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Betriebliche Sozialarbeit zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Aufgabe der neuen Familienservicestellen an den Hochschulen in Bayern

Betriebliche Sozialarbeit zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Aufgabe der neuen Familienservicestellen an den Hochschulen in Bayern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stephanie Kößler
  • Abgabedatum: November 2008
  • Umfang: 172 Seiten
  • Dateigröße: 2,9 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule München Deutschland
  • Bibliografie: ca. 43
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2690-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kößler, Stephanie November 2008: Betriebliche Sozialarbeit zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Aufgabe der neuen Familienservicestellen an den Hochschulen in Bayern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sozialarbeit, Familie, Familienservice, Personalmanagement, Betrieb

Diplomarbeit von Stephanie Kößler

Einleitung:

Betriebliche Kinderbetreuung, Beratung und Informationen zur Kinderbetreuung, Teilzeitarbeit auch für Führungskräfte oder Spitzenwissenschaftler, Telearbeit, Kinderbetreuung in Notfällen oder während Sonderveranstaltungen, Beratung zur Pflege von Angehörigen, Berücksichtigung der speziellen Situation von studierenden Eltern in der Prüfungsordnung und vieles mehr. Das sind nur Beispiele für die Vielzahl von Möglichkeiten und Angeboten, die in Personalabteilungen vieler Unternehmen aber auch Hochschulen in den letzten Jahren entwickelt wurden, um für berufstätige oder studierende Eltern die Vereinbarkeit von Familie möglich zu machen oder zu erleichtern.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ein Themenkomplex, der schon lange unter ethisch-moralischen sowie sozialpolitischen Aspekten diskutiert wird und erst seit kurzer Zeit auch unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet wird. Unternehmen wie auch Hochschulen sehen in familienfreundlichen Maßnahmen und Strukturen die Möglichkeit, zum einen die Lage und Situation von berufstätigen oder studierenden Eltern zu verbessern, zum anderen werden auch Standortvorteile und Kosteneinsparungen auf Unternehmensseite wahrgenommen. Nicht zuletzt profitiert auch der Staat vom unternehmerischen Engagement für Familie und Beruf, da er sowohl bei der Umsetzung seiner sozialpolitischen Aufgaben unterstützt wird, als auch durch die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung höhere Steuereinnahmen und Sozialbeiträge erhält.

Aufgrund dieses neuen Engagements der Arbeitgeber für Beschäftigte bzw. der Hochschule für Studierende, möchte ich zum Einen darstellen, welche Möglichkeiten es gibt Strukturen zu schaffen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöhen. Zum Anderen stellt die empirische Studie in dieser Arbeit zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zum Familienservice an der TU München eine Evaluation aus unterschiedlichen Perspektiven der Hochschule dar: es wurde eine Elternbefragung mit den Nutzern der Ferienbetreuung durchgeführt. Ein Interview mit der Leitung des Familienservices sowie dem Leiter der Exzellenzinitiative runden die wissenschaftliche Betrachtung ab.

Gang der Untersuchung:

Zu Beginn der Arbeit geht es allgemein um Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es wird ein Überblick über die Gründe für ein Engagement für Familiengerechtigkeit gegeben und betriebliche Unterstützungsmodelle werden diskutiert. Die bestehenden familienpolitischen Leistungen sind neben der Ist-Situation von Studierenden und Beschäftigten mit Kindern Thema im ersten Kapitel.

Im Anschluss wird das Zertifikat „Familiengerechte Hochschule“ vorgestellt. Thema ist dabei insbesondere der Zertifizierungsprozess sowie die Voraussetzungen und Inhalte des Audits. Außerdem werden die Kosten und Nutzen des Audits aufgeführt. Die Inhalte des Zertifikates lassen sich acht Handlungsfeldern zuordnen. In Orientierung an diese werden im folgenden Abschnitt mögliche familienbewusste Maßnahmen und Strukturen dargestellt.

Im darauf folgenden Kapitel ist die Familienservicestelle mit ihren Leistungen und Aufgaben Thema. Es werden verschiedene Angebote diskutiert.

Daraufhin wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an der TU München thematisiert. Es geht dabei zum Einen um die Familienservicestelle als direkten Ansprechpartner für Studierende und Beschäftigte mit Kindern. Außerdem wird das Zertifikat „familiengerechte Hochschule“, das die TU München seit 2007 besitzt, mit den Maßnahmen dargestellt. Zum Anderen wird auch die Exzellenzinitiative behandelt, die aufgrund der Finanzierung und fachlichen Leitung der Familienthemen großen Einfluss auf die Familiengerechtigkeit an der TU München hat.

In der empirischen Studie dieser Diplomarbeit geht es um den Beitrag des Familienservices zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf an der TU München. Dazu wurden die Nutzer der vom Familienservice angebotenen Ferienbetreuung befragt sowie Interviews mit der Leitung vom Familienservice und mit der Leitung des Planungsstabs Exzellenzinitiative durchgeführt. Die Beschreibung, Auswertung und Verknüpfung der Teilstudien werden im Kapitel 4 dargestellt.

Im Verlauf dieser Arbeit wird zur Vereinfachung zeitweise auf die Nennung beider Geschlechtsformen (Mitarbeiterinnen/ Mitarbeiter) verzichtet.

1. Einleitung 6
2. Vereinbarkeit von Familie und Beruf 9
2.1 Familiengerechtigkeit im Unternehmen als neuer „Trend“ 9
2.1.1 Ursachen für den Bewusstseinswandel 9
2.1.2 Unterstützungsmöglichkeiten der Hochschulen 13
2.1.2.1 Employability Management Konzept 14
2.1.2.2 Initiativen 16
2.1.2.3 Audit der Beruf und Familie gGmbH 17
2.1.3 Nutzen für Arbeitnehmer und Studierende 17
2.1.4 Nutzen für Arbeitgeber 18
2.1.5 Rechtslage 20
2.1.5.1 Überblick über staatliche Leistungen 20
2.1.5.2 Mutterschutz und Mutterschaftsgeld 22
2.1.5.3 Elternzeit und Elterngeld 23
2.1.5.4 Weitere relevante Regelungen 26
2.1.6 Gesellschaftliche und politische Verpflichtung 30
2.1.7 Ist-Situation 32
2.1.7.1 Situation von Beschäftigten mit Kindern 32
2.1.7.2 Situation von Studierenden mit Kindern 35
2.2 Das Zertifikat „Familiengerechte Hochschule“ als Managementinstrument 35
2.2.1 Inhalte, Ablauf und Funktionsweise 35
2.2.2 Schlüsselrollen im Zertifizierungsprozess 41
2.2.3 Hintergründe 42
2.2.4 Erfolgs- und Risikofaktoren 44
2.2.5 Kosten- und Nutzenanalyse 46
2.3 Familienbewusste Arbeits- und Studienbedingungen an der Hochschule 47
2.3.1 Arbeitszeit 47
2.3.1.1 Teilzeitbeschäftigung 48
2.3.1.2 Arbeitszeitkonten 49
2.3.1.2.1 Jahresarbeitszeit 49
2.3.1.2.2 Einfache Gleitzeit 50
2.3.1.2.3 Qualifizierte Gleitzeit 50
2.3.1.3 Vertrauensarbeitszeit 51
2.3.1.4 Freistellung und Sonderurlaub 51
2.3.1.5 Jobsharing 51
2.3.2 Arbeitsort und Arbeitsorganisation 52
2.3.2.1 Telearbeit 52
2.3.2.2 Familiengerechte Gremien- und Besprechungstermine 53
2.3.3 Personalentwicklung 53
2.3.3.1 Förderung von „Dual Career Couples“ 53
2.3.3.2 Gleichstellung von Bewerbern mit und ohne Familienaufgaben 55
2.3.3.3 Planung und Begleitung einer längeren Freistellung 55
2.3.3.4 Familiengerechte Fortbildungen und Weiterbildungsmaßnahmen 57
2.3.4 Führungskompetenz 57
2.3.4.1 Sensibilisierung von Führungskräften für das Thema „Familiengerechte Hochschule“ 57
2.3.4.2 Leitbildveränderung 58
2.3.4.3 Regelmäßige Feedbackrunden und Gespräche mit den Beteiligten 59
2.3.5 Informations- und Kommunikationspolitik 59
2.3.5.1 Bedarfserhebungen und Begleitforschung 60
2.3.5.2 Interessenvertretung 60
2.3.5.3 Öffentlichkeitsarbeit 60
2.3.5.4 Vernetzung mit anderen Hochschulen 61
2.3.6 Studium und weitere wissenschaftliche Qualifizierung 61
2.3.6.1 Kontakthaltemaßnahmen während Urlaubssemestern 61
2.3.6.2 Flexibilisierung von Prüfungsregelungen 62
2.3.6.3 Regelungen zur Kompensation von Leistungsausfällen 63
2.3.6.4 Teilzeitstudium oder „Individueller Stundenplan“ 63
2.3.6.5 Familiengerechte Organisation von Pflichtveranstaltungen 64
2.3.6.6 Lehrangebote im Internet und E-Learning 65
2.3.6.7 Studiengebührenbefreiung für Eltern 65
2.3.6.8 Finanzielle Unterstützung 66
2.3.6.9 Teilzeitpraktika und Vermittlung an familienbewusste Unternehmen 67
2.3.6.10 Netzwerkförderung und Mentoring-Programme 67
2.4 Aufgabenfeld einer Familienservicestelle 67
2.4.1 Zentrale Servicestelle für Familien 68
2.4.2 Bedarfsgerechter Ausbau und Flexibilisierung der Regelbetreuung 69
2.4.3 Flexible Ergänzungsangebote der Regelbetreuung 70
2.4.4 Vermittlung von Tagesmüttern 71
2.4.5 Nachmittags- und Ferienbetreuung für Schulkinder 72
2.4.6 Kinderbetreuung bei Tagungen und Kongressen 73
2.4.7 Angebote zum Thema „Pflege“ 73
2.4.8 Familiengerechte Gestaltung des Campus 74
2.4.9 Wohnsituation 74
2.4.10 Weitere Angebote 75
3. Vereinbarkeit von Familie und Beruf an der TU München 76
3.1 Das Zertifikat „familiengerechte Hochschule“ 76
3.2 Der Familienservice 77
3.3 Die Exzellenzinitiative 78
4. Empirische Studie: Vereinbarkeit von Familie und Beruf an der TU München 81
4.1 Fragestellung 81
4.2 Zur Methode 81
4.2.1 Qualitative und quantitative Sozialforschung 81
4.2.2 Erhebungsinstrumente 82
4.2.3 Befragte 83
4.2.4 Durchführung der Teilstudien 83
4.2.5 Auswertung 84
4.3 Ergebnisse der Studie 85
4.3.1 Interview Familienservice 85
4.3.2 Interview Exzellenzinitiative 90
4.3.3 Elternbefragung 95
4.3.3.1 Organisatorischer Rahmen 95
4.3.3.2 Programminhalte 110
4.3.3.3 Familienservice & Vereinbarkeit von Familie und Beruf 116
4.3.3.4 Persönliche Daten 122
4.3.3.5 Anmerkungen 128
4.3.4 Verknüpfung der Teilstudien 130
5 Fazit 130
Abbildungsverzeichnis 132
Tabellenverzeichnis 134
Abkürzungsverzeichnis 135
Literaturverzeichnis 136
Anhang 1: Zertifikat familiengerechte Hochschule der TU München 141
Anhang 2: Interviewleitfaden Familienservice 142
Anhang 3: Auswertung Experteninterview Familienservice 143
Anhang 4: Interviewleitfaden Exzellenzinitiative 150
Anhang 5: Auswertung Interview Exzellenzinitiative 151
Anhang 6: Elternbrief 159
Anhang 7: Elternbefragung 160
Anhang 8: Auswertung Elternbefragung - offene Fragen 166

Textprobe:

Kapitel 2.4.3, Flexible Ergänzungsangebote der Regelbetreuung:

Auch wenn die regelmäßige Kinderbetreuung gesichert ist, können immer wieder Situationen auftreten, die eine stundenweise Kinderbetreuung erfordern. Gründe dafür können sein, dass die reguläre Einrichtung nicht geöffnet ist, dass die Tagesmutter erkrankt oder im Urlaub ist oder dass bei wechselnder Betreuung durch die Eltern ein Elternteil ausfällt.

In solchen Fällen ist es für studierende Eltern oder Erwerbstätige mit Familienaufgaben hilfreich, wenn es auf dem Campus der Hochschule Angebote für Kurzzeitbetreuung gibt. An einigen Hochschulen gibt es eigens dafür ein „betreutes Kinderzimmer“ mit qualifizierter, stundenweiser Betreuung der Kinder. Dieser Bedarf kann zum Beispiel während einer Vorlesung, eines Sprechstundenbesuchs oder einer Dienstbesprechung auftreten.

Möglich ist außerhalb der Öffnungszeiten des betreuten Kinderzimmers auch die Vermittlung von Tagesmüttern oder Babysittern. Die Einführung eines Patennetzwerkes im Sinne von „Patenoma“ oder „Patenopa“ ist ebenso denkbar. Dadurch würde nicht nur den Eltern geholfen werden, sondern es würden auch mehrere Generationen zusammengeführt werden. Um diesen Bedarf abzudecken, wurde an der Universität Trier ein Modellversuch mit der Notfallbetreuung „Rasselbande“ gestartet. Dieses Angebot steht ein- bis zehnjährigen Kindern von Studierenden und Beschäftigten der Hochschule in einem begrenzten Umfang zur Verfügung. Im Rahmen dieses Modellprojektes wird auch während der Schulferien eine qualifizierte Kinderbetreuung angeboten.

Vermittlung von Tagesmüttern:

Viele Eltern bevorzugen gerade bei sehr jungen Kindern die Betreuung durch eine Tagesmutter, da sie darin die Möglichkeit sehen, ihr Kind in einer familiären Atmosphäre zu betreuen sowie auch individuelle Betreuungszeiten in Anspruch zu nehmen, die auch außerhalb der üblichen Zeiten liegen. Hinzu kommt, dass ihr Kind auch nur bei tatsächlich anfallendem Bedarf betreut wird.

Um sowohl Studierenden als auch Beschäftigten diese Form der Kinderbetreuung zu ermöglichen, ist der Aufbau eines Tagesmutternetzwerkes geeignet. Dabei wird interessierten Eltern eine Tagesmutter entsprechend ihren Wünschen und zeitlichen Anforderungen vermittelt. Die Hochschule legt vorab ein insgesamt zu vermittelndes Stundenkontingent fest. Ebenso denkbar ist eine Kooperation der Hochschule mit einem externen Anbieter, wie zum Beispiel Caritas oder AWO.

Wurde eine Tagesmutter erfolgreich vermittelt, entsteht zwischen Eltern und Tagesmutter ein Betreuungsvertrag. Die Betreuungskosten können für Eltern mit niedrigem oder ohne Einkommen bezuschusst werden. Unter den Tagesmüttern ist eine gute Netzwerk- und Zusammenarbeit wichtig, um sich bei Ausfällen gegenseitig vertreten zu können.

Nachmittags- und Ferienbetreuung für Schulkinder:

Sowohl erwerbstätige Eltern als auch Studierende mit Kindern werden Jahr für Jahr wieder vor das Problem der Betreuung ihrer Kinder während der im Verhältnis zum gesetzlichen Urlaubsanspruch sehr viel längeren Ferienzeiten gestellt. Hinzu kommt, dass vor allem für Beschäftigte im Hochschulbereich die Oster- und Herbstferien sehr arbeitsintensiv sind. Diese fallen meistens mit dem Semesterbeginn zusammen, so dass in den seltensten Fällen Urlaub genommen werden kann. Erschwerend wirkt für Eltern, dass 60 % der deutschen Kindertagesstätten in den Schulferien ganz oder zeitweise schließen.

Um diese Problematik zu entschärfen, bietet die Hochschule in den Schulferien eine Ferienbetreuung an. Diese kann von den Eltern je nach Arbeitszeitmodell ganz- oder halbtags bzw. auch tageweise gebucht werden. Idealerweise ist die Ferienbetreuung räumlich eng an die Hochschule angegliedert, so dass keine zusätzliche zeitliche Belastung erfolgt.

Zusätzlich kommt während der Schulzeit erschwerend hinzu, dass der Grundschulunterricht in der Regel sehr früh endet. Eine familiengerechte Hochschule entwickelt daher eine regelmäßige und flexible Betreuungseinrichtung für (Grund-)Schulkinder, die bis zum Nachmittag die Betreuung der Kinder sicherstellt.

Arbeit zitieren:
Kößler, Stephanie November 2008: Betriebliche Sozialarbeit zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Aufgabe der neuen Familienservicestellen an den Hochschulen in Bayern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sozialarbeit, Familie, Familienservice, Personalmanagement, Betrieb

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