.2 Das Verhalten Großbritanniens 44
3.2.2.1 System und Entscheidung 44
3.2.2.2 Perzeption und Wirklichkeit 47
3.2.2.3 Interesse und Macht 48
3.2.2.4 Kooperation und Konflikt 51
3.3 EXKURS: Britische Sicherheitspolitik 1962-1979 55
3.3.1 USA 55
3.3.2 Europa 55
3.3.3 Commonwealth 56
4. Britische Sicherheitspolitik während des Neuen Kalten Krieges 58
4.1 Das politische Umfeld 59
4.1.1 USA 59
4.1.2 UdSSR 62
4.1.3 Europa 63
4.2 Die Falkland-Krise (2.4.-14.6.1982) 64
4.2.1 Die Ereignisse 64
4.2.2 Das Verhalten Großbritanniens 66
4.2.2.1 System und Entscheidung 66
4.2.2.2 Interesse und Macht 70
4.2.2.3 Perzeption und Wirklichkeit 74
4.2.2.4 Kooperation und Konflikt 76
5. Britische Sicherheitspolitik nach dem Kalten Krieg 80
5.1 Das politische Umfeld 81
5.1.1 USA 81
5.1.2 Europa 83
5.2 Der Kosovo-Krieg (24.3.-10.6.1999) 85
5.2.1 Die Ereignisse 85
5.2.2 Das Verhalten Großbritanniens 86
5.2.2.1 System und Entscheidung 86
5.2.2.2 Perzeption und Wirklichkeit 91
5.2.2.3 Interesse und Macht 92
5.2.2.4 Kooperation und Konflikt 94
6. Synopsis 99
6.1.1 Special Relationship 99
6.1.2 Die Beziehung zu Europa 100
6.1.3 System und Entscheidung 102
6.1.4 Perzeption und Wirklichkeit 104
6.1.5 Interesse und Macht 104
6.1.6 Kooperation und Konflikt 105
7. Schlußbetrachtung 109
Abkürzungsverzeichnis 112
Literaturverzeichnis 113
Monographien und Aufsätze 113
Zeitungsartikel 126
Die Zeit 126
Frankfurter Allgemeine Zeitung 127
Frankfurter Rundschau 127
Neue Zürcher Zeitung 127
Süddeutsche Zeitung 127
The Daily Telegraph (www.telegraph.co.uk) 127
The Economist 128
The Financial Times 128
The Guardian (www.newsunlimited.co.uk) 128
The Times (die Artikel aus 1999/2000 von www.sunday-times.co.uk) 129
The Observer (www.newsunlimited.co.uk) 130
The Spectator (www.spectator.co.uk) 130
Internetseiten 130
Foreign and Commonwealth Office (www.fco.gov.uk) 130
Ministry of Defence (www.mod.uk) 131
Sonstige 131
Abbildungsverzeichnis 132
Eidesstattliche Erklärung 133

Automatisiert erstellter Textauszug:

Macmillan mahnte Kennedy von Anfang an zu Zurückhaltung. Insbesondere äußerte er Bedenken gegen Luftschläge oder eine Invasion: Die Situation in Kuba erforderte seiner Ansicht nach keine solchen Maßnahmen. Zudem befürchtete er, daß die UdSSR im Gegenzug West-Berlin okkupieren würde.202 Auch eine Blockade hielt er für falsch und ihre Legitimität in Friedenszeiten für fraglich. Großbritannien hatte eine Blockade in Friedenszeiten immer als Verletzung der Freiheit der Meere angesehen.203 Trotzdem verteidigte Macmillan in der Öffentlichkeit die amerikanische Handlungsweise: Weil es eine vergleichbare Situation noch nie gegeben habe, habe Kennedy nicht auf standardisierte Lösungswege zurückgreifen können.204 Nicht zuletzt aufgrund Kennedys Ankündigung am 13. September, daß sich die USA bei einer Errichtung von Offensivbasen auf Kuba zu einer Invasion genötigt sähen, sei ein Eingreifen unumgänglich geworden.205 Im Falle amerikanischer Zurückhaltung hätte „keine Garantie Amerikas an die freie Welt noch Wert“206 gehabt. 3.2.2.4.2 Angebot des Abzugs in Europa stationierter Raketen [...]

britischen Regierung abgestimmt; auch nicht die Aufforderung an die militärischen Bereiche der NATO zu erhöhter Alarmbereitschaft.195 Vom entscheidenden Tag der Krise, dem 27. Oktober, ist kein Gespräch zwischen Kennedy und Macmillan überliefert.196 Dennoch übernahm Macmillan nach anfänglicher Verärgerung über die verspätete Information die Beraterrolle und fühlte sich nach eigener Aussage durch die Gespräche mit Kennedy wie „unmittelbar in der Kommandozentrale“.197 In Anbetracht der Tatsache, daß Großbritannien zum Zeitpunkt der Krise neben den zwei Weltmächten die einzige weitere Nuklearmacht war, ist es bemerkenswert, wie wenig es in die Debatten einbezogen wurde, war doch sein Nuklearwaffenarsenal im Verhältnis zur UdSSR etwa so groß, wie das der UdSSR zu dem der USA. Bemerkenswert ist auch, daß niemals zur Diskussion stand, im Austausch gegen einen Abzug auf Kuba die amerikanischen Nuklearwaffen auf britischem Boden abzuziehen.198 In welchem Ausmaß die Special Relationship Großbritannien in der Kuba-Krise Vorteile und damit Einfluß verschaffte, kann nur erahnt werden. Keinesfalls war sie allerdings "verblaßt zu romantischer Erinnerung"199, wie Die Zeit meinte. Zwar erinnerte selbst Ormsby-Gore sich, daß es keine Gelegenheit gegeben habe, bei der London einen Einfluß auf die Entscheidungen in Washington gehabt habe. London habe immer nur eine bestätigende Rolle gespielt.200 Unbestreitbar ist jedoch, daß Ormsby-Gore und Macmillan die Veröffentlichung der Fotos erwirkten und Macmillan seinen Willen durchsetzen konnte, von einer Erhöhung der Alarmbereitschaft der NATO-Streitkräfte in Europa abzusehen.201 [...]

Katastrophe. Großbritannien war insofern stärker involviert als die anderen westeuropäischen Staaten, als dort seit 1948 eine große Anzahl amerikanischer strategischer Bomber und seit 1960 ein amerikanisches Polaris-U-Boot stationiert waren. Diese Ansammlung amerikanischer strategischer Waffen auf britischem Territorium wären für die UdSSR Grund genug gewesen, im Falle eines Krieges mit den USA zuerst Großbritannien anzugreifen. Die Existenz britischer Nuklearraketen erhöhte dieses Risiko.189 Zudem wäre die Royal Air Force im Falle eines sowjetischen Angriffes unter den NATO-Luftwaffen als erstes eingesetzt worden und stellte somit eine Bedrohung der sowjetischen Frühwarnsysteme und strategischen Luftstützpunkte dar.190 Ein weiteres Interesse der britischen Regierung an einer schnellen Beilegung des Konflikts ergab sich aus dem Druck britischer Schiffseigner, deren Schiffe von sowjetischen Kunden zum Transport nicht-militärischer Güter nach Kuba gechartert worden waren. Sie forderten von der Regierung, Druck auf Kennedy auszuüben, daß diese Schiffe bei der Blockade nicht durchsucht würden. In der Folge bezichtigte die US-Presse die britische Regierung des Opportunismus, die Freiheit der Meere nur als Vorwand einzusetzen.191 3.2.2.3.2 Macht [...]

Arbeit zitieren:
Brunnenkamp, Christina Februar 2000: Britische Sicherheitspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Großbritannien, Kosovokrise, Falklandkrieg, Sicherheitspolitik, Kubakrise

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