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Besonderheiten der Kreditwürdigkeitsprüfung durch Banken bei Jahresabschlüssen nach IFRS

Besonderheiten der Kreditwürdigkeitsprüfung durch Banken bei Jahresabschlüssen nach IFRS
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Patrick Klama
  • Abgabedatum: Februar 2007
  • Umfang: 119 Seiten
  • Dateigröße: 2,4 MB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW), Standort Gütersloh Deutschland
  • Bibliografie: ca. 45
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0445-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0445-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0445-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Klama, Patrick Februar 2007: Besonderheiten der Kreditwürdigkeitsprüfung durch Banken bei Jahresabschlüssen nach IFRS, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Basel II, Rating, Finanzierung, Rechnungslegung, Bilanz

Diplomarbeit von Patrick Klama

Einleitung:

Basel II und die Rechnungslegung nach IFRS sind die beiden großen Herausforderungen für Kreditinstitute. Der Fokus beider Regelwerke ist zwar unterschiedlich, dennoch lassen sich in verschiedenen Themengebieten Überschneidungen feststellen. Ein Themengebiet welches durch diese Überschneidungen betroffen ist, ist die Kreditwürdigkeitsprüfung der Banken. Durch Basel II hat sich die Kreditvergabe aus einer mehr oder weniger systematischen Beurteilung (Rating) hin zu einer strukturierten und systematischen Analyse gewandelt. Neben einer rein auf die Bilanzanalyse gerichteten Kreditwürdigkeitsprüfung spielen zukünftig auch sog. weiche Faktoren (soft facts) eine wesentliche Rolle im Kreditvergabeprozess.

Die Umstellung bei der Kreditwürdigkeitsprüfung ist bei den meisten Banken weitestgehend abgeschlossen, wobei die Grundlage immer noch die Jahresabschlüsse nach HGB bilden. Des Weiteren spielen auch die Vorgaben von MaK und MaRisk eine wesentliche Rolle in der Systematisierung und Standardisierung der Kreditwürdigkeitsprüfung. Beide Ansätze, die in der Vergangenheit umgesetzt wurden, forcierten eine weitestgehend EDV-gestützte Auswertung der Jahresabschlüsse.

Die nächste Herausforderung für die Banken wird die Anpassung der Kreditwürdigkeitsprüfung auf Jahresabschlüsse nach IFRS sein.

Im Zuge der Harmonisierung der internationalen Rechnungslegung sind die kapitalmarktnotierten Unternehmen seit dem 01.01.2005 laut EU-Verordnung zu einer Bilanzierung im Konzernabschluss nach IFRS verpflichtet. Hinzu kommt ein Wahlrecht, welches den Mitgliedstaaten einräumt, eigenständig zu entscheiden, ob die Anwendung sowohl für die Konzernabschlüsse der anderen Unternehmen als auch im Einzelabschluss aller Unternehmen vorzuschreiben oder zu gestatten ist. Hintergrund für die Harmonisierung der Rechnungslegung ist die bessere Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse aus Sicht der Investoren und Anleger zu erzielen und somit auch der Schutz der Anleger.

Aufgrund dieser Vorteile für die Investoren und Anleger kann man davon ausgehen, dass sich innerhalb der nächsten Jahre die Abschlüsse aller Unternehmen in Europa annähern und nach den Grundsätzen der IFRS erstellt werden.Wegen dieser Tatsache bedarf es seitens der Banken weiterer Anpassungen im Kreditvergabeprozess, um den aktuellen Gegebenheiten Rechnung zu tragen und die Vorgaben von Basel II weiterhin zu erfüllen.

Problemstellung:

Wie bereits in der Einleitung genannt, sind die kapitalmarktnotierten Unternehmen seit 2005 dazu verpflichtet, ihre Jahresabschlüsse nach den Richtlinien der IFRS zu erstellen.

Im Gegenzug müssen die Banken ihre Kreditvergabe ab 2007 nach den Richtlinien von Basel II durchführen. Weit verbreitet ist die Meinung, dass die Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS Vorteile bei der Kreditvergabe mit sich bringt. Doch gelten diese Vorteile auch für den Prozess de Kreditwürdigkeitsprüfung der Banken an sich?

Es ergeben sich folgende Fragestellungen:

- Welche Konsequenzen ergeben sich durch die Umstellung der Jahresabschlüsse von HGB auf der IFRS für die Kreditwürdigkeitsprüfung der Banken?

- Welche Auswirkungen ergeben sich für die Banken für die Kreditwürdigkeitsprüfung im Bereich der Jahresabschlussanalyse? Müssen Kennzahlen der Jahresabschlussanalyse neu definiert werden, weil ihre bisherige Auslegung nur für HGB-Abschlüsse geeignet ist?

- Ergeben sich durch die Umstellung Vorteile und / oder Nachteile für die Kreditwürdigkeitsprüfung aus Sicht der Banken?

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll versucht werden, die vorangestellten Fragen weitestgehend zu beantworten und ggf. Lösungsansätze zu zeigen, wie in Zukunft der Prozess der Kreditwürdigkeitsprüfung bei Banken aussehen kann bzw. welche Anpassungen an die beiden Rechnungslegungssysteme notwendig sind oder sein werden. Im Vorfeld ist anzumerken, dass sich Schwierigkeiten bei der detaillierten Informationsbeschaffung ergeben haben. Es liegen kaum zugängliche Informationen zu den einzelnen internen Ratingsystemen der Banken vor, so dass die Analyse sich auf die einzelnen Kennzahlen beschränken muss. Die Arbeit wird nicht im Detail auf die einzelnen Bewertungsunterschiede nach IFRS und HGB eingehen. Zu diesem Themenkomplex gibt es hinreichend einschlägige Literatur.

Gang der Untersuchung:

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll auf die Kreditwürdigkeitsprüfung durch Banken bei Jahresabschlüssen nach IFRS gelegt werden, wobei hier hauptsächlich die quantitativen Kennzahlen, die sog. hard facts, berücksichtigt werden sollen.

Im Anschluss an die Einleitung soll im zweiten Kapitel der definitorische Rahmen für die Arbeit mit den beiden Bereichen der Kreditwürdigkeitsprüfung und der IFRS dargestellt werden. Im Unterkapitel Kreditwürdigkeitsprüfung sollen die wesentlichen Bereiche der Kreditwürdigkeitsprüfung, die Kreditwürdigkeitsprüfung an sich, die Jahresabschlussanalyse, Basel II und das Rating kurz definitorisch dargestellt und beschrieben werden.

Im Unterkapitel IFRS werden im ersten Teil die IFRS in den Bereichen der Zielsetzung, der Adressaten und der Prinzipien definiert und zum HGB abgegrenzt. Der zweite Teil stellt die Verbindung der Bilanzanalyse der einzelnen Bereiche des Jahresabschlusses nach IFRS zum Schwerpunkt der Arbeit der Kreditwürdigkeitsprüfung dar.

Im dritten Kapitel, das gleichzeitig den Hauptteil dieser Arbeit darstellt, werden im ersten Unterkapitel die grundlegenden Bewertungsunterschiede zwischen IFRS und HGB gegenübergestellt. Im zweiten Unterkapitel werden erste Lösungsansätze zur Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit der IFRS-Bilanz und IFRS-GuV aufgezeigt und erläutert.

Im dritten Unterkapitel wird das interne Rating des DSGV in seiner Struktur und seinen Schwerpunkten systematisch dargestellt. Das vierte Unterkapitel befasst sich mit der Analyse des Jahresabschlusses 2000 der BMW Group im Vergleich zwischen IFRS und HGB anhand des internen DSGV-Ratings. Mangels der notwendigen Informationen ist allerdings nur ein reiner Kennzahlenvergleich zwischen IFRS- und HGB-Abschluss möglich. Das letzte Unterkapitel des Hauptteils fasst die ermittelten Ergebnisse in den vorangegangen Kapiteln noch einmal zusammen. Im vierten Kapitel dieser Arbeit werden die ermittelten Ergebnisse kritisch gewürdigt und abschließend die in der Problemstellung genannten Fragen beantwortet.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Einführung in das Thema 1
1.2 Problemstellung 3
1.3 Vorgehensweise 4
2. Definitorischer Rahmen 5
2.1 Die Kreditwürdigkeitsprüfung und Ihre Faktoren 5
2.1.1 Definition der Kreditwürdigkeitsprüfung 5
2.1.2 Definition Basel II 7
2.1.3 Definition und Aufgaben des Ratings 10
2.1.4 Definition und Aufgaben der Bilanzanalyse 13
2.2 Die IFRS in Abgrenzung zum HGB 14
2.2.1 Definition der IFRS 14
2.2.2 Aufbau des Jahresabschluss nach IFRS 16
2.2.2.1 Die Bilanz (balance sheet) 16
2.2.2.2 Die Gewinn- und Verlustrechnung (income statement) 19
2.2.2.3 Die Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) 21
2.2.2.4 Die Cash-Flow-Rechnung (cash-flow statement) 22
2.2.2.5 Der Anhang (notes) 25
2.2.3 Zusammenfassung 26
3. Besonderheiten der Kreditwürdigkeitsprüfung bei Jahresabschlüssen nach IFRS 28
3.1 Übersicht der allgemeinen und Bilanzierungs- und Bewertungsunterschiede zwischen IFRS und HGB 28
3.2 Mögliche Lösungsansätze zur Vereinheitlichung der IFRS-Bilanz und der IFRS-GuV 31
3.2.1 Die Standard-Bilanz 31
3.2.2 Die Standard-GuV 33
3.3 Das interne Rating im DSGV 36
3.4 Analyse der Besonderheiten des IFRS-Jahresabschlusses am Beispiel der BMW Group im internen DSGV-Rating 39
3.4.1 Der allgemeine Bilanzvergleich nach IFRS und HGB 41
3.4.2 Die Ertragslage 43
3.4.2.1 Der Return on Investment (RoI) 44
3.4.2.2 Die Zinsaufwandsquote (ZAQ) 46
3.4.2.3 Die Mietaufwandsquote (MAQ) 48
3.4.3 Die Vermögenslage 49
3.4.3.1 Die Eigenkapitalquote (EKQ) 50
3.4.3.2 Die Lagerkennzahl (LKZ) 52
3.4.3.3 Die Lagerdauer (LD) 54
3.4.3.4 Die Kapitalbindung (KB) 56
3.4.3.5 Die Fremdkapitalstruktur (FKS) 58
3.4.4 Die Finanzlage 60
3.4.4.1 Der Cash-Flow: Kennzahl 1 (CF: K1) 61
3.4.4.2 Der Cash-Flow: Kennzahl 2 (CF: K2) 63
3.4.4.3 Die Kreditorenlaufzeit (KLZ) 65
3.5 Zusammenfassung 67
4. Abschließende Beurteilung und Ausblick 69
Anhang 76
Literatur- und Quellenverzeichnis 105
Ehrenwörtliche Erklärung 113

Textprobe:

Kapitel 3.4.1, Der allgemeine Bilanzvergleich nach IFRS und HGB:

Im allgemeinen Bilanzvergleich soll kurz auf die Abweichungen der einzelnen Bilanzpositionen eingegangen werden, um die Abweichungen analog zu Kapitel 3.1. aufzuzeigen. Eine detaillierte Analyse der einzelnen Kennzahlen und die möglichen Auswirkungen bzw. Besonderheiten für die Kreditwürdigkeitsprüfung werden im Anschluss in den folgenden Kapiteln untersucht.

Die Untersuchung erfolgt in der Reihenfolge der Kennzahlen des DSGV-Schemas. Die in den vorhergehenden Tabellen ermittelten Abweichungen der einzelnen Positionen in der GuV, der Bilanz und der Kapitalflussrechnung zeigen deutlich, dass auch der Jahresabschluss der BMW Group in das in Abb. 12 dargestellte Schema passt.

Die Bilanzsumme steigert sich durch die Umstellung von der HGB-Bilanzierung hin zur IFRS-Bilanzierung um 13.465 Mio. Euro (+ 37,35 %). Das EK hat sich durch die Umstellung um 4.536 Mio. Euro (92,65 %) nahezu verdoppelt. Diese deutlichen Steigerungen in den einzelnen Positionen sowohl der GuV als auch der Bilanz ergeben sich durch die Bewertungsunterschiede zwischen IFRS und HGB und durch den fair-presentation-Ansatz der IFRS. Daraus lässt sich aber noch nicht folgern, ob die HGB-Bilanzierung ein komplett anderes Bild der BMW Group erzeugt als die IFRS-Bilanzierung bzw. wie die Auswirkungen auf die einzelnen Bilanzkennzahlen aussehen.

Kapitel 3.4.2, Die Ertragslage:

Die Ertragslage im DSGV-Schema unterteilt sich in die Kennzahlen:

- Return on Investment (RoI) oder auch Gesamtkapitalrendite (GKR).

- Rohertragsquote.

- Zinsaufwandsquote.

- Mietaufwandsquote.

Die Rohertragsquote wird in der nachfolgenden Analyse der Ertragslage vernachlässigt, da diese sich auf den Gewerbekundenbereich beschränkt. Die Ertragslage an sich hat in ihrer Gesamtheit nur einen kleinen Anteil am Gesamtergebnis des DSGV-Ratings. Ihre Gewichtung ist für alle Unternehmensgrößen nahezu identisch.

3.4.2.1. Der Return on Investment (RoI) Der Return on Investment (RoI) ist die Spitzenkennzahl des DuPont-Kennzahlensystems. Er ist eine Zusammenfassung von Erfolgs- und Bestandsgrößen.

Der RoI ist wie folgt definiert:

Durch diese Aufteilung lässt sich das Zustandekommen des RoI detaillierter und aussagekräftiger analysieren. Für die Ermittlung des RoI ist es in Anlehnung an Conenberg nötig das EBIT der BMW Group zu ermitteln.

Zur Vereinfachung wird in diesem Beispiel das Ergebnis vor Finanzergebnis:

- 2.065 Mio. Euro IFRS.

- 1.578 Mio. Euro HGB.

als EBIT der BMW Group angenommen.

Als Vermögen dient die Bilanzsumme zum Stichtag 31.12.2000:

- 49.340 Mio. Euro IFRS.

- 35.875 Mio. Euro HGB.

Der Umsatz ergibt sich aus der GuV der BMW Group:

- 37.226 Mio. Euro IFRS.

- 35.356 Mio. Euro HGB.

Die Untersuchung des RoI der BMW Group zeigt eine minimale Abweichung von 0,21 des RoI nach IFRS (4,19) und HGB (4,40). Anhand der RoI-Kennzahl lassen sich keine besonderen Auswirkungen der Umstellung von HGB auf IFRS erkennen. Somit sollte diese Kennzahl keine maßgebliche Auswirkung auf das Rating haben.

Kapitel 3.4.2.2, Die Zinsaufwandsquote (ZAQ):

Die Zinsaufwandsquote bringt die Zinsaufwendungen einer Periode in das Verhältnis zu den Umsatzerlösen der Periode. Alternativ kann anstelle der Umsatzerlöse auch die Gesamtleistung der Periode gewählt werden. In diesem Beispiel werden die Umsatzerlöse der BMW Group herangezogen, die gleichzeitig die Gesamtleistung der Periode widerspiegeln.

Aus den Geschäftsberichten der BMW Group ergibt sich nachfolgender Zinsaufwand:

- 740 Mio. Euro IFRS.

- 1.822 Mio. Euro HGB.

Weder aus dem BMW Group Jahresabschluss 2000 noch 2001 geht hervor, wodurch die deutliche Abweichung von 1.082 Mio. Euro beim Zinsaufwand resultiert.

Die Umsatzerlöse betragen:

- 37.226 Mio. Euro IFRS.

- 35.356 Mio. Euro HGB.

Die Untersuchung der ZAQ zeigt eine deutliche Abweichung zwischen IFRS (1,99 %) und HGB (5,15 %) von 3,16 %. Wie oben beschrieben kann aufgrund fehlender Angaben seitens der BMW Group nur spekuliert werden, weshalb ein so deutlicher Unterschied im Zinsaufwand existiert.

Daher ist an dieser Stelle eine weitergehende Analyse der ZAQ nicht möglich. Im gleichen Maße wie bei der Differenz beim Zinsaufwand liegt auch eine deutliche Differenz beim Zinsertrag vor:

- 681 Mio. Euro IFRS.

- 1.744 Mio. Euro HG.

Mögliche Auswirkungen auf das Rating können und sollen an dieser Stelle mangels der o. g. fehlenden Informationen nicht erläutert werden.

Arbeit zitieren:
Klama, Patrick Februar 2007: Besonderheiten der Kreditwürdigkeitsprüfung durch Banken bei Jahresabschlüssen nach IFRS, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Basel II, Rating, Finanzierung, Rechnungslegung, Bilanz

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