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Betriebliche Voraussetzungen organisationspädagogischer Konzepte

Exemplarisch dargestellt am Beispiel eines modernen Dienstleistungsunternehmens mit prekären Beschäftigungsverhältnissen

Betriebliche Voraussetzungen organisationspädagogischer Konzepte
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nina Falkenhain
  • Abgabedatum: Dezember 2003
  • Umfang: 156 Seiten
  • Dateigröße: 792,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8326-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8326-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8326-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Falkenhain, Nina Dezember 2003: Betriebliche Voraussetzungen organisationspädagogischer Konzepte, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Call Center, Motivation, qualitativ, Organisationspädagogik, Mitarbeiter

Diplomarbeit von Nina Falkenhain

Zusammenfassung:

Das forschungsleitende Interesse entwickelte sich zum einen aus der Erkenntnis, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sich rasant entwickeln und auch die Pädagogik sich heute dem Phänomen Organisation nicht mehr verschließen kann. Zum anderen kamen den Autorinnen bei der Auseinandersetzung mit bisherigen organisationspädagogischen Konzepten sehr schnell Zweifel bezüglich deren empirischer Fundierung. Es geht in diesen organisationspädagogischen Konzepten zudem meist um Lernen und die besondere Stellung des Individuums in der Organisation, wobei jedoch noch von einem traditionellen Bild des Beschäftigungsverhältnisses ausgegangen wird. Doch sollten die in den letzen Jahren stark zugenommenen prekären Beschäftigungsverhältnisse, in solchen Betrachtungen berücksichtigt werden. Die Pädagogik kann sollte bei der Beschäftigung mit Organisation nicht nur vom Normal-Beschäftigungsverhältnis ausgehen, sondern sollte den Blick nicht versperren für die aktuellen Entwicklungen des Arbeitsmarktes. Ebenfalls muss die Pädagogik die spezifischen Strukturen und Funktionsmechanismen der erwerbswirtschaftlichen Organisation berücksichtigen und darf nicht einfach ihre Erfahrungen aus pädagogischen Institutionen auf die erwerbswirtschaftlichen spiegeln.

Durch den pädagogischen Blickwinkel erscheinen den Autorinnen zunächst die individuellen Voraussetzungen für Motivation und Zugehörigkeit im Rahmen der bereits erwähnten prekären Beschäftigungsverhältnisse von besonderer Bedeutung, wenn man organisationspädagogische Konzepte zeitgemäß und empirisch fundiert entwickeln möchte.

Die Darstellung wird sich in einem ersten Schritt mit dem theoretischen Hintergrund, dabei im Besonderen mit dem Verhältnis von Organisation und Pädagogik, beschäftigen. Zunächst wird die historische Entwicklung der pädagogischen Betrachtung von Organisation im Bereich der betrieblichen Weiterbildung nachgezeichnet. Nach einer Abgrenzung der pädagogischen Betrachtungsweise von Organisationen zu ihren organisationswissenschaftlichen Nachbarwissenschaften, wird die Hinwendung der Pädagogik zum Phänomen der Organisation durch den so genannten Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Gesellschaft begründet. Anschließend stellen die Autorinnen die Entstehung der Organisationspädagogik dar, welche sich aus der Diskussion um Organisationsentwicklung und Organisationslernen entwickelt hat und umreißen deren Grundannahmen.

Dieser Debatte wird im Anschluss eine weitere pädagogische Position gegenübergestellt, um auf Schwachstellen organisationspädagogischer Konzepte hinzuweisen. In diesem Zusammenhang gehen die Autorinnen auf besondere Aspekte der allgemeinen Systemtheorie zur Entwicklung von Begrifflichkeiten, die der komplexen Realität von Organisation Rechnung tragen ein.

Um sich dem Phänomen der Organisation weiter zu nähern, befassen sich die Autorinnen folgend mit der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Debatte zur Organisationstheorie. Sie nähern sich dem Begriff der Organisation und betrachten hier insbesondere die Faktoren Individuum und Arbeit. Historisch wird die Entwicklung der Organisationsdebatte unter besonderer Berücksichtigung des Faktors Mensch nachgezeichnet.

Im dritten Kapitel erläutern die Autorinnen die methodologischen und methodischen Grundannahmen, auf denen diese Fallstudie beruht. Dies erfolgt durch die Begründung des gewählten qualitativen Forschungsdesigns sowie durch die Vorstellung der einzelnen eingesetzten Methoden, deren Vorgehensweise und der Begründung dieser Wahl.

Im nächsten Schritt wenden sich die Autorinnen unserer empirischen Fallstudie zu, indem wir zunächst das Forschungsfeld näher beschreiben. Nach einer Beschreibung des Dienstleistungsbereiches und dessen Bedeutung für das gesamtwirtschaftliche System, folgt eine dezidierte Beschreibung des modernen Dienstleistungsunternehmens, in welchem die Forschung durchgeführt wurde. Diese Darstellung wird durch einige Fotos zur Verdeutlichung der Atmosphäre im Unternehmen ergänzt.

Nach der Beschreibung des Feldzugangs und dessen Reflexion stellen die Autorinnen den Verlauf des Forschungsprozesses dar. Von der Ideenentwicklung über die Konzeption bis zu den einzelnen Forschungsphasen wird an dieser Stelle der Verlauf der Fallstudie transparent gemacht.

Anschließend erfolgt die Darstellung der Forschungsergebnisse, welche mit einer exemplarischen Ergebnisdarstellung der einzelnen Feldphasen beginnt. Daraufhin werden diese Einzelergebnisse miteinander in Beziehung gesetzt und in einer Gesamtergebnisdarstellung verdichtet, welche die wichtigsten, aus der Forschung gewonnenen Erkenntnisse, zusammenfasst.

Weiterhin werden die Erkenntnisse aus der empirischen Forschung in Beziehung zur theoretischen Debatte gesetzt, welche im ersten Teil der Arbeit entfaltet wurde, um mögliche Konsequenzen für die Voraussetzungen organisationspädagogischer Konzepte aufzuzeigen.

Abschließend ziehen die Autorinnen ein Resümee ihrer Forschungstätigkeit und deren Bedeutung für die Pädagogik.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 7
2. Theoretische Anlässe und Ausgangspunkte 10
2.1 Organisation und Pädagogik 10
2.1.1 Von der Betriebspädagogik zur Organisationspädagogik 10
2.1.2 Nachbarwissenschaften der Organisationspädagogik 15
2.1.3 Der Paradigmenwechsel als Anlass zur Öffnung der Pädagogik gegenüber dem Thema Organisation 17
2.1.4 Von der Organisationsentwicklung zur lernenden Organisation 22
2.1.5 Die pädagogische Betrachtung der Organisation im Rahmen der Organisationspädagogik 27
2.2 Der Ansatz der Organisationspädagogik im Referenzrahmen Systemtheorie betrachtet 34
2.2.1 Ein systemtheoretischer Blick der Pädagogik auf das Phänomen Organisation 34
2.2.2 Ausgewählte Aspekte der allgemeinen Systemtheorie 40
2.3 Interdisziplinäre Betrachtung von ausgewählten Dimensionen der Organisation 46
2.3.1 Der Begriff Organisation 46
2.3.2 Die Bedeutung der Arbeit für Mensch und Organisation 49
2.3.3 Ausgewählte organisationstheoretische Ansätze mit Fokus auf das Individuum in der Organisation 52
3. Methodologie und Methode 57
3.1 Begründung des qualitativen Forschungsdesigns 57
3.2 Das Experteninterview 61
3.3 Die teilnehmende Beobachtung 68
3.4 Die Gruppendiskussion 76
4. Beschreibung des Forschungsfeldes, sowie des Zugangs und Verlaufs 85
4.1 Beschreibung unseres Forschungsfeldes 85
4.1.1 Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen unseres Forschungsfeldes 85
4.1.2 Die organisationalen Rahmenbedingungen der Agentur 90
4.1.3 Photographische Darstellung der Räumlichkeiten in der Agentur 95
4.2 Reflexion unseres persönlichen Zugangs zum Forschungsfeld 99
4.3 Verlauf des Forschungsvorhabens 103
5. Darstellung der Forschungsergebnisse 108
5.1 Exemplarische Darstellung der Ergebnisse der einzelnen Feldphasen 108
5.1.1 „Weil wir einfach zu nett sind“ - ausgewählte Ergebnisse der Experteninterviews 108
a) „Arbeit ist Spaß“ - Experteninterviews mit der Geschäftsführung 108
b) „Mit Spaß an der Arbeit Geld verdienen“ - Experteninterviews mit den Teamleitern 111
5.1.2 „Wenn alle gemeinsam lachen“ - ausgewählte Ergebnisse der teilnehmenden Beobachtung 114
5.1.3 „Wir sind kein normales Call-Center“ - ausgewählte Ergebnisse der Gruppendiskussion 120
5.2 Exemplarische Darstellung und Zusammenführung der Ergebnisse aller Feldphasen 126
6. Betriebliche Vorrausetzungen organisationspädagogischer Konzepte exemplarisch dargestellt anhand unserer Forschungsergebnisse 135
7. Schlussbetrachtung 145
8. Literaturverzeichnis 147

Automatisiert erstellter Textauszug:

Unsere erste Forschungsidee umfasste die Durchführung einer qualitativen Studie über Organisationsentwicklungsmaßnahmen. Diese Idee wurde jedoch fallen gelassen, da uns bewusst wurde, dass dieses Thema zu umfangreich und aufwändig wäre, um es im Rahmen einer Diplomarbeit abhandeln zu können. Bei der Recherche zu dieser ersten allgemeinen Idee fiel uns besonders die Literatur über organisationspädagogische Konzepte auf und wir beschlossen, die Voraussetzungen derartiger Konzepte selber empirisch näher im konkreten Arbeitsalltag eines ausgewählten Unternehmens zu untersuchen. Anknüpfend an diese Überlegungen entwickelten wir ein dreistufiges qualitatives Forschungsdesign. In unverbindlichen Vorgesprächen hatte die Geschäftsführung uns schon im Vorhinein unserer Arbeit ihr Interesse daran ausgesprochen, dass wir unsere Diplomarbeit im Hause schreiben könnten. Nachdem das Thema unserer Diplomarbeit, die zu untersuchenden Fragestellungen und die daran angepasste Methodik herausgearbeitet waren, baten wir die Geschäftsführung um einen Termin zur Vorstellung dieser Konzeption. Diese reagierte überrascht über unser Interesse an der Auseinandersetzung mit den Bedingungen von prekären Beschäftigungsverhältnissen und zeigte Neugierde zum einen gegenüber der geplanten methodischen Vorgehensweise und zum anderen gegenüber dem Erfolg und den Ergebnissen unseres Forschungsvorhabens. Nach diesem Gespräch sicherten sie uns ihre volle Unterstützung zu und boten sich als Anlaufstelle zur Erlangung von Hintergrundinformationen zum Unternehmen und bei eventuell auftretenden Problemen im Forschungsprozess an. Den Einstieg in die Forschungspraxis bildeten zwei Experteninterviews mit der Geschäftsführung, welche in einem abgetrennten Raum im Unternehmen, der Küche, durchgeführt wurden. Diese Interviews bildeten das erste Element unseres qualitativen Methodenmixes und dienten der Erfassung des Expertenwissens der obersten Führungsebene des Unternehmens. Inhalte des Gesprächsleitfadens waren zum einen Hintergründe des Unternehmens und zum anderen Themen, die uns bei der Kategorienbildung der anschließenden Forschungsschritte helfen sollten. 103 [...]

spezifischen Ausdrücke kennen. Dadurch, dass wir bereits in der Organisation gearbeitet haben, waren uns beispielsweise die Abkürzungen, die im Arbeitsalltag benutzt werden, bekannt. Diese besondere Art des Zugangs zum Feld birgt Chancen und Risiken für ein Forschungsvorhaben. Wir hatten wir die sonst so oft beschriebenen Probleme nicht, überhaupt einen Zugang zu finden. Wir kannten uns in dem Feld bereits aus und waren allen Mitgliedern der Organisation als Personen bekannt. Dies hatte zur Folge, dass sich die Mitarbeiter lediglich an die Situation gewöhnen mussten beobachtet zu werden. Weil sie die Beobachter aber schon vorher kannten, war dies wesentlich einfacher. Ein Indiz für das Vertrauen der Mitarbeiter gegenüber den Beobachtern waren die Gespräche über private Angelegenheiten und Erlebnisse, die während der Beobachtungsphase von den Mitarbeitern geführt wurden. Wenn den Mitarbeitern die Beobachter unbekannt gewesen wären, hätten diese Gespräche wahrscheinlich nicht von Anfang an in dieser Form stattgefunden. Wir konnten während der Beobachtung kein verändertes Verhalten der Mitarbeiter feststellen. Durch diese Art des Zugangs hatten wir also die Möglichkeit, den normalen Arbeitsablauf zu beobachten, ohne dass die Situation durch ein verändertes, der Beobachtungssituation angepasstes Verhalten der Mitarbeiter, verfälscht wurde. Die Problematik, eine geeignete Strategie für die Annäherung zum Feld zu finden bzw. das Vertrauen von Schlüsselpersonen zu gewinnen, fiel in unserem Fall weg. Aus Gründen der Fairness und aus forschungspragmatischen Überlegungen haben wir uns gegen eine verdeckte Beobachtungsstrategie entschieden. Das hatte zu Folge, dass wir alle Beteiligten im Vorhinein über das Forschungsvorhaben aufklärten. Die Frage nach der Nutzbarkeit des Forschungsprojektes und seiner Ergebnisse für die Organisation muss, wie Wolff (2000) bemerkt, mit Vorsicht betrachtet werden. Denn wenn die Schlüsselpersonen einer Organisation die Ergebnisse für ihre eigenen Zwecke nutzen wollen und versuchen Forscher zu funktionalisieren, können sich daraus Rollenkonflikte für den Forscher ergeben. Daher vermieden wir bei den Vorgesprächen mit der Geschäftsführung voreilige Versprechen darüber, dass die Ergebnisse einen direkten Nutzen für die Organisation bringen könnten. In den Experteninterviews wird deutlich, dass die Geschäftsführung sich 100 [...]

Zusammenhang auch eine räumliche Kundennähe, eine nah am Kunden angesiedelte Dienstleistung. Das Unternehmen arbeitet aus diesem Grunde vorwiegend für Kunden in der Region. Das Wachstum des Unternehmens wird stetig unter Kontrolle gehalten; es soll laut Geschäftsführung nicht riesig und damit anonym werden. Die Geschäftsführung erhofft sich dadurch ein nahes und offenes Verhältnis zu den Mitarbeitern, „so dass keiner irgendwie im Dunkeln tappt“ (G 02, Zeile 479) und versucht sie durch offenes Feedback in regelmäßigen Meetings an den Unternehmungen zu beteiligen. Dies ist zudem eine Maßnahme, um den Mitarbeitern zu zeigen, „So ich bin an diesem gesamten Ding (...) mit beteiligt und desto mehr ich tue, desto besser geht’s dem Unternehmen und auch mir wiederum“ (G 02, Zeile 390f.). Seit einem Jahr befindet sich die Agentur in einer Umstrukturierungs- und Optimierungsphase. Sie möchten ihre Qualitätsstandards noch weiter steigern und die wirtschaftlich schlechte Lage des Jahres 2002 ausgleichen. Dies beschreibt G 01 als einen schleichenden Prozess, der sich auch momentan noch entwickelt. Zudem möchte sich das Unternehmen von seinen zwei großen Kunden unabhängiger machen, diese tragen das Unternehmen weitestgehend. G 01 betont, dass hier immer die Gefahr besteht, dass ohne sie ein großer Teil des Unternehmens wegbrechen könnte. [...]

Arbeit zitieren:
Falkenhain, Nina Dezember 2003: Betriebliche Voraussetzungen organisationspädagogischer Konzepte, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
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