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Betrachtung der Beziehung eines Verbrecheropfers zu seinem Täter am Beispiel Geiselnahme

Betrachtung der Beziehung eines Verbrecheropfers zu seinem Täter am Beispiel Geiselnahme
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Iris Mollweide, geb. Kütemeyer
  • Abgabedatum: Januar 2001
  • Umfang: 81 Seiten
  • Dateigröße: 558,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Ostfalia Braunschweig/Wolfenbüttel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5367-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5367-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5367-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Mollweide, geb. Kütemeyer, Iris Januar 2001: Betrachtung der Beziehung eines Verbrecheropfers zu seinem Täter am Beispiel Geiselnahme, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Stockholm-Syndrom, Trauma, Abwehrmechanismen

Diplomarbeit von Iris Mollweide, geb. Kütemeyer

Einleitung:

Eine Entführung oder Geiselnahme ist nach psychologischer Auffassung für einen Menschen eine der schrecklichsten Erfahrungen, die gemacht werden können. Ad hoc sind sie bedrohlichen Tätern hilflos ausgeliefert, wobei sie währenddessen in unterschiedlichster Weise reagieren können. Manche verweigern die Akzeptanz der Realität, manche geraten alsbald in Panik und werden aggressiv, wieder andere starten Verhandlungsversuche. Doch schließlich wird der Widerstand aufgegeben und sich aus Gründen existentieller Risikominimierung den Tätern untergeordnet.

Zuweilen begegnen ihnen die Opfer mit Freundlichkeit, bringen Essen oder suchen Kontakt. Das Gefühl von Nähe und Vertrautheit läßt eine Bindung zwischen beiden Parteien entstehen, die bis zur Freundschaft gehen kann. Dieses Phänomen wird von Psychologen „Stockholm-Syndrom“ genannt.

Im Rahmen dieser Arbeit soll im speziellen auf die viktimologische Perspektive eingegangen werden, da Verbrechensopfer im Gegensatz zum kriminellen Täter in der hiesigen wissenschaftlichen Forschung noch zu wenig Beachtung finden. Aufgrund dessen herrscht reger Förderungsbedarf, auch was den postsituativen Umgang mit den Opfern anbelangt. Das Opfer findet hierzulande noch zu wenig Beachtung z.B. im Strafverfahren, wo der Täter mehr Rechte als das Opfer hat oder in beraterischer Hinsicht, weil es viel zu wenig Opferberatungsstellen („Weißer Ring“, „Hanauer Hilfe“, „Zeerspiegel“ für Sexualopfer in Braunschweig) gibt, als Stellen, die sich intensiv mit dem Straftäter und dessen Hintergrundsituation beschäf-tigen, wie z.B. Jugendgerichts-, Gerichts- und Bewährungshilfe, der Braunschweiger „Verein für Straffälligenhilfe und Betreuung (CURA)“ sowie soziale Dienste im Strafvollzug.

Verbrechensopfer kommen als mögliches Klientel der Sozialarbeit / Sozialpädagogik (SA/SP) in Frage. Sei es in beraterischer Weise, als unterstützende Institution bei Gerichtsverhandlungen mittels Betreuung in vereinzelt vorhandenen „Zeugen-zimmern“, in denen sich die Opferzeugen etwas entspannen können und auf die anstehende Verhandlung vorbereitet werden oder als Begleitung zu z.B. Behörden. Dabei ist jeweils ein einfühlsamer Umgang mit den viktimisierten Personen gefordert. Selbiger sollte auch bei der Polizei sowie bei Ärzten vorhanden sein.

Diese Arbeit soll einen kleinen Beitrag für SA/SP, Polizisten, Ärzte etc. zum Verständnis der psychischen Situation von Verbrechensopfern nach schweren Gewalttaten und traumatisierenden Ereignissen darstellen, speziell nach Geiselnahmen und Entführungen.

Die Grundannahme zur Bearbeitung dieser Arbeit lautet:

Verbrechensopfer sind in einer Geiselsituation nicht die Personen, die sie unter alltäglichen Lebensbedingungen sind. Sie verändern sich emotional, interaktional und kognitiv.

Aufgrund dieser These bieten sich folgende erkenntnisleitende Fragen an:

Warum verändern sich Opfer in einer Geiselsituation?

Wodurch wird diese „Andersartigkeit“ ausgelöst?

Wie äußern sich die Veränderungen bei den Geiseln?

Wer verändert sich während einer Geiselhaft?

Wann tritt die „Andersartigkeit“ in Erscheinung?

Kann man innerhalb der Situation etwas gegen die „Andersartigkeit“ tun?

Gang der Untersuchung:

Das erste Kapitel liefert die ersten Vorinformationen zum Thema „Die Betrachtung der Beziehung eines Verbrechensopfers zu seinem Täter am Beispiel Geiselnahme“. Es werden die Hauptbegriffe des Titels als Verständnisgrundlage dieser Arbeit erläutert. Zur Veranschaulichung werden aktuelle Statistiken herangezogen.

Im zweiten Kapitel wird auf den empirisch erforschten Rahmen einer Täter-Opfer-Beziehung in Geiselsituationen eingegangen. Dabei werden einerseits eventuelle Vorbeziehungen beider Tatbeteiligter vor der Tat sowie andererseits mögliche Beziehungen innerhalb der Geiselhaft ergründet.

Die einzelnen Fallbeispiele dieser Arbeit werden im dritten Kapitel vorgestellt. Es handelt sich dabei um drei Fälle aus dem Jahr 1996: Nicola Fleuchaus und Susanne Siegfried, Jan Philipp Reemtsma sowie Katharina Bennefeld-Kersten, die während der Geiselnahme vergewaltigt wurde. Da diese Thematik jedoch schon eingehend behandelt wurde, soll sie in dieser Arbeit nur erwähnt werden, da es sonst den Rahmen sprengen würde und es sich wie bereits erwähnt lediglich um eine phänomenologische Betrachtung handelt.

Einen Hauptteil dieser Arbeit stellt das vierte Kapitel mit seiner praktischen Betrachtung der einzelnen Fälle dar. Es dient dem theoretischen Teil der Anreiche-rung mit praktischen Aspekten zur Auflockerung und der praktischen Überprüfung der Theorie.

Unter mehr als 15 Aspekten wird die Beziehung der Opfer zu ihren Tätern betrachtet und dargestellt, die mit bereits 1978 empirisch erarbeiteten Ergebnissen auf dem Themengebiet verglichen werden.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden lediglich Kürzel samt Seitenzahl für den Nachweis der einzelnen Fälle benutzt: Reemtsma=Reem., Fleuchaus/Siegfried=Fl. und Bennefeld-Kersten=BK. Des weiteren wird aus gleichen Gründen nur jeweils am Anfang jedes neuen Kriteriums der Name der Hauptperson kursiv unterlegt.

Das fünfte Kapitel bildet den zweiten Hauptteil. In ihm soll versucht werden, das Verhalten, welches aus dem Vorkapitel hervorgeht, zu erklären. Dabei wird auf das Thema Streß mit seinen Bewältigungsformen eingegangen. Des weiteren wird die Steigerung des Stresses in traumatische Streßbelastung vorgenommen. Es wird dabei auf physiologische Vorgänge als Ursache sowie ihre Auswirkungen auf den traumatisierten Organismus eingegangen. Mittels Abwehrmechanismen soll letztendlich das viktimologische Verhalten dargelegt werden. Im speziellen wird das sogenannte „Stockholm-Syndrom“, als häufig auftretende Erscheinung in Geiselsituationen, erwähnt.

Diese Arbeit hat das Ziel, die Beziehung zwischen den Tatbeteiligten in einer Geiselsituation phänomenologisch zu untersuchen und einen Erklärungsversuch für das Verhalten der Opfer zu geben. Das resultiert aus der Tatsache, daß im Rahmen dieser Arbeit eine empirische Untersuchung schwer möglich war.

Da also Empirie nicht relevant ist, soll in diesem Rahmen keine Überprüfung sämtlicher psychologischer und soziologischer Theorien vorgenommen werden. Dies kann auch nicht geschehen, da die Bearbeitung der viktimologischen Erlebnis-berichte nicht objektiv ist, weil die Opfer ihre Eindrücke bereits gefiltert haben. Es wäre dann schon ein genauer Beobachter der jeweiligen Situationen oder eine sofortige Analyse per Fragebogen nötig gewesen. So kann es sich lediglich um eine Zusammenstellung der „oberflächlich“ betrachteten Ergebnisse handeln.

Am Ende der Arbeit soll der Leser detailliert über die Umstände einer Geiselsituation aufgeklärt sein. Besondere Berücksichtigung findet die Untersuchung der Verände-rungen des Opfers während einer Geiselhaft in emotionaler, seelischer und körperlicher Hinsicht in Bezug auf viktimologische Interaktionen mit dem Täter.

Professionelles Handeln soll durch ausführliche Informationen adäquater auf die Bedürfnisse der Opfer abgestimmt werden können.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Grundlagendefinitionen 4
1.1 „Verbrechensopfer“ 4
1.2 „Geiselnahme“ 5
1.3 „Beziehung“ 7
1.3.1 Bindung 7
1.3.2 Kommunikation und Interaktion 9
2. Theoretischer Rahmen der Opfer-Täter-Beziehung 10
2.1 vor der Tat 11
2.2 während der Tat 13
3. Erscheinungsformen von Geiselnahmen 17
3.1 Der Fall Siegfried und Fleuchaus 8
3.2 Der Fall Bennefeld-Kersten 9
3.3 Der Fall Reemtsma 9
4. Betrachtung der Opfer-Täter-Beziehung anhand der Fallbeispiele 20
4.1 Präsituative Beziehung 20
4.2 Annahme bzw. Ablehnung der Situation 21
4.3 Kommunikation 22
4.4 Interaktion 24
4.5 Machtgefälle 5
4.5.1 Bedrohung 5
4.5.2 Widerstand bzw. Kooperation und Kolaboration 7
4.5.3 Abhängigkeit 0
4.6 Gefühle und Einstellungen des Opfers 2
4.6.1 um Täter 2
4.6.2 zur Polizei 37
4.7 Gemeinsamkeiten zwischen Opfer und Täter 39
4.8 Beziehungscharakter 41
4.8.1 Atmosphäre der Beziehung 41
4.8.2 Symmetrie bzw. Asymmetrie der Beziehung 43
5. Viktimologische Erklärungsversuche 46
5.1 Streßmanagement 47
5.1.1 Streß 47
5.1.2 Streßbewältigung und Coping 48
5.1.3 Abwehrmechanismen 50
5.2 Traumatische Streßbelastung 54
5.2.1 Definition „Trauma“ 54
5.2.2 Peripsychotraumatische Situation 55
5.2.2.1 Physiologische Vorgänge 55
5.2.2.2 Auswirkungen der physiologischen Vorgänge 57
5.2.3 Peritraumatische Abwehrmechanismen 59
5.2.4 Das „Stockholm-Syndrom“ 62
6. Schlußbetrachtung 69
Literaturverzeichnis
Ergänzende Literatur

Automatisiert erstellter Textauszug:

sondern sich selbst aufgrund seines Widerstands (Reem. 59). Dazu gehören auch die viel zu fest angelegten Handschellen, die nach Meinung des Opfers nicht absichtlich derartig befestigt wurden (Reem. 62). Eingangs hält Reemtsma seine Entführer für planvoll, wissend und selbstsicher (Reem. 69/75 f), sogar für professioneller als die Polizei (Reem. 108/110). Jedoch relativiert sich diese Ansicht im Situationsverlauf, so daß er sie zeitweilig für größenwahnsinnig und dumm (Reem. 69/75 f), sogar für dilettantisch und „Möchtegerns“ hält (Reem. 82). Ihn erstaunt besonders ihre Denkweise ohne Einbeziehung möglicher Folgen (was geschieht bei einer schweren Krankheit ihres Opfers?) sowie ihre Unfähigkeit, Forderungen nicht eindeutig zu artikulieren oder Landkarten zu lesen, so daß es zum Scheitern der Lösegeldübergabe kam (Reem. 133 f). Besonders dankbar und zu Tränen gerührt ist Reemtsma den Tätern für die Beschaffung von Büchern. Die Männer scheinen bei der Auswahl umsichtig auf die Anpassung an dessen Intellekt geachtet zu haben (Reem. 87 f). Hinzu kommt die Dankbarkeit über gute Behandlung, da sie ihm Schlimmeres hätten antun können, sowie über die Rückgabe seiner Uhr als Tagesstrukturierungsinstrument (Reem. 184 f). Die Geisel äußert seine Freude über die sympathische Stimme des Englisch sprechenden Geiselnehmers als überhaupt menschliche Stimme in seinem Versteck und als „Oase der Eintönigkeit“. Diese Empfindungen sind der Geisel überaus unangenehm (Reem. 170/177). Er schätzt die wenigen Gespräche mit diesem Mann, die für ihn etwas Kumpanenhaftes haben. Überhaupt stellt der spezielle Täter für die Geisel die momentan einzige, u.U. beeinflußbare Wirklichkeit dar (Reem. 179 f). Besonders interessant ist die Phantasie des Opfers bezüglich körperlicher Nähe durch die Entführer z.B. in Form einer auf die Schulter gelegten Hand, was unrealisiert bleibt (Reem. 178). Neben den positiven Gefühlen tauchen gelegentlich Haß- und Rachegedanken auf. Auch will er die Täter vor Gericht sehen, wobei er neben aller Brutalität der Verbrecher auch für deren Menschlichkeit, ihn nicht getötet oder gequält zu haben, aussagen würde. Er will deren Bestrafung und hofft darauf, sie nicht wiedersehen zu müssen (Reem. 149/170 ff). Reemtsmas Dasein im Keller drückt sich u.a. in seiner Angst gegenüber den Entführern aus, sie könnten äußerste Brutalität in Form von Verstümmelung (z.B. Finger abtrennen) samt Versagung medizinischer Versorgung mit Todesfolge anwenden (Reem. 104 ff). Des weiteren drückt sich die Todesangst im Verlangen des [...]

Das Verhalten des Opfers erinnert stark an die Beschreibung der frühkindlichen „sicheren Bindung“ von Bowlby (siehe 1.3.2). Aber auch von den anderen fühlen sich beide Opfer gut behandelt (Fl. 72) und freuen sich jeweils über die Rückkehr der „Missionare“ (Fl. 87). Beide Opfer sind sehr dankbar, daß sich die fünf ihnen nun vertrauten Männer nicht gegen unbekannte andere tauschen lassen oder sie verlassen, obwohl das so bei den Vorbereitungen mit dem Chef abgesprochen war (Fl. 119). Die Verbrecherbande wird sogar als eine Art Familie empfunden (Fl. 187). Neben den vielen scheinbar positiven Gefühlen existieren auch negative: Dazu gehört die Angst vor Tötung aufgrund eines Befehls vom unbekannten Chef, der die Opfer nicht persönlich kennt und sie nur als Tauschobjekte wahrnehmen kann (Fl. 77). Vielleicht aufgrund dessen kommen Ängste bei der Abwesenheit des Anführers auf, als die beiden Frauen von den im Lager verbliebenen Tätern als nicht vertrauenswürdig eingestuft werden (Fl. 145). Ängste manifestieren sich, nachdem von einem Entführer mehrmalig mit Konsequenzen gedroht wurde, falls die Opfer von der Demaskierung zweier Täter berichteten (Fl. 146/211). Die Entführer werden kurz vor der Freilassung als Verräter bezeichnet, als sie trotz aller Versprechen plötzlich neue Forderungen an die Außenwelt stellen wollen, was sie schließlich aufgrund des massiven Widerspruchs einer Geisel aufgeben (Fl. 188). Insgesamt sind die Geiseln ihren Entführern jedoch dankbar für die gute, respektvolle Behandlung ohne Übergriffe (Fl. 207). Nach der Freilassung fühlen sich die beiden Frauen sehr unsicher, wurden sie doch von den fünf Männern vor den Buschrebellen beschützt und mit Nahrung versorgt. Nun waren sie wie vor der Geiselnahme wieder ganz auf sich allein gestellt (Fl. 213). Wider Erwarten breitet sich auch kein Haßgefühl und keine Rachsucht bei den Opfern aus, obwohl ihnen viel seelisches und materielles Leid zugefügt wurde (Fl. 245). [...]

„Happy new year“ vor den Touristen wiederholt- es geschah am Neujahrstag- und so mit seinem Zynismus belastet (Fl. 24). Ferner ist das Anfangsgeschehen von großer Angst vor den Geiselnehmern geprägt (Fl. 61), welche jedoch von Tag zu Tag zunehmend schwindet (Fl. 63) und gegen Ende der Geiselnahme ganz weg zu sein scheint (Fl. 188). Jedoch sind auch Gefühle wie scheinbare Beruhigung vorhanden, wenn die Geiseln die Anweisungen befolgen, daß sie respektvoll behandelt werden, bald wieder frei sein können und es ihnen gut gehen werde (Fl. 53). Die Täter beeindrucken die Geiseln anscheinend mit ihrer Geschicklich- und Schnelligkeit in puncto Lageraufbau (Fl. 55). Sehen die maskierten Männer für die zwei Frauen anfangs alle gleich aus, so findet zunehmend eine Differenzierung und Individualisierung statt (Fl. 62). Nach einer Woche Gefangenschaft können die beiden Opfer ihre Täter umfassend und recht positiv charakterisieren in puncto Merkmale, Interessen sowie Charakter: z.B. hilfsbereit, lustig, Kavalier, engagiert, zuvorkommend, gutmütig, familiär, korrekt (Fl. 68 ff/75). Besonders der Anführer wird positiv dargestellt, er sei kinderlieb, freundlich, entgegenkommend und reuevoll (Fl. 69). Aufgrund dessen vertrauen die Frauen ihm auch sehr (Fl. 70/121). Sie fühlen sich durch ihn vor den anderen etwas unberechenbareren Männer beschützt (Fl. 64). Im Verlauf der Geiselsituation kommt es zwischen dem Anführer und dem jüngeren Opfer Fleuchaus zu einer Art „Romanze“ (Fl. 76). So ist sie von diesem Mann aufgrund seiner verbalen Äußerungen in Form von schön klingenden Kosenamen regelrecht hingerissen und fragt sich, welcher deutsche Mann ihr solche netten Namen gäbe (Fl. 121). Sie vermißt den Anführer bei seiner Abwesenheit, fühlt sich nur bei seiner Anwesenheit sicher und reagiert darauf mit Depressionen (Fl. 135/142). Außerdem ist sie enttäuscht, als er nach einer der zahlreichen „Missionen“ mit den anderen Entführern nicht ins Lager zurückkehrt und bestürzt über die Nachricht, daß er von den unbekannten Obersten aufgrund seiner Gutmütigkeit hingerichtet werden solle (Fl. 141). Um so größer ist die Freude, als er schließlich doch wieder ins Lager zurückkehrt und sich die Geiseln wieder sicher fühlen können (Fl. 142). Von ihm geht der Wunsch mit dem Kußfoto aus (als Erinnerung) (Fl. 210). Er ist auch derjenige, der die letzten Stunden mit ihr noch im Lager verbringen möchte (Fl. 207). [...]

Arbeit zitieren:
Mollweide, geb. Kütemeyer, Iris Januar 2001: Betrachtung der Beziehung eines Verbrecheropfers zu seinem Täter am Beispiel Geiselnahme, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Stockholm-Syndrom, Trauma, Abwehrmechanismen

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