Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Beziehungsgestaltung zu Menschen mit schizophrenen Störungen

Beziehungsgestaltung zu Menschen mit schizophrenen Störungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Röhl
  • Abgabedatum: Juni 2005
  • Umfang: 157 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe Deutschland
  • Bibliografie: ca. 69
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0388-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Röhl, Thomas Juni 2005: Beziehungsgestaltung zu Menschen mit schizophrenen Störungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schizophrenie, Beziehung, Psychiatrie, Sozialarbeit, Psychose

Diplomarbeit von Thomas Röhl

Einleitung:

In der vorliegenden Arbeit begebe ich mich auf einen ‘Streifzug’ durch einige ausgewählte Ansätze und Konzepte aus der psychiatrischen und psychosozialen Praxis, und arbeite Hinweise für die Beziehungsgestaltung zu Menschen mit schizophrenen Störungen heraus. Das besondere Interesse gilt dabei der Frage, wie das sozialarbeiterische Handeln ausfallen sollte, damit es einem Betroffenen möglichst gerecht wird.

Um sich diesem Ziel zu nähern bedarf es zunächst einer Darstellung des klinischen Störungsbildes. Hier werden die Charakteristika der ‘Schizophrenie’ erläutert und solche Aspekte betont, die eine wichtige theoretische Grundlage in der Arbeit mit schizophren erkrankten Menschen darstellen.

Im Anschluss daran wird zur Erweiterung des Schizophrenieverständnisses mit dem ‘Trialog’ die Betroffenenperspektive in den Fokus gerückt. Aus der Gegenüberstellung der ‘Idee des Trialogs’ und der ‘herkömmlichen Psychiatriekultur’ sollen konkrete Anhaltspunkte für eine angemessene Grundhaltung gewonnen werden. Diese werden im Anschluss mit dem professionellen Selbstverständnis des Sozialarbeiters in Bezug gesetzt.

Das Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Kompetenz-Modell eröffnet den handlungsbezogenen Teil der Arbeit und stellt hierfür die theoretische Grundlage dar. Mit der Darstellung des Netzwerk-Konzepts sowie des Coping-Konzepts wird die ausführliche Betrachtung der wichtigsten individuellen und psychosozialen Einflussfaktoren im schizophrenen Geschehen verbunden. Aus Sicht der Sozialarbeit lassen sich daraus Ansatzpunkte zur Unterstützung und Intervention ableiten.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 6
2. ’BEZIEHUNGSGESTALTUNG’: NOTWENDIGKEIT EINER BEGRIFFSKLÄRUNG 7
3. DAS STÖRUNGSBILD DER SCHIZOPHRENEN PSYCHOSE 8
3.1 ’DIE SCHIZOPHRENIE GIBT ES NICHT’ 8
3.2 ANNÄHERUNG AN DIE FRAGE: WAS IST SCHIZOPHRENIE? 10
3.3 KLASSIFIKATION UND SYMPTOMATIK 11
3.3.1 POSITIVSYMPTOME 13
3.3.1.1 Störungen des Ich-Bewusstseins 13
3.3.1.2 Denkstörungen 14
3.3.1.3 Störungen der Sinneswahrnehmung 15
3.3.1.4 Affektive Symptome 16
3.3.2 NEGATIVSYMPTOME 17
3.3.3 KOGNITIVE ANOMALIEN 19
3.4 DIAGNOSE 20
3.5 EPIDEMIOLOGIE, URSACHEN UND ENTSTEHUNGSBEDINGUNGEN 21
3.5.1 BIOLOGISCHE FAKTOREN 23
3.5.2 PSYCHO-SOZIALE FAKTOREN 26
3.5.3 DAS VULNERABILITÄTS-STRESS-KONZEPT 29
3.6 VERLAUF UND PROGNOSE 31
3.7 BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN 34
3.7.1 PSYCHOPHARMAKA 35
3.7.2 PSYCHOTHERAPIE 37
3.8 FOLGEN DER ERKRANKUNG UND REHABILITATION 41
4. PERSPEKTIVENWECHSEL IM VERSTÄNDNIS VON PSYCHOSEN: HINWEISE FÜR DIE PROFESSIONELLE GRUNDHALTUNG 46
4.1 DER PATHOLOGISCHE BLICK UND SEIN EINFLUSS AUF DIE BEZIEHUNG ZU EINEM AN SCHIZOPHRENIE ERKRANKTEN MENSCHEN 47
4.1.1 PROFESSIONELLES VERSUS SUBJEKTIVES KRANKHEITSKONZEPT UND DIE AUSWIRKUNGEN AUF DIE BEZIEHUNG 48
4.1.2 HINTERGRÜNDE 51
4.1.3 FOLGERUNGEN UND BEZUG ZUR SOZIALARBEIT 53
4.2 VOM MONOLOG DER PSYCHIATRIE ZUM DIALOG UND TRIALOG 54
4.2.1 PSYCHOSESEMINARE 56
4.2.2 EXKURS: EMPOWERMENT 59
4.2.3 EMPOWERMENT UND SCHIZOPHRENIE? 61
4.2.4 WIE IST EINE PSYCHOSE ZU VERSTEHEN? 62
4.2.4.1 Psychosen als Entwicklungskrisen dünnhäutiger Menschen 63
4.2.4.2 Psychosen sind Störung und Lösungsversuch zugleich 64
4.2.4.3 Psychosen sind zutiefst menschlich 65
4.3 ZUM VERHÄLTNIS VON TRIALOGISCHEM UND PATHOLOGISCHEM PSYCHOSEVERSTÄNDNIS 67
4.4 FOLGERUNGEN FÜR DIE (PROFESSIONELLE) GRUNDHALTUNG 71
4.5 DAS PROFESSIONELLE BERUFSVERSTÄNDNIS DES SOZIALARBEITERS IM HINBLICK AUF DAS ERWEITERTE SCHIZOPHRENIEVERSTÄNDNIS UND DIE DARAUS GEWONNEN GRUNDHALTUNGSPRINZIPIEN 74
5. DAS VULNERABILITÄTS-STRESS-COPING-KOMPETENZ-MODELL 82
6. SCHÜTZENDE UND BELASTENDE ASPEKTE DER SOZIALEN UMWELT: DAS KONZEPT DES SOZIALEN NETZWERKS 86
6.1 BEGRIFFSKLÄRUNG 86
6.2 DAS NETZWERKKONZEPT IN DER PSYCHOSOZIALEN PRAXIS 87
6.3 MERKMALE UND MESSUNG SOZIALER NETZWERKE 89
6.4 SOZIALE UNTERSTÜTZUNG 92
6.4.1 PUFFEREFFEKTHYPOTHESE VERSUS HAUPTEFFEKTHYPOTHESE 92
6.4.1.1 Die Puffereffekthypothese 92
6.4.1.2 Die Haupteffekthypothese 93
6.4.2 WELCHE NETZWERKKONFIGURATION BEGÜNSTIGT EINE OPTIMALE SOZIALE UNTERSTÜTZUNG? 94
6.4.2.1 Formen Sozialer Unterstützung 95
6.4.2.2 Netzwerkmerkmale als Determinanten bestimmter Unterstützungsformen 95
6.4.2.3 Diskussion über den Zusammenhang von strukturellen Merkmalen des Sozialen Netzes und Sozialer Unterstützung 97
6.5 SOZIALE NETZWERKE VON MENSCHEN MIT SCHIZOPHRENEN STÖRUNGEN 99
6.5.1 CHARAKTERISTIKA DES SOZIALEN NETZWERKS SCHIZOPHREN DIAGNOSTIZIERTER MENSCHEN 99
6.5.2 THEORETISCHE GRÜNDE FÜR DIE NETZWERKDEFIZITE 103
6.5.3 AUSWIRKUNGEN DES DEFIZITÄREN NETZWERKES: BELASTENDE ASPEKTE SOZIALER NETZWERKE 108
6.6 ZWISCHENRESÜMEE 113
6.7 DAS IDEALE NETZWERK FÜR EINEN MENSCHEN MIT SCHIZOPHRENER STÖRUNG? 115
6.8 MÖGLICHKEITEN DER NETZWERKINTERVENTION 118
6.8.1 KLIENTENZENTRIERTE NETZWERKINTERVENTION 120
6.8.1.1 Theoretische Vorüberlegungen 120
6.8.1.2 Positive Netzwerkorientierung 121
6.8.1.3 Förderung kommunikativer und interaktiver Kompetenzen 122
6.8.2 NETZWERKZENTRIERTE INTERVENTIONEN 126
6.8.2.1 Veränderungen des vorhandenen Sozialen Netzwerks 126
6.8.2.2 Neuschaffung ‘künstlicher’ Netzwerke 130
6.8.3 FAZIT ZUR NETZWERKARBEIT 133
6.9 RÜCKBLICK AUF DAS VULNERABILITÄTS-STRESS-COPING-KOMPETENZ-MODELL 134
7. DAS COPING-KONZEPT 135
7.1 STRESS-BEWÄLTIGUNGS-PROZESS 136
7.2 FORMEN DER STRESSBEWÄLTIGUNG 137
7.3 CHARAKTERISTIKA DES COPINGVERHALTENS VON MENSCHEN MIT SCHIZOPHRENEN STÖRUNGEN BEI BELASTENDEN EREIGNISSEN 139
7.1.1 THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN 143
7.1.2 GEDANKEN ZUR INTERVENTION 144
8. ZUSAMMENFASSUNG 148
LITERATURVERZEICHNIS 150

Textprobe:

Kapitel 6, Schützende und belastende Aspekte der sozialen Umwelt:

Das Konzept des Sozialen Netzwerks:

Das Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Kompetenz-Modell misst Umwelteinflüssen sowohl eine potenzierende und belastende, als auch eine protektive Funktion bei. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar, sich der unmittelbaren sozialen Umwelt – dem Sozialen Netzwerk - eines an Schizophrenie leidenden Menschen genauestens zuzuwenden. Im Zentrum stehen dabei u. a. Fragen nach folgendem Zuschnitt:

- Welche Schutzfaktoren hält das Soziale Netzwerk bereit?

- Wie sind Soziale Netzwerke von an Schizophrenie erkrankten Menschen beschaffen?

- Welche belastenden, pathogenen Faktoren können in Sozialen Netzwerken zur Wirkung kommen?

- Welche Konsequenzen ergeben sich aus den theoretischen und empirischen Erkenntnissen für das sozialarbeiterische Handeln?

Begriffsklärung:

Allgemein betrachtet bezeichnet ein Soziales Netzwerk die Geflechte sozialer Beziehungen zwischen einer bestimmten Anzahl von Menschen. Entsprechend der Metapher des ‘Netzes’ können die Individuen als Knotenpunkte und die unterschiedlichen Formen des Austauschs zwischen den Individuen als Verbindungsstränge zwischen den Knoten verstanden werden. ‘Wenn man die Verbindungslinien zwischen einzelnen Personen weit genug verfolgen könnte, so würde sich vielleicht herausstellen, dass jeder mit jedem indirekt über eine große Zahl von Mittlerpersonen verbunden ist’. Dieses Faktum macht im Hinblick auf die Erforschung eines Netzwerkes eine weitere Eingrenzung des Begriffes notwendig.

LAIREITER schlägt vor, über die Ebene der Begriffserklärung hinaus auf weiteren Ebenen eine Präzisierung vorzunehmen. So gilt es z. B. festzulegen, ob das Referenzobjekt ein Einzelindividuum oder eine soziale Gruppe ist, und welche Dimensionen, sowie welcher Umfang des Netzes betrachtet werden sollen. Die Erhebung eines totalen Netzwerkes, in der Literatur wegen seiner Grenzenlosigkeit auch oft als Beziehungsuniversum bezeichnet, ist im Grunde unmöglich. Es würde den Forscher überfordern und bringt in der Regel kaum Erkenntnisgewinn. Folglich werden in der Regel nur Teilausschnitte, sog. partiale Netzwerke auf der Mikro- und/oder der Mesosystemebene erforscht.

Das psychologische, medizinische und in diesem Fall auch sozialarbeiterische Augenmerk richtet sich vermehrt auf das egozentrierte oder auch persönliche Netzwerk. Es handelt sich dabei um das Beziehungsgefüge eines Menschen, dass je nach Erkenntnisinteresse und Operationalisierung die Sektoren Ehe, Familie, Verwandtschaft, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Nachbarn, professionelle Helfer etc. umfasst. In diesem Sinne wird der Begriff ‘Soziales Netzwerk’ auch in der weiteren Arbeit verwendet.

Das Netzwerkkonzept in der psychosozialen Praxis:

Im Kontext von Psychiatrie bzw. psychosozialer Praxis dient das Netzwerkkonzept der Erfassung des Beziehungsgefüges eines psychisch erkrankten Menschen, um anschließend Charakteristika des Netzes aufzudecken und mit Merkmalen der fokalen Person in Beziehung zu setzen. Hintergrund des Interesses an Sozialen Netzwerken sind die möglichen Auswirkungen (vgl. Kapitel 6.4) sozialer Beziehungen auf den Krankheitsverlauf und die Erkrankungsprognose der betrachteten Person. Aus der Netzwerkanalyse ergeben sich z. B. Hinweise auf einen Mangel an adäquater Sozialer Unterstützung und somit auch Ansatzpunkte für konkrete Hilfen und Interventionen.

Gründe für die allgemeine Relevanz des Netzwerkkonzepts in der Sozialarbeit sieht NESTMANN in den Bereichen der theoretischen Potenziale des Konzepts, sowie im Bereich seiner praktischen handlungsleitenden Qualitäten. Mit dem Netzwerkkonzept wird den Tatsachen Rechnung getragen, dass, wie zahlreiche internationale sozialepidemiologische Studien beweisen, bis zu drei Viertel aller Krankheitsepisoden und Belastungskonstellationen im alltäglichen sozialen Umfeld und ohne Inanspruchnahme professioneller Hilfe bewältigt werden. Grundsätzlich sieht NESTMANN in einer netzwerkorientierten und auf Netzwerkförderung gerichteten Praxis die Möglichkeit reduktionistischen Individualismus und Familialismus in der Praxis zu überwinden und entferntere soziale Strukturen in Diagnose und Intervention mit einzubeziehen.

Aus diesen Gründen ist das Netzwerkkonzept mittlerweile unentbehrlicher Bestandteil im Rahmen von Empowermentprozessen und der Lebensweltorientierung und wird in der gesamten Selbsthilfedebatte thematisiert.

Insgesamt wurde mit dem Konzept des Sozialen Netzwerks also keine Theorie sozialer Systeme eingeführt. Man versteht hierunter vielmehr ein offenes Instrument zur Analyse sozialer Gefüge als Ganzes, und eine Möglichkeit zur systemischen Wahrnehmung psychischer Störungen. Weiterhin umfasst das Konzept Formen der Netzwerkförderung bzw. –Intervention (vgl. Kapitel 6.8).

Arbeit zitieren:
Röhl, Thomas Juni 2005: Beziehungsgestaltung zu Menschen mit schizophrenen Störungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schizophrenie, Beziehung, Psychiatrie, Sozialarbeit, Psychose

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren