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Die Bordesholmer Marienklage

Passionsmemoria als affektives Drama

Die Bordesholmer Marienklage
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexandra Pook
  • Abgabedatum: September 1998
  • Umfang: 154 Seiten
  • Dateigröße: 10,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2520-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2520-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2520-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pook, Alexandra September 1998: Die Bordesholmer Marienklage, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mittelalterliches Drama, Trauern, Spätmittelalter, Passionsmemoria, Marienklage

Diplomarbeit von Alexandra Pook

Einleitung:

Diese Diplomarbeit befasst sich mit der spätmittelalterlichen Bordesholmer Marienklage, einem in einer Handschrift von 1475/76 überlieferten, selbständigen und umfangreichen geistlichen Drama in niederdeutscher Sprache, das die Klage der Maria bei der Kreuzigung ihres Sohnes darstellt. Diese Marienklage (die eindeutig auch zur Aufführung bestimmt war) ist mitsamt allen Noten der zahlreichen Gesänge und den (für die Rekonstruktion der Aufführungspraxis bedeutsamen) besonders ausführlichen Regieanweisungen vollständig erhalten, was sie zu einem wertvollen Gegenstand für die Erforschung des mittelalterlichen Schauspiels macht.

Religionsgeschichtlich interessant ist die Gattung der Marienklage, weil in ihr beide zentralen Aspekte spätmittelalterlicher Frömmigkeitspraxis aufeinandertreffen: Marien- bzw. Mater dolorosa-Verehrung und Passionsmemoria. Geistliches Drama ist darüber hinaus ein bedeutender Bereich der religiösen Kultur des Mittelalters, ein ”religiöses Massenmedium” (Carla Dauven-van Knippenberg), das in der Vergangenheit in religionsgeschichtlicher Forschung interessanterweise fast keine Beachtung fand.

Nach einführenden Informationen über mittelalterliches Theater, geistliches Schauspiel und die Darstellung der Passion sowie v.a. über die Gattung der Marienklage (die den derzeitigen Stand der Forschung wiedergeben) leistet die Arbeit eine umfassende und detaillierte Analyse des Textes der Bordesholmer Marienklage insbesondere in Hinblick auf Struktur und darstellerische Mittel (visueller wie auditiver Art). Wichtige, z.T. wiederkehrende Motive wie auch die Profilierung und Konstellation der einzelnen Figuren werden herausgearbeitet und mit Analogien in geistlicher Literatur, Kunst und anderen geistlichen Dramen des Mittelalters in Verbindung gebracht. Anhand der Ergebnisse dieses Teils wird die Bordesholmer Marienklage in einem dritten Schritt in den größeren Kontext der spätmittelalterlichen Passions- und Marienfrömmigkeit eingeordnet: einerseits werden Parallelen zur stark verbreiteten Praxis der Passionsmeditation aufgewiesen, andererseits wird das von Maria gezeichnete Bild näher bestimmt und die mögliche Herkunft der Motive gezeigt. Bemerkenswert sind hierbei v.a. die auffälligen Parallelen zur literarischen Totenklage um den Geliebten und das ungewöhnliche Profil der Maria: sie erscheint als co-redemptrix, die aber in ihrer exzessiven, hoffnungslosen und todessehnsüchtigen Klage um ihren Sohn von einem Sinn seines Leidens nichts wissen will. Die genannten Aspekte führen auf das Terrain von Fragen, die die christliche Theologie des Mittelalters nicht nur am Rande beschäftigten: die nach der Legitimität des Trauerns wie nach der kognitiven Kraft des Affekts.

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG 4
I. DIE MARIENKLAGE IM KONTEXT DES DEUTSCHSPRACHIGEN GEISTLICHEN SCHAUSPIELS IM MITTELALTER
1. Schauspiel im Mittelalter 6
1.1 Zur Forschungslage 6
1.2 Mittelalterliches Schauspiel - eine Neuschöpfung? 7
1.3 Entwicklungsgeschichtlicher Überblick 10
2. Deutschsprachiges geistliches Schauspiel 13
2.1 Der Zweck der Spiele: Gottesdienst, Paränese, Erfahrung und geistliches Verdienst 13
2.2 Aufführungspraxis
2.2.1 Darstellerische Mittel 14
2.2.2. Darsteller, Spielleiter und Verfasser 17
3. Die Darstellung der Passion 18
4. Die Marienklage 20
4.1 Gattungsdefinition 20
4.2 Die Forschungs- und Quellenlage 20
4.3 Handlung und Figuren der dramatischen Marienklage 22
4.4 Das besondere Profil der dramatischen Marienklage im Rahmen des geistlichen Schauspiels 23
4.5 Die gemeinsamen Textgrundlagen der deutschsprachigen Marienklagen und eine bedeutsame Akzentverschiebung bei der Übertragung 27
4.6 Trauer als geistliche Tugend: Ein neues Motiv im Christentum 30
II. DIE BORDESHOLMER MARIENKLAGE
1. Ein ”in vielerlei Hinsicht [...] bedeutende[r] Sonderfall” (U. MEHLER) 33
2. Text und musikalisches Material 34
2.1 Die Herkunft der Klage 34
2.2 Die Verarbeitung von Quellen 36
2.3 Die Herkunft der Gesangsmelodien 38
3. Die Aufführung 39
4. Die Handlung 46
5. Die Struktur der Klage 50
6. Einzelne darstellerische Mittel 55
6.1 Die auditive Ebene
6.1.1 Rezitationsgesang oder gesprochene Rede? 56
6.1.2 Die Gesangsmelodien 57
6.1.3 Die geforderte Vortragsweise 64
6.2 Die visuelle Ebene
6.2.1 Die Gebärden 65
6.2.2 Die symbolischen Handlungen 74
6.3 Anrede und Einbeziehung des Zuschauenden 78
6.4 Überblick 79
7. Die Klagemotive 83
8. Die Personen der Handlung 86
III. MEMORIA PASSIONIS IN DER BORDESHOLMER MARIENKLAGE
1. Passionsmemoria in der Form eines geistlichen Dramas 94
1.1 Die Praxis der individuellen Passionsmemoria 94
1.2 Die Realisierung von imaginatio, compassio und imitatio in der Bordesholmer Marienklage 100
1.3 Das Ziel der Betrachtung 105
2. Passionsmemoria aus der Perspektive der vom Affekt überwältigten Maria 109
2.1 Maria - Eine scheinbar unchristliche co-redemptrix 109
2.2 Die mögliche Herkunft der Motive
2.2.1 Mors mystica? 109
2.2.2 Spätmittelalterliche Todesdrastik 111
2.2.3 Die literarische Totenklage um den Geliebten 112
2.2.4 Die kognitive Kraft des Affekts 115
ZUSAMMENFASSUNG 117
LITERATURVERZEICHNIS 119
ANHANG 124

Arbeit zitieren:
Pook, Alexandra September 1998: Die Bordesholmer Marienklage, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Mittelalterliches Drama, Trauern, Spätmittelalter, Passionsmemoria, Marienklage

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