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Boccaccios "Dekameron" und die kirchliche Bücherzensur des 16. Jahrhunderts

Boccaccios "Dekameron" und die kirchliche Bücherzensur des 16. Jahrhunderts
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Marcus Adrian Woelfle
  • Abgabedatum: Januar 1990
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 3,9 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2587-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2587-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2587-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Woelfle, Marcus Adrian Januar 1990: Boccaccios "Dekameron" und die kirchliche Bücherzensur des 16. Jahrhunderts, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Boccaccio, Dekameron, kirchliche Bücherzensur, Italienische Literatur, Novelle

Magisterarbeit von Marcus Adrian Woelfle

Einleitung:

Bereits zu Lebzeiten des Autors ruft das Dekameron die Opposition des Klerus hervor. 1362 erscheint bei Boccaccio der Mönch Ciani und kündigt ihm auf Grund der Prophezeiung eines verstorbenen Mitbruders nahen Tod und Verdammnis an, falls er sein bisheriges Leben nicht ändere. Ohne das Einschreiten Petrarcas hätte Boccaccio sein Werk zerstört.

Ein erster Höhepunkt der Verfolgung des Dekameron ist die von Savonarola veranstaltete öffentliche Verbrennung des Buches im Jahr 1477, sechs Jahre nach seinem Erstdruck. Ein erstes offizielles Verbot des Dekameron erläßt die Kirche erst 1559.

Die drei nach dem Konzil von Trient erschienen zensierten Fassungen stellen eine deutliche Zäsur in der Editionsgeschichte des Dekameron dar. Niemals zuvor war es von seinen Herausgebern inhaltlich so stark verändert, ja entstellt und verstümmelt worden. Gleichzeitig waren aber die Ausgaben von 1573 und 1582 an den Stellen, an denen der Text von keinen Eingriffen betroffen war, die zuverlässigsten bis dahin erschienenen Drucke. Ihre Herausgeber Borghini und Salviati dokumentierten ihre textkritische Arbeit in Kommentarbänden, die zu den Höhepunkten der Boccaccio-Rezeption des Cinquecento gerechnet werden. Diese scheinbar widersprüchliche Behandlungsweise des Textes resultiert nur teilweise aus den unterschiedlichen Interessen, die die kirchlichen Autoritäten einerseits und die deren Bestimmungen Umsetzenden hatten: Zwar führten die deputati und ihr erster Vorsitzender Borghini die erste rassettatura nur widerstrebend aus, doch läßt sich nicht leugnen, daß ihre Nachfolger Salviati und Groto sich selbst darum bemüht hatten, mit der Revision des Werkes beauftragt zu werden, und dies, obwohl sie erklärte Bewunderer Boccaccios waren.

Im späten Cinquecento war Boccaccios Sprache - nicht zuletzt dank der Autorität der Prose della volgar lingua Bembos - allgemein als vorbildlich für die italienische Prosa anerkannt. Die purità der florentinischen Sprache mußte zur Zeit der Gegenreformation für Gelehrte, die den ideologischen Standpunkt der katholischen Kirche teilten, geradezu im Gegensatz zu vermeintlich häretischen oder unmoralischen Inhalten des Dekameron stehen. Die Bezeichnungen emendare, correggere und alla sua vera lezione ridurre - von früheren Herausgebern für ihre rein textkritische Arbeit gewählt - erhalten durch die Zensoren eine zweifache Bedeutung: Die „Reinheit“ der Sprache möglichst originalgetreu zu bewahren und dem Inhalt dort „Reinheit“ zu verleihen, wo sie nach Ansicht der Inquisition fehlt. Das ursprünglich textkritische Verfahren wird nun auf einer inhaltlichen Ebene angewendet.

Ziel dieser Untersuchung ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Korrekturen von 1573, 1582 und 1588 aufzuzeigen. Ein kurzer Überblick kirchlicher Zensurbestimmungen führt in das Thema ein. Im Anschluß an eine Darstellung der Enstehungsgeschichte der Revisionen werden deren wesentliche Merkmale beschrieben; diese sollen im abschließenden Textvergleich an Hand ausgewählter Beispiele zensierter Novellen nachgewiesen und ergänzt werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Die Indizierung des Dekameron im Rahmen der kirchlichen Zensurbestimmungen des 16.Jahrhunderts 7
3. Die rassettatura der deputati (1573) 16
3.1 Die Enstehung der ersten Revision 16
3.2 Titelblatt, Vorwort, und Annotationi – Zur Selbstdarstellung der Herausgeber 19
3.3 Merkmale der ersten Revision 25
3.4 Das Verbot der Edition der deputati 28
4. Die zensierte Fassung Lionardo Salviatis (1582) 32
4.1 Enstehung der zweiten Revision 32
4.2 Titelblatt, Vorwort und Avvertimenti - Zur Selbstdarstellung Salviatis 32
4.3 Merkmale der zweiten Revision 32
5. Die „reformierte“ Ausgabe Luigi Grotos (1588) 39
5.1 Die Enstehung der dritten Revision 39
5.2 Titelblatt und Vorwort Giovanni Segas 39
5.3 Merkmale der dritten Revision 40
6. Die Korrekturen im Textvergleich 42
6.1 Die Behandlung der Klerikersatire: Versuche der Eliminierung, der Transformation und der Adaption zu gegenreformatorischen Propagandazwecken 42
6.1.1 Klerus und Reliquienkult: Novelle VI, 10 42
6.1.1.1 Die Fassung der deputati 43
6.1.1.2 Die Fassung Salviatis 47
6.1.1.3 Die Fassung Grotos 50
6.1.2 Klerikale Hierarchie und Eros: Novelle IX,2 54
6.1.2.1 Die Fassung der deputati 55
6.1.2.2 Die Fassung Salviatis 56
6.1.2.3 Die Fassung Grotos 57
6.2 „Untolerierbare Fehler“ Boccaccios 59
6.2.1 Glaube und Aberglaube 60
6.2.1.1 Gebet und Zauberspruch: Novelle VII,1 61
6.2.1.2 Heidentum und Magie in den Korrekturen der Novelle III,8 64
6.2.2 Tod und Jenseits 66
6.2.2.1 Novelle III,8: Purgatorio und altro mondo 67
6.2.2.2 Novelle VII,10: Bestrafung im Jenseits? 70
6.2.2.3 Die Einleitung zum ersten Tag 71
7. Schlußbermerkung. Die Rezeption der Korrekturen und die Dekameron-Zensur der Folgezeit 73
8. Synoptischer Anhang 78
8.1 Novelle I,1: argomento 78
8.2 Novelle III, 8: argomento 78
8.3 Novelle VII,3 78
8.4 Novelle IX,10 79
9. Literaturverzeichnis 80
9.1 Primärliteratur 81
9.2 Sekundärliteratur 83

Arbeit zitieren:
Woelfle, Marcus Adrian Januar 1990: Boccaccios "Dekameron" und die kirchliche Bücherzensur des 16. Jahrhunderts, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Boccaccio, Dekameron, kirchliche Bücherzensur, Italienische Literatur, Novelle

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