Böse Mine - Gutes Spiel
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Rolf Brantsch
- Abgabedatum: August 2005
- Umfang: 269 Seiten
- Dateigröße: 7,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Kunsthochschule Kassel Deutschland
- Bibliografie: ca. 8
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9959-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9959-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9959-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Brantsch, Rolf August 2005: Böse Mine - Gutes Spiel, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Landmine, Minenräumung, Suchnadel, Systemdesign, Minenproblemtik
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Diplomarbeit von Rolf Brantsch
Zusammenfassung:
Meine Arbeit befasst sich mit Landminen, einer grausamen Hinterlassenschaft bewaffneter Konflikte. Es werden sowohl gegenwärtige als auch in Zukunft möglich erscheinende Lösungsansätze – unter Vernachlässigung tatsächlicher Durchführbarkeit – zu Einzelbereichen der Landminenproblematik beschrieben. Ein Schwerpunkt der Arbeit zeigt die Methoden zur Detektion und Beseitigung bereits verlegter Landminen. Auf die von anderer Seite ergriffenen Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von weiteren Landminen wird nebenbei eingegangen.
Ein Teil der Arbeit versucht die Komplexität der Thematik zu beschreiben, mit der Absicht, diese möglichst vollständig darzustellen. Es gilt hervorzuheben dass dem Problem als solchem kein einfaches Ursache-Wirkung Schema zu Grunde liegt, im Gegenteil zeigt sich bei genauer Betrachtung die vielseitige Verflechtung unterschiedlicher nationaler und internationaler Interessen; selbst die geleistete Hilfe ist nicht in allen Fällen jedem Verdacht erhaben, da heutzutage Hilfe als Bestandteil eines internationalen Business zum Teil kontrovers diskutiert wird (als Beispiel sei hier die Diskussion über den Missbrauch der Spendenbereitschaft nach der Tsunami-Katastrophe zu Beginn des Jahres 2005 genannt). Damit ist gemeint, dass die Motivation von Staaten und Organisationen, sich des Problems anzunehmen, nicht zwingend auf eine altruistische Grundhaltung zurückzuführen ist.
Am Anfang steht die Entwicklungsgeschichte der Mine und deren Klassifizierung unter besonderer Berücksichtung der Entwicklung in Deutschland. Anschließend werden die sozioökonomischen und personenbezogenen Auswirkungen beleuchtet. Danach findet sich eine ausführliche Dokumentation zum Stand der Bemühungen zur Ächtung der Landminen auf internationaler Ebene. Schließlich beschreibe ich Hilfsmaßnahmen und bisherige Wege zur Beseitigung von Landminen. In einer Zusammenfassung wird ein Fazit zum Stand der Dinge gezogen.
Der zweite Teil der Arbeit befasst sich hauptsächlich mit Vorschlägen zur Verbesserung des Minenräumprozesses. In Ahnlehnung an die geltenden Schwerpunkte der Internationalen Mine Action Standards schlage ich erweiternde und ergänzende Maßnahmen vor. Anhand einer detaillierten Analyse wird untersucht, an welcher Stelle, mit welchem Ziel und mit welchen Mitteln in diesen Prozess eingegriffen werden kann. Besondere Berücksichtigung erfährt die Minensuchnadel, die nach wie vor im Zentrum dieses Prozesses steht.
Inhaltsverzeichnis:
| Teil Eins »Der Stand der Dinge« | ||
| 1. | Das Problem | |
| 1.1 | Einleitung und Definition | 07 |
| 1.2 | Die Geschichte der Mine | 11 |
| 1.3 | Klassifizierung der Minen | 19 |
| 1.4 | Minen in Deutschland | 31 |
| 1.5 | Weiterentwicklung | 50 |
| 2. | Die Auswirkungen | |
| 2.1 | Zahlen und Fakten | 59 |
| 2.2 | Gesundheitliche Auswirkungen | 63 |
| 2.3 | Sozio-ökonomische Auswirkungen | 68 |
| 3. | Die Antwort | |
| 3.1 | Internationale Rechtsgrundlagen | 72 |
| 3.2 | Landminenverbot: Pro und Contra | 76 |
| 3.3 | Der Beitrag der Bundesrepublik Deutschland | 80 |
| 3.4 | Das Ottawa-Abkommen | 82 |
| 3.5 | Die Rolle der ICBL | 86 |
| 3.6 | Der Deutscher Initiativkreis | 91 |
| 3.7 | Die CCW-Konvention/Protokoll V | 94 |
| 3.8 | Die Konferenz von Nairobi | 95 |
| 4. | Die Behandlung | |
| 4.1 | Die Internationalen Mine Action Standards | 99 |
| 4.2 | Das Bad Honnefer Konzept | 108 |
| 4.3 | Hilfsmaßnahmen und Entwicklungsarbeit | 113 |
| 4.4 | Das Zentrum für Humanitäre Minenräumung | 121 |
| 4.5 | Die praktische Umsetzung | 124 |
| 4.5.1 | Minendetektion | 126 |
| 4.5.2 | Minenräumung | 146 |
| 5. | Zusammenfassung | |
| 5.1 | Die politische Ebene | 169 |
| 5.2 | Die institutionell-administrative Ebene | 170 |
| 5.3 | Die lokale Ebene | 172 |
| 5.4 | Die technologische Ebene | 173 |
| 5.4 | Die operative Ebene | 179 |
| 5.5 | Die ökonomische Ebene | 181 |
| 5.6 | Ausblick | 182 |
| Teil Zwei »Was bringt die Zukunft?« | ||
| Vorbemerkungen | 185 | |
| 6. | Die Ausweitung der Massnahmen | |
| 6.1 | Fundraising und Sponsoring | 190 |
| 6.2 | Der Schutz des Einzelnen | 194 |
| 7. | Eingriffe in den Minenräumprozess | |
| 7.1 | Prozessanalyse und Darstellung | 197 |
| 7.2 | Eingriffsvorschläge | 206 |
| 7.2.1 | Robotertechnologie | 216 |
| 7.2.2 | Szenarien | 224 |
| 8. | Handwerkzeuge | |
| 8.1 | Die Minensuchnadel | 229 |
| 8.1.1 | Konzeptionelle Weiterentwicklung | 230 |
| 8.1.2 | Praktische Verbesserung | 235 |
| Schlusswort | 245 | |
| Anhang | ||
| 1. | Literaturverzeichnis | 246 |
| 2. | Abbildungsverzeichnis | 247 |
| 3. | Internetlinks | 249 |
Kapitel 1.4.: Minen in Deutschland:
In diesem Abschnitt soll ein Überblick zur Entwicklung der Gattung Mine über die Jahrzehnte am Beispiel Deutsches Reich und Bundesrepublik Deutschland vorgenommen weden. Es ist davon auszugehen, dass die Entwicklung in anderen industrialisierten Ländern im Laufe der Zeit einen ähnlichen Weg genommen hat, woraus sich die Vielfalt der existierenden Typen ableiten lässt.
1. Minen der Wehrmacht:
Am Vorabend des 2. Weltkriegs gab es von allen Kriegsparteien klar ausgearbeite Richtlinien für den Minenkrieg. Diese enthielten viele Gemeinsamkeiten. Als Teil der Militärdoktrin wurde sein Hindernischarakter und die besondere Bedeutung für die Panzerabwehr hervorgehoben. Danach waren Pioniere für die Planung defensiver Hindernisse und Sperrzonen sowie für die Sicherung der Flanken verantwortlich. Jede Einheit, die selbst für ihre Verteidigung verantwortlich war, konnte theoretisch Ver- und Entminungsarbeiten durchführen. Die Hauptverantwortung für sämtliche Minenoperationen wurde auf die Pioniere übertragen.
Dichte, Tiefe und Verlegeschema, Kennzeichnung und Dokumentation von Minenfeldern waren durch Vorschriften geregelt. Die genaue Dokumentation wurde hauptsächlich gefordert, um im Falle eines Gegenangriffs eigene Minenfelder als Gefahr für die Truppe auszuschließen und zum Wiederaufnehmen der Minen für eine eventuelle Neuverlegung.
Die Minenfelder unterschieden sich nach ihrem taktischen Zweck (Schutz-, Verteidigungs-, Sperr-, Störminenfelder und Sprengfallen), nach der Art der Bewegung, die behindert werden sollte (Schützen-, Panzer-, Landeabwehrminenfelder), nach Geländeart (Straßen-, Strand-, Eis-, und Eisenbahnverminung) und nach der Verlegeart (eilig oder vorbereitet verlegte Minenfelder). Störminenfelder bestanden hauptsächlich aus Schützenminen und waren nicht durch Feuer gesichert. Der Minenkrieg wurde in die Kampfhandlung des 2. Weltkrieg fest integriert.
Die Militärpolitik der Siegermächte des 1. Weltkrieges ließ die Wiederaufrüstung Deutschlands in nur geringem Maße zu. Dementsprechend niedrig hatte die Verteidigungsfähigkeit zu sein. Unter diesen Bedingungen mussten Minen als Kampfmittel der Abwehr eine geradezu herausragende Bedeutung gewinnen. Ihre Entwicklung ist deshalb trotz Geldmangels im Rahmen der heimlichen Aufrüstung betrieben worden.
Innerhalb der UNO übernahm die UNPD die Aufgabe des Ausbaus der in dem UN-Papier von 1998 festgelegten Richtlinien zu sozio-ökonomischen Gesichtspunkten und Kapazitätsaufbau. Studie der »Vietnam Veterans of America Foundation« befasste sich erstmalig mit der Untersuchung der sozio-ökonomischen Auswirkungen durch Minenverseuchung. Die UNDP beauftragte daraufhin das GICHD mit der Erarbeitung einer solchen Studie. Die gemeinsame Veröffentlichung im Jahr 2001 hatte die Setzung von Prioritäten bei der Minenräumung im Blickfeld und erstellte wegweisende Kosten-Nutzen-Analysen der UXO-Räumung in Laos und der Mineräumung in Mozambique. Seit längerer Zeit gab es vor allem von Seiten der Geldgeber Forderungen nach größerer Einbettung der Minenräumprogramme in allgemeine Aufbau- und Entwicklungsmaßnahmen; dieser Aspekt wird auch in Zukunft eine der größten Herausforderungen der Disziplin bleiben. Die Fokussierung der Prioritäten auf die Unterstützung nationaler Entwicklungsstrategien und Pläne als auch auf die enge Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure sind dabei für die Ganzheitlichkeit des Prozesses von größter Bedeutung. Die Stärkung einheimischer Kapazitäten zur Steuerung dieser Prozesse bleibt vorrangiges Ziel zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Mine Action-Programme. [...]
Die im Kosovo und Nord-Irak gesammelten Erfahrungen wurden gemeinsam mit aus früheren Einsätzen in Afghanistan, Kambodscha und Mozambique gemachte in die erste vollständige Ausgabe der »International Mine Action Standards« IMAS eingebracht. Sie reflektierten die unterschiedlichen Veränderungen der operativen Vorgänge, Praktiken und Normen, welche sich seit der Veröffentlichung der »International Standards for Humanitarian Mine Clearance Operations« 1997 ergeben hatten. Ausserdem wurde das Spektrum der Mine Action um wesentliche Aspekte erweitert, insbesondere um die Schwerpunkte »Mine Risk Education« und »Victim Assistance«. Die UNO trägt dabei die Verantwortung dafür, die Programme zu ermöglichen und eine effektive Durchführung zu gewährleisten als auch für die Einhaltung und Weiterentwicklung der Standards. Innerhalb des UN-Sekretariats ist die UNMAS das zuständige Büro für die Entwicklung und die Aufrechterhaltung der IMAS, deren Ausarbeitung vornehmlich [...]
und Förderung einheimischer Kapazitäten sollen dabei für verstärkte Nachhaltigkeit der Maßnahmen sorgen, vor allem durch die Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen Minenräumung und allgemeinen Aufbaumaßnahmen. Die Mine Action Programme von 1999 für den Kosovo und den NordIrak galten folglich als Bewährungsprobe dieser erweiterten Ansätze. Obwohl sich die Bereitstellung von Mitteln anfangs etwas verzögerte, kam mit der Zeit über bilaterale Verträge ein Budget von über 70 Millionen Dollar zusammen. Ein von der UNO in Auftrag gegebenes externes Gutachten bescheinigte dem Kosovo-Programm einen überwältigenden Erfolg. Fast 45.000 Minen und UXOs wurden beseitigt und zerstört, mehr als 30 Millionen m Boden in ihren ursprünglichen Vorkriegs-Zustand gebracht. Trotz einer Unmenge von Teilnehmern war die Organisation vorbildlich. Bereits die Räumaktionen in Kuwait im Anschluss an den 2.Golfkrieg zeigten, dass es mit Hilfe adäquater Ressourcen (welche in diesem Fall vor allem dem Engagement der USA zu verdanken waren) möglich sei, innerhalb kurzer Zeit die bestehenden Risiken für die Bevölkerung zu minimieren. (hier übernahm der US-amerikanische Minenproduzent CMS – im Besitz der Deutschen Aerospace DASA – die Minenräumung. Zwischen Oktober 1992 und August 1993 wurden unter anderem 330.000 Minen aus dem Golfkrieg geräumt. Kuwait bezahlte dafür 100 Millionen Dollar an die CMS) [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832499594
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Brantsch, Rolf August 2005: Böse Mine - Gutes Spiel, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Landmine, Minenräumung, Suchnadel, Systemdesign, Minenproblemtik



