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Betriebliche Sozialarbeit und betriebliche Sozialberatung im Kontext der Personalentwicklung

Betriebliche Sozialarbeit und betriebliche Sozialberatung im Kontext der Personalentwicklung
Über dieses Buch

MA-Thesis / Master von Laszlo Böhm

Einleitung:

In Deutschland gibt es seit rund hundert Jahren Betriebliche Sozialarbeit. Sie nahm ab etwa 1900 unter der Bezeichnung Fabrikpflege ihren Anfang und existiert heutzutage immer noch, vorwiegend unter dem Namen betriebliche Sozialberatung.

Um für die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ein Fundament zu liefern, soll gleich zum Anfang an dieser Stelle die von Stoll stammende Definition der Betrieblichen Sozialarbeit stehen.

‘Betriebliche Sozialarbeit meint die ethisch begründeten (sozial-) pädagogischen Interventionen speziell ausgebildeter Fachkräfte, mit deren Hilfe Unternehmen einem Teil ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden und einen Beitrag zur Humanisierung der Arbeitswelt leisten. Reagiert wird damit auf das Spannungsfeld wirtschaftlicher Abläufe und menschlicher bzw. sozialer Frage- und Problemstellungen sowie der sich daraus ergebenden leistungsmindernden Reibungspunkte. Präventiv soll die Entstehung von unnötigen Konfliktsituationen verhindert werden. Ziel ist, prozessbegleitend auf sozial verträglicher Weise zum Wachstum des Unternehmens beizutragen. Die Interventionen beziehen sich dabei auf die in das Unternehmen hineinwirkende Faktoren mit Einfluss auf die Beschäftigten sowie auf die Situation der einzelnen ArbeitnehmerInnen. Beachtung finden muss dabei ihr gesamtgesellschaftlicher Kontext und/oder die sich im Unternehmen ergebenden sozialen Bezüge und Problemstellungen mit Wirkung auf Einzelne oder Gruppen bzw. Systeme’.

Stolls Definition ist sehr umfassend und liefert einige wichtige Orientierungspunkte wie z.B. Prozessbegleitung, Konflikte und leistungsmindernde Reibungspunkte, gesamtgesellschaftlicher Kontext, speziell ausgebildete Fachkräfte, etc., die in den nachfolgenden Kapiteln, wenn es darum geht die Betriebliche Sozialarbeit plausibel im Kontext PE zu platzieren ihre Berücksichtigung finden werden.

Der Anspruch auf eine angemessene Beteiligung am Wachstum der Unternehmen und die den Fachkräften implizit zugeschriebenen dafür notwendigen Kompetenzen, wie sie aus dieser Definition herausklingen, finden in der betrieblichen Wirklichkeit jedoch kaum einen Niederschlag.

Wenn die Feststellungen Lau-Villingers stimmen, dann lag der Schlüssel für die Betriebliche Soziale Arbeit vor 15 Jahren bei 1:6600. Aktuellere Daten liegen hier nicht vor, aber dieser Schlüssel dürfte sich bis Dato nicht wesentlich geändert haben.

Zum Vergleich: die sechs größten Wohlfahrtsverbände Deutschlands beschäftigen ca, 1,4 Mio. hauptamtliche Mitarbeiter, d.h,. dass bei 82 Mio. Einwohnern in der Bundesrepublik ca. 60 Einwohner auf einen Sozialarbeiter kommen. Rechnet man die Beschäftigtenzahl von VW, BMW; Opel und Ford in Deutschland mit ca. 320.000 Mitarbeitern (www.wikipedia.org) mit diesem Schlüssel dagegen, müssten alleine diese vier Fahrzeughersteller ca. 5.300 betriebliche Sozialarbeiter beschäftigen um auf das Verhältnis zu kommen wie die Wohlfahrtsverbände bezogen auf die ganze Republik aufweisen.

Wenn man Lau-Villinger folgt, dann sind es jedoch nur ca. 60 Personen die bei den genannten Autobauern die von Stoll definierte Form der Betrieblichen Sozialarbeit in die Tat (so die Hoffnung) umzusetzen versuchen.

Bereits aus dieser simplen Rechnung wird deutlich, dass die Betriebliche Sozialarbeit ein echtes Problem hat, wenn sie wirklich etwas vor Ort in Sinne der angeführten Definition ausrichten möchte.

Die aus der geringen Mannschaftsstärke logisch anzunehmender Effektivitätsmangel kann im Grunde nur auf zwei Wegen behoben werden; entweder werden wesentlich mehr Betriebssozialarbeiter eingestellt, was eher unwahrscheinlich ist, oder die gesamte Zunft orientiert sich um und findet Mittel und Wege sich im Gefüge der Unternehmensfunktionen besser zu positionieren um dadurch Effektivität und Reichweite zu erhöhen.

Die Zielsetzung vorliegender Arbeit ist, eben einige dieser Mittel und Wege zu erarbeiten, wobei der Versuch die Betriebliche Sozialarbeit im Kontext der PE zu verorten ein nahezu sich selbst empfehlender Ansatz ist um die Betriebliche Sozialarbeit und ihre Mitarbeiter aus ihren vielfältigen Beschränkungen herauszulösen.

Da die Betriebliche Sozialarbeit sozusagen ein Nischenprodukt der allgemeinen sozialen Arbeit ist, gilt es Gemeinsamkeiten, historische Bezüge und Zusammenhänge aufzuzeigen die die Existenz der betrieblichen Sozialarbeit begründen, sowie einen kritisch-realistischen Blick auf ihre aktuelle Lage und die Möglichten ihrer Veränderung im Kontext der PE zu werfen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, die in dieser Funktion tätigen Personen genauer anzuschauen und sie auf ihre Anschlussfähigkeit an die PE zusammen mit ihren eigenen Entwicklungsnotwendigkeiten zu prüfen.

Im Hinblick auf die PE soll insbesondere auf dem Wege einer theoretischen Verortung eine Anschlußstelle gefunden werden, die als Andockstation für die betriebliche Sozialarbeit dienen kann um auf der Basis der Überlegung, dass die soziale Arbeit bzw. Sozialpädagogik im allgemeinen und die Betriebliche Sozialarbeit im besonderen sich als natürliche Verbündete der PE anbieten.

Am Ende soll eine transformierte Betriebliche Sozialarbeit stehen, die in PE relevanten Kontexten im Sinne einer Beitragsleistung zur PE zu einem sozialverträglichen Wachstum der Unternehmung beiträgt, genau so wie dies von Stoll postuliert wird.

Die für die Erstellung der Arbeit herangezogene Literatur, gebraucht für die Funktion der Betrieblichen Sozialarbeit uneinheitliche Bezeichnungen, die von der Fabrikpflege über die Fabrikfürsorge bis zur Betriebssozialarbeit, betriebliche Sozialarbeit oder betriebliche Sozialberatung reicht. Da diese Begriffe jedoch alle weitgehend das selbe meinen, werden im weiteren Text die Kürzel BSA und BSB meistens miteinander als BSA/BSB verwendet.

Da die Betriebliche Sozialarbeit per Definition als eine (sozial-) pädagogische Tätigkeit betrachtet wird, ist es notwendig auf die Träger einer solchen Fachqualifikation zu schauen, nämlich auf die Sozialarbeiter und die Sozialpädagogen. In der Literatur werden häufig je nach Culeur des Forschers den jeweiligen Bezeichnungen unterschiedliche professionelle Charkteristika und Schwerpunktsetzungen zugeordnet, wobei was Tätigkeit und Ausbildung anbelangt die Situation auch als ‘Chaos mit System’ bezeichnet werden kann.

In der realen Praxis der BSA/BSB spielen sozialwissenschaftliche Spitzfindigkeiten mit deren Hilfe die Sozialarbeit und die Sozialpädagogik trennscharf verortet werden sollen jedoch keine Rolle, da einerseits die relevanten Tätigkeitsfelder vielfache Überschneidungen und Vermischungen aufweisen und andererseits was die (Einstiegs-) Qualifikation angeht in den Betrieben die Funktionen vielfach uneinheitlich besetzt werden. Deshalb werden die Bezeichnungen Sozialarbeiter und Sozialpädagoge im weiteren Text synonym verwendet.

Inhaltsverzeichnis:

0.0 Einleitung 3
1.0 BSA/BSB in Deutschland 5
1.1 Geschichtliche Entwicklung der BSA/BSB 8
1.2 Aktuelle und dominierende Aufgabenfelder der BSA/BSB 10
1.3 Verortung der BSA/BSB 12
a) Theoretische Verortung innerhalb der Sozialarbeitswissenschaft 12
b) praktische Verortung innerhalb der betrieblichen Praxis 15
1.4 Gegenwärtige Lage der BSA/BSB und ihre Probleme 16
a) Selbstbild und professionelle Abgrenzung 16
b) Berufs- und bildungshierarchische Lage 17
c) Zielgruppenbeschränkungen 18
d) Akzeptanz 19
1.5 Exkurs: Diffamierungen der SA/BSB. Selbst und Fremdansichten einer Profession 20
1.6 Kritische Würdigung von BSA/BSB 24
a) Sinn und Nutzen 24
b) Legitimation und Zweck 25
2.0 PE und ihre interdisziplinär-theoretische Verortung 25
2.1 Transformationen und Perspektiven von BSA/BSB innerhalb eines PE – Managements 28
2.1.1 Abschaffung und Rückverlagerung ins Management (Lau-Villinger 1994) 30
2.1.2 Etablierung von Sozialarbeiter als ‘sociokultural-environmental expert’ innerhalb der PE/OE (Cole 1988) 32
2.1.3 ‘Sozialpädagogischen Betriebsarbeit’ als PE Komponente und der Weg dorthin 36
3.0 Fazit 42
Literatur 44

Textprobe:

Kapitel 1.4, Gegenwärtige Lage der BSA/BSB und ihre Probleme:

a) Selbstbild und professionelle Abgrenzung:

Die im Kap. 1.3 konstatierte professionale Inhomogenität innerhalb der BSA/BSB macht es weder dem individuellen Mitarbeiter noch dem ‘Kollektiv’ einfach, aus der eigenen Profession oder Tätigkeit ein kohärentes Selbstbild zu generieren und eine hinreichend trennscharfe Abgrenzung zu anderen, fachlich divergent belegte Funktionen zu erzeugen.

Über das vom betrieblichen Kontext ‘bereinigte’ professionelle Selbstbild der BSA/BSB Mitarbeiter kann nur spekuliert werden da das unsichtbar Private hierfür eine konstituierende Rolle spielt. Außerdem bereitet es große Schwierigkeiten das in der BSA/BSB vertretenen unterschiedlichen Bildungsgängen innewohnende Moment der professionellen Identitätserzeugung insbesondere für die subakademischen Qualifikationen zu erkennen.

Innerhalb betrieblicher Verwendungskontexte hingegen kann davon ausgegangen werden, dass das professionelle Selbstbild primär über die die Einschätzung und Wahrnehmung der eigenen Wirksamkeit und Nützlichkeit einerseits und dem Influx betrieblicher und betriebsexterner Feed-Backs über die Arbeit der BSA/BSB andererseits generiert wird.

Es gibt Hinweise darauf, dass BSA/BSB Mitarbeiter ein teilweise negatives Selbstbild als ‘Alibifunktion’, ‘verlängerter Arm der Geschäftsleitung’ ‘Tropfen auf dem heißen Stein’ entwickelt haben. Dies ist jedoch kein einheitliches Bild, denn eine positive Selbstbildfärbung als ‘gleichberechtigter Partner’, ‘Helfer in der Not’, ‘geschätzter Ansprechpartner’ ist streckenweise ebenso vorfindbar. Teilweise vereinigen sich negative und positive Selbstbilder in einer Person und deuten auf eine stark ambivalente Wahrnehmung der eigenen Person in Bezug auf Unternehmung, Gesellschaft und Adressaten.

Eine wirksame professionelle Abgrenzung gestaltet sich ebenso schwierig, denn wenn viele Professionen das gleiche machen, könnte geschlussfolgert werden, dass jeder für alles gleichermaßen kompetent ist.

Wenn die Rede von BSA/BSB ist, dann könnte ein Reflex zu der Annahme dahingehend vermutet werden, dass zur Bearbeitung von ‘sozialen Problemen’ im Betrieb Diplom Sozialpädagogen qua Ausbildung sowohl prädestiniert als auch überwiegend real eingesetzt werden. Dem ist aber mitnichten so. Die BSA/BSB bildet einen Tummelplatz akademischer und nichtakademischer Bildungsgänge, die sich gegeneinander bestenfalls durch den Nimbus und Grad der eigenen Professionalisierung abgrenzen.

Am einfachsten dürften es dabei Mediziner und Juristen haben, denn ihre Qualifikation richtet sich mit großer Trennschärfe auf die zwei exklusivsten, kompliziertesten, wirkungstiefsten und für die Mehrheit der Gesellschaft unverständlichsten und undurchdringlichsten Bereiche des Daseins, nämlich dem menschlichen Organismus und die deutschen Gesetzeswerke. Folglich ist der Mediziner z.B. auf jeden Fall der ‘Arzt’ oder der ‘Doktor’, unabhängig davon welche Funktion er im Betrieb oder sonstwo bekleidet.

Sozialwissenschaftlich ausgebildete Mitarbeiter jedoch haben es schwer, sich selbst extern wahrnehmbar zu machen, denn ihre Ausbildung und potentielle Aufgabenbereiche unterliegen dem ‘Fluch der thematischen Uneingrenzbarkeit’. So werden sie als für alles und nichts zuständig wahrgenommen und insbesondere Sozialpädagogen unter ihnen tendenziell exklusiv für soziale Dissfunktionalität, Devianz und Randständigkeit.

Den Blick auf die SA/SP beschränkt muss festgestellt werden, dass die starke Beimengung bezugswissenschaftlicher Ausbildungsinhalte ins Studium, das Endprodukt als eine professionale Chimäre in die berufliche Verwendung entlässt und es dem einzelnen aufbürdet sein individuelles Profil im Lichte seiner Herausforderungen zu schärfen.

Es verwundert daher nicht, dass sozialwissenschaftlich Ausgebildete als Konglomerat in überwiegend homogene betriebliche Verwendungssphären einfahren, es jedoch nicht schaffen ein identifizierbares Professionskollektiv zu bilden.

Innerbetriebliche bzw. betriebspolitische Auseinandersetzungen um die BSA/BSB finden auch nicht um die Qualifikation oder akademische Provenienz der jeweiligen Mitarbeiter statt, sondern um die von ihnen bekleidete Mission, Funktion, Rolle, hierarchische Position, organisatorische Einbindung und Existenzgrund.

So ist und bleibt eine professionelle Abgrenzung schwer bis unmöglich und die BSA/BSB mitsamt Mitarbeiter verbleibt überwiegend Funktion und nur wenig Profession.

b) Berufs- und bildungshierarchische Lage:

In einem Land wie Deutschland, in dem das kollektive Bewusstsein sehr durch eine 150 Jahre alte ‘technische Folklore’ in Kombination mit dem Umstand geprägt ist, dass BSA/BSB Leistungen überwiegend von Großbetrieben und größeren Mittelständlern angeboten werden, kann es kaum verwundern, dass ‘[...]alles was nicht schraubt [...]’ bei weitem nicht die Wertschätzung erfährt wie technische Berufe.

Je weiter eine Leistungsposition vom technisch-produktiven Kern weg liegt und je weiter die Arbeit in den Sphären der Randständigkeit mit nicht standardisierten Mitteln an schwer fassbaren, unsichtbaren und unverständlichen Konstituenten der menschlichen Psyche verrichtet wird, um so mehr besteht die Neigung in einem Koordinatensystem aus den Achsen ‘produktiv - unproduktiv’ und ‘technisch - nicht technisch’ die BSA/BSB Funktionsträger als weniger nützlich wahrzunehmen, zumal der Profitbeitrag oder Rentabilität der BSA/BSB grundsätzlich kontrovers diskutiert wird.

Berufshierarchisch scheint soziale Arbeit im Betrieb deshalb als ‘mehrfach kontaminierter’ Beruf oder Tätigkeit mit einer ‘[...]exotischen Akzeptanz’ auf den unteren Stufen der beruflichen Hierarchien auf, die in Industriebetrieben am oberen Ende traditionell von Ingenieuren, Juristen, Betriebswirten und Technikern angeführt wird.

Die Feststellung der bildungshierarchischen Lage bzw. die Möglichkeit ihrer Abschätzung für die BSA/BSB kann anhand zweier Überlegungen versucht werden.

Eine Möglichkeit ist es davon auszugehen, dass betriebliche Organisationsstrukturen und funktionale Einbindungen generelle Bildungshierarchien abbilden. Diese Überlegung folgt der Aufbausystematik des deutschen Bildungssystems, wonach die obersten Positionen von Universitätsabsolventen eingenommen werden, gefolgt von Fachhochschulabsolventen vor den anderen subakademischen oder nicht akademischen Bildungsgängen. Ein Blick auf die Führungsmannschaften großer Industrie- und Dientleistungsunternehmen zeigt, dass es dem auch so ist, wobei Vertreter der Rechts-, Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften mit universitärer Provenienz dominieren. Höherer Bildungsstatus geht dabei tendenziell mit höherer hierarchischer Positionierung einher.

Für die BSA/BSB gilt, dass sie, sofern überhaupt mit Akademikern besetzt ist, von sozialwissenschaftlich ausgebildeten Mitarbeitern geleistet wird, wobei Universitätsabsolventen den Fachhochschulabsolventen, den Sozialarbeitern und Sozialpädagogen zahlenmäßig unterlegen sind.

Dass sozial Arbeitende, ggf. Diplom - Sozialpädagogen oder Diplom – Sozialarbeiter bildungshierarchisch verhältnismäßig niedrig einzustufen sind, ergibt sich auch aus der Theoriediskussion als die zweite Möglichkeit zu einer Einschätzung zu gelangen.

Staub-Bernasconi stellt fest, dass Soziale Arbeit als Integrationswissenschaft innerhalb der universitären Disziplinen selber marginal geblieben ist und wähnt eine Entmachtung der Praxisvertreter der SA und Etablierung einer Diskurswelt durch reine Wissenschaftsvertreter aus der unmittelbaren Bildungsnachbarschaft, die auf eine faktische Entmündigung und Verweigerung einer eigenständigen Disziplinwürde der SA hinausläuft und mit dem Fehlen einer eigenständigen Theorie begründet wird..

Festgeschrieben wird hierdurch ein bildungshierarchisches Gefälle zwischen sozialwissenschaftlichem Denker als Vertreter einer Bildungsaristokratie bzw. Bildungskapitalbesitzer die sich im Diskurs jegliche Deutungsmonopole sichern und die professionell ausgebildeten Sozialpraktiker, im Konkreten Fall die vorwiegend subuniversitär ausgebildeten BSA/BSB Mitarbeiter, die kaum mithalten können, wenn es um die großen und kleinen Feinheiten zwischen den unterschiedlichsten theoretischen Ansätzen geht.

c) Zielgruppenbeschränkungen:

Die Bestimmung von Zielgruppen oder Adressatengruppen kann im betrieblichen Kontext auf unterschiedlicher Weise erfolgen. Als Adressat können die ganze Unternehmung oder Organisationseinheiten oder Abteilungen und auch Individuen definiert werden.

Worum es jedoch an dieser Stelle geht ist nicht die Frage, wen oder was die BSA/BSB ansprechen kann und wer oder was der schlussendliche Nutznießer der Leistung ist, sondern um die Beschränkung oder besser gesagt die Beschränktheit des Zugriffs der BSA/BSB auf individuelle Adressaten und vice versa.

Denn auf die Frage wer denn die BSA/BSB in Anspruch nehmen darf, ist die Antwort eindeutig; jeder. Auf die Frage, wer denn gemeint sei, ist die Antwort bei weitem nicht so eindeutig.

Lau-Villinger konstatiert, dass die effektiv bearbeitete Zielgruppe der BSA/BSB Beschäftigte in untergeordnete Positionen sind und Führungskräfte nur adressiert werden können wenn sie sich als Teilnehmer von Informationsveranstaltungen vorwiegend zum Thema Sucht, Drogen, Alkohol in die Reichweite der BSA/BSB begeben.

Eine schweizer Studie nennt über 60% der Klienten der BSA/BSB als ‘Mitarbeiter ohne Vorgesetztenfunktion’, wobei unklar bleibt welche hierarchische Stellung und beruflichen Status die ca. 20% bekleiden die als ‘Mitarbeiter mit Vorgesetztenfunktion’ die BSA/BSB in Anspruch nehmen. Als Ergebnis einer Befragung in einem Verkehrsbetrieb mit 12500 Mitarbeitern stellte Knoblauch fest, dass der überwiegende Teil der BSA/BSB Klienten aus dem gewerblichen Bereich stammt und nicht aus den ebenfalls vorhandenen kaufmännischen und technischen Arbeitsfeldern.

Arbeit zitieren:
Böhm, Laszlo Januar 2009: Betriebliche Sozialarbeit und betriebliche Sozialberatung im Kontext der Personalentwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Personalentwicklung, betriebliche Sozialarbeit, sociocultural environmental expert, Humankapital, Employee Assistance Service

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