Die Bewältigung von Dilemmata in der Unternehmensführung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Philip Bacher
- Abgabedatum: September 2003
- Umfang: 56 Seiten
- Dateigröße: 282,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-0423-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-0423-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-0423-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bacher, Philip September 2003: Die Bewältigung von Dilemmata in der Unternehmensführung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Management, Strategie, Konflikt, Verhandlung, Widerspruch
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Diplomarbeit von Philip Bacher
Zusammenfassung:
Wirtschaftliche Tätigkeit forderte schon seit jeher die Fähigkeit, komplexe, durch sich widersprechende Handlungsimperative geprägte Konstellationen zu bewältigen. Die in den letzten Jahren immer häufigere Klage, das heutige Wirtschaftsleben sei mit bisher unbekannter Komplexität und Widersprüchlichkeit belastet, kann darum in ihrer Absolutheit kaum Geltung haben. Andererseits lässt es sich kaum leugnen, dass die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte – seien sie hier nur mit den Schlagwörtern Globalisierung, Hyperkonkurrenz, Beschleunigung (unter anderem der Produktzyklen) und Relationenkomplexität umschrieben – die Anforderungen an erfolgreiches Management erhöht oder zumindest modifiziert haben: Wenn namhafte Wissenschaftler über ein „Age of Paradox“ oder eine „Welt als Montage“ schreiben, so scheint Unternehmensführung sich von ihrem klassischen Konzept orientierungsstiftender Komplexitätsreduktion und konsistenzorientierter Eindeutigkeitsschaffung entfernen zu müssen. Es geht heute darum, Komplexität nicht nur zu reduzieren, sondern mit ihr umzugehen, dilemmatische Konstellationen zu bewältigen und hieraus Chancen und Potenziale für die Unternehmensentwicklung zu generieren.
Die Arbeit „Die Bewältigung von Dilemmata in der Unternehmensführung“ ist darauf ausgelegt, die Thematik der Bewältigung von Dilemmata – so wie sie sich in den letzten Jahrzehnten mit zunehmender Bedeutung in der Realität herausgebildet hat und von der Wissenschaft aufgenommen wurde – zu untersuchen und anschließend ein zeitgemäßes Konzept erfolgreicher Bewältigung zu entwickeln. Dargestellt wird zunächst, welche Bedeutung der Beschäftigung mit dilemmatisch strukturierten Konstellationen durch Organisationen bzw. durch Unternehmensführung vor dem Hintergrund des klassischen Konsistenzideals beizumessen ist. Anschließend wird aufbauend auf diversen Ansätzen verschiedener Wissenschaftsdisziplinen die Kernfrage verfolgt, wie auf der Basis fundierter Wahrnehmung von Dilemmata der Umgang mit diesen erfolgen sollte.
Ziel der Arbeit ist es zu verdeutlichen, wie durch erfolgreiche Bewältigung von Dilemmata nicht nur der Komplexität der heutigen Wirtschaft begegnet, sondern auch Chancen und Potenziale, nachhaltig den Unternehmenserfolg sowohl im engeren als auch im weiteren Sinne zu steigern, eröffnet werden können.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Begriffliche und inhaltliche Grundlagen | 2 |
| 2.1 | Das Dilemma in Abgrenzung zu verwandten Begriffen | 2 |
| 2.2 | Die Bewältigung von Dilemmata in der Unternehmensführung – Wahrnehmung und Umgang | 5 |
| 2.3 | Beispiele aus der Praxis der Unternehmensführung | 6 |
| 3. | Die Wahrnehmung von Dilemmata | 9 |
| 3.1 | Die Bedeutung der Wahrnehmung | 9 |
| 3.2 | Ursachen von Wahrnehmungsdefiziten | 12 |
| 4. | Der Umgang mit Dilemmata | 14 |
| 4.1 | Logische Grundmuster des Umgangs | 14 |
| 4.1.1 | Problemlösung im Sinne der Entscheidungstheorie | 14 |
| 4.1.2 | Konfliktbewältigung im Sinne der Konflikttheorie | 17 |
| 4.1.3 | Kooperation im Sinne der Spieltheorie | 18 |
| 4.1.4 | Transformation durch Verhandlungsmanagement – eine Synthese | 20 |
| 4.2 | Konkrete Handlungsstrategien | 22 |
| 4.2.1 | Vermittelnde und reduzierende Strategien | 22 |
| 4.2.2 | „Auflösende“ Strategien | 26 |
| 4.2.3 | Die Insuffizienz „partikularistischer“ Strategien | 30 |
| 4.3 | Zentrale Elemente einer ganzheitlichen Strategie durch widerspruchsorientiertes Management | 30 |
| 4.3.1 | Vereinigung von Wahrnehmung und Umgang | 30 |
| 4.3.2 | Distanzierung von antithetischer Logik durch Verständnis der Kontextbedingungen | 32 |
| 4.3.3 | Transformation des Verständnisses der Dilemmastrukturen | 34 |
| 5. | Fazit und Ausblick | 35 |
Transzendierung der Kontextbedingungen des Dilemmas angestrebt wurde, die das Auffinden von existenten bzw. das Generieren von Lösungen ermöglichen kann: im Sinne der problemlösenden Ideenfindung bei der Entscheidungstheorie, der konfliktbewältigenden Objektivierung bei der Konflikttheorie oder der Kooperation auf einer Metaebene bei der Spieltheorie. Ein ähnlich übergreifendes Ziel, eine objektivierende Distanzierung zu erreichen, verfolgen Ansätze des Verhandlungsmanagements, dessen Anwendung in dilemmatischen Konstellationen darum hier als eine Form der Synthese der gefundenen Erkenntnisse verstanden wird:71 Durch geschicktes Führen von Verhandlungen zwischen den Parteien – wie es etwa vom „Harvard Negociation Project“ entwickelt wird72 – bzw. zwischen verschiedenen Optionen eines Dilemmas soll es ermöglicht werden, kooperativ Lösungen zu finden, die jenseits des zunächst erkannten Lösungsraums bzw. Bezugsrahmens liegen. Dabei muss es der Verhandlungsführung zu Eigen sein, analytisch aus konkretisierten Handlungsoptionen auf die ihnen zu Grunde liegenden Interessen zurückzugehen. Durch deren Gegenüberstellung sollen dann synthetisierende, das heisst die verschiedenen Interessen zugleich bedienende Optionen erkannt bzw. generiert werden, was unter anderem durch bewusstes Ausschließen aller bisher bekannten Lösungen gefördert werden kann73. Beispielsweise könnten etwa für einen Automobilhersteller die Strategieoptionen Kostenführerschaft und Differenzierung sowie ihre Zwischenstufen gedanklich ausgeschlossen werden, um durch Analyse der von ihnen jeweils verfolgten Interessen zu erkennen, dass jede vielleicht für gewisse Produkt- oder Baugruppen besonderem effektiv ist. Damit könnte vielleicht auf ein modulares Produktionsmodell mit sowohl Kostenführerschaft als auch Differenzierung je nach Bau- oder Produktgruppe geschlossen werden, so wie es etwa der Volkswagenkonzern mit seiner Plattformstrategie versucht. Durch eine Transformation der bisher erkannten [...]
der Optionen gegeneinander – erreichbare Distanzierung führt jedoch per definitionem zu Lösungen, die bei richtiger Abstimmung – Kooperation – kollektiv rational sind, das heisst der einseitigen Verfolgung einer der Optionen überlegen sind. Hier zeigt sich aber auch, dass eine unkritische Anwendung der Spieltheorie auf Dilemmata zu Zirkelschlüssen führen kann. Die gefundene Antwort auf die Frage der Lösbarkeit von Dilemmata wurde gerade als Prämisse vorausgesetzt, um überhaupt in eine spieltheoretische Konstellation zu kommen. Während bei dieser die Lösungsebene der Kooperation im weiteren Sinne schon bekannt ist, und nur deren Gestaltung Forschungsziel ist, geht es bei Dilemmata meist gerade darum, bisher unbekannte Lösungen zu finden.69 Verbindendes Element ist allerdings die Herausstellung der zentralen Bedeutung, zunächst durch Distanzierung die spieltheoretische Situation alternativer individuell rationaler Handlungsoptionen bzw. die Dilemmastruktur zu erkennen.70 Zusammenfassend ist jedoch festzuhalten, dass die Gedanken der Spieltheorie für den Umgang mit Dilemmata unter Annahme ihrer Prämisse der Existenz einer überlegenen, „kollektiven“ Lösung interessante Ansätze zur Realisierung dieser Lösung bieten. Offen bleibt aber auch hier, ob grundsätzlich stets eine solche Lösung existiert und wie diese auch bei Erkenntnis der Existenz widerstreitender individueller Rationalitäten gefunden werden kann. 4.1.4 Transformation durch Verhandlungsmanagement – eine Synthese Angesichts der sehr unterschiedlichen Ansätze der Theorien, deren Gedanken auf die Frage des Umgangs mit Dilemmata angewendet wurden, ist es kaum erstaunlich, dass sich zunächst kaum miteinander vereinbare Aussagen über die grundsätzliche Lösbarkeit und deren Mittel gefunden haben. Auffällig und als Synthese festzuhalten ist [...]
4.1.3 Kooperation im Sinne der Spieltheorie Eine wiederum andere Sichtweise der Möglichkeiten des Umgangs mit Dilemmata ergibt sich bei Heranziehung von Gedanken der Spieltheorie. Ihr prinzipielles Ziel ist es, in sozialen Konfliktsituationen – das heisst Situationen mit mindestens zwei Spielern bzw. Positionen mit divergierenden Interessen und trotz bestehender Interdependenzen autonomer Verhaltensbildung – Hilfestellungen für individuelles, rationales Entscheidungsverhalten unter Berücksichtigung des Ziels kollektiver Rationalität zu geben.66 Von Interesse für Dilemmata sind hierbei vor allem Konstellationen von Nicht-Nullsummenspielen wie am prominentesten wohl die des Gefangenendilemmas.67 Diese sind dadurch charakterisiert, dass bei Distanzierung von bei Unsicherheit über das Verhalten der anderen Spieler individuell rationalen und somit dominanten Entscheidungen eine kollektiv rationale Entscheidung existiert und realisiert werden kann, das heisst, dass der kumulative Nutzen aller Parteien im Kooperationsfall höher wird. Das zentrale Problem, dessen Lösung in derartigen Konstellationen gesucht wird, liegt darum in der Frage, wie die einzelnen Spieler in eigenem Interesse von der individuell rationalen auf die kollektiv rationale Lösung gebracht werden können. Werden nun Dilemmata als derartige Situationen – mit den jeweiligen Handlungsoptionen als Spielern und der Prämisse der Existenz einer „überindividuell“ rationalen Lösung – verstanden, so lassen sich die Erkenntnisse der Spieltheorie auf sie anwenden. Vor allem der zentrale Ansatz in diesem Kontext, durch Lösung von individuellen Sichten auf eine kollektive Metaebene zu kommen, sowie die hierzu entwickelten Strategien von Verhandlungen, Bestrafungen und Belohnungen oder Tit-for-Tat (Auge-um-Auge, Zahn-um-Zahn) können übertragen werden:68 Auch für Dilemmata wird angenommen, dass die Wahl einer Option zwar für sich als individuell rational anzusehen ist. Die durch diese Methoden – durch fiktives „Ausspielen“ [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832404239
Arbeit zitieren:
Bacher, Philip September 2003: Die Bewältigung von Dilemmata in der Unternehmensführung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Management, Strategie, Konflikt, Verhandlung, Widerspruch



