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Die Bewältigung der deutschen Vergangenheit aus deutscher und ausländischer Sicht

Eine kritische Untersuchung anhand deutscher, französischer und englischsprachiger Medien

Die Bewältigung der deutschen Vergangenheit aus deutscher und ausländischer Sicht
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Gabriele Brodmann
  • Abgabedatum: März 2005
  • Umfang: 106 Seiten
  • Dateigröße: 1,6 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Hildesheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8909-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8909-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8909-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Brodmann, Gabriele März 2005: Die Bewältigung der deutschen Vergangenheit aus deutscher und ausländischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Vergangenheitsbewältigung, Kriegsende, Deutschlandbild, Nationalstolz, Auslandsbeziehungen

Magisterarbeit von Gabriele Brodmann

Einleitung:

Die Bewältigung der deutschen Vergangenheit ist ein Thema, das Menschen deutscher Nationalität seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr losgelassen hat. Bis heute noch wirft die Zeit von 1933 bis 1945 dunkle Schatten auf uns, die wir immer noch nicht wissen, wie mit dieser Bürde von damals heute umzugehen ist.

‚Bewältigung‘ wird häufig gefordert ohne jedoch zu definieren, was damit gemeint sein könnte – ‚Verdrängung‘ ist wohl das, was man eigentlich wünscht, was auch in den letzten Jahrzehnten häufig so praktiziert wurde. Die Deutschen gehen verschwörerisch mit dem um, das ihre Geschichte, ihre nationale Identität und ihr Bild nach außen so nachhaltig veränderte. Verunsichert wohl auch, belastet durch eine Schuld, die heute nicht mehr ihre Schuld ist und dennoch weiterhin auf ihren Schultern lastet.

Die unvorstellbaren Grauen des Nationalsozialismus haben in der Zeit danach eine Hilflosigkeit ausgelöst, die bis zum heutigen Tage anhält und in der Vergangenheit oft zu einer falschen Tabuisierung des Themas führte. Wie sollte man auch umgehen mit einer Schuld wie dieser? Wer sollte einem dafür jemals die Absolution erteilen? Wann durfte man zur „Normalität“ zurückkehren oder darf man es überhaupt jemals?

Bis heute stehen wir vor diesem Problem, auch wenn viele es gerne übersehen oder verleugnen möchten. Spätestens wenn unser derzeitiger Bundespräsident Horst Köhler vor der Knesseth, dem israelischen Parlament, eine Rede halten soll, und es stellt sich die Frage, ob diese in deutscher Sprache, der Sprache des Tätervolkes, gehalten werden darf, kann man nicht mehr die Augen davor verschließen, dass die Zeit des Nationalsozialismus immer noch dunkle Schatten auf uns wirft.

Horst Köhler hat meiner Meinung nach einen sehr klugen und sehr mutigen Weg gewählt, indem er die Abgeordneten des Parlamentes in hebräischer Sprache begrüßte und den Rest seiner Rede in Deutsch hielt. Bei der Begegnung unterschiedlicher Kulturen spielen Stereotype immer eine entscheidende Rolle – keine positive, aber eine, die man nicht ignorieren kann.

„Bei der interkulturellen Begegnung tritt jeder Beteiligte seinem Partner mit vorgeprägten Vorstellungen und Einstellungen gegenüber. Fast immer sind bereits bestimmte Images, Einstellungen, Stereotype und Vorurteile vorhanden; und sie bestimmen im hohem Maße mit, wie im konkreten Fall die Prozesse der Interkulturellen Kommunikation und Interaktion verlaufen.“ Wie Maletzke außerdem schreibt, gibt es neben den Stereotypen von fremden Gruppen, den sogenannten Heterostereotypen, und denen von der eigenen Gruppe, den sogenannten Autostereotypen, auch noch stereotype Vorstellungen davon, welche Bilder andere Menschen von mir als Angehörigen einer bestimmten Gruppen haben.

Wenn ich also als Deutscher - zum Beispiel bei einer Auslandsreise - auf einen Menschen anderer Nationalität treffe, muss ich mir darüber bewusst sein, dass nicht nur das eigene Stereotyp von der anderen Person vorhanden ist, sondern auch bei dieser ein stereotypes deutsches Bild von mir selbst. Zusätzlich habe ich auch noch eine festgelegte Vorstellung darüber, was die andere Person wahrscheinlich über mich denkt, weil sie eben weiß, dass ich Deutsche/r bin.

Auf Grundlage dieser Überlegung müsste ein Interkulturelles Training eigentlich damit beginnen, vor der Interaktion mit anderen Kulturen zunächst die Wirkung der eigenen Kultur zu lehren. Bevor sich jemand in eine Interkulturelle Begegnung begibt, müsste er sich vorher nicht nur der Beeinflussung der eigenen Wahrnehmung durch seine Kultur, also seines Ethnozentrismus, bewusst sein, sondern auch des Bildes, das er glaubt, durch seine Nationalität in seinem Gegenüber zu erzeugen.

Basierend auf diesen Vorüberlegungen wollte ich in der vorliegenden Arbeit den langen Weg nachzeichnen, den die Deutschen in den letzten 60 Jahren gegangen sind, um sich langsam dem zu nähern, das man vielleicht irgendwann als Bewältigung der Vergangenheit bezeichnen kann. Außerdem versuchte ich, durch Recherche in ausländischen Medien und eine empirische Untersuchung herauszufinden, inwieweit das Stereotyp des Nationalsozialismus heute noch das deutsche Bild prägt.

Wie sind die Deutschen in den letzten Jahrzehnten mit ihrer belastenden Vergangenheit umgegangen? Haben sie ihren Weg zwischen Verdrängung, Konfrontation, Tabuisierung und offenem Umgang mit diesem Thema gefunden? Wie hat sich das Selbstverständnis in dieser Zeit verändert und wie sieht es heute aus?

Und welches Bild haben Angehörige anderer Nationen, insbesondere Briten, Franzosen und US-Amerikaner als ehemalige Besatzungsmächte, von uns? Durch welche Faktoren wird es beeinflusst? Spielt der Nationalsozialismus immer noch so eine entscheidende Rolle? Wie weit weicht also das Stereotyp, das wir glauben darzustellen, von dem ab, was andere Länder wirklich von uns haben?

Diesen Fragestellungen galt mein besonderes Interesse!

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
1.1 Die Bewältigung der deutschen Vergangenheit 4
1.2 Das Stereotyp in der Interkulturellen Begegnung 5
1.3 Nationalsozialismus als deutsches Stereotyp 6
2. Das Trauma der deutschen Vergangenheit 6
2.1 1945 – Die Stunde Null 6
2.1.1 Einleitung 6
2.1.2 Die Stunde Null 7
2.1.3 Entnazifizierung 9
2.1.4 Heimkehrerschicksal 12
2.1.5 Verantwortung 14
2.1.6 Abschluss 16
2.2 Die 50er Jahre 16
2.2.1 Einleitung 16
2.2.2 Ein ganz neues Deutschland 17
2.2.3 Der neue Konsum verdrängt die alte Schuld 18
2.3 Die 60er Jahre 18
2.3.1 Die alte Schuld lässt sich nicht verdrängen 18
2.3.2 Vergangenheitsbewältigung in der DDR – Hitler wurde gleichsam Westdeutscher 20
2.3.3 Der Widerstand gegen die schweigende Gesellschaft 22
2.4 Die 70er Jahre 24
2.4.1 Der Kniefall von Warschau 24
2.4.2 „Holocaust“ – Eine Nation kommt via Fernseher ins Gespräch 27
2.5 Die 80er Jahre 30
2.5.1 Besuch auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg – Die ideologische Sortierung der Toten 30
2.5.2 Die Weizsäcker-Rede – Vom richtigen Umgang mit der Vergangenheit 32
2.6 Die 90er Jahre 34
2.6.1 Wir sind das Volk! Wir sind ein Volk! – Eine Nation erfindet sich neu 34
2.6.2 Fremdenfeindlichkeit 37
2.6.3 Daniel Jonah Goldhagen – Hitlers willige Vollstrecker 39
2.6.4 Die Wehrmachtsausstellung 41
3. Deutschland im Blick ausländischer Medien 44
3.1 Werbung für ein besseres Ansehen in Großbritannien 44
3.2 Werbung für britisches Bier 45
3.3 Der Stolz des deutschen Volkes 47
4. Empirische Untersuchung auf Basis eines Fragebogens 49
4.1 Einleitung 49
4.2 Der Weg zum Fragebogen 50
4.3 Aufbau des Fragebogens 50
4.3.1 Die Titelseite 50
4.3.2 Die Seite der Fragen 52
4.3.3 Persönliche Fragen 53
4.3.4 Relevante Fragen 54
4.3.4.1 Frage 2.) – Das deutsche Bild 54
4.3.4.2 Frage 3.) – Die Quelle der Information 56
4.3.4.3 Frage 4.) und 5.) – Die deutsche Sprache 56
4.3.4.4 Frage 6.) – Bekannte deutsche Persönlichkeiten 58
4.3.4.5 Frage 7.) – Das typisch Deutsche 59
4.3.4.6 Frage 8.) – Die deutsche Vergangenheit 60
4.3.4.7 Frage 9.) und 10.) – Die deutsche Schuld 61
4.3.4.8 Frage 11.) – Der Bundeskanzler in der Normandie 62
4.3.5 Die Seite des Dankes 63
4.4 Die Teilnehmer des Fragebogens 63
4.4.1 Die Nationalitäten der Teilnehmer 63
4.4.2 Die persönlichen Daten der Teilnehmer 64
4.4.3 Berufsgruppen der Teilnehmer 66
4.4.4 Die Einschätzung auf Basis der bevorzugten Zeitung 66
4.5 Die Auswertung der Fragen 69
4.5.1 Frage 1.) – Die Einstellung zu Deutschland 69
4.5.2 Frage 2.) – Das deutsche Bild im Vergleich 72
4.5.3 Frage 3.) – Die Quelle des Deutschlandbildes 74
4.5.4 Frage 4.) – Die deutschen Wörter 76
4.5.5 Frage 5.) – Der Klang der deutschen Sprache 77
4.5.6 Frage 6.) – Verschiedene deutsche Persönlichkeiten 79
4.5.7 Frage 7.) – Typisch deutsche Attribute 81
4.5.8 Frage 8.) – Das Wissen um die deutsche Schuld 85
4.5.9 Frage 9.) – Umgang mit der Schuld 86
4.5.10 Frage 10.) – Bürde der deutschen Nationalität 90
4.5.11 Frage 11.)- Teilnahme am „D-Day“ 94
5. Schlussbemerkung 98
Literaturangaben, Zeitungsartikel, Internetquellen und sonstige Medien 99

Automatisiert erstellter Textauszug:

„Die Träger hatten, wie es das Protokoll bei solchen Anlässen vorschreibt, einen Kranz niedergelegt. Ebenfalls protokollgerecht war der hohe Besuch vorgetreten, um die Schleife des Gebindes, die eigentlich schon einwandfrei geordnet war, zurechtzuzupfen. ‚Wo ist er denn hin?’ – ‚Ist er hingefallen?’ Die Fotografen in den hinteren Reihen nahmen die Ellbogen zu Hilfe, um sich vorzudrängeln. Willy Brandt hatte sich plötzlich und so unerwartet auf die Knie fallen lassen, daß man an einen Schwächeanfall des Kanzlers glauben konnte. Das Klicken der Fotoapparate steigerte sich zu einem hektischen Gewitter. Da kniete er auf dem regennassen Asphalt: Zehn Sekunden, 20 Sekunden, eine endlose halbe Minute. Sein Kopf war gesenkt, der Blick starr auf die gefalteten Hände gerichtet. Dann erhob er sich mit einem energischen Ruck, ohne die Hände zu Hilfe zu nehmen. Mit langsamen Schritten ging er zu seinen Begleitern zurück.“ 53 [...]

„Die Doppelmoral der Alliierten zeigte sich auch bei den westalliierten wie russischen Bemühungen, deutsche Wissenschaftler unabhängig von ihrer politischen Belastung, für das eigene Lager zu gewinnen – es handelte sich allein in der amerikanischen Zone um etwas 1000 Personen. Dazu kam im Westen die Nachlässigkeit, mit der man die Flucht von Nazis zuließ bzw. nicht unterband; auf der „Rattenlinie“ bzw. „Vatikan- oder Klosterlinie“ (mit katholischen Kreisen als Fluchthelfer) gelangten Tausende von NS-Funktionären in alle Teile der Welt. Mit Beginn des Kalten Krieges verhalfen zudem die westlichen Siegermächte zahlreichen schwerbelasteten Nazis, vorwiegend Militärs und Geheimdienstlern, zu neuer Karriere und damit zur Freiheit, weil sie deren Kenntnisse in Anspruch nehmen wollten.“ 38 [...]

„Auf eine Verinnerlichung unseres Daseins kommt heute alles, alles an. Die Kultur des deutschen Geistes nannten wir als das zweite der Gebiete, von denen sie ausgehen müßte. Das Werk der Bismarckzeit ist uns durch eigenes Verschulden zerschlagen worden, und über seine Ruinen hinüber müssen wir die Pfade zur Goethezeit zurücksuchen […] die Kirche [gibt] das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit. Das bedeutet, daß von vornherein auch ein großes Maß von Organisation dabei mitwirken muß. Organisation aber heißt auch immer irgendwo in Reih und Glied treten, auf ein Stück von Eigenwilligkeit verzichten und es beschneiden lassen. Kann man damit aber auch der geistigen Kultur aufhelfen? Fordert sie nicht gerade eine Sphäre der Eigenwilligkeit, der Einsamkeit, der Vertiefung in sich selbst? Die Zweifel am schlechthinnigen [...]

Arbeit zitieren:
Brodmann, Gabriele März 2005: Die Bewältigung der deutschen Vergangenheit aus deutscher und ausländischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Vergangenheitsbewältigung, Kriegsende, Deutschlandbild, Nationalstolz, Auslandsbeziehungen

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