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Bringt Netzpiraterie die Flaggschiffe der Musikindustrie zum Versinken?

Bringt Netzpiraterie die Flaggschiffe der Musikindustrie zum Versinken?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Steindl
  • Abgabedatum: Juni 2005
  • Umfang: 130 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule St. Pölten Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8922-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8922-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8922-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Steindl, Thomas Juni 2005: Bringt Netzpiraterie die Flaggschiffe der Musikindustrie zum Versinken?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Musik, Musiktauschbörsen, Peer, Musik-Downloads, Digital Rights Management

Diplomarbeit von Thomas Steindl

Einleitung:

Die letzten Jahre verliefen alles andere als positiv für die Musikbranche. Hat man das Phänomen MP3 und die Möglichkeit diese über das Internet zu tauschen, anfänglich belächelt, ja ignoriert, musste man sich schnell eingestehen mit dem Problem so leicht nicht fertig zu werden. Mit den gescheiterten Kopierschutzmaßnahmen wurde dies deutlich bewiesen.

Dass jedoch das illegale Downloaden nur zum Teil für die schlechten Wirtschaftsdaten verantwortlich gemacht werden kann und grobe Fehler in den eigenen Reihen, wie das Missachten der Konsumentenwünsche, Versäumnisse bei Künstleraufbau und inhaltlose Programmierung/Formatierung der Musikkanäle Fernsehen und Radio über Jahre, gemacht wurden, mussten sich die bislang Erfolgsverwöhnten Manager ebenfalls eingestehen.

Die daraus resultierenden Entwicklungen teilen sich in solche, die die Digital Rights Management Systeme befürworten (Content-Industrie) und solche, die diese strikt ablehnen (Kulturflatrate, Creative Commons). Die Lösung liegt wohl irgendwo dazwischen. Durch das Aufstellen eines theoretischen Modells für die erfolgreiche Umsetzung digitaler Inhalte, soll der Versuch gewagt werden, einen möglichen Lösungsansatz dazu aufzuzeigen.

Bislang gibt es weltweit über 250 verschiedene Online-Dienste mit mehr oder weniger guten Ansätzen dazu. Einige der interessantesten wie Weed, Snocap, Peer Impact oder Motor FM werden beleuchtet und auf deren Vor- und Nachteile eingegangen.

Tatsache ist, dass das bisherige – auf Tonträgern basierende – Geschäftsmodell ausgedient hat und es bislang auch noch kein vollkommen ausgereiftes und etabliertes Modell gibt. Mit anderen Worten ist eine neue Ära für die Musikindustrie nicht nur angebrochen, sondern sie befindet sich in Wahrheit schon seit Jahren darin. Natürlich wird es nach wie vor Konsumenten geben, die LPs oder CDs auch in Zukunft den MP3-Daten den Vorzug geben. Das Hauptaugenmerk muss jedoch auf die Masse gerichtet werden, die sich eindeutig für das MP3-Format und den damit verbundenen neuen Nutzungsmöglichkeiten entschieden hat.

Gang der Untersuchung:

Die Musikbranche klagt seit Jahren über finanzielle Einbußen aufgrund von illegalen Musik-Downloads, Musiktauschbörsen und ähnlichen „Einrichtungen“ von und für Konsumenten. Sind diese wirklich verantwortlich für die schlechten Bilanzen der Musikindustrie? Welche Fehler sind in den eigenen Reihen zu suchen? Sind die Geschäftsmodelle, die auf den Vertrieb von haptischen Gütern ausgelegt sind, noch zeitgemäß? Welche Möglichkeiten gibt es den Urheberrechtsverletzungen entgegen zu wirken (Digital Rights Management)? Welche Vertriebsmodelle wurden entwickelt und getestet? Welche Motivation steckt hinter dem Konsumverhalten? Welche Änderungen müsste die Musikindustrie vornehmen um am geänderten Konsumverhalten ihrer Klientel (wieder) profitieren zu können? Welche Trends auf dem Musikmarkt zeichnen sich ab? Wie könnte ein für alle beteiligten (Künstler, Label, Verwertungs-Gesellschaft, Konsument) mögliches Modell für die erfolgreiche Umsetzung von Online-Musikvertrieb aussehen? Auf welche Bedürfnisse und Ansprüche der Partner muss dabei eingegangen werden?

Um diese Fragen weitestgehend beantworten zu können, wird zunächst die Musikindustrie mit ihren Institutionen vorgestellt und auf rechtliche Aspekte eingegangen. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen und Veränderungen in der Wertschöpfungskette durch das File-Sharing besser verstehen zu können, wird zuvor der Einfluss technischer Entwicklungen und die Mentalität des digitalen Raubens beleuchtet.

Weiters werden die strafrechtlichen und technischen Maßnahmen der Musikindustrie skizziert. Die technischen Maßnahmen weiterführend wird auf die Entwicklung von Digital Rights Management Systemen (DRMS), auf die durch diese möglichen Geschäftsszenarien eingegangen und Firmen, die diese Systeme bereits umsetzen vorgestellt.

Ob jedoch der Einsatz von DRMS die Lösung aller Probleme ist bzw. welche möglichen Alternativen dazu entwickelt werden, wird im Anschluss beschrieben. Zum Schluss werden interessante, innovative legale Geschäftsmodelle erläutert und auf der Basis der bis dahin ermittelten Fakten ein eigenes mögliches Referenzmodell für eine erfolgreiche Umsetzung digitalen Online-Musikvertriebs aufgestellt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 9
2. Der Traditionelle Musikmarkt (Old Economy) 10
2.1 Der deutsche/österreichische Musikmarkt in Zahlen 12
2.2 Die Akteure in der Musikindustrie 14
2.2.1 Die Majors 14
2.2.2 Die Independents 15
2.2.3 Der A&R Manager 15
2.2.4 Der Produktmanager 16
2.2.5 Marketing & Promotion 16
2.2.6 Der klassische Vertrieb 16
2.2.7 Die Verwertungsgesellschaften 17
2.3 Das Urheberrecht 19
2.3.1 Definition 20
2.3.2 Weitere internationale Abkommen 21
3. Der Einfluss techn. Entwicklungen auf die Musikindustrie 23
3.1 Digitalisierung 26
3.2 Datenkompression und bekannte Audioformate 26
3.2.1 MPEG-1 Audio Layer 3 (MP3) 27
3.2.2 Windows Media Audio (WMA) 28
3.2.3 Vorbis 28
3.2.4 Advanced Audio Coding (ACC) 29
3.3 P2P-Filesharing 29
3.3.1 Unentgeltliche B2C-Services (Quadrant I) 30
3.3.2 Kostenpflichtige B2C-Services (Quadrant II) 32
3.3.3 Unentgeltliche P2P-Services (Quadrant III) 33
3.3.4 Kostenpflichtige P2P-Services (Quadrant IV) 36
3.4 Die Mentalität der digitalen Räuber 37
4. Wirtschaftliche Veränderungen durch das File-Sharing 40
4.1 Brennerstudie 2004 40
4.2 Allensbacher Berichte 43
4.3 The Effect of File Sharing on Record Sales 46
4.4 Veränderungen in der Wertschöpfungskette durch File-Sharing 50
4.4.1 Digitalisierung 50
4.4.2 Entbündelung 51
4.4.3 Komprimierung 51
4.4.4 Labeling 52
4.4.5 Distribution in P2P-Netzen 52
4.4.6 P2P-Wertschöpfung bei der Online-Mediendistribution 53
4.4.7 Nutzung der neuen Wertschöpfungselemente 54
5. Die Reaktionen der Musikindustrie 56
5.1 Strafrechtliche Maßnahmen 56
5.2 Technische Maßnahmen 59
5.2.1 Eine Geschichte des Versagens: Kopierschutz 59
6. Digital Rights Management Systeme (DRM) 62
6.1 Das DRM Referenz-Modell 63
6.2 Mögliche Komponenten 64
6.2.1 Zugangs- und Nutzungskontrolle 65
6.2.2 Schutz der Authentizität und Integrität 65
6.2.3 Identifizierung durch Metadaten 66
6.2.4 Device Revocation 66
6.2.5 Traitor Tracking 67
6.2.6 Rights Locker Architecture 67
6.2.7 Zahlungssysteme 68
6.3 Mögliche Geschäftsszenarien 68
6.3.1 Abonnementservices 68
6.3.2 Erwerben und Downloaden einzelner Titel 69
6.3.3 Mietdienste 69
6.3.4 Video-on-Demand- und Pay-per-View-Filme 69
6.3.5 Pay-per-Instance 70
6.3.6 Pay-per-Installation 70
6.3.7 Live-Verwaltung 70
6.3.8 Vorschau auf und Erwerben von Inhalten 71
6.3.9 Eine Datei, unterschiedliche Lizenzen 71
6.4 Beispiele für DRM-Systeme 71
6.4.1 Microsoft Windows Media Player 72
6.4.2 Adobe Reader 72
6.4.3 IBM EMMS 72
6.4.4 Realnetworks Helix 73
6.4.5 Digital World Services ADORA 73
6.5 Folgen für Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur 73
6.6 Pro und Kontra für Digital Rights Management 75
7. Mögliche Alternativen zu DRM 78
7.1 Die Kulturflatrate 78
7.2 Creative Commons 81
8. Weitere Modelle 85
8.1 LastFm 85
8.2 Weed / Shared Media Licensing 87
8.3 PlayLouder MSP 88
8.4 SonyNetServices StreamMan 88
8.5 Go4Music 89
8.6 Sourcemusic 90
8.7 Snocap 90
8.8 Mashboxx 92
8.9 Peer Impact 93
8.10 Motor FM 94
8.10.1 DualDisc: Major-Hoffnung für Offline-Verkauf 97
9. Übersicht der Tauschbörsen-Modelle 99
10. Referenzmodell für erfolgreichen digitalen Musikvertrieb 101
10.1 Ausgangsbasis: Die Ansprüche des Konsumenten 102
10.2 Vier Grundmöglichkeiten um digitale Musik zu konsumieren 103
10.2.1 (Heim-)PC / Laptop 103
10.2.2 Tragbare Abspielgeräte 103
10.2.3 Automobil 104
10.2.4 Standgeräte 104
10.3 Grundbedingungen für die Musikindustrie 105
10.3.1 Verfügbarkeit 105
10.3.2 Bezahlung 109
10.3.3 Kompatibilität 110
10.3.4 Mehrwert / Anreiz 111
10.4 Mögliche Hindernisse 112
11. Fazit 114
Literaturverzeichnis 116
Abbildungsverzeichnis 124
Stichwortverzeichnis 126
Danksagung 129

Automatisiert erstellter Textauszug:

Mit dem Aufkommen der Musiktauschbörsen Mitte der 90er-Jahre begann auch für die Musikindustrie ein neues Zeitalter. Hat man das Internet und seine Möglichkeiten zuerst noch unterschätzt und als Spielereien von Computer-Freaks abgetan, so musste man bald feststellen, dass man sich hier gewaltig geirrt hatte. Schon bald folgten gegenseitige Schuldzuweisungen, die aus der Sicht der Musikindustrie den Vorteil hatte, dass man wenigstens einen Sündenbock für die anhaltend hohen Verkaufsverluste gefunden hatte; letztlich aber bedingt durch eine allgemeine wirtschaftliche Rezession und begangenen Fehlern in den eigenen Reihen. Die Konsumenten aus ihrer Sicht sahen wiederum in den illegalen Tauschbörsen erstmals die Möglichkeit massenweise an Musik heranzukommen und auch eine wirksame Waffe gegen die großen Player im Musikbusiness. Mittlerweile durchgeführte Studien belegen allerdings, dass diese Waffen doch nicht so schlagkräftig sind, wie von beiden Seiten geglaubt wurde. Nun, seit damals sind einige Jahre vergangen, mit ihnen zahlreiche mehr oder weniger bekannte Tauschbörsen und vielen Musikliebhabern hat ihr Konsum letztlich mehr gekostet, als sie sich vorstellen konnten. Das folgende Kapitel soll einen kurzen Überblick über die rechtlichen und technischen, aber defensiven Reaktionen der Musikindustrie auf die illegalen Tauschbörsen geben. Da das illegale Filesharing aber nicht nur die Musikindustrie betrifft, sondern auch die Software- und Filmindustrie als weitere globale Medienbranchen, soll noch weiters auf die Entwicklungen und Möglichkeiten im Bereich des Digital Rights Management bzw. des Digital Restriction Management, wie es dessen Kritiker zu nennen pflegen, eingegangen werden. [...]

des fehlenden Angebots ist es zu erklären, dass Benutzer die Kosten zur Erfüllung der Aufgaben innerhalb des Wertschöpfungsprozesses übernehmen.“75 Eine besondere Bedeutung kommt den angebotenen Verbunddienstleistungen zu, wie bspw. eine Abspielmöglichkeit der Medien über einen Player, Informationen über Künstler oder Shopangebote. Besonders interessant ist dabei die Hotlist-Funktion, die es ermöglicht die Inhalte einzelner Nutzer einzusehen. Wenn es gelingt diese Funktion zu automatisieren, könnte man durch Collaborative Filtering oder anderen Personalisierungsmethoden für jeden Benutzer automatisch individuelle Content-Angebote generieren können.76 Grundgedanke zu Collaborative Filtering ist der, dass es Märkte gibt, bei denen die Sortimente unüberschaubar groß sind (z.B. Bücher, Filme, Musik, usw.). Damit sich die einzelnen Produkte dennoch auf diesen Märkten durchsetzen können, bedarf es Empfehlungssysteme. Medienprodukte wie Bücher, Filme und Musik wurden früher durch Rezensionen empfohlen, wobei das größte Problem darin bestand, dass es sich um eine subjektive Meinung handelt, die sich mehr am Geschmack des Rezensenten als am Geschmack der Zielgruppe orientiert. Durch das Internet ist es nun möglich auch individualisierte Empfehlungen abzugeben; Collaborative Filtering stellt dabei eine Klasse dieser Verfahren dar.77 [...]

Die wichtigste Funktion bei Tauschbörsen ist die Indexierung der Inhalte, die von den Benutzern bereitgestellt werden. Damit diese Funktion erfüllt werden kann, muss die Vernetzung der Benutzer als wesentliche Voraussetzung gegeben sein. Die Indexierung garantiert das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. Die beiden Funktionen Vernetzung und Indexierung stellen damit eine Art Maklerfunktion dar. D.h. Nachfrager und Anbieter werden unter Einbindung von Selektionskriterien (z.B. Bandbreite oder Rating des Anbieters) vermittelt. Je nach Architektur der Tauschbörse wird die Maklerfunktion entweder vom Anbieter (zentrale Netze) oder von den Benutzern selbst vorgenommen (dezentrale Netze). Die Downloadfunktion ist selbsterklärend, wobei der Nutzen des Systems mit der Stabilität und der Download-Geschwindigkeit steigt. [...]

Arbeit zitieren:
Steindl, Thomas Juni 2005: Bringt Netzpiraterie die Flaggschiffe der Musikindustrie zum Versinken?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Musik, Musiktauschbörsen, Peer, Musik-Downloads, Digital Rights Management

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