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Bioethik

Ethische Folgen des Biozentrismus

Bioethik
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Frank Jansen
  • Abgabedatum: Oktober 2001
  • Umfang: 157 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 1,8
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Niederrhein Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5011-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5011-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5011-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jansen, Frank Oktober 2001: Bioethik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Präimplantationsdiagnostik, Genetischer, Diskurs, Genmanipulation, Biozentrismus

Diplomarbeit von Frank Jansen

Einleitung:

Gott ist tot. Gerade in der Debatte um Reproduktionsmedizin und Molekularbiologie wird ersichtlich, dass die Zeiten von Immanenz und Transzendenz, im Hinblick auf Erlösung und Verschiebung von Problemstrukturen auf das Jenseits, der Vergangenheit angehören. Der Mensch ist zum „Meister“ seiner eigenen Disposition geworden und liegt in der Debatte um die daraus resultierende Ethik und Moral um Jahrhunderte zurück. Schon seit Jahrtausenden macht sich der Mensch Gedanken über schöne, gesunde und gute Nachkommen. Sokrates und Glaukon forderten Gesetze, damit nur die besten Männer mit den besten Frauen möglichst oft, und die schlechtesten Männer mit den schlechtesten Frauen möglichst wenig verkehren durften. Verlockend der Gedanke das Krankheiten schon in ihrer genetisch angelegten Struktur verhindert werden kann.

Geradezu zynisch zu wissen das eine Gesellschaft ohne „Schwache und Verlierer“ nicht funktionstüchtig sein kann. Das biologische Schicksal ist voraussehbar, planbar und korrigierbar geworden und lässt nur erahnen, welches Potential an Kontrollierbarkeit hier möglich ist. Sicher ist allerdings eines, wir werden uns über eine völlig neue Konstruktion Mensch unterhalten müssen, und es wird auch unabdingbar sein demzufolge über eine völlig andere, noch nicht vorhersehbare Gesellschaftsordnung zu sprechen.

In der gesamten Biodiskussion sind die Demarkationslinien noch nicht klar gezogen und bieten daher in erster Linie für viele Menschen Unsicherheit und Unverständnis angesichts eines so umfassenden Themenkomplexes. Aber eines dürfte sicher sein. Endlich haben wir es geschafft. Endlich sind wir Herr, wenigstens auf biologischer Ebene, Herr unser selbst. Der letzte Schritt zur Individualisierung mit Rückgabegarantie ist getan und die Gewissheit besser sein zu können als die Schöpfung je sein konnte, ist endlich in greifbare Nähe gerückt. Die neuen Dispositionen ähneln einem fundamentalistischen Individualisten, eine Überforderung, eine biologische Atombombe auf geistiger Ebene. Wir sind nicht nur dazu verdammt worden die eigene Anthropologie neu zu konzipieren, ja sogar soweit zu verändern und jederzeit beliebig neu verändern zu können, wir sind auch dazu verdammt worden allem einen neuen Sinn geben zu müssen. Der Urzustand, die biologische Grenze, ist erobert und kann neu platziert werden. Wir sind zum Korrekturleser unser selbst degradiert.

Tatsache ist, dass die gesamte Diskussion um Bioethik und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Folgen in einem Vakuum stecken. Die Suche nach einer neuen Bioethik ist noch lange nicht abgeschlossen, eine neue Suche nach uns selbst und die Möglichkeit den Menschen als solches ganzheitlich zu erfassen und zu schützen. Ausgehend von den kurzen Überlegungen ist es nur klar, dass die Neudefinition Mensch eigentlich eine Neustrukturierung des Systems Mensch – Mensch und Mensch – Umwelt bedeutet mit all ihren logischen Konsequenzen. In dieser Diplomarbeit versuche ich nicht nur zum Ausdruck zu bringen, dass der Weg in die eugenische Gesellschaft schon längst gegangen wird. Das nicht nur die Debatte um eine „ethisch human“ orientierte Gesellschaft Gegenstand des neues Diskurses ist, sondern die Kreise sich viel weiter ziehen.

Tatsache ist, dass dem Diskurs Neudefinition Mensch eine ganze Palette von Argumentationen aus z.B. Wirtschafts- und Versicherungssystemen ebenso aus der Nahrungsmittelindustrie und Bauernverbänden zukommen. Bereiche also denen in erster Linie Produktorientiertheit und Marktverbundenheit zugesprochen werden kann. Es geht sich nicht mehr um den rein philosophischen Diskurs (wenn es sich jemals darum ging), sondern um eine Neudefinition des Weltmarktes Mensch und seine biologisch-genetische Vermarktung.

Wir befinden uns in einer Situation des Zerfalls und Wiederaufbaus ethischer Konventionen auf gesamthumaner Ebene. Wichtig wäre, dass an einem Wiederaufbau ethischer Grundprinzipien eine breite Öffentlichkeit beteiligt wäre, die in ihrem Wesen die Situation erkennen und diskutieren kann. Eine Öffentlichkeit, die in der Lage ist zu wissen, dass Fortschritt und Wissenschaft nie neutral sein kann und auch nicht will. Wir berechnen uns neu und reduzieren uns auf die Summe unserer Addition. Dabei sind wir auf einer viel weiterführenden Diskussion. Es geht nicht nur um eine Neudefinition Mensch, quasi den homo ratio geneticus, sondern um eine Neuinterpretation der Schöpfungsgeschichte, in dem jegliches Lebewesen durchdacht, neukonzipiert und neuplatziert wird.

Entscheidend dafür sind weder humanistische, sondern eher zweckorientierte Kriterien. Wir befinden uns also im Schiff der 2. Schöpfungsgeschichte, in denen sich die utilitaristischen Apologeten am Ruder befinden. Die Frage muss sein was wir wollen? Die Frage muss sein wer die gängigen Entscheidungs- und Machtprozesse in der Hand hält und welche Interessen damit verbunden werden.? Wollen wir alles sein was wir sein können? In dieser vorliegenden Diplomarbeit kann nicht auf alles eine Antwort gegeben werden. Aber die bioethischen Horizonte können abgesteckt, der Diskurs verdeutlicht werden. Es kann verdeutlicht werden, welchen Prozessen Gesellschaft unterliegt und wohin der Weg führen könnte.

Inhaltsverzeichnis:

1. Der Horizont des bioethischen Diskurs 5
1.1 Eine Reise durch die Gentechnologie (Medizinischer Diskurs) 5
1.1.1 Die In-Vitro-Fertilisation 8
1.1.2 Die Präimplantationsdiagnostik 12
1.1.3 PID und die Totipotenz der Zellen 13
1.1.4 Von Keimbahnen und das Human Genom Projekt 14
1.1.4.1 Somatische Gentherapie contra Keimbahntherapie 18
1.2 Der rechtliche Diskurs in der Deutschland 20
1.2.1 Die Verfassungsrechtlichen Maßstabsnormen in der Deutschland 22
1.2.2 Genomanalytische Verfahren contra Persönlichkeitsrecht 23
1.2.3 Der rechtliche Rahmen 24
1.2.4 Pränatale Genomanalyse 26
1.2.5 Frühkindliche Genomanalyse 26
1.2.6 Familienrecht 28
1.2.7 Arbeitsrecht 28
1.2.8 Gentherapie 31
1.2.9 Haftung des Sachverständigen 32
1.2.10 Fazit 33
1.3 Ethischer Diskurs 35
1.3.1 Der Utilitarismus aus bioethischer Perspektive 41
1.3.2 Die biozentrische Sichtweise 46
1.3.3 Biozentrismus contra Utilitarismus 49
1.3.3.1. Zur Existenz vom Ich 55
1.3.3.2. Zur Existenz vom Ökonomischen 56
1.3.3.3. Zur Existenz von der Natürlichkeit 57
1.3.3.4. Zur Existenz von übergeordneten Werten 57
Corruption 59
2. Gedanken zum neuem Menschenbild 60
2.1 Was wir brauchen 62
2.2 Biozentrismus und Naturwissenschaften 62
2.3 Biozentrismus als Antwort auf den ethischen Diskurs? 65
2.4 Fazit aus sozialpädagogischer Sicht 71
Anhang
Glossarium
Literaturverzeichnis

Automatisiert erstellter Textauszug:

Penicillin – Antibiotikum, das die Zellwandsynthese von Bakterien stört Peptide – Aminosäuren, die durch eine spezielle chemische Verbindung (Peptidbindung) miteinander verbunden sind Plasmid – ringförmiges DNS-Molekül, das sich selbstständig von der übrigen Erbsubstanz in Bakterien- oder Hefezellen vermehrt. Bestimmte Plasmide besitzen einen satz von genen, der es ihnen erlaubt, sich selbst und andere Plasmide auf bisher plasmidfreien Wirtszellen zu übertragen Polymer – aus größeren Molekülen bestehend, die durch Verknüpfung kleinerer entstanden sind Prokaryotische Zellen – ohne Zellkern, z.B. Bakterien Protein – Bezeichnung für Eiweißkörper, die funktionellen und strukturellen Bausteinen des Körpers Protoplasten – zellwandlose Zellen, aber mit intakter Zellmembran Rekombinante DNS – ein DNS- Molekül, das aus Anteilen verschiedener DNS-Moleküle besteht, die im Reagenzglas miteinander verknüpft wurden Resistenz-Gene – Gene, deren Aktivität einer Zelle Resistenz gegen Antibiotika verleiht Resriktionsenzyme – Enzyme, die genetisches material jeweils an bestimmten Zellen erkennen und zerschneiden und es dadurch aktivieren Ribose – Zuckermolekül, Baustein der RNA RNA – (engl. Ribinucleic acid) Ribonukleinsäure, einsträngiges „Negativ“ der DNS oder von Abschnitten der DNS Sequenzierung – Bestimmung der Folge der Bausteine auf einem polymeren Molekül, z.B. DNS, RNA oder Protein Somatische Zellen – alle Zellen des Organismus außer den Keimzellen Stammzelle – teilungsfähige Ursprungszelle im Knochenmark, deren nachkommen zu hochspezialisierten Zellen des blutbildenden Systems und der körpereigenen Abwehr ausdifferenzieren Transformation – Übertragung von DNS, auch rekombinanter DNS, auf Bakterien- oder auch höhere Zellen. Bei höheren Zellen auch Übergang von normalem zu krebsartigem Wachstum Vakzine – Impfsoff Vektor – Übertragungsvehikel (Plasmid,Virus) mit dem DNS in eine Zelle übertragen werden kann Wirtszelle – in der Gentechnik Zellen, in die fremde genetische Informationen zusammen mit einem Vektor eingeführt werden Zellkern – von der übrigen Zelle abgetrennter Bereich, der die Chromosomen enthält [...]

Glossarium: Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin – die vier informativen Bausteine der DNS Aids – „aquired immune deficiency syndrome“ erworbene Schwäche des Immunsystems. Rekrankung des Immunsystems durch HTLV-3 oder LAVI-Vieren (jetzt auch HIV, Human Immunedeficiency Virus genannt) Aminosäuren – Bausteine des Proteins. Im Protein sind die Aminosäuren zu langen „Ketten“ verknüpft. Die Aufeinanderfolge der Aminosäuren wird durch die Aufeinanderfolge der Nukleotide in der DNS bestimmt. Antibiotika – Stoffe mikrobieller Herkunft (Bakterien, Pilze), die andere Mikroorganismen abtöten oder in ihrem Wachstum hemmen Antibiotika-Resistenz- Eigenschaft von Mikroorganismen, Stoffe zu erzeugen, die Antibiotika unwirksam machen. Das von bestimmten Bakterien produzierte Enzym Penicillnase z.B. spaltet das Antibiotikum Penicillin und macht es unwirksam. Antigen – Fremdstoff, der die Produktion von Antikörpern verursacht Antikörper – körpereigene Proteine, die zur Abwehr eingedrungener Fremdstoffe dienen Bakteriophage – Virus, das Bakterien befällt und sich in ihm vermehrt Boten-RNA – (messenger RNA), Kopie eines DNS-Stranges. Ihre Information wird in die Aminosäurefrequenz eines Proteins umgesetzt. Chromosom – wegen der Anfärbbarkeit mit speziellen Farbstoffen abgeleitete Bezeichnung für die in den Zellkernen aller Körperzellen vorhandenen, mikroskopisch sichtbaren fadenförmigen Träger der Erbinformation, der DNS. DNS/DNA – (englisch DNA, Desoxyribonucleicacid) Desoxyribnukleinsäure, die chemische Grundsubstanz der Erbinformationen, bestehend aus linear verknüpften Nukleotiden. Die Reihenfolge der Nukleotide bilden die Erbinformationen, z.B. Aufeinanderfolge der Aminosäuren in einem Genprodukt. Embryo – der aus der befruchteten Eizelle sich entwickelnde Organismus bis zum Ende der Organentwicklung, das sind die ersten drei Monate der Schwangerschaft Embryo-Transfer – Einsetzung befruchteter Eizellen vom Reagenzglas in die Eizelle Enzyme- Proteine, die als Katalysatoren stoffliche Umsetzung in der Zelle beschleunigen Eukaryotische Zelle – Zellen mit Zellkern, bei allen höheren Lebensformen Expression – Umsetzung genetischer Information in Protein Gen – Abschnitt auf der DNS, der die Information zur Synthese eines Proteins enthält Genom – das gesamte genetische Material, die Erbsubstanz eines Organismus [...]

lich betriebene Züchtung hingegen ist auf die Optimierung von Merkmalen ausgerichtet. Ob auf der anderen Seite natürliche Evolution überhaupt einen Optimierungsgedanke hat, ist eine andere Frage. Für mich bedeutet Evolution eher ein permanenter Anpassungsprozeß, in dem der einzelne neue Möglichkeiten entwickeln kann. Er ist gezwungenermaßen dazu verdammt, kreativ zu sein und lebt in einer Scheinsymbiose mit der Umwelt, die ihm von der Grundhaltung her feindlich gesinnt ist. Ein Antwort auf den bioethischen Diskurs kann diese Diplomarbeit auch nicht geben. Wenigstens aber eine biozentristische Position aufzeigen, die als gängige Alternative zur bestehenden Praxis aufgenommen werden kann. In der Mensch als das vorkommt, was er gerne wäre, als Teil eines ihm umfassenden Systems, daß ihn auch als solches erkennt und in dem er leben kann, ohne einem ständigen Risikobewußtsein ausgesetzt zu sein. Eine Position, in dem bestehende Sachzwänge, die er nicht mehr folgen kann oder will, nicht mehr bestehen. Ein System, welches Schwäche zuläßt und sich ganz nach der Theorie von Rawls nach den Schwächsten und Verletzbarsten einer Gemeinschaft orientiert. Der Biozentrismus wird es auch nicht schaffen, eine gerechtere Gesellschaft zu produzieren, aber eine Lebensqualitätssteigernde, die Sinn für den einzelnen macht. Nicht nur für eine Elite. [...]

Arbeit zitieren:
Jansen, Frank Oktober 2001: Bioethik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Präimplantationsdiagnostik, Genetischer, Diskurs, Genmanipulation, Biozentrismus

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