Der Bologna-Prozess und die Auswirkungen der dadurch bedingten Änderungen in der deutschen Hochschullandschaft für die Firma REHAU AG & Co
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Carolin Hendel, geb. Meinel
- Abgabedatum: September 2006
- Umfang: 182 Seiten
- Dateigröße: 2,7 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg Deutschland
- Bibliografie: ca. 100
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2438-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hendel, geb. Meinel, Carolin September 2006: Der Bologna-Prozess und die Auswirkungen der dadurch bedingten Änderungen in der deutschen Hochschullandschaft für die Firma REHAU AG & Co, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Bologna, Bachelor, Master, Personal, Hochschulreform
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Diplomarbeit von Carolin Hendel, geb. Meinel
Einleitung:
„Der Bologna-Prozess ist die wohl tiefgreifendste Hochschulreform der letzten Jahre.“ Was am 25. Mai 1998 durch die vier größten europäischen Staaten mit der Verabschiedung einer „Gemeinsamen Erklärung zur Harmonisierung der Architektur der europäischen Hochschulbildung“ eingeleitet wurde, entwickelte binnen kurzer Zeit eine nachhaltige Dynamik, die zu grundlegenden Restrukturierungen und umfassenden Reformen der Hochschulbildungssysteme in über 40 Ländern führte. Dabei wird in einem unumkehrbaren Prozess das Ziel der Bologna-Erklärung verfolgt, welches in der Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraumes bis zum Jahre 2010 besteht.
Neben der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge als wohl offensichtlichste Maßnahme, bedingen die Modularisierung der Studiengänge, das European Credit Transfer and Accumulation System, das Diploma Supplement und die Akkreditierung weitere einschlägige Neuerungen in der deutschen Hochschullandschaft. Der Prozess bewirkt aber nicht nur strukturelle Veränderungen, sondern nimmt gleichzeitig direkten Einfluss auf die inhaltliche Neuausrichtung der Studienangebote, indem u. a. eine verstärkte internationale Vergleichbarkeit und die Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit gefordert werden.
Trotz der hohen Relevanz des Reformprozesses herrscht bei zahlreichen Unternehmen noch immer große Unsicherheit sowohl über die Hintergründe und Ziele als auch über die Inhalte und die Bedeutung der Neuerungen sowie deren Auswirkungen auf die Personalpolitik. Deshalb werden dem Unternehmen REHAU AG + Co, einer internationalen Firmengruppe der chemischen Industrie, mit der vorliegenden Diplomarbeit umfassende Informationen über die Änderungen in der deutschen Hochschullandschaft geliefert und aufgezeigt, dass die bisher vom Unternehmen wahrgenommene Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge nur einen kleinen Teil des gesamtem Bologna-Prozesses ausmacht. Darauf basierend wird herausgearbeitet, wie das Unternehmen angemessen auf die Neuerungen reagieren muss, um eine Übereinstimmung zwischen dem Angebot auf Seiten der Hochschulen und dem Bedarf von REHAU zu erreichen und welche Auswirkungen sich daraus auf das Hochschulmarketing, die Rekrutierungspolitik und die Mitarbeiterbindung ergeben.
Nach einem ersten Blick auf die Geschichte der Hochschulreform, die Teilnehmer am Bologna-Prozess und die verantwortlichen Akteure, werden im dritten Kapitel die Ziele zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraumes näher beleuchtet, welche von den beteiligten Staaten bis zum Jahre 2010 umgesetzt werden sollen.
Darauf folgt in Kapitel vier die Beschreibung der gestuften Studienstruktur mit ihren Bachelor- und Masterstudiengängen. Aufgrund der Neuartigkeit des Themas musste zu einem großen Teil auf Internetquellen öffentlicher Stellen, wie beispielsweise die Service-Stelle Bologna der Hochschulrektorenkonferenz, zurückgegriffen werden. Dies gestattete die Einbindung von Dokumenten, die für die Konzeption und Gestaltung der Studiengänge an Hochschulen von essentieller Bedeutung sind, und eine größtmögliche Aktualität der Diplomarbeit unter Beachtung der fortschreitenden Entwicklungen.
Das vierte Kapitel untersucht außerdem die Doktorandenausbildung, welche als dritter Zyklus der Hochschulreform aufgenommen wurde und die Grundlage für die spätere Entwicklung eines Modells zur Mitarbeiterbindung darstellt.
Es soll zudem zeigen, wie sich die Umsetzung der Bologna-Reform in Deutschland entwickelt hat und welcher aktuelle Stand mittlerweile erreicht worden ist.
Anschließend werden in Kapitel fünf die wichtigsten Neuerungen im Zusammenhang mit der gestuften Studienstruktur näher analysiert. Hierzu werden einerseits Definitionen und Erläuterungen für die jeweiligen Veränderungen geliefert und anderseits auch Probleme bei der Umsetzung sowie Erwartungen und Empfehlungen der Wirtschaft betrachtet.
Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Akkreditierung von Studiengängen gelegt, wodurch den Arbeitgebern eine verlässliche Orientierung hinsichtlich der Qualität von Studienprogrammen gegeben werden soll.
Sodann folgt in der nächsten Passage die Vorstellung des Unternehmens REHAU und dessen Einsatzbedarf, worauf die Analyse der für REHAU relevanten Hochschulen aufbauen wird. Diese Untersuchung basiert vorwiegend auf einer Online-Recherche an den vom Unternehmen festgelegten Zielhochschulen. Die grobe Übersicht zu den gestuften Studiengängen liefert hilfreiche Informationen zum Grad der Umstrukturierung, zur Verwendung von Abschlussbezeichnungen und dem Umgang mit den unterschiedlichen Formen der Masterstudiengänge sowie zu Tendenzen bei den Regelstudienzeiten. Im Anschluss werden die Bachelorstudiengänge Maschinenbau detailliert verglichen und deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet. Danach wird das bisherige und zukünftige Know-how Niveau des Maschinenbaustudiums an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule betrachtet, woraus sich weitere Ansätze für das Hochschulmarketing sowie für die Rekrutierungspolitik der Firma REHAU ableiten lassen.
Um das Unternehmen im Umgang mit den Studenten und Absolventen der neuen Studiengänge zu unterstützen, beginnt der letzte Abschnitt mit einem Blick auf die Beschäftigung von Bachelor und Master sowie deren Akzeptanz und Karrierechancen aus Sicht der Wirtschaft.
Anhand der durchgeführten Hochschulanalyse werden anschließend die besonderen Ansprüche an den Bereich Hochschulmarketing aufgezeigt. Dies soll der Firma REHAU ermöglichen, die Studierenden der gestuften Studiengänge zukünftig zielführend anzusprechen und für das Unternehmen zu gewinnen. Diesbezüglich werden die wichtigsten Auswirkungen auf Praktikanteneinsätze in Unternehmen als gesonderter Bestandteil abgehandelt. Das Kapitel 6.3.4 beantwortet die Frage, welche Bedeutung die zukünftige Qualifizierung von Bachelor- und Masterabsolventen für den beruflichen Einstieg, für Einarbeitungskonzepte in Unternehmen und den Bedarf an Nachqualifizierung sowie für die Einstiegsgehälter hat. Um REHAU eine fundierte Entscheidungsgrundlage zur Verfügung zu stellen, wird die Einwertung akademischer Abschlüsse sowohl aus Sicht der Bildungspolitik und der Wirtschaft als auch durch die Betrachtung der Ergebnisse der Hochschulanalyse dargestellt. Schließlich werden die Herausforderungen bezüglich der Bindung von Mitarbeitern erörtert, indem zwei Modelle für die praktische Umsetzung von Personalentwicklungs- und Bindungsprogrammen entworfen werden.
Abschließend werden die Fragen geklärt, bis zu welchem Grad die Ziele der Bologna-Reform heute bereits erfüllt sind und ob die Hochschulreform von den beteiligten Staaten bis zum Jahre 2010 überhaupt umgesetzt oder ein einheitlicher europäischer Hochschulraum erst über die zeitliche Zielmarke hinaus verwirklicht werden kann.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | I | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| TABELLENVERZEICHNIS | V | |
| 1. | Einleitung. | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Ziele der Diplomarbeit | 1 |
| 1.2 | Aufbau und Methodik der Arbeit | 2 |
| 2. | Etappen auf dem Weg zu einem einheitlichen europäischen Hochschulraum | 5 |
| 2.1 | Von den Anfängen der europäischen Hochschulpolitik | 6 |
| 2.2 | Sorbonne und Bologna als Geburtsorte des Bologna-Prozesses | 6 |
| 2.3 | Beobachtung und Diskussion der Zielumsetzung | 7 |
| 2.4 | Teilnehmer am Bologna-Prozess | 8 |
| 2.5 | Koordination zwischen den Konferenzen | 9 |
| 2.6 | Bologna- und Lissabon-Strategie bis zum Jahre 2010 | 10 |
| 3. | Ziele im Bologna-Prozess | 12 |
| 3.1 | Förderung von Mobilität | 12 |
| 3.2 | Förderung internationaler Wettbewerbsfähigkeit | 14 |
| 3.3 | Förderung der Beschäftigungsfähigkeit | 15 |
| 3.4 | Unterziele in den Kommuniqués der Ministertreffen | 17 |
| 4. | Die neuen gestuften Studiengänge | 21 |
| 4.1 | Bachelor | 22 |
| 4.1.1 | Zugangsvoraussetzungen | 22 |
| 4.1.2 | Studiendauer und Arbeitsaufwand | 23 |
| 4.1.3 | Abschlussbezeichnungen | 25 |
| 4.1.4 | Berechtigungen | 26 |
| 4.2 | Master | 26 |
| 4.2.1 | Zugangsvoraussetzungen | 27 |
| 4.2.2 | Studiendauer und Arbeitsaufwand | 27 |
| 4.2.3 | Profiltypen | 29 |
| 4.2.4 | Konsekutive, nicht-konsekutive und weiterbildende Masterstudiengänge | 32 |
| 4.2.5 | Abschlussbezeichnungen | 33 |
| 4.2.6 | Berechtigungen | 34 |
| 4.3 | Doktorandenausbildung | 34 |
| 4.3.1 | Zugangsvoraussetzungen | 35 |
| 4.3.2 | Promotionsprogramme | 35 |
| 4.4 | Individuelle Studienwege und Qualifikationsprofile | 36 |
| 4.5 | Stand der Umsetzung in Deutschland | 38 |
| 4.5.1 | Entwicklung der Bachelor- und Masterangebote | 38 |
| 4.5.2 | Studierende | 40 |
| 4.5.3 | Entwicklung der Promotionen | 43 |
| 4.6 | Bachelor, Master und Promotion - eine Bewertung | 45 |
| 5. | Neuerungen im Zusammenhang mit der gestuften Studienstruktur | 48 |
| 5.1 | Modularisierung des Studienangebotes | 48 |
| 5.1.1 | Definitionen und Erläuterungen zur Modularisierung | 48 |
| 5.1.2 | Studienbegleitendes Prüfen | 49 |
| 5.1.3 | Empfohlene Standards für die Beschreibung von Modulen | 50 |
| 5.1.4 | Ziele und Vorteile modularer Studienorganisation | 50 |
| 5.2 | ECTS als System zur Anrechnung, Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen | 52 |
| 5.2.1 | Definitionen zum Leistungspunktesystem | 52 |
| 5.2.2 | Ursprung des ECTS-Systems und dessen gestiegene Bedeutung | 53 |
| 5.2.3 | Arbeitspensum und Credits | 54 |
| 5.2.4 | ECTS-Bewertungssystem | 55 |
| 5.2.5 | Wichtigste ECTS-Unterlagen | 56 |
| 5.2.6 | Probleme bei der Anwendung des ECTS-Systems | 57 |
| 5.2.7 | ECTS - ein Fazit | 59 |
| 5.3 | Diploma Supplement | 59 |
| 5.3.1 | Funktion und Inhalte | 60 |
| 5.3.2 | Erwartungen und Empfehlungen der Wirtschaft | 61 |
| 5.3.3 | Resümee | 62 |
| 5.4 | Akkreditierung von Studiengängen | 63 |
| 5.4.1 | Akkreditierungsrat | 63 |
| 5.4.2 | Akkreditierungsagenturen | 64 |
| 5.4.3 | Akkreditierungsverfahren | 66 |
| 5.4.4 | Beteiligung der Arbeitgeber an der Akkreditierung | 68 |
| 5.4.5 | Prozessakkreditierung | 70 |
| 5.4.6 | Akkreditierung - eine Bewertung | 72 |
| 6. | Auswirkungen der Hochschulreform auf REHAU | 74 |
| 6.1 | REHAU AG + Co | 74 |
| 6.1.1 | Premium-Marke für polymerbasierte Lösungen | 74 |
| 6.1.2 | Einsatzbereiche und Einsatzbedarf | 75 |
| 6.2 | Analyse der für REHAU relevanten Hochschullandschaft | 77 |
| 6.2.1 | Übersicht über die gestuften Studiengänge an den Zielhochschulen von REHAU | 78 |
| 6.2.2 | Vergleich des Bachelorstudiums Maschinenbau | 80 |
| 6.2.3 | Betrachtung des bisherigen und zukünftigen Know-how Niveaus des Studienganges Maschinenbau an einem ausgewählten Beispiel | 88 |
| 6.3 | Bologna für die Wirtschaft und Anforderungen an das Unternehmen REHAU | 95 |
| 6.3.1 | Akzeptanz und Karrierechancen von Bachelor- und Masterabsolventen deutscher Hochschulen aus Sicht der Unternehmen | 95 |
| 6.3.2 | Besondere Ansprüche an das Hochschulmarketing zur Erreichbarkeit von Bachelor-und Masterstudenten | 99 |
| 6.3.3 | Personalabteilung als Prüfungsinstanz - Auswirkungen auf Praktikanteneinsätze in Unternehmen | 106 |
| 6.3.4 | Bedeutung der zukünftigen Qualifizierung von Bachelor- und Masterabsolventen für das Recruiting, die damit verbundenen Anforderungen an die interne Weiterqualifizierung sowie für die gehaltliche Einstufung | 109 |
| 6.3.5 | Neue Herausforderungen an die Bindung der Mitarbeiter | 121 |
| 7. | Schlussbetrachtung | 130 |
| ANHANG | 135 | |
| LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS | 169 |
Textprobe:
Kapitelv 5, Neuerungen im Zusammenhang mit der gestuften Studienstruktur: Der Bologna-Prozess umfasst neben der oben bereits beschriebenen Einführung gestufter Studiengänge weitere wesentliche Änderungen in der Hochschullandschaft. Demnach sind als Kernelemente der Reform die Modularisierung des Studienangebotes, die Einführung des Kreditpunktesystems ECTS und des Diploma Supplements sowie die Akkreditierung zu nennen, welche sich in den folgenden Unterkapiteln widerspiegeln.
Kapitel 5.1, Modularisierung des Studienangebotes: Eine modularisierte Studienstruktur unterscheidet sich von der meist in Diplom- und Magisterstudiengängen vorherrschenden fächerorientierten Studienstruktur. Während ein fächerorientiertes Studium aus wenigen Fächern besteht, die jeweils viele Lehrveranstaltungen umfassen, enthält ein modularisiertes Studium viele Module, zu denen jeweils nur wenige Lehrveranstaltungen gehören. Modularisierte Strukturen schaffen die Voraussetzung dafür, die Curricula der Bachelor- und Masterstudiengänge wirklich neu zu gestalten und nicht den vonseiten der Studierenden und der Wirtschaft befürchteten Etikettenschwindel durch Umetikettierung der alten Studiengänge zu begehen.
Kapitel 5.1.1, Definitionen und Erläuterungen zur Modularisierung: Modularisierung im Studium erfordert eine Neuorganisation der Studienstruktur. Hierfür werden Stoffgebiete zu thematisch und zeitlich abgerundeten, in sich abgeschlossenen und mit Leistungspunkten versehenen abprüfbaren Einheiten zusammengefasst. Module können aus verschiedenen Lehr- und Lernformen, wie z. B. Seminare, Vorlesungen, Übungen und Praktika kombiniert werden. Ein Modul kann sich sowohl über die Inhalte eines einzelnen Semesters oder eines Studienjahres als auch über mehrere Semester erstrecken. Abgeschlossen wird jedes Modul grundsätzlich mit einer Prüfung, auf deren Grundlage Leistungspunkte vergeben werden.
Maßgeblich für die Zusammensetzung eines Moduls ist das Qualifizierungsziel, welches durch das Absolvieren dieses Moduls erreicht werden soll. Somit spielt nicht nur der rein organisatorische Aspekt eine große Rolle, sondern es gilt sich auch auf einen Perspektivwechsel einzulassen, weg vom traditionellen Ansatz „Welche Lehrinhalte will ich vermitteln?“ (Input-Orientierung) hin zu der Frage „Welche Kompetenzen sollen das Ergebnis von Lern- und Bildungsprozessen sein?“ (Output-Orientierung). Der Vorteil der Modularisierung besteht also in der Tatsache, dass beim Design der Module und beim Aufbau des Studiums den zu erwerbenden Kompetenzen und damit den „Learning Outcomes“ der Studierenden eine zentrale Bedeutung zukommt.
Kapitel 5.1.2, Studienbegleitendes Prüfen: Die Modulprüfung sollte idealer weise studienbegleitend erfolgen, d. h. zeitnah zu den Lehrveranstaltungen stattfinden, in denen die prüfungsrelevanten Inhalte vermittelt wurden. Jedes Modul sollte somit direkt nach Abschluss, der zum Modul gehörenden Lehrveranstaltungen, geprüft werden. Alle studienbegleitenden Prüfungen führen in der Summe zum Erwerb des jeweiligen Abschlusses. Diese Neuerung führt zu einer ausgeglicheneren Lernbelastung und höherer Lerneffizienz. Das Ablegen von vielen kleinen studienbegleitenden Modulprüfungen, anstelle von wenigen großen Fachprüfungen gegen Ende des Studiums, bedeutet für eine Vielzahl von Studierenden darüber hinaus eine höhere Lernmotivation durch häufigere Rückkoppelung über den Stand der eigenen Lernleistungen.
Während im deutschen Studiensystem z. B. in den Fächern Betriebswirtschaftslehre oder Jura bereits seit Langem studienbegleitend geprüft wird, ist für andere Disziplinen wie die Geisteswissenschaften die Umstellung zu begleitendem Prüfen sicherlich am größten.
Kapitel 5.1.3, Empfohlene Standards für die Beschreibung von Modulen: Zur wechselseitigen Anerkennung von Modulen, z. B. bei Hochschulwechsel, ist deren Vergleichbarkeit notwendig. Dies erfordert die Festlegung inhaltlicher und formaler Kriterien um Gleichwertigkeit, nicht aber Einheitlichkeit, zu sichern. Von einer Gleichwertigkeit der Module kann ausgegangen werden, wenn sie sich im Wesentlichen einander in Inhalt, Umfang und Anforderungen entsprechen.
Um dies zu gewährleisten, sind Module gemäß dem Beschluss der Kultusministerkonferenz über die „Rahmenvorgaben für die Einführung von Leistungspunkten und die Modularisierung von Studiengängen“ einschließlich des Arbeitsaufwandes und der zu vergebenden Leistungspunkte zu beschreiben. Die Modulbeschreibungen sollen zuverlässige Informationen über Studienverlauf, Inhalte, qualitative und quantitative Anforderungen und Einbindung in das Gesamtkonzept des Studienganges bieten. Sie sind als Orientierung für die Studierenden, für die Studienberatung und die Abstimmung unter Modulangeboten unverzichtbar. Entsprechend der empfohlenen Standards zur Beschreibung von Modulen, sollten in der Modulbeschreibung folgende Angaben enthalten sein: Inhalte und Qualifikationsziele des Moduls, Lehrformen, Voraussetzungen für die Teilnahme, Verwendbarkeit des Moduls, Voraussetzungen für die Vergabe von Leistungspunkten, Leistungspunkte und Noten, Häufigkeit des Angebots von Modulen, Arbeitsaufwand, Dauer der Module.
Kapitel 5.1.4, Ziele und Vorteile modularer Studienorganisation: Die Zielsetzungen für die Modularisierung von Studienangeboten sind vielfältig. Am häufigsten werden genannt:
Flexible Ausgestaltung von Studienangeboten: Eine modulare Studienstruktur bietet die Möglichkeit einer raschen Anpassung von Bildungs- und Qualifikationszielen an den gesellschaftlichen Wandel. Zudem können Übergänge zwischen Studiengängen und Hochschularten einfacher geschaffen werden.
Effiziente Studienorganisation: Da Module vorwiegend innerhalb eines Semesters bzw. am Ende des jeweiligen Blocks mit einer studienbegleitenden Prüfung abschließen, entsteht eine kompakte Studienstruktur. Dies ermöglicht wiederum eine straffere Studienorganisation. Das Studium kann schneller absolviert und die Regelstudienzeiten können besser eingehalten werden.
Transparente Darstellung individueller Studienverläufe: Module sind in der Regel deutlich „kleiner“ als Fächer. Durch Auflistung der einzelnen Module im Zeugnis wird das individuelle Studienprofil eines Absolventen transparenter dokumentiert als bei der bisherigen Angabe einzelner Fächer. Die Inhalte eines modularisierten Studienganges lassen sich somit aussagekräftiger darlegen.
Vereinfachte Anerkennung von Studienleistungen: Bei Studienfachwechsel, Studienortwechsel oder Auslandsstudium vereinfacht ein modulares Studiensystem die wechselseitige Anerkennung von Studienleistungen. Detaillierte Modulbeschreibungen, aus denen auch der mit der erfolgreichen Teilnahme am jeweiligen Modul verbundene Arbeitsaufwand hervorgeht, erleichtern die Beurteilung der erbrachten Studienleistungen und beschleunigen die Anerkennung durch die aufnehmende Hochschule. Die Modularisierung trägt damit auch zur Attraktivität für ausländische Gaststudierende bei und erhöht gleichzeitig die Chancen der inländischen Studierenden, bei einem Auslandssemester Anschluss zu finden.
Möglichkeit zur Gestaltung individueller Studienverläufe: Für Studierende schafft eine modulare Studienstruktur eine bessere Möglichkeit, sich individuell zu profilieren. Durch die „kleineren“ Module ergeben sich flexible Kombinationsmöglichkeiten, was im Gegensatz zu den bislang umfangreichen Fächern eine gezielte Verknüpfung von Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen ermöglicht. Des Weiteren können einzelne Bildungsabschnitte individuell in das Konzept des lebenslangen Lernens eingebettet werden, indem modularisierte Studienangebote mit Zeiten der Berufstätigkeit verbunden werden.
Kapitel 5.2, ECTS als System zur Anrechnung, Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen: Durch die Neugestaltung des Studienaufbaus soll dieser international kompatibel und flexibel werden, um Mobilität zu gewährleisten. Des Weiteren soll der neue Aufbau durch studienbegleitende Leistungskontrollen ein zügigeres Studium ermöglichen.
ECTS kann helfen zu erkennen, ob ein Studiengang in der vorgegebenen Zeit studierbar oder ob der vorgesehene Lernstoff pro Semester zu umfangreich ist. Dadurch soll eine bessere Übereinstimmung zwischen der tatsächlichen Studiendauer und der Regelstudienzeit erreicht werden.
Im ECTS-System wird der Umfang von Studium und Lehre nicht mehr in der Zahl der absolvierten Semesterwochenstunden (kurz: SWS) gemessen, sondern im Umfang des tatsächlichen studentischen Arbeitsaufwandes. Dies erfordert eine Abkehr von der Umrechnung von SWS in ECTS-Punkten gemäß irgendwelchen Multiplikatoren (z. B. 1 SWS = 1,5 Credits), weil hierbei wichtige Elemente des Studiums nicht berücksichtigt werden.
Kapitel 5.2.1, Definitionen zum Leistungspunktesystem: Credit Points sind eine Einheit, die den erforderlichen studentischen Arbeitsaufwand in Relation zu den Lernzielen ausdrücken. In Deutschland wird dafür auch häufig die Bezeichnung ECTS-Punkte verwendet. Dabei wird nicht nur der Zeitaufwand, der durch den Besuch der Lehrveranstaltungen anfällt, sondern ebenso die Zeit, die für Vor- und Nachbereitung eingesetzt werden muss, gemessen.
Bei einem Credit System werden den einzelnen Komponenten eines Studienganges Credit Points zugewiesen, wodurch sich eine Systematik zur Beschreibung von Studienprogrammen ergibt. Dadurch wird die Übertragung erbrachter Leistungen auf andere Studiengänge oder Hochschulen erleichtert sowie eine Vermeidung punktueller Belastungen im Studienverlauf und der Abbau von Examensängsten angestrebt.
Von den europäischen Hochschulen wird mehrheitlich das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) eingeführt. Das Europäische System zur Anrechnung, Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen basiert auf dem Arbeitspensum, das die Studierenden absolvieren müssen, um die Ziele eines Lernprogramms zu erreichen, welche vorzugsweise in Form von Lernergebnissen und den zu erwerbenden Kompetenzen festgelegt sind.
Kapitel 5.2.2, Ursprung des ECTS-Systems und dessen gestiegene Bedeutung: Das European Credit Transfer System wurde 1998 im Rahmen des Studienaustauschprogramms ERASMUS eingeführt, das inzwischen Teil des SOKRATES-Programms ist. Das ECTS-System wurde in einer Pilotphase an 145 europäischen Hochschulen getestet. Die Erfolge des Pilotprojekts führten schließlich zur nahezu flächendeckenden Einführung des Systems in ganz Europa.
Ursprünglich diente es als eine Art internationale Währung, mit der sich Studienleistungen quantitativ berechnen, vergleichen und transferieren lassen. Angesicht der vielen unterschiedlichen nationalen Lösungen, erleichterte das System die Anerkennung von Studienaufenthalten im Ausland und verbesserte, durch die gebotene Transparenz, die Qualität und den Umfang der Studienmobilität in Europa.
In den letzten Jahren wurde das ECTS-System weiterentwickelt und stellt heute außerdem ein System zur Akkumulierung dar. Durch die Empfehlung des Berliner-Kommuniqués wurde es endgültig zu einem wichtigen Werkzeug bei der Herausbildung des europäischen Hochschulraumes und wird deshalb gegenwärtig nach und nach auf institutioneller, regionaler und europäischer Ebene realisiert.
Im Zuge steigender Zahlen von Teilzeitstudierenden sowie im Kontext des lebenslangen Lernens erhält ECTS eine immer größere Bedeutung. Zudem spielt es eine besondere Rolle bei Bachelor- und Masterstudiengängen. Bei der Genehmigung der neuen Studiengänge ist u. a. grundsätzlich ein modularisierter Aufbau sowie die Anwendung eines Leistungspunktesystems nachzuweisen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836624381
Arbeit zitieren:
Hendel, geb. Meinel, Carolin September 2006: Der Bologna-Prozess und die Auswirkungen der dadurch bedingten Änderungen in der deutschen Hochschullandschaft für die Firma REHAU AG & Co, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Bologna, Bachelor, Master, Personal, Hochschulreform



