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Die Bilanzierung von Emissionsrechten in der internationalen Rechnungslegung vor dem Hintergrund des EU-Anerkennungsverfahrens

Die Bilanzierung von Emissionsrechten in der internationalen Rechnungslegung vor dem Hintergrund des EU-Anerkennungsverfahrens
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Marcel Smolka
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 101 Seiten
  • Dateigröße: 451,7 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: FOM - Fachhochschule für Oekonomie und Management Essen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9280-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9280-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9280-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Smolka, Marcel August 2005: Die Bilanzierung von Emissionsrechten in der internationalen Rechnungslegung vor dem Hintergrund des EU-Anerkennungsverfahrens, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: IAS, IFRS, US-GAAP, IFRIC, Endorsement

Diplomarbeit von Marcel Smolka

Problemstellung:

Das Jahr 2005 markiert in zweifacher Hinsicht einen Meilenstein für die europäische Wirtschaft. Zum einen sind für ab dem 01.01.2005 beginnende Geschäftsjahre alle kapitalmarktorientierten Konzerne mit Sitz in der EU dazu verpflichtet, ihren Abschluss nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IAS/IFRS aufzustellen. Damit erhöht sich die Zahl der EU-Unternehmen, die nach IAS/IFRS bilanzieren, von etwa 350 im Jahr 2002 auf ca. 7.000. Zum anderen wurde mit Beginn des Jahres 2005 ein EU-weites Emissionsrechtehandelssystem etabliert, dessen Wurzeln auf das umstrittene, 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll zurückgehen. In Deutschland sind davon rund 2.000 Unternehmen betroffen.

Die Unternehmen stehen damit vor beachtlichen Herausforderungen. Vielfach müssen sie ihr Rechnungswesen den geänderten Rahmenbedingungen anpassen. Ist im kontinentaleuropäischen Regelungswerk der Gläubigerschutzgedanke als zentrales Element fest verankert, so folgt die internationale Rechnungslegung nach angloamerikanischem Vorbild dem Prinzip der Kapitalmarktorientierung. Die einzelnen Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften unterscheiden sich zum Teil erheblich.

Das Emissionsrechtehandelssystem erfordert von den betroffenen Unternehmen zudem eine genaue Kenntnis der institutionellen Verfahrensweise, um den gesetzlichen Anforderungen im Zusammenhang mit den Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2) gerecht zu werden. Grundsätzlich erwächst aus jeder ausgestoßenen Tonne CO2 die rechtliche Verpflichtung, den Schadstoffausstoß mit einem Zertifikat zu „bezahlen“.

Vor diesem Hintergrund ist der seit Jahren schwelende Konflikt um die Bilanzierung von Emissionsrechten in der internationalen Rechnungslegung zu sehen. Bestehen im US-amerikanischen Rechnungslegungssystem US-GAAP konkrete und eindeutige Vorgaben zur bilanziellen Berücksichtigung von Emissionsrechten zum Ausstoß von Schwefeldioxid (SO2), so ist diese Frage in der IAS/IFRS-Rechnungslegung nicht abschließend geklärt. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte der Streit im Juni 2005, als der Standardsetter IASB die erst wenige Monate zuvor veröffentlichte, verbindliche Interpretation IFRIC 3 zur Bilanzierung von Emissionsrechten mit sofortiger Wirkung zurücknahm. Diese Entscheidung kann als Reaktion auf die Absicht der EU ausgelegt werden, die Interpretation nicht in europäisches Gemeinschaftsrecht überführen zu wollen.

Die Aktualität und die Tragweite der Thematik zusammen mit der praktischen Relevanz im Unternehmensbereich zeichnen den Gegenstand der vorliegenden Arbeit in besonderem Maße aus. Ziel dieser Arbeit ist es, eine umfassende Darstellung der Bilanzierung von Emissionsrechten nach der IAS/IFRS- und der US-GAAP-Rechnungslegung zu leisten. Dazu werden die wesentlichen, kontrovers diskutierten Bilanzierungsmöglichkeiten vorgestellt und einer kritischen Betrachtung unterzogen. Hierzu ist auch ein Rückgriff auf die konfliktreichen Diskussionen im Rahmen der Standardsetzung des IASB und im Zusammenhang mit der ablehnenden Haltung der EU zur Anerkennung des IFRIC 3 erforderlich.

Gang der Untersuchung:

Zunächst werden im zweiten Teil der Arbeit die Grundlagen des Emissionsrechtehandels vorgestellt. Aufbauend auf der theoretischen Fundierung des Grundmodells der Zertifikatlösung werden die praktischen Ausgestaltungen des Handels mit Emissionsrechten in der EU, in Deutschland und in den USA beschrieben. Diese Darstellung erfolgt detailliert anhand der umfassenden gesetzlichen Vorschriften.

In den Teilen drei und vier der Arbeit werden getrennt die Vorschriften der IAS/IFRS-Rechnungslegung und der US-GAAP-Rechnungslegung zur Bilanzierung von Emissionsrechten untersucht. Für beide Teile wird ein ähnlicher Aufbau gewählt.

Als erstes wird ein Überblick über die Konzeption des jeweiligen Rechnungslegungssystems gegeben. Dies ist erforderlich, um die sich daran anschließenden Ausführungen zur konkreten bilanziellen Abbildung von Emissions-rechten im Gesamtzusammenhang der unterschiedlichen Rechnungslegungssystematiken verstehen zu können. Trotz des Sonderfalls der Rücknahme des IFRIC 3 wird die bilanzielle Darstellung von Emissionsrechten in der IAS/IFRS-Rechnungslegung zunächst anhand dieser Interpretation nachvollzogen. Dies ist sinnvoll, weil sie auf den Regelungen in den bestehenden Rechnungslegungsstandards fußt.

Den Abschluss beider Teile bildet jeweils ein kritischer Diskurs zu den zuvor erläuterten Vorschriften. Neben der kritischen Beleuchtung alternativer Bilanzierungsmethoden werden im Fall der IAS/IFRS-Rechnungslegung auch die besonderen Probleme im Zusammenhang mit Veröffentlichung und Rücknahme des IFRIC 3 analysiert.

Teil fünf der Arbeit beginnt mit der Darstellung der Rechnungslegungsstrategie der EU. Darauf aufbauend wird das EU-Anerkennungsverfahren für Standards und Interpretationen der IAS/IFRS-Rechnungslegung allgemein veranschaulicht, um im Anschluss die Maßnahmen der EU im speziellen Verfahren zur Anerkennung des IFRIC 3 einordnen zu können. Schließlich werden die Entscheidungen der EU kritisch gewürdigt.

Den Schluss bildet Teil sechs, in dem Gedankengänge aus der Einleitung aufgegriffen und mit Erkenntnissen aus der Arbeit verknüpft werden.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsübersicht I
Inhaltsverzeichnis II
Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VIII
1. Einführung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Aufbau und Argumentationsfolge 2
2. Grundlagen des Handels mit Emissionsrechten 4
2.1 Handel mit Emissionsrechten als umweltpolitisches Instrument 4
2.1.1 Ökologische Notwendigkeit und Effektivität 4
2.1.2 Ökonomische Effizienz 5
2.2 Rechtliche Grundlagen des Handels mit Emissionsrechten in der Europäischen Union und der Bundesrepublik Deutschland 7
2.2.1 Kyoto-Protokoll als Ausgangspunkt für den Handel mit Emissionsrechten in der EU 7
2.2.2 Richtlinie über ein System für den Handel mit Treibhausgasemissions-Zertifikaten als Basis des Emissionsrechtehandelssystems in der EU 9
2.2.3 Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) als Grundlage des Handels mit Emissionsrechten in der BRD 11
2.3 Rechtliche Grundlagen des Handels mit Emissionsrechten in den USA 13
2.3.1 „Clean Air Act“ 1970 und Emissions Trading Program 13
2.3.2 “Clean Air Act Amendments” 1990 und Allowance Trading Program 14
3. Bilanzierung von Emissionsrechten nach IAS/IFRS 17
3.1 Grundlagen des Systems der IAS/IFRS-Rechnungslegung 17
3.1.1 Institutioneller Rahmen des IAS/IFRS 17
3.1.2 Zielsetzung der Rechnungslegung nach IAS/IFRS 19
3.1.3 Rechnungslegungsgrundsätze nach IAS/IFRS 21
3.2 Bilanzielle Abbildung von Emissionsrechten nach IFRIC 3 23
3.2.1 Hintergrund und anzuwendende Normvorschriften 23
3.2.2 Aktivierung und Klassifizierung von Emissionsrechten 24
3.2.3 Zugangsbewertung von Emissionsrechten 25
3.2.4 Folgebewertung von Emissionsrechten 26
3.2.5 Ausweis eines passiven Rechnungsabgrenzungspostens 28
3.2.6 Bildung einer Rückstellung 29
3.3 Kritischer Diskurs zur Bilanzierung von Emissionsrechten nach IAS/IFRS 30
3.3.1 Kritische Würdigung des IFRIC 3 30
3.3.1.1 Kritische Würdigung der Anschaffungskostenmethode 30
3.3.1.2 Kritische Würdigung der Neubewertungsmethode 33
3.3.1.3 Sonstige kritische Anmerkungen 36
3.3.2 Alternative Bilanzierungsvorschläge nach IAS/IFRS 38
3.3.2.1 „Unit-of-Pollution“-Methode 38
3.3.2.2 Ansatz nach DRSC und IDW 40
3.3.2.3 „Full Fair Value Approach“ 41
3.3.3 Status quo im Standard-Setting-Process und Ausblick 42
4. Bilanzierung von Emissionsrechten nach US-GAAP 47
4.1 Grundlagen des Systems der US-GAAP-Rechnungslegung 47
4.1.1 Institutioneller Rahmen der US-GAAP 47
4.1.2 Zielsetzung der Rechnungslegung nach US-GAAP 49
4.1.3 Rechnungslegungsgrundsätze nach US-GAAP 50
4.2 Bilanzielle Abbildung von Emissionsrechte nach Part 101 USofA 52
4.2.1 Hintergrund und anzuwendende Normvorschriften 52
4.2.2 Aktivierung und Klassifizierung von Emissionsrechten 53
4.2.3 Zugangsbewertung von Emissionsrechten 54
4.2.4 Folgebewertung von Emissionsrechten 55
4.2.5 Bildung einer Rückstellung 55
4.2.6 Behandlung von Gewinnen und Verlusten aus dem Emissionsrechteverkauf 57
4.3 Kritischer Diskurs zur Bilanzierung von Emissionsrechten nach US-GAAP 57
4.3.1 Kritische Würdigung der Bilanzierungsvorschriften der FERC 57
4.3.2 Konsequenzen für nach US-GAAP bilanzierende Unternehmen 60
5. Bilanzierung von Emissionsrechten als Streitfall im EU-Anerkennungsverfahren 62
5.1 Rechnungslegungsstrategie der EU 62
5.2 Grundlagen des EU-Anerkennungsverfahrens 65
5.2.1 European Financial Reporting Advisory Group – EFRAG 65
5.2.2 Accounting Regulatory Committee – ARC 68
5.2.3 “Endorsement Mechanism” 68
5.3 EU-Anerkennungsverfahren im Fall des IFRIC 3 70
5.3.1 Stellungnahme der EFRAG zum Interpretationsentwurf IFRIC D1 70
5.3.2 Empfehlung der EFRAG zur möglichen Anerkennung des IFRIC 3 in der EU 72
5.3.3 Status quo und Ausblick 73
5.4 Kritische Würdigung 74
6. Schlusswort 78
Literaturverzeichnis 80
Quellenverzeichnis 90

Automatisiert erstellter Textauszug:

Zum zweiten Punkt ist festzuhalten, dass IFRIC 3.6 die Zugangsbewertung von Emissionsrechten zum beizulegenden Zeitwert ausdrücklich vorschreibt. Gemäß IAS 38.44 (revised 2004) i. V. m. IAS 20.23 besteht jedoch für den Fall, dass es sich um öffentliche, nicht-monetäre Zuschüsse handelt, ein Wahlrecht, nach dem diese Vermögenswerte zum beizulegenden Zeitwert oder zu den Anschaffungsund Herstellungskosten aktiviert werden können. Mit dieser Einschränkung für die Bilanzierung von Emissionsrechten widerspricht IFRIC 3 den Regelungen bestehender Standards und bewegt sich damit außerhalb des im IFRIC Preface verankerten Kompetenzbereiches.195 Auch wenn das IASB die Interpretation in seiner endgültigen Fassung unterstützt und genehmigt hat,196 so war die rechtliche Bindungswirkung des IFRIC 3 m. E. dennoch anzuzweifeln. [...]

In der Literatur herrscht Uneinigkeit über die Frage, welche Regelungen, Standards oder Interpretationen, einen höheren Verbindlichkeitsgrad besitzen.191 Diese Unklarheit ist insofern unverständlich, als dass die Bilanzierungs- und Bewertungsregelungen sowohl von Standards als auch von Interpretationen verpflichtend angewendet werden müssen, um den Anforderungen der IAS/IFRS-Rechnungslegung zu entsprechen.192 Daher kann von einem identischen Verbindlichkeitsgrad ausgegangen werden – mit der Einschränkung, dass eine Interpretation nicht im Widerspruch zu einem Standard stehen oder ihn verändern darf.193 Vor diesem Hintergrund ist zu prüfen, ob IFRIC 3 mit der Einschränkung des Wahlrechts bei der Bilanzierung von Emissionsrechten erstens einen bestehenden Standard verändert oder zweitens den dortigen Regelungen widerspricht. [...]

Rogler unterstützt in diesem Zusammenhang die Auffassung des Instituts der Wirtschaftsprüfer IDW und des deutschen Standardisierungsrates DRSC, den beizulegenden Zeitwert auf Basis der vorgesehenen Strafzahlungen für nicht durch Zertifikate gedeckte CO2-Emissionen solange zu schätzen, bis sich im Laufe der Zeit ein aktiver Markt für Emissionsrechte etabliert hat.185 Zutreffend lehnt Rogler eine alternative Möglichkeit ab, nach der der „Fair Value“ auf der Basis der Grenzvermeidungskosten des Unternehmens zu ermitteln ist. Erstens ist eine verlässliche Bestimmung nicht ohne zusätzlichen Aufwand zu gewährleisten, und zweitens ist davon auszugehen, dass es zu keinem einheitlichen Wertansatz zwischen verschiedenen Unternehmen kommen dürfte.186 Ein weiterer Kritikpunkt am IFRIC 3 wird von Hommel und Wolf vorgetragen.187 Sie ziehen die Auffassung des IFRIC in Zweifel, nach der die Bildung einer Rückstellung für die Emissionen mit dem tatsächlichen Ausstoß der Schadstoffe notwendig werde.188 Nach ihrer Meinung habe ein Unternehmen realistischerweise nicht die Möglichkeit, jederzeit sein Produktionsprogramm derart anzupassen, dass es vollständig auf Emissionen verzichten könne. Insofern könne nicht davon ausgegangen werden, dass die faktische Verpflichtung zur späteren Abgabe von Emissionszertifikaten erst mit tatsächlichem Schadstoffausstoß eintrete. [...]

Arbeit zitieren:
Smolka, Marcel August 2005: Die Bilanzierung von Emissionsrechten in der internationalen Rechnungslegung vor dem Hintergrund des EU-Anerkennungsverfahrens, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
IAS, IFRS, US-GAAP, IFRIC, Endorsement

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