Eine Beurteilung des Forschungsstandes zur intrinsischen Motivation mit einer Abschätzung der Implikationen für die Organisationsgestaltung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christoph Sieger
- Abgabedatum: März 2004
- Umfang: 82 Seiten
- Dateigröße: 368,2 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8015-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8015-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8015-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Sieger, Christoph März 2004: Eine Beurteilung des Forschungsstandes zur intrinsischen Motivation mit einer Abschätzung der Implikationen für die Organisationsgestaltung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Personal, Führung, Organizational Design, Mitarbeiterführung, Organisationsentwicklung
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Diplomarbeit von Christoph Sieger
Einleitung:
Intrinsische Motivation und ihre Relevanz für Wissenschaft und Wirtschaft:
Warum und wozu führen Menschen bestimmte Handlungen durch und unterlassen andere? Wie kann man die Antriebskraft für eine Handlung erklären und/oder beeinflussen? (Sozial-) Psychologen, Philosophen und Pädagogen haben sich lange diesen Fragen auf der Suche nach verwertbaren Antworten gewidmet und eine Vielzahl von Forschungsarbeiten zur Ergründung des Phänomens der Motivation wurden durchgeführt.
Historisch betrachtet fand die Psychologie zunächst zwei Arten von Antriebskräften, die das Verhalten steuern: grundlegende biologische Bedürfnisse wie Hunger und Durst auf der einen und extrinsische Belohnungen (z.B. Geld) oder Bestrafungen auf der anderen Seite. Diese Kräfte steuern die Motivation eines Menschen auf ein bestimmtes Verhalten. Doch wie kann man Handlungen erklären, die weder durch biologische Logik noch durch Steuerung des Individuums von aussen getätigt werden?
Manchmal handeln Menschen aus Freude an der Handlung selbst, sie lesen z.B. ein wissenschaftliches Buch, weil sie der Inhalt interessiert und nicht, weil sie sich durch das erworbene Wissen berufliche Vorteile erhoffen. Die Belohnung für die Tätigkeit liegt in der Tätigkeit selbst, die zur Befriedigung des Interesses oder einfach nur aus Vergnügen ausgeführt wird. Dies ist die Kernaussage des Konzeptes der intrinsischen Motivation, das Forscher unterschiedlicher Disziplinen seit den 50er Jahren beschäftigt. In über 800 Publikationen wurde beispielsweise der Einfluss extrinsischer Faktoren auf die intrinsische Motivation erforscht.
Aber die intrinsische Motivation genießt auch in praktischer Hinsicht hohe Relevanz. So zeigen bspw. Befragungen von Arbeitnehmern in den USA, dass sich die Einstellung gegenüber der Arbeit drastisch gewandelt hat. Wurde früher die Arbeit als eine Last und ein notwendiges Übel angesehen, möchten die heutigen Arbeitnehmer im Unternehmen interessante Aufgaben bewältigen und sich dadurch weiterentwickeln. Demotivierte Arbeitnehmer werden zu einem Kostenfaktor, der immense Auswirkungen annehmen kann. Das Forschungsinstitut Gallup hat bspw. geschätzt, dass demotivierte Arbeitnehmer in Deutschland jährlich rund 250 Milliarden Euro kosten.
Die Betriebswirtschaftslehre steht also vor der Frage, wie sie motivationsförderliche Organisationen gestalten kann. In aktuellen Wirtschaftsmagazinen findet man des öfteren Artikel, die sich mit diesem Problem und möglichen Lösungen beschäftigen. So kann man z.B. erfahren, dass der Vorstandsvorsitzende der E.On Energie AG jede Woche Mitarbeiter aus der Firmenzentrale zum Mittagessen einlädt (vom Pförtner, über den Haustechniker und der Sekretärin bis hin zum Manager) oder dass die Mitarbeiter in den Wal-Mart-Filialen allmorgendlich lautstark den Namen ihres Arbeitgebers skandieren und dazu einen schnellen Twist tanzen. Das Ziel dieser und ähnlicher Rituale liegt in der Steigerung der Motivation durch Schaffung einer emotionalen und persönlichen Beziehung zum Unternehmen. „Die Köpfe der Mitarbeiter reichen nicht – wir müssen ihre Herzen gewinnen!“ fordert Conti-Personalvorstand Sattelberger in diesem Zusammenhang.
Die wissenschaftlichen Forschungsarbeiten zur intrinsischen Motivation können hierzu wertvolle Antworten geben – in dieser Arbeit soll aus diesem Grund ein Überblick über den Stand der Forschung zur intrinsischen Motivation gegeben und gesicherte Erkenntnisse und deren Implikationen für eine motivationsförderliche Organisationsgestaltung herausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | iii | |
| Tabellenverzeichnis | iv | |
| 1. | EINFÜHRUNG | 1 |
| 1.1 | Intrinsische Motivation und ihre Relevanz für Wissenschaft und Wirtschaft | 1 |
| 1.2 | Begriff der intrinsischen Motivation und Entwicklung der Forschung | 3 |
| 1.3 | Forschungsdefizit und Ziele der Diplomarbeit | 8 |
| 1.4 | Vorgehen in der Diplomarbeit | 10 |
| 2. | ANALYSE UND BEURTEILUNG DES FORSCHUNGSSTANDES ZUR INTRINSISCHEN MOTIVATION | 10 |
| 2.1 | Systematisierung der Forschungsarbeiten | 10 |
| 2.2 | Intrinsische Motivation und psychologische Einflussgrößen | 12 |
| 2.2.1 | Autonomie | 13 |
| 2.2.2 | Kompetenz | 15 |
| 2.2.3 | Relatedness | 18 |
| 2.2.4 | Intrinsisches Interesse | 19 |
| 2.2.5 | Ziele | 22 |
| 2.2.6 | Zusammenfassung und Implikationen für die Organisationsgestaltung | 25 |
| 2.3 | Intrinsische Motivation und extrinsische Anreize | 28 |
| 2.3.1 | Der Verdrängungseffekt von intrinsischer Motivation durch extrinsische Anreize | 28 |
| 2.3.2 | Psychologische Erklärungen für den Verdrängungseffekt | 32 |
| 2.3.3 | Kontingente vs. non-kontingente Anreize | 34 |
| 2.3.4 | Tangible vs. intangible Anreize | 37 |
| 2.3.5 | Belohnungen vs. Bestrafungen | 39 |
| 2.3.6 | Erwartete vs. unerwartete Anreize | 40 |
| 2.3.7 | Metaanalysen zum Verdrängungseffekt | 41 |
| 2.3.8 | Zusammenfassung und Implikationen für die Organisationsgestaltung | 45 |
| 2.3.9 | Exkurs: Eine Taxonomie der Motivationsarten | 48 |
| 2.4 | Intrinsische Motivation und organisationale Einflussgrößen | 52 |
| 2.4.1 | Führung und Deadlines | 52 |
| 2.4.2 | Überwachung und Kontrolle | 54 |
| 2.4.3 | Wettbewerb | 55 |
| 2.4.4 | Zusammenfassung und Implikationen für die Organisationsgestaltung | 57 |
| 3. | FAZIT | 59 |
| 3.1 | Ergebnis | 59 |
| 3.2 | Ausblick | 60 |
| Literaturverzeichnis | 61 | |
| Abkürzungsverzeichnis |
beobachtete der Forscher in einer free-choice-Periode, wie lange die Studenten in Abwesenheit des Experimentalleiters sich mit dem Puzzle beschäftigten. Verglichen mit denjenigen Probanden, die keine Bezahlung für das Lösen der Puzzles erhielten (bzw. Studenten, die zwar eine Bezahlung erhielten, aber nicht in Form von Leistungslohn) zeigten die Studenten in der Bedingung „Bezahlung“ keine intrinsische Motivation, sich weiter mit den Puzzles zu beschäftigen, wenn diese keinen instrumentellen Wert mehr für sie hatten. In einem weiteren Experiment mit identischer Versuchsanordnung testete Deci zudem die Effekte von verbalen Belohnungen, indem er nach Lösen jedes Puzzles der Versuchsperson mitteilte, dass diese weit besser sei als der Durchschnitt ihrer Kommilitonen. Im Gegensatz zum Erhalt der tangiblen Belohnung (Geld) führte die intangible (positives Feedback) verglichen mit der Bedingung „Kein Feedback“ zu einer Steigerung der intrinsischen Motivation. Deci kam folglich zu dem Schluss, dass Geld einen negativen, verdrängenden Einfluss auf die intrinsische Motivation ausübt, während verbale Ermunterung oder positives Feedback motivationsfördernd wirken83. [...]
Nachdem der Organisationsgestalter den passenden Aufgabentyp zur Lösung des Problems identifiziert hat, muss herausgefunden werden, ob die Mitarbeiter, die die Aufgabe lösen sollen, eher individualistisch oder eher kollektivistisch geprägt sind. Dies heisst konkret, ob sie lieber autonom arbeiten (also einen starken Wunsch nach Autonomie verspüren) oder ob sie die Relatedness der Arbeitsautonomie vorziehen. Je nach Ausprägung lässt sich nun die oben dargestellte Kontingenztabelle entwickeln, die Handlungsanweisungen für den Organisationsgestalter gibt. Wenn sich bspw. individualistische Charaktere in einem Team im Rahmen eines komplexen Beratungsprojekts zusammenfinden, dann sollte Autonomie und Relatedness betont werden. Dies würde konkret bedeuten, dass den Teilnehmern ein hohes Maß an Autonomie gegeben werden muss, wie sie sich abstimmen oder wann sie welche Termine setzen. Ausserdem muss aber auch die Relatedness gefördert werden, um die intrinsische Motivation zu stärken. Dies könnte durch regelmäßige teaminterne Treffen passieren, die nur den Zweck haben, das Gefühl der Eingebundenheit in das Team zu betonen, indem zum Beispiel Erfolge auch angemessen gefeiert werden. [...]
Vorhandensein bzw. Ausprägung die intrinsische Motivation verstärken. Während Autonomie und Kompetenz als die beiden wichtigsten Bedürfnisse am intensivsten erforscht worden sind, ist das Streben nach Relatedness bisher nur wenig beleuchtet worden. Dies gilt auch für die Forschungsarbeiten zum intrinsischen Interesse, in denen zumeist theoretische Erkenntnisse gewonnen werden konnten. Die Forschung zu Zielen ist ebenfalls noch recht jung und teilweise widersprüchlich – dennoch lässt sich der Trend zur Verfolgung der erläuterten „multiple goal perspective“ erkennen. Nützliche Implikationen für die Organisationsgestaltung lassen sich aus dieser Forschung in Hinsicht auf die optimale Gestaltung der Zielvereinbarungen, z.B. im Rahmen des Management by Objectives80, ziehen. Die Mitarbeiter sollten nicht nur Performance-Ziele verfolgen (z.B. Steigerung des Umsatz oder des Gewinns), sondern auch MasteryZiele in ihren Zielkatalog aufnehmen, die es ihnen erlauben, Wissen zu akkumulieren und durch Fehler zu lernen (z.B. Teilnahme an Schulungen, Ausweitung der persönlichen Wissens- und Interessenbasis). [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832480158
Arbeit zitieren:
Sieger, Christoph März 2004: Eine Beurteilung des Forschungsstandes zur intrinsischen Motivation mit einer Abschätzung der Implikationen für die Organisationsgestaltung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Personal, Führung, Organizational Design, Mitarbeiterführung, Organisationsentwicklung



