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Die Börse als Handlungsbereich eigenverantwortlichen Vermögensaufbaus zur privaten Altersvorsorge

Dargestellt im Kontext rentenpolitischer Veränderungen

Die Börse als Handlungsbereich eigenverantwortlichen Vermögensaufbaus zur privaten Altersvorsorge
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jan Vogeler
  • Abgabedatum: April 2004
  • Umfang: 142 Seiten
  • Dateigröße: 740,0 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8576-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8576-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8576-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Vogeler, Jan April 2004: Die Börse als Handlungsbereich eigenverantwortlichen Vermögensaufbaus zur privaten Altersvorsorge, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Alterssicherung, Finanzierungssystem, Behavioral Finance, Investmentfonds, Neuer Markt

Diplomarbeit von Jan Vogeler

Einleitung:

Im Zuge der demographischen Entwicklung, die unter anderem gekennzeichnet ist von steigender Langlebigkeit und abnehmender Geburtenzahl, kommt es in den nächsten Jahrzehnten zu einer Alterung der Gesellschaft in unser Republik.

Ein Effekt davon ist, dass die Inanspruchnahme von Sozialleistungen des Staates massiv steigen wird. Dies wird die einzelnen Versorgungssysteme insbesondere im Bereich Renten, Gesundheit und Pflege an die Grenzen der Funktionsfähigkeit sowie der Finanzierbarkeit bringen. Sollen diese nun aber aufrecht erhalten wer- den, müssen die einzelnen Leistungen, vom heutigen Niveau ausgehend, gesenkt werden.

Die aufgezeigte demographische Entwicklung begleitend vollziehen sich wirtschaftliche Veränderungen. Diese beinhalten die z. T. hohe Arbeitslosigkeit, die Verkürzung der Lebensarbeitszeit sowie das allgemein schwache Wirtschaftswachstum. Das Zusammentreffen von Veränderungen in beiden Bereichen beinhaltet die Schwierigkeit, dass Erstere besser als Letztere vorhersehbar ist und bei- de unterschiedliche Reaktionszeiten erfordern. Insbesondere in Bezug auf die langfristige Erhaltung des Alterssicherungssystems bestehen die politischen Bestrebungen darin, dem veränderten Demographieprozess zu begegnen und dabei wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die Finanzierung des Alterssicherungssystems nachhaltig sichert.

Die Bestrebungen führen dazu, dass das heutige Niveau des individuell gewohnten und in der Erwerbstätigkeit konsumierten Lebensstandard im Alter allein über das staatliche, in der Regel umlagefinanzierte Versorgungssystem, nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Die sich daraus ergebende Handlungsdirektive für den Einzelnen ist, dass die eigenverantwortliche private Altersvorsorge zum zentralen Element der Sicherung des Lebensstandards für die Zeit im Ruhestand werden muss, um so die eigene Altersarmut zu verhindern.

In diesem Zusammenhang rückt zum einen der Zeithorizont und zum anderen das Renditemotiv in den Vordergrund. Eine Institution, die diesen Punkten Rechnung trägt und sich als relevante Alternative anbieten könnte, ist die Börse. Insbesondere Fonds als ein Anlageprodukt innerhalb dieser Institution, welche die verschiedensten Möglichkeiten der Berücksichtigung der individuellen Rendite- und Risikoneigung bieten, sollten deshalb verstärkt in die Altersvorsorge eingebunden werden.

Trotzdem steht diesem Postulat aber eine Unübersichtlichkeit und Unsicherheit in Bezug auf die spätere Rente, auf die Vielfalt der Produkte zur privaten Altersvorsorge und den möglichen Risiken, die mit der Börse verbunden sind, gegenüber.

Die Unsicherheiten finden sich in folgenden Bereichen:

- Bedarfsunsicherheit über die notwendige Höhe der privaten Vorsorge.

- Rahmenunsicherheit in Verbindung mit den gesetzlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

- Ergebnisunsicherheit in Bezug auf die Höhe der Rendite nach Ablauf der Ansparzeit.

- Zeitunsicherheit bezüglich des Zeithorizontes der Ansparphase, da das Renteneintrittsalter und das Todesalter unbekannt sind.

- Biografische Unsicherheit: Hierbei spielen Krankheiten, Erbschaften oder familiäre Bedingungen eine Rolle.

Diese Unsicherheiten führen häufig dazu, dass die Durchführung der privaten Vorsorge entweder aufgeschoben oder schlimmstenfalls ganz ausbleibt. Aus den genannten Unsicherheiten ergeben sich notwendige Fragestellungen, die den Untersuchungsgegenstand im Rahmen dieser Arbeit darstellen sollen.

Einleitend wird in Kapitel 2 eine Begriffsabgrenzung zwischen Altersversorgung und Altersvorsorge getätigt, um anschließend das Alterssicherungssystem in Deutschland zu erläutern. Diese Begriffsabgrenzung dient auch der Eingrenzung der thematischen Darstellung, denn im Rahmen dieser Arbeit wird der Fokus auf die private Altersvorsorge gelegt. Der implizite Anspruch in diesem Kapitel liegt in der transparenten Darstellung der bestehenden und in absehbarer Zeit auf das Altersvorsorgesystem zu- kommenden Probleme. Im Zuge dessen werden die Maßnahmen der Bundesregierung zur Lösung dieser Probleme aufgezeigt. Die sich aus diesem Sachverhalt ergebenden Konsequenzen für den individuellen Vermögensaufbau, bilden die Grundlage für die folgende thematische Auseinandersetzung in dieser Arbeit.

Da der Fokus auf den Vermögensaufbau gelegt wird, sind die thematischen Auseinandersetzungen dieses Kapitels und deren Auswirkungen schwerpunktmäßig auf die derzeit Erwerbstätigen gerichtet. Deshalb findet eine Berücksichtigung der jetzigen Situation und die Auswirkungen der Maßnahmen auf die der- zeitigen Rentner nicht statt. Weiterhin findet nur die Altersrente thematische Berücksichtigung. Zugunsten einer Fokussierung der Fragestellung, wird auf eine eingehende Darstellung der betrieblichen Altersvorsorge im Rahmen dieser Arbeit verzichtet.

In Kapitel 3 findet eine Begriffsbestimmung von Vermögen und Vermögensaufbau statt. Bei dem Vermögensaufbau zur privaten Altersvorsorge wird davon ausgegangen, dass die das Individuum betreffenden Risiken wie Unfall, Berufsunfähigkeit und Tod schon abgesichert wurden. Somit schöpft das Individuum einen Teil aus dem noch frei verfügbaren Einkommen für den Vermögensaufbau ab.

Kapitel 4 stellt die Behavioral Finance vor. Diese neue Forschungsrichtung innerhalb der Kapitalmarkttheorie soll dahingehend untersucht werden, ob sie praxistaugliche Analysemethoden und Handlungsanweisungen liefert, die das Individuum für den Vermögensaufbau nutzen kann. Dieser angestrebte Transfer hat dann die aus dem vorangegangenen Kapitel abgeleiteten Erkenntnisse zur Grundlage.

Im Kapitel 5 wird die Börse als Ort eigenverantwortlichen Vermögensaufbaus zur privaten Altersvorsorge als Schwerpunkt dieser Arbeit thematisiert. Zunächst wird definiert was die Börse und deren Funktion ausmacht. Anschließend bilden die Marktteilnehmer der Börse sowie ihr Anlageverhalten bzw. deren messbaren Erfolg den Untersuchungsgegenstand. Weiterführend werden das Aktienmarketing sowie Investmentfonds als ein Instrument des Vermögensaufbaus dargestellt. Die thematische Auseinandersetzung der beiden letzten Abschnitte dieses Kapitels haben mit den Börsencrashs und den Finanzmärkten in einer Aging Society den Anspruch eine realistische Darstellung der Risiken im Prozess des Vermögensaufbaus, aufzuzeigen.

Abschließend erfolgt im Kapitel 6 eine zusammenfassende Würdigung der Möglichkeiten, die Börse für den Vermögensaufbau zu nutzen, um so den Erkenntnissen über die veränderten Ausgangsbedingungen für die eigene Altersrente Rechnung zu tragen. Ergänzt wird dieses Kapitel durch einen Ausblick, der perspektiv sinnvolle Aspekte und relevante Themenbereiche darstellt, die dann zeitgemäße Handlungsweisen zur privaten Altersvorsorge anregen können.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Zielsetzung und Vorgehensweise 1
2. Zusammensetzung und Veränderung der Alterssicherung 7
2.1 Abgrenzung von Altersversorgung und Altersvorsorge 7
2.2 Zusammensetzung des Systems der Alterssicherung in Deutschland 7
2.2.1 Staatliche Alterssicherung als 1. Säule 10
2.2.2 Betriebliche Alterssicherung als 2. Säule 11
2.2.3 Private Alterssicherung als 3. Säule 11
2.3 Relevanz des Generationenvertrages 12
2.4 Finanzierungssysteme der Alterssicherung 14
2.4.1 Umlageverfahren 15
2.4.1.1 Vorteile des Umlageverfahrens 16
2.4.1.2 Nachteile des Umlageverfahrens 16
2.4.2 Kapitaldeckungsverfahren 17
2.4.2.1 Vorteile des Kapitaldeckungsverfahrens 18
2.4.2.2 Nachteile des Kapitaldeckungsverfahrens 18
2.5 Notwendigkeit einer veränderten Gewichtung der Finanzierungssysteme innerhalb der Alterssicherung. 19
2.5.1 Inhalte der Rentenreform 2001 26
2.5.2 Inhalte der Rentenreform 2004 28
2.5.3 Geplante Änderungen ab 2005 30
2.6 Zwischenergebnis 33
3. Vermögen und Vermögensaufbau 35
3.1 Definition Vermögen 35
3.2 Definition Vermögensaufbau 37
4. Behavioral Finance 38
4.1 Gegenstand und Ziele der Behavioral Finance 38
4.1.1 Anomalien auf der Individualebene 41
4.1.2 Anomalien auf der Marktebene 43
4.1.3 Einbindungen der Anomalien in ein Erklärungsmuster 44
4.1.4 Auseinandersetzungen über einen Paradigmenwechsel 46
4.2 Theoretischer Nutzen der BehavioralFinance 47
4.2.1 Anforderungen an die Existenzberechtigung der Behavioral Finance 48
4.2.2 Modelle der Behavioral Finance 49
4.3 Praktischer Nutzen der Behavioral Finance 51
4.3.1 Erweiterung der Analysemethoden durch die Behavioral Finance 51
4.3.2 Auswirkungen auf die Investmentbranche 53
4.4 Zwischenergebnis 53
5. Börse als Handlungsbereich eigenverantwortlichen Vermögensaufbaus 56
5.1 Kennzeichen und Funktionen der Börse 56
5.2 Begriffsbestimmung und Anlageverhalten der Börsenteilnehmer 58
5.2.1 Kennzeichen der Privatanleger 59
5.2.2 Wissenschaftliche Studien über die Privatanleger 60
5.2.3 Kennzeichen der institutionellen Investoren 62
5.2.4 Messung der Anlageperformance der institutionellen Investoren 63
5.3 Marketing im Investmentbereich 64
5.4 Investmentfonds als ein Instrument für den eigenen Vermögensaufbau 67
5.5 Börsencrashs – Ursache und Rückwirkung auf den Anleger 71
5.5.1 Familienähnlichkeiten von Börsencrashs 74
5.5.2 Auf- und Abstieg des Neuen Marktes 76
5.6 Finanzmärkte in einer Aging Society 79
5.7 Zwischenergebnis 83
6. Abschließende Würdigung 86
6.1 Zusammentragung der wichtigsten Ergebnisse 86
6.2 Gesamtergebnis 89
6.3 Ausblick 90
Anhang 93
Literaturverzeichnis 116

Automatisiert erstellter Textauszug:

Weiter wurde der praktische Nutzen der Behavioral Finance und die Umsetzung in der Investmentbranche dargestellt. Durch die Beschäftigung mit dem eigenen Anlageverhalten und insbesondere mit dessen Überprüfung wird ein Weg aufgezeigt, auf dem eventuell zukünftiges Fehlverhalten zumindest reduziert werden kann.Der dadurch erhoffte Vorsprung gegenüber den anderen Marktteilnehmern muss einer realistischen Einordnung mit den damit verbundenen Zielen unterzogen werden. Dies ergibt sich dadurch, dass der damit verbundene Glaube, die Börsenkurse vorhersagen zu können, keine Verbesserung des eigenen Anlageverhaltens, sondern ein Rückfall in alte Denkmuster darstellt. Demzufolge sieht SCHUSTER in dieser Denkweise dann auch einen Rückschritt. Er weist auf eine gedankliche Fehlkonstruktion hin, welche darin liegt, dass Vorhersagen aufgrund antizipierten Verhaltens auf ihren Gegenstand zurückwirken. Der Prognostiker ist selbst ein Bestandteil des Untersuchungsgegenstandes und beeinflusst dadurch seine Prognose.182 [...]

So fundamental neu die Einbeziehung psychologischer Aspekte in Investmententscheidungen gemäß ihren Anhängern ist, so vergleichbar ist ihr praktischer Nutzen mit anderen Strategien zur Analyse von Investmententscheidungen. Auch bei der Behavioral Finance geht es darum, bei Verfolgung einer bestimmten Anlagestrategie, einen Vorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern zu erzielen. Dies ist deshalb so wichtig, weil dem Erfahrungswert nach auf jeden Gewinner auch mindestens ein Verlierer kommt. Um deshalb nicht auf die Verliererseite zu geraten, wird das eigene Ego zum wichtigsten Spekulationsinstrument stilisiert und davon ausgegangen, dass der Anleger bei dessen Beherrschung mehr Geld verdienen kann als mit jeder anderen Methode.173 In einigen Literaturbeiträgen wird dem Leser sogar suggeriert, dass mit der Behavioral Finance ein Werkzeug gefunden wurde, um die Stolperfallen des Ego zu überwinden.174 [...]

In der Behavioral Portfolio Theory von SHEFRIN und STATMAN, finden die Existenz von kognitiven Fehlern und die mangelnde Selbstkontrolle des Anlegers sowie die Prospect Theory162 als verhaltenswissenschaftliches Fundament Verwendung finden.163 SHEFRIN und STATMAN gehen davon aus, dass Anleger ihre Portfolios einer Unterteilung in zahlreiche weniger komplexe Schichten unterziehen. Dies stellt eine Abkehr von dem Markowitz’schen Ansatz dar, wonach der Anleger sein Portfolio als Einheit ansieht. Verdeutlicht wird dieser Gedankengang anhand eines Pyramidenmodells.164 Dabei dient die unterste Schicht dem Schutz vor existenzgefährdenden Verlusten und die oberste der Möglichkeit zur Erzie- lung eines befriedigenden Renditezieles. Die Aufteilung der Anteile der unterschiedlichen Schichten am Gesamtportfolio variiert entsprechend den Erwartungen der Anleger. Die Verschiebungen wirken sich entscheidend auf die Risiko- prämien der Wertpapiere aus und beeinflussen damit auch die Preisbildung, was wiederum einen veränderten Ansatz zur Preisbildung unter der vorherrschenden Finanzmarkttheorie darstellt.165 [...]

Arbeit zitieren:
Vogeler, Jan April 2004: Die Börse als Handlungsbereich eigenverantwortlichen Vermögensaufbaus zur privaten Altersvorsorge, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Alterssicherung, Finanzierungssystem, Behavioral Finance, Investmentfonds, Neuer Markt

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