Die Bewertungsrelevanz des Einkommens
Eine empirische Untersuchung am deutschen Aktienmarkt
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Arndt Bungenberg
- Abgabedatum: Februar 2008
- Umfang: 93 Seiten
- Dateigröße: 643,7 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) Deutschland
- Bibliografie: ca. 138
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2461-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bungenberg, Arndt Februar 2008: Die Bewertungsrelevanz des Einkommens, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Value relevance, Bewertungsrelevanz, comprehensive income, Einkommen, IFRS
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Diplomarbeit von Arndt Bungenberg
Einleitung:
Die Relevanz der Rechnungslegung für den Aktienmarkt wird seit den Pionierarbeiten von BALL/BROWN (1968) und BEAVER (1968) in zahlreichen empirischen Studien untersucht. Dabei steht insbesondere die Rolle des Jahresabschlusses als dem regelmäßig veröffentlichten Produkt der Rechnungslegung bei der Preisbildung am Aktienmarkt im Vordergrund. Motiviert wird diese Vielzahl an Untersuchungen durch den Wunsch, Erkenntnisse zu gewinnen, ob und in welchem Maße die Rechnungslegung den bestehenden und potenziellen Eigenkapitalgebern nützliche Information für ihre Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen liefert. Die Rechnungslegung wird dann für aktienmarktrelevant gehalten, wenn es einen messbaren Zusammenhang zwischen der gesamten Rechnungslegung oder bestimmten Rechnungslegungsgrößen auf der einen Seite und den Aktienmarktdaten, wie beispielsweise Aktienpreisen, -renditen, Börsenumsätzen etc. auf der anderen Seite gibt.
In der vorliegenden Arbeit wird im Rahmen einer empirischen Untersuchung am deutschen Aktienmarkt eine zentrale Größe der Rechnungslegung auf ihre Relevanz hin überprüft: das Einkommen. Für diese Saldogröße, die ganz allgemein den Erfolg des ökonomischen Wirkens darstellen soll, hat sich trotz der enormen Bedeutung (oder vielleicht auch gerade deswegen) in der Rechnungslegungspraxis noch keine einheitliche Umsetzung etabliert. Die verschiedenen Rechnungslegungssysteme verwenden unterschiedliche Summanden und Minuenden für die Ermittlung, sowie differierende Bezeichnungen für das Einkommen. Aus diesem Grund wird im Folgenden zunächst eine Betrachtung der unterschiedlichen Konzepte zur Einkommensermittlung durchgeführt. Dabei wird auch eine übergeordnete begriffliche Ebene für die Einkommensermittlungskonzepte und die resultierenden Einkommensgrößen eingeführt. Dies soll ein vom Rechnungslegungssystem und auch vom betrachteten Zeitpunkt unabhängiges Begriffsrepertoire gewährleisten.
Grundsätzlich lassen sich zwei Einkommensermittlungskonzepte unterscheiden. Bei dem einen werden sämtliche Aufwendungen und Erträge in der Einkommensrechnung, also einkommenswirksam, erfasst. Da demnach alle Aufwendungen (Erträge) über das Einkommen indirekt das Eigenkapital mindern (mehren), existieren bei diesem Konzept nur zwei Arten der Eigenkapitalveränderung: die Transfers zwischen den Eigenkapitalgebern und dem Unternehmen (Eigenkapitaltransfers) und das Einkommen. Letzteres spiegelt in diesem Fall also die nicht-eigenkapitalgeberbezogenen Veränderungen des Eigenkapitals vollständig wider. Aus diesem Grund wird dieses Konzept fortan als vollständige Einkommensermittlung und die resultierende Saldogröße als vollständiges Einkommen bezeichnet.
Im Unterschied zur vollständigen Einkommensermittlung werden bei dem anderen Konzept nicht sämtliche Aufwendungen und Erträge einkommenswirksam erfasst; stattdessen erfolgt für bestimmte Sachverhalte eine direkte Verrechnung mit dem Eigenkapital. Es existiert also eine dritte Art der Eigenkapitalveränderung: die einkommensneutralen Verrechnungen. Diese können auch als Verstöße gegen die vollständige Einkommensermittlung angesehen werden. Für den Fall, dass eine einkommensneutrale Verrechnung stattgefunden hat, bildet das auf diesem Weg ermittelte Einkommen die nicht-eigenkapitalgeberbezogenen Veränderungen des Eigenkapitals nur unvollständig ab. Analog wird dieses Konzept als unvollständige Einkommensermittlung bezeichnet und die zugehörige Saldogröße als unvollständiges Einkommen.
Es stellt sich nun die Frage, welches Einkommensermittlungskonzept in der Rechnungslegungspraxis angewendet wird. In der vorliegenden Arbeit wird dazu das Rechnungslegungssystem der International Financial Reporting Standards (IFRS) betrachtet, da die IFRS gegenwärtig das einzig erlaubte Rechnungslegungssystem für die Konzernrechnungslegung von Unternehmen am deutschen Aktienmarkt sind. Eine Betrachtung der IFRS ermöglicht es daher, eventuelle Schlüsse aus der Aktienmarktrelevanzuntersuchung zu ziehen, die über eine ex-post Beurteilung hinausgehen.
Grundsätzlich wird von den IFRS das Konzept der vollständigen Einkommensermittlung verfolgt. Dieser im IFRS-Rahmenkonzept (IFRS-RK) festgelegten Ausrichtung widersprechen jedoch einige Standards, indem sie einkommensneutrale Verrechnungen erlauben bzw. vorschreiben. Der Widerspruch kann durch Betrachtung der Zwecksetzungen und der Rolle des Rahmenkonzepts innerhalb der IFRS erklärt werden: Das Rahmenkonzept soll unter anderem als Deduktionsbasis für den Standardsetzer – den International Accounting Standards Board (IASB) – bei der Standardentwicklung dienen, das heißt, theoretisch sollten die einzelnen Standards im Einklang mit dem Rahmenkonzept entwickelt werden. In der Praxis ist die Standardentwicklung jedoch ein politischer Prozess, bei dem jede Partei versucht, ihre Interessen durchzusetzen, und die Standards am Ende eine Kompromisslösung darstellen. So ist es also zu erklären, dass einzelne Standards vom Grundsatz der vollständigen Einkommensermittlung abweichen. Berücksichtigt man ferner, dass jeder Standard Vorrang vor dem Rahmenkonzept hat, wird für den Fall, dass einkommensneutrale Verrechnungen existieren, bei Anwendung von IFRS ein unvollständiges Einkommen ermittelt. Allerdings schreibt der International Accounting Standard 1 (IAS 1) „Presentation of Financial Statements“ den Ausweis der einkommensneutralen Verrechnungen vor, genauer den Ausweis der nach Sachverhalten gruppierten und aggregierten einkommensneutralen Verrechnungen, welche im Folgenden als einkommensneutrale Verrechnungskomponenten bezeichnet werden.
Diese Thematik ist auch unter aktuellen Gesichtspunkten von Bedeutung. So wurde am 06.09.2007 durch Veröffentlichung des IAS 1 (überarbeitet 2007) die erste von zwei bzw. möglicherweise drei Phasen des IASB-Projektes „Financial Statement Presentation“, das den IAS 1 seit dem Jahr 2001 zum Gegenstand hat, abgeschlossen. Die dadurch induzierten Veränderungen seien im Folgenden kurz dargelegt: Gemäß den Überarbeitungsständen des Standards seit 1997 bis zur gegenwärtig gültigen Fassung von 2003 muss der Ausweis der einkommensneutralen Verrechnungskomponenten in der Eigenkapitalveränderungsrechnung erfolgen. Diese werden bezeichnet als „income and expense recognised directly in equity“. Unter anderem motiviert durch das Streben nach Konvergenz mit den U.S.-amerikanischen Rechnungslegungsregeln, den United States-Generally Accepted Accounting Principles (U.S.-GAAP), wird in der Fassung des IAS 1 (überarbeitet 2007) ein neuer Ausweis gefordert und ein neues Vokabular vorgeschlagen. Künftig sollen alle einkommensneutrale Verrechnungskomponenten wahlweise entweder zusammen mit den einkommenswirksam erfassten Aufwendungen und Erträgen in einem einzigen Rechenwerk – dem „statement of comprehensive income“ – ausgewiesen werden, welches dann die bisherige Einkommensrechnung ersetzt, oder der Ausweis kann in zwei separaten Rechenwerken erfolgen: dem bisher üblichen „income statement“, welches mit dem ausgewiesenen Einkommen bzw. „profit/loss“ schließt, und dem ergänzenden „statement of comprehensive income“, das mit diesem „profit/loss“ wieder beginnt und die einkommensneutralen Verrechnungskomponenten bzw. die Komponenten des „other comprehensive income“ aufzeigen soll. Ein Ausweis der einzelnen einkommensneutralen Verrechnungskomponenten in der Eigenkapitalveränderungsrechnung ist nicht mehr zugelassen. Damit ähneln der Ausweis und die Bezeichnungen sehr dem des 1997 erlassenen Statement of Financial Accounting Standards No. 130 (SFAS 130) „Reporting Comprehensive Income“ der U.S.-GAAP. Durch die Änderungen des IAS 1 wird, ähnlich wie beim SFAS 130, mit einer neuen „bottom-line“ - bei IFRS das „total comprehensive income“ und bei SFAS 130 das „comprehensive income“ - ein erweiterter Erfolgsbegriff eingeführt, mit der Absicht, die Rechnungslegungsadressaten besser über die nicht-eigenkapitalgeberbezogenen Veränderungen des Eigenkapitals zu informieren. Am Ansatz der einkommensneutralen Verrechnungen ändert sich dadurch jedoch nichts, denn sowohl IAS 1 (überarbeitet 2007) als auch SFAS 130 sind reine Ausweisstandards, die keine Ansatz- oder Bewertungsvorschriften enthalten. Somit liegt bei den IFRS auch nach der Überarbeitung des IAS 1 weiterhin eine unvollständige Einkommensermittlung im Sinne dieser Arbeit vor.
Nachdem nun festgestellt wurde, dass zwei grundsätzliche Einkommensermittlungskonzepte existieren und dass von den IFRS grundsätzlich das vollständige verfolgt, tatsächlich aber das unvollständige praktiziert wird, scheint es nun ein interessanter Ansatz zu sein, sich den Konzepten mittels einer empirischen Aktienmarktrelevanzuntersuchung zu nähern. Da sich die beiden Konzepte durch die einkommensneutralen Verrechnungskomponenten unterscheiden, ist es naheliegend, diese in den Fokus der Betrachtung zu rücken. Dazu ist aber zunächst eine Präzisierung des bisher recht unbestimmten Begriffes der Aktienmarktrelevanz erforderlich.
Aktienmarktrelevanz ist der Oberbegriff für die drei Konzepte Prognoserelevanz, Entscheidungsrelevanz und Bewertungsrelevanz, die auf unterschiedliche Weise versuchen, den Zusammenhang zwischen der Rechnungslegung und dem Aktienmarkt zu messen. Diese Messkonzepte stellen laut MÖLLER/HÜFNER die drei grundlegenden Ansätze zur empirischen Rechnungslegungsforschung dar. Wie in Kapitel 2.2 in Abgrenzung von den anderen beiden Ansätzen gezeigt werden wird, stellt die Bewertungsrelevanz das geeignete Messkonzept für den vorliegenden Untersuchungszweck dar. Mit Untersuchungen zur Bewertungsrelevanz wird überprüft, ob die Rechnungslegung bzw. Rechnungslegungsgrößen für die Bewertung von Aktien, wie sie zum Beispiel im Rahmen der Anlageentscheidungen von (potenziellen) Eigenkapitalgebern durchgeführt wird, relevant sind. Der Preis einer Aktie dient in den empirischen Untersuchungen als Approximation für den Aktienwert, so dass davon ausgegangen wird, dass die Rechnungslegung bzw. bestimmte Rechnungslegungsgrößen dann bewertungsrelevant sind, wenn es einen Zusammenhang zwischen ihnen und den Aktienpreisen bzw. -renditen gibt – wenn sie also die Aktienpreise oder die Aktienpreisveränderungen erklären können.
Die vorliegende Arbeit untersucht nun die Bewertungsrelevanz des vollständigen Einkommens im Rahmen der IFRS. Dazu wird zum einen das ausgewiesene Einkommen betrachtet, welches unvollständig (vollständig) ist, sobald (keine) einkommensneutrale(n) Verrechnungen existieren. Zum anderen werden auch die einkommensneutralen Verrechnungskomponenten auf Bewertungsrelevanz hin untersucht.
Liegt nun in der hier betrachteten Untersuchungsgesamtheit Bewertungsrelevanz für eine oder mehrere der einkommensneutralen Verrechnungskomponenten vor, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass den Eigenkapitalgebern durch die unvollständige Einkommensermittlung in der Einkommensrechnung die für die Aktienbewertung relevanten Informationen nicht adäquat zur Verfügung gestellt worden sind. So konzentriert sich zumindest ein Teil der Eigenkapitalgeber bei der Auswertung der Jahresabschlüsse hauptsächlich auf das ausgewiesene Einkommen bzw. auf Kennziffern, in die das ausgewiesene Einkommen eingeht, wie zum Beispiel das Verhältnis vom Aktienpreis zum ausgewiesenem Einkommen oder das ausgewiesene Einkommen je Aktie. Schon LITTLETON stellte fest: „ too many people regard the final figure of the income statement as a fully established, indisputable fact.” Für den Fall, dass bewertungsrelevante einkommensneutrale Verrechnungskomponenten vorliegen, besteht somit die Gefahr von Fehlbewertungen und folglich von Fehlentscheidungen.
Die Erkenntnisse von Bewertungsrelevanzuntersuchungen können im Allgemeinen auch für den IASB von Interesse sein. So ist zum Beispiel die Prüfung der Umgliederung von einkommensneutralen Verrechnungskomponenten in das Einkommen Gegenstand der aktuellen zweiten Phase des IASB-Projektes Financial Statement Presentation. Wenn eine oder mehrere der Komponenten bewertungsrelevant sind, könnte dies ein Anhaltspunkt für eine solche Umgliederung sein.
Der Nutzen von Bewertungsrelevanzstudien für die Standardsetzer wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Typischerweise ziehen Bewertungsrelevanzuntersuchungen aber keine normativen Schlüsse und geben keine spezifischen Handlungsempfehlungen. Es existiert vielmehr das Bewusstsein, dass Bewertungsrelevanzuntersuchungen nicht alle Aspekte beinhalten können, die vom Standardsetzer bei der Standardentwicklung berücksichtigt werden müssen, wie zum Beispiel Wohlfahrtsüberlegungen, so dass konkrete Handlungsempfehlungen nicht möglich sind. Unabhängig davon ist der Ansatz, Bewertungsrelevanzuntersuchungen bei der Standardentwicklung mit zu berücksichtigen, in der Praxis nicht unüblich. So sind beispielsweise die Hälfte der Studien, die in den „Research Supplements“ des FASB genannt werden, Bewertungsrelevanzstudien, und dies, obwohl Bewertungsrelevanz kein Kriterium ist, dem die Rechnungslegung nach U.S.-GAAP oder nach den hier betrachteten IFRS genügen müssen. Sie bietet aber eine Möglichkeit, zwei andere nach IFRS zu erfüllende Kriterien empirisch zu operationalisieren: die Relevanz und die Verlässlichkeit. Diese Kriterien sind sehr bedeutsam, denn nur wenn sie erfüllt sind, kann das übergeordnete Ziel der IFRS - entscheidungsnützliche Informationen für die ökonomischen Entscheidungen der Jahresabschlussadressaten bereitzustellen - erreicht werden. Informationen aus der Rechnungslegung sind relevant, wenn sie derart prognosegeeignet sind, dass sie zukunftsorientierte Entscheidungen grundsätzlich beeinflussen können, und sie sind verlässlich, wenn sie das ausdrücken, was sie vorgeben auszudrücken, denn nur dann ist ein gewisses Vertrauen der Informationsempfänger gewährleistet.
Die folgende Arbeit ist in weitere vier Kapitel unterteilt. In Kapitel 2 werden die konzeptionellen Grundlagen der empirischen Untersuchung erläutert. Dabei scheint es in Kapitel 2.1 zunächst erforderlich, die Perspektive darzulegen, aus der die Untersuchung vorgenommen wird, denn nur wenn die Perspektive festgelegt ist, ist es möglich, einerseits die Untersuchung zielgerichtet aufzubauen und andererseits die Ergebnisse sinnvoll zu interpretieren.
Kapitel 2.2 beschäftigt sich dann mit der Auswahl des Messkonzepts dieser Untersuchung. Dazu werden zunächst die drei potenziellen Ansätze kurz vorgestellt, die Vor- und Nachteile diskutiert und schließlich das nach diesen Ausführungen gewählte Messkonzept der Bewertungsrelevanz detailliert erläutert.
Das darauffolgende Kapitel 2.3 hat das statistische Instrument der Regressionsanalyse zum Inhalt, welches in Bewertungsrelevanzstudien regelmäßig zum Einsatz kommt.
In Kapitel 2.4 erfolgt die Herleitung des Modells zur Untersuchung der Bewertungsrelevanz des Einkommens. Basierend auf dem Ohlson-Modell wird ein zunächst allgemeines Bewertungsrelevanzmodell ermittelt. Aufgrund der Forderung des Ohlson-Modells nach einer vollständigen Einkommensermittlung sind im letztendlichen Untersuchungsmodell zur Bewertungsrelevanz neben dem ausgewiesenen Einkommen auch die einkommensneutralen Verrechnungskomponenten enthalten. Im Rahmen eines Exkurses wird die Betrachtung der einkommensneutralen Verrechnungskomponenten durch eine Darstellung der Debatte zwischen Vertretern der vollständigen und der unvollständigen Einkommensermittlung, noch unterstützt, bevor am Ende des Kapitels 2.4 die Hypothesen formuliert werden, die mit Hilfe des Untersuchungsmodells getestet werden sollen.
Die Ausführungen in Kapitel 3 dienen der Einordnung der vorliegenden Arbeit in die bestehende Literatur, wobei die Darstellung der Ergebnisse bisheriger Studien zum Ausmaß einkommensneutraler Verrechnungen sowie der Ergebnisse früherer Untersuchungen zur Bewertungsrelevanz einkommensneutraler Verrechnungskomponenten im Mittelpunkt stehen.
Kapitel 4 stellt dann die empirische Untersuchung im eigentlichen Sinne dar. Bei der Darstellung des Untersuchungsdesigns in Kapitel 4.1 wird zunächst der Untersuchungszeitraum festgelegt sowie Ereignisse beschrieben, die innerhalb dieses Zeitraums einen Einfluss auf die Untersuchungsgesamtheit und auf die Untersuchungsergebnisse haben. Des Weiteren wird erläutert, mit welcher Art von Daten die Variablen des Untersuchungsmodells gefüllt werden. Dazu zählt zum Beispiel die Frage, ob Daten aus dem Einzel- bzw. dem Konzernabschluss verwendet werden sollten. Das Untersuchungsdesign schließt dann mit einer Beschreibung des grundsätzlichen Vorgehens der empirischen Untersuchung, wozu zum Beispiel vorzunehmende Teiluntersuchungen und die Erläuterung notwendiger statistischer Tests gehören.
In Kapitel 4.2 wird die Datenbasis dargelegt. Dabei wird insbesondere auf die Datenverfügbarkeit, den Datenumfang und die Datenqualität eingegangen.
Als notwendige Voraussetzung für eine sinnvolle Ergebnisinterpretation wird in Kapitel 4.3 überprüft, ob im vorliegenden Fall die allgemeinen Annahmen einer Regressionsanalyse erfüllt sind.
Kapitel 4.4 beschäftigt sich schließlich mit den Ergebnissen der empirischen Untersuchung. Dazu werden zunächst die Ergebnisse deskriptiver Auswertungen vorgestellt. Darauffolgend wird bei der Analyse der Ergebnisse der durchgeführten Regressionen ermittelt, ob das ausgewiesene Einkommen bzw. die einkommensneutralen Verrechnungskomponenten bewertungsrelevant sind.
Die Arbeit endet in Kapitel 5 mit einer abschließenden Zusammenfassung sowie einem Ausblick.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Tabellenverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| Symbolverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Motivation | 1 |
| 1.2 | Aufbau | 6 |
| 2. | Konzeptionelle Grundlagen der empirischen Untersuchung | 8 |
| 2.1 | Perspektive der Untersuchung | 8 |
| 2.2 | Zur Auswahl eines Messkonzepts | 9 |
| 2.3 | Die Regressionsanalyse als technische Basis | 12 |
| 2.4 | Die Modellierung | 15 |
| 2.4.1 | Theoretische Fundierung | 15 |
| 2.4.1.1 | Ausgangslage | 15 |
| 2.4.1.2 | Das Modell von Ohlson | 17 |
| 2.4.2 | Empirische Spezifizierung | 21 |
| 2.4.2.1 | Preismodell versus Renditemodell | 21 |
| 2.4.2.2 | Zur Herleitung des Untersuchungsmodells | 23 |
| 3. | Erkenntnisse der Literatur | 32 |
| 3.1 | Ausmaß der einkommensneutralen Verrechnungen | 32 |
| 3.2 | Bewertungsrelevanz einkommensneutraler Verrechnungskomponenten | 33 |
| 4. | Empirische Untersuchung | 38 |
| 4.1 | Untersuchungsdesign | 38 |
| 4.1.1 | Zeitraum | 38 |
| 4.1.2 | Variablen | 40 |
| 4.1.3 | Vorgehen | 42 |
| 4.2 | Datenbasis | 45 |
| 4.2.1 | Datenverfügbarkeit und Datenumfang | 45 |
| 4.2.2 | Datenqualität | 46 |
| 4.3 | Prüfung der Annahmen der Regressionsanalyse | 48 |
| 4.4 | Ergebnisse | 50 |
| 4.4.1 | Deskriptive Ergebnisse | 50 |
| 4.4.2 | Regressionsergebnisse | 58 |
| 5. | Zusammenfassung und Ausblick | 68 |
| Anhang | VIII | |
| Literaturverzeichnis | X | |
| Verzeichnis der Rechtsquellen | X | |
| Verzeichnis weiterer Literatur | XII |
Textprobe:
Kapitel 2.1, Perspektive der Untersuchung: Theoretisch könnte die Relevanz der Rechnungslegung für den deutschen Aktienmarkt aus vielen Perspektiven betrachtet werden, denn der (unternehmensexterne) Adressatenkreis der Rechnungslegung bzw. des Jahresabschlusses besteht nicht nur aus Eigenkapitalgebern, sondern auch aus Fremdkapitalgebern, Geschäftspartnern, Mitarbeitern, Konkurrenten und Finanzbehörden. Alle genannten Gruppen haben bestimmte Informationsbedürfnisse, die teilweise mit denen anderer Gruppen übereinstimmen, häufig jedoch divergieren. Dementsprechend sind bestimmte Rechnungslegungsgrößen, wie zum Beispiel die einkommensneutralen Verrechnungskomponenten, für die eine Gruppe mehr und für die andere weniger relevant. Um sinnvolle Aussagen über die Relevanz treffen zu können, ist daher eine Eingrenzung des Adressatenkreises erforderlich.
Eine aktienmarktorientierte Untersuchung, wie sie hier vorliegt, kann sinnvoll nur aus einer Perspektive erfolgen: aus derjenigen der Eigenkapitalgeber. Zwei Gründe sind dabei ausschlaggebend. Zum einen sehen die hier betrachteten IFRS in den Eigenkapitalgebern die Hauptadressaten der Rechnungslegung. Die Ursache hierfür ist unter anderem in den Ansprüchen und Verpflichtungen dieser Adressatengruppe zu finden. Eigenkapitalgeber stellen dem Unternehmen zeitlich unbegrenzt Kapital zur Verfügung. Als Gegenleistung dafür erhalten sie den so genannten Residualanspruch auf das Vermögen des Unternehmens, das verbleibt, nachdem alle anderen Ansprüche befriedigt worden sind. Verbleibt also nach Abzug der Ansprüche aller anderen kein Kapital, so erhalten die Eigenkapitalgeber keine Verzinsung auf ihr eingesetztes Kapital, und zusätzlich tragen sie noch das Risiko des Verlustes ihres eingesetzten Kapitals. Ein ähnlich risikobehaftetes Kapital wird den Unternehmen von keiner anderen Adressatengruppe zur Verfügung gestellt. Das IFRS-RK Absatz 10 geht daher davon aus, dass die Informationsbedürfnisse der meisten anderen Adressaten erfüllt werden, wenn die Angaben aus dem Jahresabschluss (sogar) dem Informationsbedarf der Eigenkapitalgeber entsprechen.
Zum anderen ist bei der Gruppe der Eigenkapitalgeber das Investitionsverhalten, also die Aktionen bzw. Entscheidungen, die durch die Informationen aus der Rechnungslegung ausgelöst werden, im Gegensatz zu allen anderen Adressatengruppen verlässlich messbar und zudem noch öffentlich zugänglich – in Form von historischen Aktienpreisen am Aktienmarkt. Denn der Marktpreis einer Aktie wird durch das Investitionsverhalten der Eigenkapitalgeber beeinflusst, und das Investitionsverhalten wiederum (bei Relevanz) durch die Rechnungslegungszahlen. Demzufolge ist eine verlässliche Beurteilung der Relevanz der Rechnungslegung bzw. bestimmter Rechnungslegungsgrößen nur für Eigenkapitalgeber möglich.
Kapitel 2.2, Zur Auswahl eines Messkonzepts: Aktienmarktrelevanz ist der Oberbegriff für verschiedene Konzepte zur Messung der Relevanz der Rechnungslegung für den Aktienmarkt. Eine Unterscheidung dieser Messkonzepte ist notwendig, da sich die Ergebnisse unterschiedlicher Studien nur sinnvoll miteinander vergleichen lassen, wenn sie auf demselben Konzept basieren. MÖLLER/HÜFNER identifizieren Prognoserelevanz, Entscheidungsrelevanz und Bewertungsrelevanz als die drei wesentlichen Messkonzepte.
Eine Information aus der Rechnungslegung bzw. aus Rechnungslegungsgrößen gilt als prognoserelevant, wenn sie bei der Prognose zukünftiger Ereignisse von Nutzen ist. Relevante Ereignisse für den Informationsempfänger, die es dann zu prognostizieren gilt, sind beispielsweise Gewinne, Cashflows oder Insolvenzen. Dafür wird mit Hilfe von Prognosemodellen der Zusammenhang zwischen der Rechnungslegung bzw. bestimmter Größen der Rechnungslegung auf der einen Seite und zukünftigen Gewinnen, Cashflows, Insolvenzen etc. auf der anderen Seite untersucht. Entscheidungsrelevanz liegt vor, wenn eine Entscheidung unter Ausnutzung der Informationen aus der Rechnungslegung anders ausfällt als ohne Kenntnis der Informationen. Die Überprüfung eines Zusammenhangs erfolgt dabei meist mittels so genannter Ereignisstudien, die die Aktienpreisreaktionen auf die Veröffentlichung einer Rechnungslegungsgröße (Ereignis) analysieren. Schließlich ist die Rechnungslegung bzw. sind bestimmte Größen der Rechnungslegung bewertungsrelevant, wenn sie die Aktienpreise bzw. -renditen erklären können, also ein messbarer Zusammenhang zwischen den Informationen aus der Rechnungslegung und den Aktienpreisen bzw. -renditen vorliegt.
Fraglich ist nun, welches der drei skizzierten Messkonzepte im Folgenden verwendet werden soll, um die Relevanz des Einkommens für den Aktienmarkt zu untersuchen. Als Kriterien bei der Auswahl dienen hierbei die Objektivität, die Operationalisierbarkeit und die theoretische Begründbarkeit der Messkonzepte.
Das Konzept der Prognoserelevanz hat den Nachteil, dass zur Bestimmung des Prognosemodells und auch zur Festlegung der zu prognostizierenden Ereignisse bis heute keine Theorie existiert. Des Weiteren lässt der Ansatz einen theoretisch begründbaren Zusammenhang zwischen der Rechnungslegung bzw. bestimmter Rechnungslegungsgrößen und Aktienpreisen vermissen, so dass die Ergebnisse schwierig zu interpretieren und angreifbar sind.
Die Entscheidungsrelevanz einer Information aus der Rechnungslegung ist stark abhängig vom Neuigkeitsgrad der Information und folglich vom Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung. So kann eine ausbleibende Aktienpreisreaktion auf eine Information aus einer im Jahresabschluss veröffentlichten Größe nicht nur auf einen mangelnden Informationswert für den Informationsempfänger zurückzuführen sein, sondern auch auf eine bereits erfolgte Einpreisung dieser Information, wenn sie schon aus anderen Quellen bekannt war. Trotz der bedeutenden Rolle der Jahresabschlussinformationen ist es daher möglich, dass sie bei Veröffentlichung keine Aktienpreisreaktionen hervorrufen. Insbesondere beim Einkommen und einkommensverwandten Informationen ist eine (anteilige) Einpreisung vor Veröffentlichung des Jahresabschlusses zu vermuten, da diese häufig zum Beispiel durch freiwillige Zusatzpublizität bereits früher bekannt gegeben werden.
Bei Bewertungsrelevanzuntersuchungen hingegen ist es unerheblich, zu welchem genauen Zeitpunkt die Informationen zugeflossen sind. Es ist lediglich erforderlich, dass sie in den im Gegensatz zur Entscheidungsrelevanz deutlich längeren Untersuchungszeiträumen veröffentlicht worden sind. Demnach ist es also möglich, dass Informationen aus der Rechnungslegung, die nicht entscheidungsrelevant sind, trotzdem bewertungsrelevant sind. Bewertungsrelevanz ist außerdem „objektiver“ als Prognoserelevanz, denn es ist nicht erforderlich, subjektive Erwartungen, wie sie bei der Prognoserelevanzermittlung für die zu prognostizierenden Ereignisse notwendig sind, einzubeziehen. Damit können diese Erwartungen auch nicht die Untersuchungsergebnisse beeinflussen. Des Weiteren liegt mit der Bewertungsrelevanz das einzige Messkonzept vor, das auf eine Theorie gestützt Rechnungslegungsgrößen implementieren kann.
Anhand der zuvor genannten Kriterien wird somit für eine Untersuchung der Relevanz des Einkommens am Aktienmarkt das Messkonzept der Bewertungsrelevanz präferiert, welches im Folgenden ausführlicher erläutert wird.
Obwohl der Ursprung der empirischen Untersuchungen von Zusammenhängen zwischen Informationen aus der Rechnungslegung und Aktienpreisen in den Studien von BALL/BROWN und BEAVER für den U.S.-amerikanischen Aktienmarkt zu sehen ist, stellt der Artikel von LEV erst den Anfang der eigentlichen Bewertungsrelevanzforschung dar, da dort zum ersten Mal explizit die Stärke des Zusammenhangs von Aktienrenditen und Einkommen als Maß für die Beurteilung der Güte der Rechnungslegung vorgeschlagen worden ist. AMIR/HARRIS/VENUTI verwendeten dann erstmalig den Begriff der Bewertungsrelevanz bzw. das englische Pendant „value relevance“. Seit dem Modell von OHLSON beherrscht der Ansatz der Bewertungsrelevanz die einschlägige Literatur und wird spätestens seitdem auch für Untersuchungen am deutschen Aktienmarkt angewandt.
Wie zuvor bereits angesprochen, sollen mit dem Bewertungsrelevanzansatz Aussagen über die Eignung von Rechnungslegungsgrößen zur Bewertung von Aktien, zum Beispiel im Rahmen von Anlageentscheidungen von Eigenkapitalgebern, getroffen werden. Ob Bewertungsrelevanz vorliegt, ist dann davon abhängig, wie gut die Rechnungslegungsgrößen den Wert der Aktien erklären können oder zumindest zur Erklärung beitragen können. Es wird also der Zusammenhang zwischen den Rechnungslegungsgrößen und dem Wert der Aktien betrachtet. In den empirischen Studien zur Bewertungsrelevanz wird aber der Zusammenhang des Aktienpreises mit den Rechnungslegungsgrößen untersucht. Die Aktienpreise fungieren dabei als Surrogatgröße für den Wert der Aktie. Es gilt schließlich: Je besser die betrachteten Rechnungslegungsgrößen die Aktienpreise bzw. -renditen erklären bzw. zur Erklärung beitragen, umso höher ist ihre Bewertungsrelevanz.
Allerdings wird kein kausaler Zusammenhang zwischen den betrachteten Rechnungslegungsgrößen und dem Aktienpreis überprüft bzw. es wird nicht, wie im Rahmen von Ereignisstudien üblich, die Aktienpreisreaktion auf eine Rechnungslegungsgrößenveröffentlichung (Ereignis) untersucht, sondern man untersucht den Zusammenhang bzw. die Assoziation zwischen den Rechnungslegungsgrößen und dem Aktienpreis. Bewertungsrelevanzstudien analysieren damit nicht direkt, wie Eigenkapitalgeber Informationen aus der Rechnungslegung verarbeiten, und können also als indirekte Tests zur Nützlichkeit von Informationen aus der Rechnungslegung für Bewertungszwecke aufgefasst werden.
Man kann die Bewertungsrelevanzuntersuchungen aber auch aus einem anderen Blickwinkel sehen: Betrachtet man die Rechnungslegung als Zusammenfassung der Ereignisse, die ein Unternehmen während eines Abrechnungszeitraumes betroffen haben, und bedenkt man, dass Rechnungslegungssysteme diese Ereignisse im Vergleich zu Aktienpreisen zeitlich nachgelagert widerspiegeln, so kann man auch sagen, dass Bewertungsrelevanzstudien untersuchen, inwiefern die Rechnungslegung fähig ist, diejenigen Ereignisse abzubilden, die in den Aktienpreisen enthalten sind und somit von Relevanz für die Eigenkapitalgeber waren. Die Bewertungsrelevanz ist dann umso höher, je besser die Rechnungslegungsgrößen als Summenmaße diese Ereignisse reflektieren.
Für den Fall, dass Aktienpreise durch Rechnungslegungsgrößen erklärbar sind, sollte zwischen diesen beiden Seiten ein funktionaler Zusammenhang existieren. Ist es dann noch möglich, hierfür eine theoretisch fundierte Funktion zu finden, wäre diese Funktion für den Bewertungsrelevanzansatz geeignet. In der Vergangenheit stand zunächst keine solche Funktion zur Verfügung. Der Ansatz galt daher als problematisch. Dies änderte sich jedoch rasch, nachdem mit dem Modell von OHLSON eine Möglichkeit zur Verfügung stand, auf einer theoretischen Basis den Wert einer Aktie durch Größen der Rechnungslegung zu erklären.
Bevor jedoch näher auf die Modellierung eingegangen wird, sei zunächst noch das technische bzw. statistische Hilfsmittel erläutert, dessen sich Bewertungsrelevanzstudien regelmäßig bedienen.
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http://www.diplom.de/ean/9783836624619
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Bungenberg, Arndt Februar 2008: Die Bewertungsrelevanz des Einkommens, Hamburg: Diplomica Verlag
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Value relevance, Bewertungsrelevanz, comprehensive income, Einkommen, IFRS



