Besonderheiten der Rechnungslegung und Prüfung in der Fußball-Bundesliga
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Michael Stein
- Abgabedatum: Juni 2004
- Umfang: 153 Seiten
- Dateigröße: 3,0 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Koblenz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8486-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8486-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8486-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stein, Michael Juni 2004: Besonderheiten der Rechnungslegung und Prüfung in der Fußball-Bundesliga, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Profifußball, Lizensierungsverfahren, Transferentschädigung, Sportmanagement, Rechnungslegung
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Diplomarbeit von Michael Stein
Einleitung:
Der Fußball gewinnt durch seine ungebrochene Popularität bei den Menschen ein zunehmendes wirtschaftliches Interesse, welches sich vor allem auf die zwei höchsten deutschen Spielklassen der 1. und 2. Bundesliga konzentriert. Auffallend ist dabei, dass trotz eines Rekord-Umsatzes von 1,35 Milliarden Euro in der Saison 2003/04 sich bei den Proficlubs in Deutschland ein Schuldenberg in Höhe von 700 Millionen Euro angehäuft hat.
Die Gründe liegen hierbei in den fußballspezifischen Problemen z.B. die wachsenden Spielergehälter, mit welchen Proficlubs zu kämpfen haben. Die aktuelle finanzielle Schieflage von Borussia Dortmund ist hier als Beispiel zu nennen. Die überproportionale Einnahmen- und Ausgabensteigerung in den letzen Jahren hat dabei die Clubs auf eine Größe von mittelständischen Unternehmen anwachsen lassen, was nicht nur mit einer Professionalität im sportlichen Bereich, sondern auch im wirtschaftlichen Bereich verbunden ist.
Auf diese Entwicklungen hat der DFB in mehrfacher Hinsicht reagiert. So ist es Bundesligavereinen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, ihren Lizenzspielerbereich aus dem Mutterverein auszugliedern und als eigenständige Kapitalgesellschaft zu führen. Die Folge ist, dass nicht nur Bundesligaclubs in der Rechtsform des eingetragenen Vereins, sondern auch in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft am Spielbetrieb der ersten zwei Profiligen teilnehmen dürfen. Darüber hinaus hat der DFB die Führung und das Verbandsrecht professionalisiert. Die Führung des Spielbetriebes der Lizenzligen wurde vom Amateurbereich getrennt und einem eigenständigen, neu ins Leben gerufenen Gremium, dem so genannten Ligaverband e.V., übertragen. Ferner wurden notwendige Änderungen im Bereich der Rechnungslegung und Prüfung von Bundesligaclubs umgesetzt.
Die Lizenz wird dabei vom Vorstand des Ligaverbandes erteilt, wobei die DFL für das Lizenzierungsverfahren zuständig ist.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Rechnungslegungs- und Prüfungsvorschriften für die Clubs der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga darzustellen, wobei die fußballspezifischen Besonderheiten festzustellen und zu erläutern sind. Schwerpunkte stellen dabei wegen ihrer enormen Wichtigkeit die Bilanzierung von Spielerwerten als immaterieller Vermögensgegenstand und das Prüfungsverfahren des Ligaverbandes (Lizenzierungsverfahren) dar. Die Spielerwerte, als Ausdruck des Wertes der vereinseigenen Fußballspieler, sind die zentrale charakteristische Bilanzposition, da die Spieler nicht nur für den sportlichen, sondern auch für den wirtschaftlichen Erfolg des Fußballclubs verantwortlich sind. Wichtig ist ferner das Lizenzierungsverfahren, da ohne die Erteilung einer Lizenz für eine der beiden Profiligen die Teilnahme am Spielbetrieb nicht möglich ist. Dies hat immense Auswirkungen in finanzieller Hinsicht für die Clubs.
Die Arbeit stellt als Erstes die Lizenzierungsunterlagen vor, welche - testiert durch einen Wirtschaftsprüfer - nach den Rechnungslegungsvorschriften des DFB aufgestellt wurden. Diese stellen die Grundlage der internen Prüfung durch den Ligaverband dar.
Der Punkt drei erläutert die Rechnungslegungsvorschriften für die Fußball-Bundesligisten, wobei spezifische Posten der Bilanz und GuV dargestellt werden. Diese weichen aufgrund der Anforderungen des Ligaverbandes von den handelsrechtlichen Vorschriften ab. Umfassend und ausführlich wird dabei auf die zentrale Bilanzposition der Spielerwerte in Handels- und Steuerbilanz eingegangen, welche in Literatur und Finanzrechtsprechung stark umstritten ist. Angesprochen werden unter anderem Probleme bei der Abschreibung, mögliche aktivierungspflichtige Anschaffungsnebenkosten und andere praxisorientierte Überlegungen zur Aktivierung. Die theoretischen Diskussionen werden durch die Erkenntnisse aus einer vom Verfasser durchgeführten Fragebogenaktion angereichert.
Gliederungspunkt vier beschäftigt sich mit den Prüfungsvorschriften für die Fußballbundesligisten. Sie spaltet sich auf in eine externe Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer und eine interne Prüfung durch den Ligaverband. Bei der externen Prüfung werden Unterschiede zu den handelsrechtlichen Prüfungsvorschriften und Grundsätzen des Institutes der Wirtschaftsprüfer erläutert. Anschließend wird die interne Prüfung durch den Ligaverband vorgestellt, wobei die Prüfungstätigkeiten mit dem abschließenden Urteil über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dargestellt werden. Ferner werden Auswirkungen der internen Prüfung (Lizenzierungsverfahren) auf die Arbeit der Clubs aufgezeigt. Dabei fließen Erkenntnisse aus einer durchgeführten Fragebogenaktion in die Arbeit mit ein. Abschließend werden beide Prüfungsprozesse auf ihre Wirksamkeit beurteilt.
Abschließend gibt der Verfasser eine kurze Zusammenfassung über die angesprochenen Aspekte der Arbeit und einen persönlichen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis:
| Verzeichnis der Abbildungen | IV | |
| Verzeichnis der Tabellen | IV | |
| Verzeichnis der Abkürzungen | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Die Lizenzierungsunterlagen | 4 |
| 3. | Die Rechnungslegungsvorschriften für die Fußball-Bundesligisten | 6 |
| 3.1 | Einzelheiten zu spezifischen Posten der Bilanz | 6 |
| 3.1.1 | Bilanzierung der Kaution | 6 |
| 3.1.2 | Bilanzierung des Umlaufvermögens | 7 |
| 3.1.3 | Bilanzierung des Eigenkapitals | 8 |
| 3.1.4 | Bilanzierung der Rückstellungen und Verbindlichkeiten | 9 |
| 3.2 | Besonderheit: Bilanzierung von Transferentschädigungen | 10 |
| 3.2.1 | Bilanzierung von immateriellen Vermögensgegenständen | 11 |
| 3.2.2 | Bilanzielle Probleme der Aktivierung und Abschreibung von Transferentschädigungen | 14 |
| 3.2.2.1 | Die Positionen der Finanzverwaltung, der finanzgerichtlichen Rechtsprechung und des IDW im Zeitverlauf | 14 |
| 3.2.2.2 | Stellungnahmen der Befürworter einer Aktivierung | 20 |
| 3.2.2.3 | Stellungnahmen der Gegner einer Aktivierung | 21 |
| 3.2.2.4 | Stellungnahme des Verfassers zur Aktivierungsdiskussion | 26 |
| 3.2.2.5 | Probleme der Abschreibung | 26 |
| 3.2.2.5.1 | Bestimmung der Nutzungsdauer | 26 |
| 3.2.2.5.2 | Wahl der Abschreibungsmethode | 28 |
| 3.2.2.5.3 | Notwendigkeit von Teilwertabschreibungen | 30 |
| 3.2.3 | Die Bilanzierungspraxis der Fußball-Bundesligisten und externe Interessen | 32 |
| 3.3 | Einzelheiten zu spezifischen Posten der Gewinn- und Verlustrechnung | 37 |
| 3.3.1 | Umsatzerlöse | 38 |
| 3.3.2 | Sonstige betriebliche Erträge | 39 |
| 3.3.3 | Material- und Personalaufwand | 40 |
| 3.3.4 | Abschreibungen | 41 |
| 3.3.5 | Sonstige betriebliche Aufwendungen | 42 |
| 3.4 | Erläuterungen der rechtlichen Verhältnisse und Beziehungen zu Beteiligungsunternehmen | 42 |
| 4. | Die Prüfungsvorschriften für die Fußball-Bundesligisten | 44 |
| 4.1 | Die Prüfung durch den Abschlußprüfer | 44 |
| 4.1.1 | Der Prüfungsauftrag und der Prüfungsbericht | 45 |
| 4.1.2 | Die Inhalte der externen Prüfung | 47 |
| 4.1.2.1 | Grundsätzliche Feststellungen | 47 |
| 4.1.2.2 | Feststellungen und Erläuterungen zur Rechnungslegung | 48 |
| 4.1.2.3 | Feststellungen zum Risikofrüherkennungssystem | 50 |
| 4.1.2.4 | Feststellungen aus der Erweiterung des Prüfungsauftrags | 51 |
| 4.1.3 | Die Beurteilung der externen Prüfung | 52 |
| 4.2 | Das Prüfungsverfahren des Ligaverbandes | 53 |
| 4.2.1 | Grundlagen und Ziele der Prüfung | 53 |
| 4.2.2 | Die Inhalte der internen Prüfung | 55 |
| 4.2.2.1 | Prüfung der Liquidationsverhältnisse und die Auswirkungen auf die Lizenzerteilung | 55 |
| 4.2.2.2 | Prüfung der Vermögenslage und die Auswirkungen auf die Lizenzerteilung | 57 |
| 4.2.2.3 | Die Entscheidung über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit | 58 |
| 4.2.3 | Die Auswirkungen bei den Fußball-Bundesligisten | 60 |
| 4.2.4 | Die Beurteilung der internen Prüfung | 64 |
| 5. | Zusammenfassung und Ausblick | 68 |
| Anhang | 71 | |
| Anhang 1: Auswertung zur Fragebogenaktion | 72 | |
| Anhang 2: Brief- und Faxvorlage für Fragebogenaktion | 77 | |
| Anhang 3: Lizenzierungsordnung (LO) vom 5.2.2004 (Präambel, Lizenzierungsvorschriften und Anhänge III, VII, VIII, IX und X) | 139 | |
| Literaturverzeichnis | 140 | |
| Quellenverzeichnis | 141 | |
| Erklärung gem. §23(8) der Prüfungsordnung | 145 |
rechtlichen Gründen83 als geboten erscheint, hätte für manchen Proficlub immense Auswirkungen bei der Lizenzerteilung. In diesem Fall würden bei vielen Clubs (speziell in der 2. Liga) eine bilanzielle Überschuldung vorliegen, da die Schulden durch die Nichtaktivierung das Vermögen übersteigen. Das liegt daran, dass viele Clubs außer dem Spielervermögen kaum noch anderes Anlagevermögen ausweisen können. Sie verfügen vielfach nicht über vereinseigene Stadien, sonstiges Immobilienvermögen oder Beteiligungen. Für die Würdigung der Vermögenssituation durch die DFL würde an die Stelle der Bilanz nun der Überschuldungsstatus treten, wobei stille Reserven bspw. bei Spielerwerten aufzudecken wären. Die daraus folgenden Kapitalauflagenverstöße wären nach einer Übergangsregel zu beurteilen, da ansonsten durch die Nichterteilung der Lizenz an zahlreiche Clubs der Spielbetrieb für die nächste Spielzeit nicht durchführbar wäre.84 Der Fiskus aber hält sich strickt an das Urteil des BFH und verlangt für die Steuerbilanz der Clubs eine Aktivierung der Transferentschädigungen, da der Sofortabzug des Transferaufwandes als Gewinnverkürzung verstanden wird. Aus Sicht der Finanzämter ist kritisch, dass ein Sofortabzug Möglichkeiten zu Verlustvor- und Rückträgen für die Clubs zur Steuerminimierung bringt.85 Im Hinblick auf die testierenden Wirtschaftsprüfer wäre eine Nichtaktivierung von Transferentschädigungen in der Bilanz kein Problem, da von Anfang an durch den IDW eine Aktivierung aus handelsrechtlichen Gründen für unzulässig erachtet wurde. Die Wirtschaftsprüfer wären in diesem Fall an die Vorgaben des Auftraggebers (DFB/DFL) gebunden, da die Prüfung im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens durchgeführt wird. Eine Nichtaktivierung hätte für viele Vereine eine Prüfung des Überschuldungsstatus zur Folge.86 Die Reaktionen der derzeitigen oder möglichen Kapitalgeber sind jedoch unterschiedlich. [...]
und die Auswertungen zu den Fragen sieben und acht in Punkt 4.2.3 eingeflossen. Die Auswertung der Fragebögen zu Frage eins77 ergab dabei ein ähnliches Ergebnis wie eine interne Auswertung der DFL zum Stichtag 31.12.2001.78 Daraus geht hervor, dass ein Großteil der Clubs aus der ersten (7 von 8 Clubs) und der zweiten Liga (5 von 6 Clubs) ihre Transferentschädigungen im Anlagevermögen aktiviert, wobei jeweils ein Club der jeweiligen Liga die Transferentschädigung als Betriebsausgabe sofort absetzt. Bei den aktivierten Spielerwerten in der ersten Liga79 ist erkennbar, dass diese innerhalb der Liga stark streuen (zw. 0,65 Mio. € und 36,1 Mio. €) und teilweise einen beträchtlichen Anteil am Gesamtvermögen (bis zu 35%) darstellen. Es bestätigt die Angaben und Aussagen des DFL Geschäftsführers Müller aus einer Analyse der Bilanzen zum 31.12.2001.80 Zur zweiten Liga kann der Verfasser keine Aussagen treffen, da ihm nur eine Angabe zum aktivierten Spielervermögen vorliegt. Die unterschiedliche Handhabung von Transferentschädigungen spielt für den Bilanzadressaten DFL keine Rolle. Die Grundlage seiner Lizenzierungsentscheidungen sind nicht die Vermögensverhältnisse der Clubs, sondern in erster Linie die Liquidität bis zum Ende der kommenden Spielzeit.81 Hier ist die DFL nicht an das Aktivierungsgebot durch das BFH-Urteil vom 26.08.1992 gebunden, das aber für Finanzbehörden bei der steuerlichen Gewinnermittlung gilt. Dabei würde eine Aktivierung die Vermögenslage positiver gestalten, da sie eine Verteilung der Ausgaben für den Erwerb neuer Spieler über mehrere Perioden gestattet. Ein hoher Verlust durch die Zahlung einer Ablösesumme eines Starspielers könnte so besser kaschiert werden.82 Die Probleme bei einer verbindlichen Regelung der Nichtaktivierung von Transferentschädigungen, die aus handelsrechtlichen und steuer- [...]
Zur Veranschaulichung der Praxis der Proficlubs hat der Verfasser eine Fragebogenaktion76 durchgeführt, in der alle 36 Clubs der 1. und 2. Bundesliga angeschrieben wurden. Der Fragebogen besteht aus Fragen, die speziell zur Aktivierung und Abschreibung von Transferentschädigungen als auch zum Lizenzierungsverfahren gestellt werden. Der Rücklauf an Antworten war überaus erfreulich, da 14 Proficlubs aus der ersten wie auch aus der zweiten Liga ihren ausgefüllten Fragebogen zurücksandten. Nach Meinung des Verfassers sind die Ergebnisse der Umfrage als aussagekräftig anzusehen, da mehr als ein Drittel der Grundgesamtheit ihre Antworten abgegeben haben. Bei Gesprächen mit leitenden Angestellten im Bereich Finanz- und Rechnungswesen wurde der Verfasser auf die Aktualität seiner Fragenstellungen hingewiesen. Diese seien „schon öfters" Diskussionspunkte bei Tagungen der DFL und Proficlubs gewesen, so der Sprecher eines der Clubs. Die Ergebnisse aus der Fragebogenaktion sind hier den jeweiligen Punkten zugeordnet worden und bereichern dadurch mit Gesichtspunkten aus der Praxis die theoretische Diskussion zum Thema. Insgesamt sind die Auswertungen der Fragen eins, zwei, fünf und sechs in diesem Punkt, Fragen drei und vier in Punkt 3.2.2.5.3 bzw. 3.2.2.5.1 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832484866
Arbeit zitieren:
Stein, Michael Juni 2004: Besonderheiten der Rechnungslegung und Prüfung in der Fußball-Bundesliga, Hamburg: Diplomica Verlag
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Profifußball, Lizensierungsverfahren, Transferentschädigung, Sportmanagement, Rechnungslegung



