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Beziehung zwischen Kulturlandschaft und Tourismus

Dargestellt am Beispiel der Saale-Unstrut-Region im Bundesland Sachsen-Anhalt

Beziehung zwischen Kulturlandschaft und Tourismus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Juliane Friedel
  • Abgabedatum: Juni 2002
  • Umfang: 110 Seiten
  • Dateigröße: 3,7 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6638-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6638-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6638-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Friedel, Juliane Juni 2002: Beziehung zwischen Kulturlandschaft und Tourismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Besucherbefragung, Kulturlandschaftselemente, Sanfter Tourismus, Weinbau, Naturpark

Diplomarbeit von Juliane Friedel

Einleitung:

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts vollzieht sich in Europa ein Wandel von der Industrie- zur Freizeit- und Dienstleistungsgesellschaft. Kürzere Arbeitszeiten, höhere Einkommen und wachsende Mobilität sind die Ursachen für diesen Prozess. Die zunehmende Urbanisierung und Verschlechterung der Wohn- und Umweltsituation in den Städten lässt das Bedürfnis wachsen, die freie Zeit in Natur und Landschaft zu verbringen und sich dabei aktiv und passiv zu erholen. Historisch in besonderer Weise gewachsene Regionen, die Kulturlandschaften, werden zu begehrten Reisezielen. Aus diesem Bestreben nach freizeitorientierter Tätigkeit entwickelt sich der moderne Tourismus. Mit den neuen Erscheinungen der Internationalisierung und Globalisierung der gesellschaftlichen Prozesse wird der Tourismus zu einem eigenständigen und komplexen Wirtschaftszweig. Er bewirkt - besonders in seiner Extremform, dem Massentourismus - eine neue Qualität in den Folgen für die Kulturlandschaft. Positiv sind die finanziellen Mittel zu bewerten, die in die Kulturlandschaft fließen; negativ die mit dem Massentourismus verbundenen Folgen der Einflussnahme des Menschen, die bis hin zur Zerstörung der Kulturlandschaft führen können. Diesen Prozess aufzuhalten, wird es vieler Konzepte und Anstrengungen bedürfen, um sowohl die einzelnen Wirkungen in ihrer Ursächlichkeit zu bestimmen als auch langfristige, nachhaltige Maßnahmen zu ihrer Abwendung oder zumindest ihrer Verringerung durchzusetzen. Eine der Lösungen ist die Einrichtung von Schutzgebieten. Sie schaffen Rahmenbedingungen, in denen Tourismus und Kulturlandschaft gemeinsam existieren und Landschaften vor den Auswirkungen des Tourismus geschützt werden können. Ohne die Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft würde dem Tourismus die Grundlage entzogen.

Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung und Untersuchung der Kulturlandschaft und des Tourismus sowie ihres zwiespältigen Verhältnisses. Einerseits ist die Kulturlandschaft Besuchsziel für den Touristen. Andererseits wirkt er mit seinen Ansprüchen, traditionellen Verhaltensmustern und den damit verbundenen Belastungen dem Erhalt von Natur und Kultur entgegen. Zugleich ist die Kulturlandschaft unter ökonomischen Gesichtspunkten am Tourismus interessiert, da er die Wirtschaftskraft der Region stärken, Arbeitsplätze schaffen und Geld für die Pflege und den Erhalt der schutzwürdigen Landschaft einbringen kann.

Kulturlandschaft und Tourismus unterliegen jedoch nicht nur dieser allgemeinen Wechselbeziehung, sondern auch anderen Beeinflussungsfaktoren, wie z.B. natürlich bedingten Veränderungen und solchen in der Gesellschaft. So vollzog sich auf dem Gebiet der DDR im Zuge der deutschen Wiedervereinigung ein gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und soziodemographischer Strukturwandel. Eine enorm rückläufige Zahl industrieller und landwirtschaftlicher Arbeitsplätze in Großbetrieben verursachte Arbeitslosigkeit und Abwanderung der Bevölkerung. Ein Gebiet, das sich in einem solchen Wandlungsprozess befindet, ist die Saale-Unstrut-Region, die im Südwesten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt liegt. Die Bevölkerung dieser Region nutzte den Neuanfang, sich auf ihre Geschichte und Traditionen zu besinnen. Die geographische Lage ermöglichte es ihr - und die wirtschaftliche Lage zwang sie dazu – den Tourismus als Wachstumsfaktor unter marktwirtschaftlichen Aspekten zu entwickeln. Die Regierung dieses Landes, die Kommunen und Menschen, die sich in ehrenamtlichen Vereinigungen engagiert zusammenschlossen, sehen gerade in der Entwicklung des Tourismus ein geeignetes Mittel, Chancen und Alternativen in der Wirtschaftsstruktur zu schaffen.

Insofern bietet der Zeitraum von ca. 12 Jahren (1990-2001) interessante Möglichkeiten, Entwicklungstendenzen und Beziehungen zwischen Kulturlandschaft und Tourismus zu untersuchen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Untersuchungsziele 3
3. Kulturlandschaft und Tourismus 4
3.1 Kulturlandschaft 4
3.1.1 Inhalt und Entwicklung des Begriffs Kulturlandschaft 4
3.1.2 Schutz der Kulturlandschaft 7
3.2 Tourismus 10
3.2.1 Inhalt und Entwicklung des Begriffs Tourismus 10
3.2.2 Sanfter Tourismus 12
3.2.3 Spannungsverhältnis Naturschutz - Tourismus 14
3.2.4 Wechselbeziehung Kulturlandschaft - Tourismus 15
4. Die Kulturlandschaft der Saale-Unstrut-Region 17
4.1 Lage und Abgrenzung des Untersuchungsgebietes 18
4.2 Der Naturpark Saale-Unstrut-Triasland 19
4.3 Bestandteile der Kulturlandschaft 21
4.3.1 Physische Beschaffenheit 21
4.3.2 Anthropogene Verhältnisse 23
4.3.2.1 Ausgewählte Aspekte der Wirtschaftsstruktur 23
4.3.2.2 Verkehr 24
4.3.3 Der Weinbau als Kulturlandschaftselement 26
4.4 Touristische Potenziale 28
4.4.1 Historie und Kultur 28
4.4.2 Touristische Wege, Stationen und Ziele 28
4.4.2.1 Straße der Romanik 29
4.4.2.2 Weinstraße Saale-Unstrut 32
4.4.2.3 Zukunftsprojekt Blaues Band 33
4.4.2.4 Wanderwege 33
4.4.2.5 Ausgewählte Städte und Sehenswürdigkeiten 34
4.5 Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Kulturlandschaft Saale-Unstrut 38
5. Untersuchungsmethoden 40
5.1 Auswahl der Methoden 40
5.2 Durchführung der Methoden 41
6. Empirische Untersuchungen zum Tourismus und der Kulturlandschaft in der Saale-Unstrut-Region 43
6.1 Überblick über die Entwicklung des Tourismus 43
6.1.1 Ankünfte 44
6.1.2 Übernachtungen 46
6.1.3 Aufenthaltsdauer 48
6.2 Besucherbefragung 49
6.2.1 Struktur der Besucher 49
6.2.1.1 Herkunft 49
6.2.1.2 Alter 50
6.2.1.3 Reisebegleitung 51
6.2.1.4 Beruf 52
6.2.2 Verhalten der Besucher 52
6.2.2.1 Aufenthaltsdauer 53
6.2.2.2 Verkehrsmittel der Anreise 54
6.2.2.3 Unterkunft 56
6.2.2.4 Informationsquellen 57
6.2.2.5 Besuchshäufigkeit und Besuchswiederholung 58
6.2.2.6 Assoziationen zur Region 59
6.2.2.7 Rolle des Weinbaus 60
6.2.2.8 Motive, Unternehmungen und Tourismusarten 62
6.2.2.9 Ausflugsziele und deren Bewertung 65
6.2.2.9.1 Bevorzugte Ausflugsziele 65
6.2.2.9.2 Versuch einer Bewertung historischer Kulturlandschaftselemente 67
6.2.2.10 Besucherkritik 70
6.2.2.11 Anregungen der lokalen Akteure 72
6.3 Expertenbefragung 73
6.3.1 Kulturlandschaftspflege in der Saale-Unstrut-Region 74
6.3.2 Chancen des Tourismus 79
6.3.3 Risiken für die Kulturlandschaft 80
6.3.4 Kooperation zwischen den Tourismuspartnern 81
6.4 Produkte der touristischen Anbieter 82
7. Zusammenfassung 85
8. Quellenverzeichnis 90
9. Anlagenverzeichnis 99
10. Abkürzungsverzeichnis 108
11. Abbildungsverzeichnis 108
12. Tabellenverzeichnis 108
13. Fotoverzeichnis 108

Automatisiert erstellter Textauszug:

6. Empirische Untersuchungen zum Tourismus und der Kulturlandschaft in der Saale-Unstrut-Region Die Untersuchung gliedert sich in drei Teile. In einem ersten Teil werden Zahlen des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt zu Ankünften, Übernachtungen und Aufenthaltsdauer von Touristen in ausgewählten Orten des Untersuchungsgebietes für den Zeitraum von 1993 –2001 ausgewertet. Mit diesen Angaben soll die allgemeine touristische Struktur über einen längeren Zeitraum belegt werden. In einem zweiten Teil wird die Besucherbefragung für den Zeitraum Herbst 2001 analysiert. In einem dritten Teil werden die Gespräche mit den Experten und lokalen Akteuren ausgewertet und mit den Erkenntnissen der Besucherbefragung verglichen. 6.1 Überblick über die Entwicklung des Tourismus Für die Untersuchung der Beziehungen zwischen Kulturlandschaft und Tourismus ist es notwendig, die quantitative und qualitative Struktur des Tourismus darzustellen und auszuwerten. Mit den amtlichen Ankunfts- und Übernachtungszahlen sowie den Angaben über die durchschnittliche Aufenthaltsdauer wird ein vergleichender Überblick über den Umfang des Tourismus zwischen 1993 und 2001 in Freyburg, Nebra (Daten ab 1997), Naumburg und Bad Kösen gegeben. Naumburg und Bad Kösen wurden in die Betrachtung einbezogen, da sie im Einzugsbereich des Untersuchungsgebietes liegen und eine überdurchschnittliche Zahl ihrer Besucher einen Ausflug in die Saale-Unstrut-Region unternimmt. Diese Daten erlauben Rückschlüsse auf die touristische Bedeutung eines Reiseziels. Grundsätzlich ist bei den amtlichen Statistiken zu beachten, dass nur Touristen in Verbindung mit der Buchung von Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben mit über acht Betten erfasst werden. Der Nachteil liegt darin, dass ein Teil des Übernachtungstourismus unerfasst bleibt. Dem könnte zumindest in den staatlich anerkannten Erholungsorten mit der Einführung der Kurtaxe, die bereits ab einer Übernachtung erhoben wird, entgegen gewirkt werden. Über qualitative Daten wie Motive, Wünsche und Einstellungen gibt die Statistik keine Auskunft. Auch der Tagestourismus ist in diesen Erhebungen nicht enthalten. Er wird deshalb Gegenstand der empirischen Untersuchung sein. [...]

5. Untersuchungsmethoden 5.1 Auswahl der Methoden Für die Darstellung und Bewertung von Beziehungen und komplexen Sachverhalten gibt es verschiedene empirische Methoden. Grundsätzlich wird in die Beobachtung, die Befragung, das Experiment und die Inhaltsanalyse unterschieden. Entsprechend der Definition der einzelnen Methoden und der festgelegten Zielstellung der vorliegenden Arbeit wurde die Befragung als Erhebungsmethode ausgewählt. Befragungen liefern Informationen über Sachverhalte, die mit anderen Methoden nicht eindeutig zu erheben sind oder über die es keine ausreichenden Informationen gibt (FRIEDRICHS 1980). Die Befragung gilt für SCHNELL et al. (1995) als Standardinstrument der empirischen Sozialforschung, um Fakten, Wissen, Meinungen, Verhaltensweisen, Einstellungen oder Bewertungen zu ermitteln. ATTESLANDER (1995, S. 115) sieht das Interview in der qualitativen Sozialforschung als „Königsweg der empirischen Erhebung“ an. Es wird in mündliche und schriftliche Befragung unterschieden. Mündliche Befragungen mit einem standardisierten Fragebogen können spontan, direkt und schnell durchgeführt werden und damit eine hohe Rücklaufquote gewährleisten. Bei einer standardisierten Befragung sind der Inhalt, die Anzahl und die Reihenfolge der Fragen festgelegt, die Antworten werden in Kategorien vorgegeben (ATTESLANDER 1995). Durch die Standardisierung und die geschlossene Fragestellung wird eine hohe Vergleichbarkeit der einzelnen Befragungsergebnisse erreicht. Die Befragten können jedoch nicht selbstständig formulieren, wodurch der Antwortspielraum eingeschränkt ist und Informationsverlust auftreten kann. Mit offenen Fragen wird dem Befragten ermöglicht, seine Antworten selbst zu formulieren (ATTESLANDER 1995). Sie können somit vielfältigere und informationsreichere Antworten liefern, die erst bei der Auswertung kategorisiert werden. Deshalb enthalten die meisten Befragungen sowohl geschlossene als auch offene Fragen. Mündliche Befragungen mit einem Leitfaden werden als qualitative Interviews bezeichnet. Sie sollen detaillierte Einsichten in Zusammenhänge und Erfahrungshintergründe liefern und berücksichtigen die Perspektiven der Befragten (SCHNELL et al. 1995). Die Gespräche können mit vorbereiteten Fragen stattfinden, wobei die Abfolge und die Fragestellung variabel sind. Es besteht somit die Möglichkeit, im Verlauf des Gesprächs andere Themen aufzugreifen und Nachfragen zu stellen (ATTESLANDER 1995). Der Leitfaden erlaubt es, stärker auf den Befragten einzugehen. Andererseits kann die offene Gesprächsführung zu subjektiven Ergebnissen führen und damit weniger vergleichbar sein. Schriftliche Befragungen werden aus Zeit-, Kosten- und Personalgründen durchgeführt oder wenn mündliche Befragungen nicht möglich sind. Außer dem Kostenvorteil können sie auch [...]

Im Landesentwicklungsplan werden für die Raumordnung zur nachhaltigen Entwicklung Vorrang- und Vorbehaltsgebiete festgelegt. Bezogen auf die Saale-Unstrut-Region werden als Vorranggebiete für Natur und Landschaft Teile des Saale-Unstrut-Triaslandes bei Bad Bibra und Naumburg festgesetzt. Als Vorbehaltsgebiet für Tourismus und Erholung wird die Wein- und Burgenregion Saale-Unstrut-Tal ausgewiesen. Begründet wird die Entscheidung damit, dass dieses Gebiet zu einem wirtschaftlich tragfähigen Tourismus- und Erholungsgebiet entwickelt werden soll. Den Belangen des Tourismus ist bei Abwägung mit entgegenstehenden Belangen ein besonderes Gewicht beizumessen. Diese Festlegung dürfte von besonderer Brisanz sein, wird hier doch von vornherein dem Tourismus Priorität eingeräumt. Die Saale-Unstrut-Region wird bei den Vorbehaltsgebieten für Kultur- und Denkmalpflege nicht genannt. Bei der hohen Anzahl von schutzwürdigen Objekten, von denen eine ganze Reihe noch der Rekonstruktion und Sanierung bedarf, verwundert diese Entscheidung, auch wenn im Gesetz festgelegt ist, dass kleinräumige Gebiete mit großer Konzentration von Kulturdenkmälern in den regionalen Planungsdokumenten auszuweisen sind. Verkehrstechnisch soll dem Öffentlichen Personennahverkehr Vorrang vor dem motorisierten Individualverkehr eingeräumt werden. Aufeinander abgestimmte Verkehrsnetze sind als Alternative zum motorisierten Individualverkehr zu entwickeln (GVBl LSA 1999). Das Land Sachsen-Anhalt hat sich mit diesem Gesetz und einer mit der Landesmarketinggesellschaft abgestimmten Strategie ein langfristiges Konzept gegeben. Dieses besteht für die Saale-Unstrut-Region aus den Elementen Straße der Romanik und Blaues Band (MINISTERIUM für WIRTSCHAFT und TECHNOLOGIE LSA 2001). [...]

Arbeit zitieren:
Friedel, Juliane Juni 2002: Beziehung zwischen Kulturlandschaft und Tourismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Besucherbefragung, Kulturlandschaftselemente, Sanfter Tourismus, Weinbau, Naturpark

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